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An erster Stelle Mensch

Mut machen, aktiv werden: Der Verein "Mensch zuerst" will Menschen mit Lernschwierigkeiten zu Botschaftern der Inklusion in ganz Deutschland machen.

Reinhild Kassing

Jammern gilt nicht. Immer nur verlangen, dass die anderen die Inklusion vorantreiben, ist nicht genug. Stefan Göthling sagt das ganz deutlich, man hört mindestens drei Ausrufezeichen in seiner Stimme: "Da muss mehr aus unseren eigenen Reihen passieren!!!"

Als Menschen wahrgenommen werden

Stefan Göthling ist Geschäftsführer des Vereins "Mensch zuerst" in Kassel. Der hat etwa 250 Mitglieder und 20 Selbstvertretungsgruppen in ganz Deutschland. Der Verein geht auf die amerikanische "People first"-Bewegung zurück, die sagt: Behinderung? Probleme? Mangel? Alles zweitrangig. Als erstes sind wir: Menschen. Menschen mit Lernschwierigkeiten, sagen die Leute von "Mensch zuerst", die den Begriff "geistige Behinderung" überhaupt nicht mögen. Als Menschen wollen sie wahrgenommen werden, die Probleme kommen erst irgendwann danach.

Aber natürlich gibt es sie, die Probleme. Deshalb will "Mensch zuerst" die Inklusion fördern, dabei wird der Verein von der Aktion Mensch mit rund 170.000 Euro unterstützt. In einem neuen Projekt sollen zehn bis zwölf Teilnehmer mit Lernschwierigkeiten geschult werden. An sechs Wochenenden in Kassel. "Es geht darum, was Inklusion ist, wie man andere mit Behinderung berät, wie man mit den Politikern redet, da, wo man wohnt", sagt der Geschäftsführer. Die Schulungen machen vor allem Mitglieder und Mitarbeiter von "Mensch zuerst", aber auch Experten von außen. Sie geben vor allem ihre eigenen Erfahrungen weiter. "Das sind Leute, die schon Sachen erreicht haben", sagt Göthling, denn solche Beispiele aus dem Leben, "die machen am meisten Mut".

Botschafter für die Inklusion

Die Teilnehmer sollen am Ende der Schulungen Botschafter sein sollen. Botschafter für die Inklusion, für die UN-Konvention zu Behindertenrechten. Möglichst viele Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen erfahren, wie sie ihr Recht einfordern können, zum Beispiel das Recht auf Leichte Sprache. Das war und ist eines der wichtigsten Themen bei Mensch zuerst, erzählt Göthling. "Wir haben vor etlichen Jahren damit angefangen. Damals sagte irgendwann mal einer bei uns: 'Das versteht doch keiner, was die da schreiben.' Damit hat es angefangen. Unser Erfolg ist, dass wir die Leichte Sprache bekannt gemacht haben. Heute gibt es ja ein ganzes Netzwerk dafür."

Der Verein mit Sitz in Kassel arbeitet schon seit fast 20 Jahren daran, dass dieses Netzwerk entstehen konnte. Im Büro arbeiten drei Menschen mit Lernschwierigkeiten und zwei Unterstützerinnen. Die neuen Schulungen beginnen im Dezember und dauern bis ins nächste Frühjahr. Bewerben können sich Menschen mit Lernschwierigkeiten aus ganz Deutschland. Alle wichtigen Informationen darüber gibt es in Leichter Sprache auf der Internetseite von "Mensch zuerst".


Linktipps:
Der Verein "Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland"
"Wir gehen online". Ein Interview im Blog von Katja Hanke über Seminare, in denen Menschen mit Lernschwierigkeiten lernen, wie sie das Internet nutzen können
Mehr Leichte Sprache! Ein Blogbeitrag von Stefanie Wulff über die Ausbildung von Prüfern für Texte in Leichter Sprache – mit einer Übersetzung in Leichter Sprache
Die Förderprogramme der Aktion Mensch

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