Freiwilliges Engagement

400 Überstunden in einer Nacht
 

Die Freitagnacht durcharbeiten? Und das Ganze ohne Bezahlung? In Berlin haben 40 Kreative auf jedes Honorar verzichtet und sozialen Organisationen unter die Arme gegriffen. So entstand etwa für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Berlin über Nacht nicht weniger als eine komplette Plakatkampagne. Am nächsten Morgen hingen die Motive bereits in der ganzen Stadt.
 

Zwischendurch ist Zeit für Entspannung und Vernetzung. Foto: Andreas Ernst

Am frühen Freitagabend, wenn viele müde aufs Sofa sacken, läuft sich die Designerin Gesine Grotrian und ihr Kreativteam gerade warm. Es ist "Nachtschicht". Für den ehrenamtlichen Einsatz haben sich 40 Werber, Gestalter, Texter und Programmierer versammelt, um für gemeinnützige Organisationen innerhalb von acht Stunden ein konkretes Projekt umzusetzen: einen Flyer entwerfen, eine App entwickeln, einen Imagefilm konzipieren... Organisiert hat die "Nachtschicht" der UPJ e. V., ein Netzwerk, das innovative Engagement-Formate in Unternehmen fördert, zusammen
mit der Kommunikationsagentur camici und der Kongressagentur pcma.

Die Aufgabe für das Fünfer-Team um Gesine Grotrian: Junge Menschen, die von Multiple Sklerose betroffen sind, sollen erfahren, dass es die DMSG Berlin gibt, dass hier kompetente Beratung geboten wird, man andere Betroffene kennenlernen und jede Menge Mut tanken kann. Die besondere Herausforderung: Gerade einmal bis 3 Uhr nachts ist Zeit, um gemeinsam Ideen zu diskutieren, Entwürfe zu entwickeln und die finale Gestaltung zu verabschieden. Doch dabei soll es nicht bleiben. Das Unternehmen Wall AG hat zugesagt, die Motive am Samstagmorgen an 670 Litfaßsäulen in ganz Berlin zu plakatieren.

Insgesamt bekommen in dieser Nacht sieben Projekte die Unterstützung eines professionellen Pro-bono-Teams, 60 hatten sich beworben. In der Konferenzetage des Tagesspiegels bekommt jede Gruppe einen eigenen Raum. Im großzügigen Foyer ist ein üppiges Buffet aufgebaut. DMSG-Mitarbeiter und Kreative tauschen sich in entspannter Atmosphäre aus, lernen sich kennen und kickern zusammen.

Im Raum des DMSG-Teams liegen alle Ideen des Brainstormings auf dem großen Arbeitstisch. Ein gründliches Briefing durch die Projektmitarbeiter hatte vorher schon stattgefunden. Hermann, Julia, Sven, Detlef und "Team-Captain" Gesine verständigen sich auf die Marschrichtung. Hermann und Detlef machen sich an den Text, Julia und Sven konzentrieren sich auf Grafik und Design. Bei Gesine laufen alle Fäden zusammen, sie hat die Uhr im Blick und ist die Schnittstelle zu den Projektvertretern. Sie alle sind Selbstständige, einige hatten schon mal beruflich miteinander zu tun, andere begegnen sich zum ersten Mal. Warum sie sich ehrenamtlich die Nacht um die Ohren schlagen? Gesine: "Ich fand es eine lustige Idee, statt Geld Zeit zu spenden. Auch wenn es die Uhrzeit in sich hat…"

Um 22 Uhr präsentiert das Kreativ-Team den Mitarbeitern vom DMSG Karin May, Barbara Wohlfeil und Linda Piele die ersten Entwürfe. "Arschbombe mit MS", "Picknick mit MS" und "Sex mit MS". Fette schwarze Schrift auf weißem Grund. Das haut rein und räumt mit Klischees auf, die MS-Erkrankte oft nur als Rollstuhlfahrer kennen. "Man kann sein normales Leben weiterleben mit MS und wir helfen dabei", so die Botschaft der Motive. Aber geht dieser drastische Entwurf? Wie kommt das bei Betroffenen an? Die beiden Gruppen diskutieren und jeder bringt seine Expertise ein. Dann ist klar: Ja, es irritiert, aber gerade deshalb funktioniert es. Der nächste Schritt ist die Ausarbeitung.

Kurz nach Mitternacht stehen die finalen Entwürfe. Um 1 Uhr, sogar zwei Stunden früher als gedacht, sind die Vorlagen in der Druckerei. Damit fällt eine ganze Menge Anspannung von Gesine Grotrian ab. Sie und die anderen Engagierten haben heute Nacht viel geschafft. Wenige Stunden später schwärmen die Plakatierer aus. Und bald weiß jeder: Arschbombe geht auch mit MS.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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