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Aktion Mensch-Blog

"Das Bein ist halt ab."

Prothese tragen: Ja oder nein? Daniela ist auf einem Bein unterwegs und das kann jeder sehen, denn sie trägt keine Prothese. Auch Denise hat ein Bein – und viele Prothesen. Für uns haben die beiden aufgeschrieben, warum sie sich für oder gegen das Hilfsmittel entschieden haben.

Daniela: Ohne Prothese lässt es sich viel besser tanzen.

Aktion Mensch / BeFunky Image

Pro

Denise Schindler

Meine Leidenschaft ist das Radfahren. Und das, obwohl ich bei einem Unfall mit zwei Jahren meinen rechten Unterschenkel verloren habe. Dass das geht, habe ich – neben meinen Eltern und tollen Medizinern – vor allem einer zu verdanken: meiner Prothese.

Ob ich eine Prothese tragen möchte, war für mich nie eine Frage: natürlich. Als Kind war das ein ganz normaler Bestandteil der Reha. Ohne kann ich schließlich nicht laufen. Mit Krücken kommt man nicht so weit, wie man möchte, belastet das andere Bein zu sehr und kann auch nichts wirklich in der Hand halten. Für mich ist die Prothese ein Hilfsmittel, mit dem ich mich frei bewegen kann, mit dem ich tun kann, was ich möchte. Genauso wie manche Menschen eine Brille nutzen, trage ich eine Prothese. Sie gibt mir ein bisschen Freiheit zurück.

Natürlich gibt es auch Nachteile: Wenn ich meine Prothese trage, kann ich nicht mal eben in den See springen, sondern brauche eine Schwimmprothese. Und ich muss immer einen ganzen Koffer Ersatzprothesen mit dabei haben. Ich weiß auch, dass es dauern kann, bis man eine richtig passende Prothese gefunden hat. Deswegen wünsche ich mir noch bessere Technologien, die mehr auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt werden können. Und dann werde ich vielleicht auch mal mit Anlauf und Prothese in den See springen.

Kontra

Daniela Herrmann

„Warum müssen Sie denn noch so rumlaufen? Es gibt heute doch schon so tolle Prothesen!“

Stimmt, gibt es. Aber ich fühle mich eben ohne komplett. Ich bin ein selbstständig denkender Mensch und ich habe mir nach meinem Unfall freiwillig (!) ausgesucht, 'so rumzulaufen'.

Ohne Prothese kann ich meine Schuhe zubinden, weil ich die Schuhe mit den Armen noch erreiche, meine Organe werden nicht zusammengequetscht und es lässt sich viel besser tanzen.

Ich denke, für Menschen mit zwei Beinen ist der Gedanke, ein Bein zu verlieren, schlimm. Sie tröstet es vielleicht, dass es Prothesen gibt. Die kann man anziehen und dann ist fast alles wie früher – als das zweite Bein noch da war, nur war das halt voll mit Blut und Muskeln und ein bisschen Fett. Die Prothese ist kalt und unbequem.

Ich wünsche mir flexibleres Denken. Nur weil mein Körper anders aussieht als der von vielen anderen, heißt das nicht, dass ich anstrebe, (wieder) wie die Masse auszusehen. Natürlich muss und sollte das jeder für sich selbst entscheiden. Prothese, Exoskelett ... – von mir aus.

Nur für mich, mich ganz persönlich, ist es nicht das Richtige.

Meine Prothese in Action kennen nur mein Prothesenbauer, meine Physiotherapeuten und ich. Ich trage sie allein aus gesundheitlichen Gründen und nicht öfter als nötig.

Im Alltag bin ich einfach ich. Ohne Computerknie und Ladekabel am Bein. Ich freue mich lieber über die skurrilen Begegnungen im Alltag. Den kleinen Jungen, der seine Mama fragt, ob ich ein Flamingo bin, und nicht versteht, warum seine Mama und ich darüber so laut lachen.

