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Inklusion

Begegnungen mit der Zukunft

Welche Rolle spielen technische Entwicklungen für Inklusion? Und was muss sich in der Gesellschaft verändern, damit Teilhabe und Inklusion gelingen? Unter anderem über diese Fragen wurde bei den von der Aktion Mensch organisierten Panels auf der re:publica 2015 diskutiert.

Graphic Recording der re:publica-Session „Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft“

Graphic Recording: Susanne Asheuer

Technologie für alle funktioniert nur, wenn wir voneinander lernen und Menschen mit Behinderungen zuhören. Das sagt Tom Bieling, Panel-Speaker in unserer SessionInklusion/Exklusion: Eine Frage der Technik?“. Der Designforscher lehrt an der Berliner Universität der Künste. Im Design Research Lab hat er mit seinem Team einen Sensor-Handschuh entwickelt, mit dem taubblinde Menschen auch auf Distanz „lormen“ können. Das Tastalphabet funktioniert ansonsten nur bei physischer Anwesenheit des Gesprächspartners. Interessant ist seine Feststellung, dass Design auch Behinderung designt. Auf Nachfrage aus dem Publikum verweist er auf die Brille: Das Design der Brille zeugt von dem Umgang mit der Sehschwäche. Man kann sie mit Kontaktlinsen zum Verschwinden bringen, ein unauffälliges Gestell wählen oder aber bewusst eine auffällige Brille tragen.

Gesetzliche Regelungen für barrierefreie Webseiten?

Eine weitere Panel-Speakerin ist Katja Fischer, Hochschuldozentin und Trainerin für Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetschen. Selbst gehörlos, macht sie auf den Aspekt aufmerksam, dass Gehörlose oftmals Treiber von Technologien sind, etwa von SMS oder Skype. Die Gruppe der Gehörlosen umfasst allein in Deutschland über 15 Millionen Menschen. Und nicht allein deshalb lohnt es sich, Technologie für alle zu denken, meint Katja Fischer. In einer zunehmend alternden Gesellschaft komme diesem Thema ohnehin eine immer größere Bedeutung zu. Hier können alle voneinander lernen und von Vielfalt und unterschiedlichen Erfahrungen profitieren. Gesetzliche Regelungen könnten dabei hilfreich sein, bemerkt Katja Fischer auf eine Frage aus dem Publikum, wie man Achtsamkeit und Dringlichkeit etwa für barrierefreie Webseiten erzeugen könne. Richtlinien allein würden oft als nicht zwingend wahrgenommen.

Wer entscheidet, was „normal“ ist?

„Eine scheinbar wissenschaftliche Methodik verändert die Behandlung und Wahrnehmung von Menschen. Das ist rationale Diskriminierung.“ Unsere zweite Diskussionsrunde hat das Thema „Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft“. Der Soziologe Stefan Selke beschäftigt sich mit der digitalen Selbstverbesserung und Selbstvermessung des Menschen etwa durch Fitnessarmbänder, Gesundheits-Apps und Smartwatches. Dies seien Technologien, die Werte und Kultur verändern – und zwar nicht in einem positiven Sinne.

Indem mithilfe von vermeintlich objektiven Kennzahlen definiert wird, was „normal“ oder „richtig“ ist, wird eine gesteigerte Sensibilität für Abweichungen von dieser Norm erzeugt. Abweichungen werden als „fehlerhaft“ wahrgenommen. Als Beispiele führte Selke etwa die Leistungsvergleiche am Arbeitsplatz, das Prämiensystem im Gesundheitsbereich oder das Punktesystem in der Bildung an. Selkes These: Die Selbstvermessung und die Auswertung dieser Daten durch andere führt zu einer verflachten Vorstellung und zu einer Entpersönlichung des Menschen, der künftig aktiv beweisen muss, dass er nützlich und „normal“ ist.

