Freiwilliges Engagement

Augen auf!

Manchmal lohnt es sich, genau hinzusehen. Das gilt zum Beispiel für den stillen Rückzug von alten Menschen. Ehrenamtliche der „Aktion Augen auf“ besuchen Senioren, die die Wohnung nicht mehr verlassen. Sie bringen das mit, was nicht zum Leistungskatalog der professionellen Helfer gehört: viel Zeit und nachbarschaftliche Wärme.

Jahrelang kam die ältere Dame regelmäßig zum Einkaufen in das Eckgeschäft, jetzt sieht man sie nicht mehr. Und wo ist der betagte Mann, der morgens mit seinem Hund eine Runde um den Block drehte? Die „Aktion Augen auf“ der AWO Stiftung Aktiv für Hamburg will genau diese Menschen erreichen: ältere Menschen, die die Wohnung kaum noch oder gar nicht mehr verlassen. Solche, die zwar mitunter mehrmals täglich Besuch vom Pflegedienst bekommen, aber niemanden mehr sehen, der auch Zeit für sie hat.

Grania Grözinger ist eine der Engagierten des Projekts und besucht regelmäßig Charlotte D. in Hamburg-Eimsbüttel. Die 75-Jährige ist nach mehreren Schlaganfällen motorisch stark eingeschränkt und verlässt kaum noch die Wohnung. Pflegedienste versorgen sie gut, ebenso die Krankengymnastin und der gesetzliche Betreuer. Aber erst mit Grania Grözinger gibt es jemanden, der sich nicht als professioneller Dienstleister um sie kümmert, sondern für sie da ist, weil sie es gerne tut.

Grözinger: „Am Anfang mussten wir erst warm miteinander werden. Das ging aber schnell, nachdem sich herausstellte, dass sie wie ich England-Fan ist und als Dolmetscherin oft im Land war. Seitdem ist alles, was mit der Insel zu tun hat, unser Lieblingsthema.“ Manchmal geht es auch um ganz praktische Dinge bei den Besuchen: Die Post muss sortiert, Formulare ausgefüllt oder der Computer eingerichtet werden. Nach mehr als einem halben Jahr ist zwischen den Frauen so etwas wie eine Freundschaft entstanden. So sieht Grözinger ihre Besuche auch nicht als karitative Arbeit: „Ich liefere hier keine Dienstleistungen ab oder „opfere“ meine Freizeit. Wir sind zwei Menschen, die sich über Literatur, Reisen, Familiengeschichten oder auch Mode unterhalten.“

Die freiberufliche PR-Beraterin und Journalistin hatte schon länger nach einer Möglichkeit gesucht, sich zu engagieren. An der „Aktion Augen auf“ schätzt sie nicht zuletzt die Flexibilität des Engagements. Sie muss nicht zu festen Zeiten bereitstehen, sondern kann Besuchstermine individuell vereinbaren – gerade für Berufstätige eine wichtige Bedingung.

Aktuell engagieren sich zehn Freiwillige in dem Projekt. Die Stadtteilkoordinatorinnen der Stiftung sorgen dafür, dass sich die Engagierten während eines Stammtisches austauschen, Fragen loswerden und Wünsche für Fortbildungen nennen können.

Mit der „Aktion Augen auf“ ist eine Form der nachbarschaftlichen Hilfe entstanden, die ebenso wichtig ist wie die elementaren Pflegeleistungen. Denn sie sorgt für menschliches Miteinander und Nähe.

http://www.aktionaugenauf.de
Weitere Engagement-Möglichkeiten in der Freiwilligendatenbank

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