Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Antworten auf Fragen, die keiner stellt

Im Videoprojekt „Anderssein“ geben Menschen, die in der Gesellschaft immer noch als anders wahrgenommen werden, ganz persönliche Antworten auf Fragen, die viele im Kopf haben, sie aber nie stellen.

Dominik Peter im „Anderssein“-Video: „Auf Augenhöhe ist gut“ Quelle: Videoprojekt „Anderssein“

Wie kann ich Ihnen etwas mitteilen, wenn ich keine Gebärdensprache kann? Welches Verhalten Ihrer Mitmenschen nervt Sie im Umgang mit Ihrer Blindheit? Soll Ihr Gesprächspartner in die Knie gehen, um mit Ihnen auf Augenhöhe zu sprechen? Fragen wie diese haben viele Menschen im Kopf, wenn sie auf Personen mit Behinderungen treffen. Auf letztere Frage antwortet der Rollstuhlfahrer Dominik Peter: „Auf Augenhöhe ist eine gute Geschichte. Ich erlebe es leider selten, dass Leute in die Knie gehen, wenn sie mit mir reden, ich muss immer nach oben gucken.“ Seine Antwort ist ein kurzes Video von 30 Sekunden. Sechs Fragen hat er insgesamt beantwortet, jede Antwort ist ein einzelner Videoclip. Neben Dominik Peter kommen bei „Anderssein“ noch elf weitere Personen zu Wort, die die Mehrheit der Bevölkerung als anders empfindet. Sie sind kleinwüchsig, taub, blind, zwangsgestört, dick oder Analphabet.

Zuviel Unsicherheit

Die Idee zu diesem Projekt, in dem Inklusion sehr breit gefasst wird, hatte Stefanie Trzecinski, Leiterin der Bildungsagentur „KOPF, HAND + FUSS“, als sie in einem Bus in Berlin saß, in dem ein Mann mit Tourette-Syndrom mit Schimpfwörtern um sich warf. „Alle im Bus waren peinlich berührt und wussten nicht, wie sie reagieren sollten“, erinnert sie sich. „Auch ich war unsicher.“ Da fiel ihr auf, dass sie wenig weiß über Menschen, „die anders sind“. „Ich wollte ihnen gern die Fragen stellen, die ich und bestimmt auch viele andere Menschen im Kopf haben.“

Sehr persönliche Fragen

Als Ausgangspunkt für die Fragen in den Videos nahm sie gängige Vorurteile, doch auch die Befragten haben Fragen beigesteuert, die sie wichtig fanden. „Deshalb sind einige Fragen sehr persönlich“, sagt Trzecinski. Die Antworten sind 30 bis 50 Sekunden lang. Länger sollten die Filme nicht sein. „Wir möchten ja Leute ansprechen, die sich nicht tiefgehend mit dem Thema beschäftigen möchten und sie im Vorbeigehen informieren“, sagt sie. So sollen Unsicherheiten und Vorurteile abgebaut werden.

Inklusion weit gefasst

Dominik Peter ist sich sicher, dass das klappen wird. „Sogar ich habe durch das Projekt gemerkt, dass ich viel zu kurz denke, wenn es um Menschen mit Benachteiligungen und Einschränkungen geht“, sagt Peter, der Vorsitzender des Berliner Behindertenverbandes ist. „Auch Analphabeten oder Ultra-Dicke als Menschen mit Einschränkungen zu betrachten, das ist für mich ganz neu.“ Die breite Auffassung von Inklusion habe ihn besonders fasziniert, sagt er. Und der Perspektivwechsel. Eine Frage wie „Möchten Sie aktiv angesprochen werden, ob Sie Hilfe brauchen?“ habe er sich noch nie gestellt, sagt er. „Ich fand es immer selbstverständlich, dass man anderen hilft.“ Umso erstaunter war er, dass andere Menschen da unsicher sind.

Kostenlos herunterladen

Die 72 kurzen Filme stehen auf der Webseite von „KOPF, HAND + FUSS“ und können kostenlos heruntergeladen werden. Stefanie Trzecinski hofft, dass Unternehmen sie zum Beispiel im firmeneigenen Intranet zeigen, um Mitarbeiter über neue Kollegen zu informieren, die anders sind. Auch im Kino oder als Außenwerbung kann sie sich die kurzen Filme vorstellen. Trzecinski möchte noch mehr Videos machen. Gern würde sie zum Beispiel eine Transgender-Person befragen oder jemanden mit Tourette-Syndrom. Denn, wie sie mit Letzterem umgehen soll, das weiß sie leider immer noch nicht.


Linktipps:
Mehr Infos zum Projekt „Andersein“ und alle Videos zum Herunterladen
Berührungsängste abbauen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Probleme im Umgang mit Menschen mit Behinderung
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