Freiwilliges Engagement

„Beim Golfen hat jeder ein Handicap“

Eine verrückte Idee, mit viel Herzblut und Improvisationstalent umgesetzt: Zahllose Engagierte haben mit Crazy Golf eine einzigartige Minigolf-Anlage geschaffen, bei der es nicht um Wettbewerb und Punkte geht. Handicaps gibt es hier sogar zum Ausleihen.

Harz-Weser-Werkstätten

Eigentlich war es ein Luxusproblem, vor dem Bernd Goltermann, Leiter der Wohnstätte Lange Wiese nahe Osterode/Harz, zusammen mit Kollegen und Bewohnern stand: Das Grundstück, auf dem das Haus steht, ist weitläufig und wurde nur zum Teil genutzt. Goltermann: „Wir haben zusammengesessen und rumgesponnen, was man mit der Fläche machen kann. Wir waren auf der Suche nach einer Idee, die Leute anlockt und bei der ein Austausch mit den Bewohnern stattfindet. Sie durfte gerne ein wenig verrückt sein.“ Auf diese Weise entstand das Konzept für Crazy Golf – eine alles andere als normale Minigolf-Anlage, sondern ein einzigartiger Parcours mit Bahnen, die es nur einmal auf der Welt gibt. Sie alle sind komplett barrierefrei und bieten für jedermann Orientierung, egal ob jung oder alt, mit oder ohne Behinderung, deutsch oder zugezogen…  

2008 konkretisierte sich die Planung immer weiter. Bis zur Eröffnung vergingen aber noch einmal drei Jahre – schließlich war es für alle Beteiligten ein Freizeitprojekt. Während der Bauphase waren zeitweise 50 Freiwillige gleichzeitig auf der Baustelle unterwegs: Mitarbeiter und Bewohner des Hauses, Angestellte von ortsansässigen Firmen, die kostenlos arbeiteten, straffällige Jugendliche, Studenten aus unterschiedlichen Ländern, und, und, und. Oft genug waren kreative Lösungen und Improvisation gefragt, um das unkonventionelle Freizeitvergnügen Realität werden zu lassen.

Zur feierlichen Eröffnung am 20. August 2011 waren 11 Bahnen spielfertig. Das eine Mal muss man den Ball auf ein Floß spielen und über einen Teich bugsieren; ein anderes Mal dirigieren die Spieler den Ball durch ein frei schwingendes Labyrinth oder bewegen ihn mithilfe eines ferngesteuerten Spielzeug-Jeeps. Hier geht es nicht um Leistung, es werden keine Schläge gezählt und gegeneinander aufgerechnet. Es geht um Spaß und die vielen unterschiedlichen Wege ans Ziel zu kommen. 2-3 Stunden sind die Besucher oft unterwegs, häufig kommen ganze Geburtstagsgesellschaften oder Vereinsmannschaften. Hier gibt es übrigens auch Handicaps zum Ausleihen. Wer möchte, kann einen Rollstuhl borgen oder eine spezielle Brille, die die Sicht einschränkt.

Crazy Golf ist inzwischen bei den Harz-Weser-Werkstätten angedockt. So decken Mitarbeiter der Werkstätten vor allem unter der Woche das Gros der Dienste ab, am Wochenende sind es meist externe Freiwillige. Einige von ihnen waren früher Mitarbeiter der Werkstätten, andere kommen aus dem Dorf, drei Rentner helfen dabei, die beanspruchten Bahnen instand zu halten. Freiwillige aus der Wohnstätte mähen den rasen, säubern die Bahnen oder kümmern sich um die Verpflegung. Einer der Engagierten ist Eduard Bleckert, dessen Sohn in der Wohnstätte Lange Wiese zu Hause ist. Er meint: „Ich fand es von Anfang eine tolle Idee, bei der alle an einem Strang gezogen haben.“ Der 60-Jährige kassiert nun an mehreren Wochenenden in der Saison Eintritt, gibt Schläger und Bälle aus oder erklärt Besuchern, wie die einzelnen Bahnen funktionieren. „Es ist schön, zu sehen, wie schnell hier die Barrieren zwischen Besuchern und Bewohnern der Einrichtung aufgebrochen werden.“

Damit dürfte das wichtigste Ziel der Initiatoren erreicht worden sein: dass hier Begegnungen zwischen engagierten Bewohnern und Besuchern zustande kommen, die es sonst nicht gegeben hätte. Das mag ein kurzer Kontakt bei der Schlägerausgabe sein oder wenn ein Problem auf einer der Bahnen behoben werden muss. Goltermann: „Das hat nichts aufgesetztes oder pädagogisches, wie ein offizieller Werkstattbesuch. Begegnungen passieren hier ganz einfach.“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.


Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.


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Finde ich toll, was ihr macht! Bald ist Weihnachten... Und was das Wichtige ist, an einem Handicap kann man arbeiten! Also, nicht aufgeben! http://golfset-kaufen.de

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