Projekte & Förderung, Aktion Mensch-Blog

Anerkennung von Kunst von Menschen mit Behinderung wächst

Interview mit Jutta Schubert, Kulturmanagerin und Geschäftsführerin von EUCREA, Hamburg

Designer-Stofftier vom Needle 'n' Thread Zone Workshop Team aus Skopje/Mazedonien unic-design.de

EUCREA Verband für Kunst und Behinderung e.V.“ dient seit über 20 Jahren als Netzwerk für behinderte Künstler im deutschsprachigen Raum. Die Organisation veranstaltet international ausgerichtete Kulturfestivals für Musik, Tanz und Theater, dazu Ausstellungen, Lesungen, Publikationen und Wettbewerbe. In Zukunft will EUCREA die unabhängige Arbeit von Künstlern mit Behinderung gezielt fördern. Werner Grosch sprach darüber mit Jutta Schubert, einer der beiden Geschäftsführerinnen von EUCREA.


Kunst von Menschen mit Behinderung – interessiert das die etablierte Kulturszene?
Jutta Schubert: Viel mehr als früher. Wir stellen da schon eine große Veränderung fest. Als wir vor mehr als zehn Jahren versucht haben, ein Netzwerk für Künstler mit Behinderung aufzubauen und eine Agentur zu gründen, die ihre Arbeiten vermarktet, da sind wir noch gründlich gescheitert. Es gab einfach nicht genug Nachfrage, dafür aber große Vorbehalte.

Was hat sich seitdem verändert?
Die Anerkennung ist deutlich gewachsen, vor allem in der bildenden Kunst. Die Zeitschrift „art“ hatte neulich eine Titelgeschichte zu dem Thema – das zeigt deutlich, dass die so genannte „Outsider Art“ hier ernsthaft wahrgenommen wird. Manche Künstler mit Behinderung werden zu großen Ausstellungen eingeladen und stellen nicht mehr nur in Rathausfluren aus.

Wie sieht es in anderen Kunstsparten aus?
Da ist es noch deutlich schwieriger. Tanz, Theater, Literatur – da sind nur einige Gruppen oder Einzelkünstler in Institutionen der etablierten Kultur angekommen. Veranstaltungen, auf denen nur Behinderte vertreten sind, sind überholt, und wir wollen davon wegkommen, hin zu inklusiven Programmen, bei denen Künstler mit und ohne Behinderung auftreten und arbeiten. Ein positives Zeichen ist aber auch, dass dieses Jahr eine behinderte Schauspielerin den deutschen Theaterpreis bekommen hat.

Wie kann das aussehen?
Wir haben zum Beispiel einen Design-Wettbewerb gestartet, bei dem wir 2009 mehr als 400 Einreichungen hatten. Wir haben inzwischen in einem anderen Projekt Kooperationen von nicht behinderten und behinderten Gestaltern angebahnt. Die nicht behinderten Designer finden das total spannend, inzwischen haben wir die Creme der deutschen Designszene in der Jury bei unserem nächsten Wettbewerb, dem UNIC Award. Ein weiteres Beispiel ist die Literatur: Vor einigen Jahren konnte sich kaum jemand vorstellen, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung kunstvolle Texte schreiben können. Aber es ist oft großartig, wie treffend sie ihren Alltag beschreiben! Wir versuchen, mit den großen Literaturfestivals in Hamburg, Berlin und Köln zu kooperieren, um dort Lesungen zu veranstalten.

Was streben Sie für die Zukunft an?
Neben den gezielten und innovativen Projekten wollen wir Künstler mit Behinderung möglichst direkt fördern. Wie kann man sie ausbilden? Wie können sie gute Arbeitsbedingungen außerhalb ihrer Werkstätten finden? Wie lässt sich das finanzieren? Das ist sehr schwierig.

Ist die Finanzierung Ihrer Arbeit denn gesichert?
Das ist oft schwierig. Gottseidank haben wir immer wieder Projektförderung von der Aktion Mensch bekommen. EUCREA ist im Rahmen eines EU-Projektes entstanden, das von 1989 bis 1996 lief und Künstler mit Behinderung fördern sollte. Von den Verbänden in den verschiedenen Ländern, die das damals begonnen haben, sind nur noch wenige übrig geblieben. Aber wir hoffen, dass die wachsende Anerkennung in der Öffentlichkeit uns hilft – auch wenn nur wenige Künstler mit Behinderung wirklich großen Erfolg haben.

Das ist dann aber nicht anders als bei Künstlern ohne Behinderung.
Genau. Und das ist ja irgendwie auch ein Zeichen von Normalität.


Linktipps:
Der Verein EUCREA Verband für Kunst und Behinderung e.V.
Die UNIC-Design-Webseite mit Galerie und aktuellen Infos zum UNIC Award und anderen Projekten
Kann Kunst die Gesellschaft verändern? Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über den Dokumentarfilm „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“
Ich male, also bin ich. Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über das Malen durch Gedanken
"Ich sehe was, was du nicht siehst". Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über eine Kölner Ausstellung von Künstlern mit und ohne Behinderung
Ein Auftrag der besonderen Art. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über die Künstler des "Atelier Goldstein"
Die Förderprogramme der Aktion Mensch
Infos zur Sonderverlosung der Aktion Mensch-Lotterie am 5. November 2013

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