Individualität der Menschen wertschätzen

Dieser pessimistischen Ansicht schließen sich Christiane Link, Jeanette Gusko (change.org) und Katja de Bragança (u.a. Gründerin des Magazins Ohrenkuss) nicht an. Sie denken, das Sammeln von Informationen kann das Leben von Menschen mit Behinderung durchaus vereinfachen. Christiane Link erzählt beispielsweise, dass sie Foursquare nutzt, um anhand der Bewegungsprofile anderer Rollstuhlfahrer ihre Reisen besser zu planen. Dennoch sei wichtig, dass die Individualität der Menschen dabei nicht in den Hintergrund tritt und jeder Einzelne wertgeschätzt wird, so wie er ist. Gleichmacherei mithilfe von Technologie kann kein Weg sein – darin sind sich alle einig.

 

Linktipps:

Inklusion durch Technik? Tom Bieling in MENSCHEN. das magazin über technische Hilfsmittel und gesellschaftliche Teilhabe

Unbehindert aktiv. Domingos de Oliveira über neue Ideen im Internet von und für Menschen mit Behinderung – und die mangelnde Barrierefreiheit von Online-Tools

Mobile Innovationen. Interview mit Matthias Lindemann zum Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Spenden und Crowdfunding: Auf dem Weg zu community-finanzierten Hilfsmitteln. Domingos de Oliveira über neue Wege zur Entwicklung von Hilfsmitteln

re:publica

Die re:publica versteht sich als „einer der weltweit wichtigsten Events zu den Themen der digitalen Gesellschaft“. Das Programm setzt sich aus Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops zusammen.

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Mehr Begegnungen, bitte!

Ist der Eingang ebenerdig? Können sich auch Menschen, die mit einem Rolli unterwegs sind, alle Waren problemlos angucken? Gibt es ausreichend Platz für Wendemanöver? Drei inklusive Gruppen sind heute durch verschiedene Geschäfte in der Bonner Innenstadt gezogen und haben gecheckt, wie barrierefrei die Läden sind. Geprüft wurden ein Juwelier, eine Bankfiliale und ein Buchladen.
 

Am Aktion Mensch-Stand konnten Selfies geknipst werden.

Anlass der Aktion war der 5. Mai, der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Die Aktion Mensch, die die Veranstaltung in Bonn gefördert hat, setzt in  diesem Jahr voll auf das Thema "Begegnung".

Neue Perspektiven einnehmen

Das klappt bei den Rundgängen gut, die Gruppen sind bunt gemischt. Gegen 11 Uhr ziehen wir los und die Bedürfnisse sind verschieden, das wird schnell klar.

Ein ebenerdiger Eingang ist für die Rollifahrerin zum Beispiel genug, ich – als Mensch, der mit Gehhilfen unterwegs ist – vermisse aber eine Fußmatte im Eingangsbereich. Kurz vor der Führung hat es geregnet und der Marmorboden wird für mich so schnell zu einer glitschigen Sache. In der Bank sind dafür einige Automaten zu hoch, sodass die Rollifahrer sie nicht bedienen können.
Während des Rundgangs können wir auch andere Perspektiven einnehmen. Es gibt zum Beispiel Brillen, die wir uns aufsetzen können, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie jemand mit einer Sehbehinderung die Geschäfte so wahrnimmt.

Miteinander ins Gespräch kommen

Nachdem wir die Geschäfte selbst auf Tücken geprüft haben, gibt es die Chance, mit den Mitarbeitern der Geschäfte zu sprechen und zu sagen, was schon super ist und was noch verbessert werden kann, um den Laden barrierefreier zu gestalten. Nach dem Rundgang gehen viele noch zu den Infoständen auf dem Münsterplatz in Bonn, knipsen witzige Selfies am Stand der Aktion Mensch, machen eine inklusive Radtour oder nehmen an der großen Menschenkette teil.

Begegnungen ermöglichen neue Perspektiven, das nehme ich heute wieder mal mit. Manchmal sind es kleine Änderungen, wie eine Fußmatte, die einen großen Unterschied machen können.
Wenn wir gemeinsam darüber sprechen, sind manche Probleme einfacher zu lösen, als vielleicht gedacht.

