Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Audiodeskription: Inklusion im Theater

"Jedermann" mit Brigitte Grothum und Peter Sattmann Foto: Berliner Jedermann-Festspiele

 
Hörfilme bedeuten für viele blinde und sehbehinderte Menschen Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe. Darüber schrieb ich kürzlich hier im Blog. Das Verfahren, das sich hinter Hörfilmen verbirgt, heißt Audiodeskription. Es kommt nicht nur im TV zum Einsatz, sondern auch in Theatern, Opernhäusern, bei Ausstellungen oder Stadtführungen.

So zuletzt im Berliner Dom. Hier stand der Theater-Klassiker "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal auf dem Programm – in den Hauptrollen: Francis Fulton-Smith und Barbara Wussow. Am 25. Oktober saßen auffällig viele Menschen mit Kopfhörern im Publikum. Diese waren vor der Aufführung an die blinden und sehbehinderten Besucher verteilt worden. In den Dialogpausen und während die Orgel spielte, sprach die Schauspielerin Uta-Maria Torp live Infos über Mimik, Gestik und nonverbale Handlung ein. Diese kurzen, knappen Texte hörten die Zuschauer über die Kopfhörer.

Lange Vorbereitung

Die Audiodeskription wurde gründlich vorbereitet. Gegenüber Spiegel Online beschrieb Susanne Linzer, die Verfasserin der Texte, wie sie diese entwickelt hat. Zunächst beobachtete sie sieben Vorstellungen lang genau, was auf der Bühne geschah. Zunächst habe sie das Buch zum Stück mitgelesen und sich Notizen gemacht. Spiegel Online zitiert Linzer: "Dann bin ich dazu übergegangen, mit dem Diktiergerät in der Probe zu sitzen, weil man dann nicht abgelenkt ist. (...) Man hört den Text, man klebt nicht mehr am Buch und kann einfach in das Gerät reinsprechen, was man sieht."

In vollen Zügen genießen

Der Aufwand hat sich gelohnt. Schon vor der Aufführung wurden in einer allgemeinen Einführung Darsteller, Kostüme und Bühnenbild beschrieben. Und während des Stückes konnten die blinden und sehbehinderten Theater-Fans – darunter auch der Autor dieser Zeilen – das Stück in all seinen Facetten genießen. Da war die großartige Akustik des Berliner Doms. Da war die schauspielerische Leistung, die sich auch in den Stimmen der Akteure ausdrückte, und da war die professionelle Audiodeskription. Gerade in Szenen, in denen gar nicht gesprochen wurde, half die Beschreibung dabei, die Handlung umfassend nachvollziehen zu können. Das war Inklusion im Theater.

Brigitte Grothum, die bereits seit 26 Jahren jährlich in Berlin die Jedermann-Festspiele inszeniert und produziert, ist langjähriges Mitglied der Jury des Deutschen Hörfilmpreises und dadurch mit dem Prinzip der Audiodeskription bestens vertraut. Sie sagt: "Mir liegt es besonders am Herzen, meinen 'Jedermann' auch blinden und sehbehinderten Theaterfreunden zugänglich zu machen!"

Das ist ihr gelungen.

Theater, die ihre Vorstellungen auch blinden und sehbehinderten Menschen zugänglich machen möchten, können sich an die Deutsche Hörfilm gGmbH oder an die Vereinigung Hörfilm e.V. wenden.


Linktipps:
Theater inklusiv: Die Randgruppe in der Abstellkammer. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über Niko von Glasows Theaterstück "Alles wird gut"
Welten entdecken – warum blinde Menschen gerne lesen. Ein Blogbeitrag von Domingos de Oliveira über Bücher für Blinde
Theater: Blinde und Sehende auf der Bühne. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über inklusives Theaterspiel

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