Kommentare

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amputiert

Hallo ist eine Frau mit einem Bein oder garkeine Beine mehr keine Frau mehr an alle Frauen die Amputiert sind meine Frau hat seit 20Jahre keine Beine mehr und sie ist bis zum unterleib ohne Stümpfe Amputiert und das macht mir nicht im geringsten etwas aus auch bei blöden gaffern nicht


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Apps im Test (4) - Lern Lormen

Ob im Alltag oder in der Freizeit, zuhause oder unterwegs, als Kommunikations- oder Bedienungshilfen – mit mobilen Anwendungen können Barrieren überwunden werden. In unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“ stellen wir jeden Monat eine App vor, die sich genau das zum Ziel setzt. Dieses Mal im Test: „Lern Lormen“.
 

Was kann die App?

Mit der „Lern Lormen“-App können die Buchstaben des Lorm-Alphabets gelernt werden. Neben verschiedenen Lern-Spielen stellt die App auch Informationen zur Praxis und Geschichte des Lormens bereit. Das Lormen ist ein System, mit dem viele taubblinde und stark hörsehbehinderte Menschen kommunizieren. Lena hat die App getestet.

„Lern Lormen“ im Alltags-Test

„Toll! Berta darf Georg heiraten“ – ein komischer Satz, denke ich. Aber er hilft. T, B, D, G und H sind damit klar: kurze Abstriche auf den Fingern, angefangen mit dem T auf dem Daumen, dann B auf dem Zeigefinger usw.

Die „Lern Lormen“-App führt mich sehr gut an die Kommunikationstechnik taubblinder Menschen heran. Schnell hangele ich mich von einer Lektion zur nächsten. Dabei rufe ich mir die Eselsbrücken ins Gedächtnis, auf die ich im Einführungstext gestoßen bin:

M wie mini, S wie Sonne, K wie Knopf, R wie Regen.

Umso weiter ich komme, desto öfter muss ich jedoch feststellen, dass die App nicht alle Buchstaben einwandfrei erkennt. Gerade wenn ich mehrere Stellen gleichzeitig berühren muss – wie beim SCH – stellt sie sich quer. Dann bleibt mir nur eins: „Buchstabe überspringen“. Nach einigen Versuchen finde ich zum Glück heraus, wie ich die Bewegungen am besten ausführen muss, und schaffe es so bis in die Lektion, wo ich ganze Sätze lormen darf. Bei „Diese Gabel ist aus Gold“ fällt mir plötzlich auf, dass ich gar nicht mehr an Bertas und Georgs glückliche Heirat zu denken brauche.

Auf einen Blick

Name: Lern Lormen

Zielgruppe: Menschen, die das Lorm-Alphabet lernen möchten. Für Menschen mit Sehbehinderung nur eingeschränkt nutzbar.

Verfügbar für: Smartphones und Tablets mit den Betriebssystemen iOS und Android

Kosten: Kostenlos

Link: www.szb.ch/hilfsmittelfuerblindeundsehbehinderte/digital-tools/lern-lormen-app

Video-Tutorial: So funktioniert die App

Fazit unserer App-Testerin

„Lern Lormen“ ist nicht nur eine tolle Lern-App. Sie macht auch auf eine Kommunikationsform aufmerksam, die vielen noch kein Begriff ist. Ich wurde in den letzten Wochen immer wieder gefragt: „Lern ... was?“ und konnte dann erklären, was Lormen ist. Ich hoffe, dass die App ein paar meiner Freundinnen und Freunde inspiriert hat mitzumachen. Denn die Anwendung und das Empfangen von gelormten Wörtern kann ich nicht mit einer App lernen.

 

Linktipps:

Mit der Lorm Hand über größere Entfernungen kommunizieren. Designforscher Tom Bieling spricht über sein Projekt und wie Inklusion durch Technik erreicht werden kann.

Neue Ideen schaffen neue Nähe. Hier geht's zu unserer Kampagnenseite.

Was ist Barrierefreiheit?

Du hast tolle Projektideen für mehr (digitale) Barrierefreiheit? Sieh dir unsere Fördermöglichkeiten an!

Du möchtest dir weitere Video-Tutorials unserer Test-Reihe ansehen? Hier entlang.