 

Online-Fotoaktion: Teilt eure Begegnungs-Selfies bei uns

Aktionstfinder: Finde Aktionen zum 5. Mai in deiner Nähe!

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Inklusion

Unbehindert aktiv

Das Internet hat den Online-Aktivismus von Menschen mit Behinderung beflügelt. Viele Initiativen scheitern aber an der mangelnden Barrierefreiheit der Online-Tools.

Crowdsourcing-Projekt Be my Eyes: Über das Smartphone die Hilfe eines Sehenden organisieren

Emil Jupin & Thelle Kristensen / Be My Eyes

Viele Menschen machen noch keine Bewegung, aber viele können dazu beitragen, dass das Leben für Menschen mit Behinderung besser wird.

Die Wheelmap zeigt rollstuhlgerechte Orte in ganz Deutschland. Befüllt wird sie von tausenden Freiwilligen. Das Prinzip dahinter nennt sich Crowdsourcing. Inzwischen tragen viele Menschen zu zahlreichen anderen Projekten bei, die Menschen mit Behinderung unterstützen. Hurraki ist ein Wörterbuch in Leichter Sprache, das nach dem Wikipedia-Prinzip von Freiwilligen gefüllt wird. Über die App Be my Eyes können sich Blinde über ihr Smartphone die Hilfe eines Sehenden organisieren.

Finanzierung über Crowdfunding

Es gibt viele gute Ideen, und oft fehlen nur wenige hundert oder tausend Euro, um diese Ideen auch praktisch umzusetzen. Eine Lösung für dieses Problem ist Crowdfunding. Crowdfunding bedeutet, dass die Umsetzung von Ideen von der Crowd, also von zahlreichen unterschiedlichen Menschen finanziert werden. Einige geben 5 Euro, einzelne Spender geben 100 Euro oder mehr. Es haben sich spezielle Plattformen wie Kickstarter oder Startnext herausgebildet, die genau für solche Projekte gedacht sind. Langfristiger angelegte Projekte können sich ihre Spenden über Portale wie Betterplace.org organisieren und sparen sich so den Aufbau eigener Spendenportale. Schon viele Projekte konnten über solche Plattformen unterstützt werden. Aleksander Knauerhase finanziert das Layout und Lektorat seines Buches über Autismus via Startnext. Die AppMax und Eni – Gebärden lernen am iPad“ soll es Menschen mit Sprachproblemen und ihren Bezugspersonen erleichtern, Kommunikation über Gebärden zu erlernen.

Beteiligung mit Online-Petitionen

Online-Petitionen haben sich als weiteres wichtiges Instrument für den Online-Aktivismus erwiesen. Es gibt offizielle Plattformen wie die des Deutschen Bundestages sowie Plattformen, die von NGOs wie change.org betrieben werden. Petitionen wie die des Jura-Studenten Constantin Grosch haben dazu beigetragen, dass das Bundesteilhabegesetz in der breiteren Öffentlichkeit bekannt und diskutiert wurde.

Der Aktivismus endet nicht damit, sein Projekt auf solchen Portalen vorzustellen. Es geht vor allem darum, die Initiative über Facebook, Twitter und weitere Kanäle bekannt zu machen. Der Goldstandard ist, seine Idee über die eigene Community hinaus bekannt zu machen, zum Beispiel in die Presse zu kommen und so Menschen zu erreichen, die man sonst nicht erreichen würde.

Gebremster Aktivismus

Die Krux an der ganzen Geschichte ist, dass viele dieser Plattformen sich als nicht barrierefrei erwiesen haben.

Das trifft nicht nur Menschen mit Lernbehinderung, für die viele der Portale zu komplex sind. Es geht auch um Menschen mit geringer Technikaffinität. Die interaktiven und oft überladenen Portale überfordern oft sogar Web-Profis. So ist es für viele Menschen schwierig, ihre Stimme oder Spende für ein Projekt abzugeben, dass sie unterstützen möchten, weil der Anmelde- oder Spendenprozess nicht barrierefrei gestaltet wurde. Die Regeln zum Einstellen von Projekten oder zum Datenschutz sind oft nicht verständlich gestaltet.

