Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Am 18. Juni ist Autistic Pride Day!

Oh Schreck – ich habe das "Neurotypische Syndrom"! Das ist eine neurobiologische Störung, die sich in einer übermäßigen Beschäftigung mit sozialen Belangen, einer Wahnvorstellung der Überlegenheit und einer Besessenheit von Angepasstheit äußert. Mein Trost ist allerdings, dass ich nicht allein bin: 9.625 von 10.000 Menschen leiden darunter. Zumindest laut der (freilich ironischen) Definition des "Institute for the Neurologically Typical". "Neurotypisch" ist demnach die Bezeichnung für Menschen ohne Autismus. Doch die stehen jetzt mal nicht im Mittelpunkt, denn heute ist "Autistic Pride Day"! Er wurde 2005 von den "Aspies For Freedom" ins Leben gerufen, einer Selbsthilfeorganisation von Menschen mit Asperger-Syndrom.

Syndrom? Die "Aspies" stellen eben jene medizinische, defizitorientierte Sichtweise auf Autismus in Frage bzw. auf den Kopf. Wer behauptet eigentlich, dass alle Gehirne gleich funktionieren sollten? Wie ist es um die gesellschaftliche Akzeptanz autistischer Eigenheiten bestellt? Es gibt zunehmend Betroffene, die ihren Zustand nicht als Krankheit oder Behinderung, sondern bloß als ein Anderssein definieren. "Deswegen leidet niemand unter Autismus, sondern unter einer nichtautistisch geprägten, diskriminierend gestalteten Kulturlandschaft", sagt etwa die Organisation Enthinderungsselbsthilfe/ Auties e.V.

Am heutigen "Autistic Pride Day" wird der Stolz auf eine andere Lebensart und -vielfalt betont. Vorbilder haben die "Aspies" in der Schwulen- und Lesbenbewegung, mit "Gay Pride" – als Ausdruck eines selbstbewussten Umgangs mit der eigenen sexuellen Identität. Die Akteure des "Autistic Pride" berufen sich darauf, dass es erst wenige Jahrzehnte her ist, dass auch schwule oder lesbische Menschen als gestört oder krank bezeichnet wurden und gesellschaftlich ausgegrenzt lebten. Und es gibt auch "Deaf Pride", den Stolz auf die Gehörlosenkultur. Das sind jede Menge Gründe, selbstbewusst "anders zu sein" und die eigenen Rechte einzufordern.

Soweit ich es recherchieren konnte, gibt es heute allerdings (anders, als man es beispielsweise vom Christopher Street Day kennt) keine zentralen Veranstaltungen, Umzüge oder Partys – das liegt vermutlich auch in der Natur der Sache. Aber es finden dezentrale, ruhigere Aktionen statt. Das Netzwerk Autismus-Kultur etwa veranstaltete (allerdings schon gestern, weil Sonntag) eine Wanderung mit autistischen Menschen, ihren Freunden, Partnern und Angehörigen rund um den Klein Köriser See in Brandenburg.

Allen, die heute ihre Besonderheit feiern wollen, wünsche ich viel Spaß. Ich selbst muss jetzt erst mal mit meiner Diagnose fertig werden. Denn das "Institute for the Neurologically Typical" bescheinigt: Es gibt kein bekanntes Heilmittel gegen das "Neurotypische Syndrom" ...


Mehr zum Thema:
Aspies For Freedom: Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Asperger-Syndrom (englisch)
Netzwerk Autismus-Kultur: Informationen über Autismus
Organisation Enthinderungsselbsthilfe/ Auties e.V.: Politische Interessenvertretung von Autisten
Autismus Deutschland e.V.: Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
Blog "Realitätsfilter": Autoren beschreiben ihre Erfahrungen mit ihrem Autismus

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