 

Redaktionelle Betreuung und Videoproduktion: Lena Hoffmann

Kommentare

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Boss Stefan

Ich bin Betreuungskraft in einer WfbM aber bei uns sind "noch keine Taubblinde "


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Ein perfekter Tag am Strand – als Rollstuhlfahrer

Strandkörbe, Fischbrötchen, Dünen und Entspannung: All das gehört irgendwie zu einem Strandurlaub dazu. Was man noch braucht, für einen perfekten Tag an der Ostsee? Luisa hat es mit ihrem Rolli ausprobiert und für uns aufgeschrieben.
 

Luisa Eichler

Ein barrierefreier Strandzugang

Das Hauptproblem für mich und viele andere Rollstuhlfahrer ist der Sand. Natürlich gehört der am Strand dazu, aber meistens ist er zu weich. Dann sinkt der Rollstuhl ein und ich komme nicht weiter. Nervig! Super sind barrierefreie Strandpromenaden – so eine gibt es zum Beispiel im Badeort Niendorf/Timmendorferstrand. Da haben viele Strandabschnitte einen Holzsteg, über den ich Richtung Wasser und zu unserem Strandkorb fahren konnte.

 

Luisa Eichler

Ein Strandkorb

Ich habe ihn gerade schon angesprochen: den Strandkorb :-) Wer schon mal an der Ostsee war, der weiß, wie windig es da werden kann. In einem Strandkorb fliegt dir der Sand nicht ins Gesicht und du frierst auch nicht so schnell, wenn es wegen dem Wind abkühlt. In meinem Urlaub konnte ich mir einen Strandkorb aussuchen – was ich echt super fand – und der Strandkorbbesitzer war dann so nett und hat ihn mir direkt an den Holzsteg gestellt, sodass ich problemlos aus dem Rollstuhl umsteigen konnte.

 

Luisa Eichler

Der Blick auf's Meer und ein gutes Buch

Das Meer vor der Nase, das Rauschen der Wellen im Ohr, Sonne und endlich mal Zeit, in Ruhe ein dickes Buch zu lesen. Gibt es was Schöneres?

 

Luisa Eichler

Ein Strandrollstuhl

Vor meinem Urlaub, habe ich so einen Rollstuhl noch nie benutzt – deswegen war ich darauf ziemlich gespannt. Er hat im Vergleich zu einem herkömmlichen Rollstuhl viel breitere Reifen, sodass man sich auf dem Sand leichter fortbewegen kann, er ist aus einem leichten Material und hat luftgefüllte Armstützen, wodurch er im Wasser treibt.

Der Vorteil liegt definitiv darin, dass man mit dem Strandrollstuhl viel leichter ins Meer kommt: Er lässt sich auch auf nassem Untergrund bis in die Ostsee ziehen, sodass man direkt im Wasser „aussteigen“ kann. So erspart man sich definitiv den anstrengenden Weg ins Meer. Leider kann man sich damit aber nicht selber fortbewegen, sondern muss von einer weiteren Person gezogen werden.

 

Luisa Eichler

Mut und eine warme Decke

Man muss sich ja nichts vormachen: Die Ostsee ist nicht so warm wie das Mittelmeer oder andere Meere im Süden. Während man als Fußgänger Stück für Stück ins kalte Wasser tapsen kann, brauche ich als Rollstuhlfahrer etwas mehr Mut: Im Strandrollstuhl werde ich in einer liegenden Position ins Wasser geschoben und bin dann direkt mit dem ganzen Körper im Wasser. Wer drin ist, ist drin! Umso schöner, sich danach mit einer kuscheligen Decke aufzuwärmen.

 

Luisa Eichler

Humor

Wie fast immer, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist, schadet es nicht, die Dinge mit Humor zu nehmen. Zum Beispiel, wenn du auf einem bunten Strandrollstuhl durch die Gegend gezogen wirst und dich die verständnislosen Blicke anderer Strandbesucher treffen, die nicht wissen, was das überhaupt ist. Oder wenn du bei einem Thermenbesuch im Strandort von der Dame an der Kasse darauf hingewiesen wirst, dass die Umkleiden „die Treppe runter“ sind. Oder auch, wenn sich die vorhandene Umkleidekabine für Menschen mit Behinderung als Toilette mit ein paar kleinen Spinds entpuppt, es keine Dusche für gehbehinderte Menschen gibt und der Saunabereich nur über sehr viele Treppen zu erreichen ist ;-)

 

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