Barrierefreiheit verbessern

Viele Petitionen und Projekte werden heftig diskutiert, wobei die Diskussionen weder überschaubar noch inhaltlich verständlich sind. Hier sind die Nutzer am Zuge, eine bessere Diskussionskultur zu etablieren. Das trägt nebenbei dazu bei, dass auch für Nicht-Behinderte viele Missverständnisse und damit auch überflüssige Diskussionen vermieden werden.

Schließlich müssen die Plattformen so gestaltet sein, dass möglichst viele Menschen in der Lage sind, ihre Petition oder ihr Projekt einzustellen. Bei der Barrierefreiheit ist noch einiges zu verbessern. Auch hier profitieren nicht zuletzt die Plattformen selbst. Sie sind oft wie Expertensysteme gestaltet. Die Macher übersehen dabei, dass viele Teilnehmer vielleicht nur ein einziges Mal aktiv sind und weder Zeit noch Lust oder die Fähigkeit haben, sich mit dem Portal zu beschäftigen. So profitieren nicht zuletzt sie selbst am meisten davon, wenn sie ihre Plattformen für alle zugänglicher gestalten.

 

Linktipps:

Spenden und Crowdfunding: Auf dem Weg zu community-finanzierten Hilfsmitteln. Domingos de Oliveira über neue Wege zur Entwicklung von Hilfsmitteln

Internet und Sinnesbehinderung: Viele Chancen, viele Barrieren. Heiko Kunert über Möglichkeiten und Hindernisse des Internets

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit im Internet? Domingos de Oliveira über ein Netz für alle

Mobile Innovationen. Interview mit Matthias Lindemann zum Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

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Inklusion

Technik fuer alle: eine Utopie?

Technik bestimmt unser Leben. Technik umgibt uns überall. Sie erleichtert uns den Alltag. Für blinde Menschen ist sie aber häufig nur lästig oder nutzlos. Dabei zeigt zum Beispiel Apples iPhone, dass es längst möglich ist, Produkte herzustellen, die von Menschen mit und ohne Sehbehinderung gleichermaßen genutzt werden können. Heiko Kunert stellt uns eine Zukunft vor, die eigentlich schon heute Wirklichkeit sein könnte.

Hamburger U-Bahn: Fahrplandaten selbstverständlich online übertragen

Ingolf / flickr

Ich checke meine E-Mails, lese den neuesten Artikel im Aktion-Mensch-Blog, erfahre wie das Wetter wird, welche Cafés in der Nähe sind und was es Neues in der Welt gibt. Die Sprachausgabe des iPhones macht das heute schon möglich. Wie toll könnte aber die Welt erst sein, wenn alle technischen Produkte barrierefrei wären.

Beim Zähneputzen höre ich den melancholisch-schönsten Indie-Track aller Zeiten aus meinem Digitalradio. Von wem der wohl ist? Ich drücke den Infoknopf und prompt liest mir eine synthetische Sprachausgabe den Interpreten und den Titel vor. Gut, dass ich nicht mehr meine Frau wecken muss, damit sie mir die Anzeige auf dem Display vorliest. Das freut sie. Das freut mich.

Beim Frühstück: Irgendwas stimmt mit dem Kühlschrank nicht. Im Orangensaft schwimmen Eisstückchen. Haben wir ihn zu kalt eingestellt? Zeigt die digitale Anzeige eine Fehlermeldung an? Ach ja, wir leben ja nicht mehr im Jahr 2014. Ein Druck auf den Infoknopf, und die freundliche, aber etwas unterkühlte Kühlschrankstimme verrät mir, dass das Gerät auf null Grad eingestellt ist. „Wieso denn das?“, frage ich. Der Kühlschrank bleibt stumm.

