Aktion Mensch-Blog

Barrierefrei oder auch nicht?

 

Andreas Vega in seinem Wahllokal: Tische nicht unterfahrbar Andreas Vega

Etwas überrascht war ich schon, bei der Wahllokaltester-Tour der Aktion Mensch mit Guildo Horn. Mein Wahllokal ist also doch barrierefrei, allerdings nur durch einen Hintereingang! Ich war hier schon einmal, bei einem Volksentscheid. Damals hieß es in der Wahlbenachrichtigung: „Dieses Wahllokal ist barrierefrei.“ Als ich dann vor der Treppe am Eingang stand, wusste kein Wahlhelfer etwas über einen barrierefreien Hintereingang. Zum Glück war das Wetter schön, und ich füllte seinerzeit meinen Stimmzettel auf der Straße aus.

Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Es war zwar schönes Wetter heute, aber ich wollte drinnen wählen – und das ohne Barrieren. Keine Treppe, keine schmalen Türen, mit meinem Rolli anfahrbare Wahlurnen et cetera.
Überraschend trudelte vor einigen Tagen ein Brief des Wahlamtes München ein. In dem heißt es: „Ihr Wahlamt ist nicht barrierefrei“! Ich hätte die Möglichkeit mit einem Wahlschein in einem barrierefreien Wahllokal in meinem Stimmen-bzw. Wahlkreis persönlich wählen zu gehen. Informationen über barrierefrei zugängliche Wahllokale müsste ich mir unter einer Telefonnummer oder der Internetseite des Wahlamtes selber beschaffen.

Barrierefrei? Nicht barrierefrei?

Ärgerlich! Wieso wird bei der Wahllokaltester-Tour der Aktion Mensch mit Guildo Horn und viel Presse dieses Wahllokal erst als barrierefrei (zumindest) für RollstuhlfahrerInnen verkauft, um dann wieder als „nicht barrierefrei“ erklärt zu werden? Vor allem: Warum erhalte ich nicht eine Liste mit barrierefreien Wahllokalen in meinem Stimmkreis? Wieso muss ich mühsam selber recherchieren, wo ich zum Wählen hingehen kann? Jemand, der nicht mit dem Internet vertraut gewesen wäre, hätte diese Liste nicht gefunden.
Wieder eine neue Barriere, vielleicht sogar ein endgültiges Hindernis, zum Wählen zu gehen!

Der Versuch, über die Internetseite des Wahlamtes der Landeshauptstadt München die entsprechenden Wahllokale herauszufinden, war nicht einfach. Nach einigem Suchen und Rätseln (In was für einem Wahlkreis bin ich? In welchen Stimmbezirk ist meine Straße?) habe ich eine PDF-Liste mit den Adressen der barrierefreien Wahllokale für meinen Stimmbezirk heruntergeladen. Dennoch habe ich mich entschieden, es in meinem ursprünglichen Wahllokal, den Nymphenburger Schulen in der Sadeler Straße, zu versuchen.

Vor der Türe des Wahllokals waren viele bekannte Gesichter aus meiner Nachbarschaft zu sehen.
Die freudige Überraschung zuerst: An der Eingangstür war ein Hinweisschild mit einem Rollstuhl-Piktogramm und einem Pfeil, der ums Haus deutete. Möglicherweise wurde es nach dem Besuch der Wahltester von der Aktion Mensch gar nicht erst entfernt.

Wählen mit Assistenz

Zwei leere Rollstühle standen vor dem Eingang. Zu einem der beiden mühte sich, gerade als ich ankam, eine Seniorin mit einer Begleitperson die Stufen hinab. Der Hinweis über einen zusätzlichen barrierefreien Eingang auf der Rückseite war scheinbar zu undeutlich, und die WahlhelferInnen hatten die älteren Herrschaften nicht bemerkt. Schade! Auch mich bemerkte niemand, aber da mich meine Assistentin begleitet hat, war das kein Problem für mich.
Ich machte mich auf den Weg ums Haus, den ich von der Wahllokaltester-Tour der Aktion Mensch bereits kannte. Weitere Hinweisschilder auf dem Weg wären schön gewesen. Eine ortsunkundige Person hätte den Hintereingang mit Rampe höchstwahrscheinlich nicht gefunden.

Jetzt hatte ich Glück. Die Tür des Hintereingangs war zugesperrt, und just kam zufällig jemand des Weges, der einen Schlüssel hatte und mir sofort anstandslos aufschloss. Das Hineinkommen in das Wahllokal war somit also problemlos und easy erledigt.

Da ich ja, wie schon erwähnt, eine Assistentin dabei hatte, waren die Formalitäten schnell erledigt. Sie durfte mir, nach Rücksprache mit dem zuständigen Wahlhelfer, anstandslos beim Wählen helfen. Für jemanden im Rollstuhl ohne Begleitung wäre das Ankreuzen der Wahlzettel möglicherweise schwieriger geworden. Die Tische waren unglücklich gestellt. Die Seiten der Tische, die nicht unterfahrbar sind, zeigten zur Vorderseite. Ich konnte mit meinem Elektrorollstuhl die Tische nicht unterfahren.

Fazit

Ohne persönliche Assistenz wäre die Wahl im Wahllokal für mich nicht machbar gewesen. Die Wahlhelfer waren nach meinem Eindruck nicht auf den Besuch von Menschen mit Behinderung vorbereitet. Ob es Wahlschablonen für blinde Menschen gab, weiß ich nicht. Leitsysteme am Boden und an den Eingangsstufen waren für Menschen mit Sehbehinderung jedenfalls nicht angebracht.

Auf jeden Fall war es ein tolles Erlebnis, gemeinsam mit der Nachbarschaft diese wichtige Pflicht zu erfüllen. Aus diesem Grunde werde ich auch zukünftig das Wählen in einem Wahllokal der Briefwahl vorziehen.

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