Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Arbeitsplatz Werkstatt

Arbeitnehmer aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen trafen sich in Mainz

Aktion Mensch-Botschafter Rudi Cerne bei der Tagung der Werkstatträte in Mainz

Wenn Menschen aus der Werkstatt über ihren Arbeitsplatz und den ersten Arbeitsmarkt reden, unterscheiden sie oft: „bei uns“ und „draußen“. Aber eines wurde deutlich auf der Tagung der Werkstatträte: Die Themen, die die Menschen umtreiben, unterscheiden sich „drinnen“ und „draußen“ kaum. Der fehlende Kontakt zur Geschäftsführung; Kollegen, die schlechte Stimmung machen; Zeitdruck und Stress; Gruppenleiter, die nicht ins Team passen. Das waren einige der Punkte, die in einer von vier Arbeitsgruppen diskutiert wurden – ebenso wie die Frage: Wie gehen wir damit um?

Regelmäßige Treffen wichtig für die Stimmung

Zu der Tagung am 28. November hatte der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen von Rheinland-Pfalz ins ZDF nach Mainz eingeladen. Rudi Cerne, ZDF-Moderator und neuer Botschafter der Aktion Mensch, begrüßte die Teilnehmer, die zum Abschluss der Veranstaltung noch eine Führung durch das ZDF mitmachen konnten.
Aber zuerst standen Arbeit und Austausch auf dem Programm: Erfahrung vieler Werkstatträte ist, dass regelmäßige Treffen ganz wichtig für die Stimmung in der Werkstatt sind. Diese Treffen sollten gut vorbereitet sein: mit Tagesordnung und einer Einladung an die Geschäftsführung. Und es sollte Protokolle geben: Dann lässt sich beim nächsten Treffen überprüfen, ob die Abmachungen eingehalten wurde. Auf solchen Treffen kann man auch über Gruppenleiter sprechen, die neu eingestellt werden sollen – hierbei wünschen sich die Werkstatträte nämlich mehr Mitsprache.

Stress bei großen Aufträgen

In vielen Werkstätten packen nach Feierabend noch 400-Euro-Kräfte an. Aus einer anderen Werkstatt wurde von einer Leistungsgruppe berichtet, in der Beschäftigte, die mehr können und wollen, höhere Stückzahlen produzieren. So verdienen sie sich etwas dazu und nehmen den Druck von ihren Kollegen.

Auch neue Themen setzen sich allmählich in den Werkstätten durch – wie die Idee einer Frauenbeauftragten. Und viele Beschäftigte wünschen sich Tipps zum Umgang mit schwulen Kollegen und lesbischen Kolleginnen, berichtete eine Arbeitsgruppe. Deshalb solle es in den Werkstätten Kurse zum Thema geben. Auf jeden Fall, so der Appell der AG, sollten die Schwulen und Lesben aber so angenommen werden wie alle anderen Beschäftigten.

Den ersten Schritt wagen

Auch Mut machen wollte die Tagung: Mut, den Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt zu wagen. Deshalb berichteten ein junger Mann, der im Bioladen einer Integrationsfirma angestellt ist, sowie eine junge Frau, die über das Budget für Arbeit als Haushalthilfe in einer Kita beschäftigt ist, über positive Erlebnisse und Schwierigkeiten.
Sehr lebendig, sehr interessant war die Tagung, solange die Werkstatträte und -beschäftigten selbst erzählten. Sehr lobenswert war zudem, dass auch so viele Mitarbeiter aus dem rheinland-pfälzischen Sozialministerium der Einladung des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, gefolgt waren und den Werkstatträten Rede und Antwort standen. Nur: Ihr Amtsdeutsch war häufig schwer verständlich – in Leichter Sprache wären ihre Worte sicher noch besser angekommen.


Linktipps:
Infos und Kontakt zur Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte Rheinland-Pfalz
Das Handlungsfeld "Am Arbeitsplatz" der Aktion Mensch
Maßarbeit für alle? Ein Blogbeitrag von Eva Keller über den Werkstättentag 2012
Mut zum Risiko. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Rentenansprüche für Werkstatt-Mitarbeiter
Ein Taschengeld zum Überleben? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über die Entlohnung für die Arbeit in Werkstätten
Werkstätten und Inklusion: Ein Widerspruch? Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über die Vereinbarkeit von Inklusionsanspruch und Werkstätten
Newsportal des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz

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