Aktion Mensch-Blog

Akademiker mit Behinderung: Im Job weniger gefragt

Bis Ende des Jahres beschäftigt sich die Aktion Mensch verstärkt mit dem Thema Arbeit. Ein vielseitiges Spektrum, das eng mit dem Themenfeld Beschäftigung einhergeht. Zumindest dort konnten laut Statistiken in den letzten Jahren Erfolge verzeichnet werden. Zwischen 2006 und 2011 ist die Zahl derer, die in Deutschland erwerbslos sind, um fast vier Prozent gesunken. Doch davon haben nicht alle etwas.

Paul-Georg Meister / pixelio.de

Es ist eigentlich eine erfreuliche Nachricht: Die Arbeitslosenzahl Deutschlands ist in den letzten Jahren weitestgehend gesunken. Jedoch bekommen nicht alle Menschen ein gleich großes Stück vom Kuchen – die Zahl der arbeitslosen Akademiker mit Behinderung unter 50 Jahren beispielsweise stieg laut Bundesagentur für Arbeit zwischen 2009 und 2012 um ganze 17 Prozent auf rund 2.500 Personen. Zeitgleich sank die Zahl der arbeitslosen Akademiker ohne Behinderung um rund vier Prozent auf 108.000. Was die Gründe dafür sind, hat die Universität zu Köln im Auftrag der Aktion Mensch herausgearbeitet. Ziel der Analyse war es, nicht nur Chancen und Barrieren in diesem Kontext zu identifizieren, sondern auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass hochqualifizierte Menschen mit Behinderung als Zielgruppe durchaus für Arbeitgeber interessant sind. Dazu wurden unter anderem Arbeitnehmer mit Behinderung, potentielle Arbeitgeber sowie Mitarbeiter von Beratungsstellen in diesem Bereich befragt.

Unsicherheit und Bedenken

Gerade in Deutschland ist ein hoher Bildungsgrad wohl der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit – das gilt nicht für Akademiker mit Behinderung. Allerdings: Dieses Problem liegt in der Händen vieler. Es sind auf der einen Seite die Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung nicht einstellen, weil sie Bedenken gegenüber geringeren Leistungsfähigkeiten, Unsicherheiten im Umgang miteinander oder dem besonderen Kündigungsschutz haben. Hier – so fand die Analyse heraus – liegt die größte Barriere. Doch die Personalverantwortlichen sind nicht die Einzigen, die unsicher sind: Auch auf Seiten der hochqualifizierten Menschen mit Behinderung gibt es Bedenken bei der Bewerbung. Aus Angst vor Stigmatisierung verheimlichen sie häufig eine nicht sichtbare Behinderung. Ein Beispiel dafür sind Studierende: Von ihnen lassen gerade mal acht Prozent ihre Behinderung anerkennen.

„Fachkräftelücke“ als gesamtgesellschaftliches Problem

Dass Akademiker mit Behinderung nicht so häufig eingestellt werden, könnte sich in Zukunft zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem entwickeln. Denn: Geprägt vom fortschreitenden demografischen Wandel schrumpft und altert die Erwerbsbevölkerung; 2015 wird jeder dritte Beschäftigte in Deutschland über 50 Jahre alt sein. Gleichzeitig steigt aufgrund technologischer Entwicklung und Globalisierung die Nachfrage nach höheren Qualifikationen – vor allem auf Hochschulniveau. Für 2030 wird daher eine „Fachkräftelücke“ von 5,2 Millionen Menschen, darunter 2,4 Millionen Akademiker, prognostiziert. Eigentlich super Voraussetzungen für alle erwerbsfähigen, hochqualifizierten Menschen.

Aufklärung und Sensibilisierung nötig – und ein erhöhtes Selbstbewusstsein

Doch was kann denn nun wirklich helfen, um die Teilhabe von hochqualifizierten Menschen mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung am Arbeitsleben zu verbessern? Vor allem mehr Aufklärung und Sensibilisierung sowie die Vernetzung aller beteiligten Akteure. Also: Ein intensiver Blick der Personalverantwortlichen auf Bewerbungen von Menschen mit Behinderung – und ein erhöhtes Selbstbewusstsein derer, die diese schreiben – lohnt sich sicher. Gerade bei den derzeitigen Diskussionen um den Fachkräftemangel.


Mehr zum Thema:
Näheres zur Analyse der Universität zu Köln über Chancen und Barrieren für hochqualifizierte Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt
Mehr Informationen zum Thema Arbeit mit Behinderung
Fördermöglichkeiten im Bereich Arbeit und berufliche Qualifizierung
Internetportal mit Informationen und Statistiken zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung
Jemand, der sich kümmert ... Ein Blogbeitrag von Eva Keller über eine Fachtagung zu Inklusion in Ausbildung und Arbeit
Der Fall – oder: Wenn man uns ließe! Ein Blogbeitrag von Anastasia Umrik über Hürden und Pauschalisierungen bei der Jobsuche

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?