Verspätung? Hätte ich doch bloß unser selbstfahrendes Google-Mobil genommen

Auf geht’s zur Arbeit. Mit der U-Bahn. Der Bahnsteig ist ungewöhnlich voll. Hat der Zug etwa Verspätung? Früher musste ich die anderen Fahrgäste fragen, was auf der Anzeigetafel stand, oder ich musste einfach warten. Heute ist es ja längst selbstverständlich, dass die Hochbahn-Daten an meinen weißen Stock übertragen werden. Und aus seinem kleinen Lautsprecher kommt denn auch prompt die Meldung, dass ich wegen einer Weichenstörung 20 Minuten auf die U3 warten muss. Hätte ich doch bloß unser selbstfahrendes Google-Mobil genommen. Dann wär ich jetzt schon im Büro.

Dort angekommen bestell ich mir bei unserem neuen Kaffeevollautomaten einen doppelten Espresso. Gut, dass das Teil neuerdings Sprachbefehle versteht. Dann suche ich mir einen der noch freien PCs aus. Da inzwischen jeder Rechner mit simplem Tastendruck auf Sprachausgabe und Blindenschriftzeile umgestellt werden kann, kann ich den Arbeitsplatz am sonnigen Fenster wählen. Auch in öffentlichen Büchereien, Internet-Cafés und in Hotellobbys ist es übrigens inzwischen möglich, als blinder Mensch einfach los zu tippen. Herrlich!

Mit Hilfe meiner Finger und Ohren bekomme ich alle Infos, die ich benötige

Apropos, Hotellobbys. Morgen muss ich auf Dienstreise nach München, mit einer Übernachtung. Wenn ich daran denke, wie ich früher manch eine Nacht in einem völlig überhitzten oder viel zu kühlen Hotelzimmer geschlafen habe, weil ich die Bedienelemente der Klimaanlage erst nicht gefunden und dann die Bedeutung der vielen Tasten nicht verstanden hab. Gut, dass die Technik heute so gestaltet ist, dass ich mit Hilfe meiner Finger und Ohren alle Infos bekomme, die ich zur Bedienung benötige.

Da wird selbst der Fernsehabend zum Vergnügen. Seien es die Menüs von Fernseher oder Blu-ray-Player, alle kann ich problemlos bedienen. Anders als in 2014 gibt es heute ja immer ein akustisches Feedback, eine Sprachausgabe, die mir sagt, wo ich mich im Menü befinde. Und dass alle Fernsehsendungen und Filme, die heute im TV laufen, eine optional zuschaltbare Hörfilm-Spur haben, brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen. Willkommen in einer Welt für alle!

 

Linktipps:

Technik als Motor der Inklusion? Interview mit Enno Park zum Thema „Technische Innovationen in den Lebenswissenschaften“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Mobile Innovationen. Interview mit Matthias Lindemann zum Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Neuartige Medien als Schlüssel zur Teilhabe. Nina Treusch über die Veränderung des Schulalltags für Kinder mit und ohne Behinderung durch neue Technik

Mit eLearning zu barrierefreien Unis. Eva Keller im Interview mit Prof. Gerhard Weber von der TU Dresden über neue Technik an Hochschulen

Kommunikation und Teilhabe durch Technik. Katja Hanke über den Verein Kommhelp, der Hilfsmittel zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Behinderungen entwickelt

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Aktion Mensch-Blog

Mit dem Rolli um die Welt

Sie haben das Reisen für sich entdeckt, im Rollstuhl und mit Glasknochenkrankheit: Volker und Iris Westermann waren schon in Südostasien, New York, in Dubai und in Mexiko. Dort lernten sie Marty aus Vancouver kennen, dessen Sohn Michael ebenfalls im Rollstuhl sitzt.

Iris und Volker Westermann in Kanada: Einfach loslegen, dann wird es eigentlich immer gut

„Ohne unseren Rolli hätten wir die beiden nie kennengelernt“, sagt Volker. Seine Augen leuchten, wenn er an die Freunde denkt. Denn nach dem Mexiko-Urlaub ist der Kontakt nicht abgebrochen. Die kanadischen Freunde haben die Westermanns in Deutschland besucht und sie auch immer wieder nach Vancouver eingeladen.

Iris denkt gerne an die 12 Tage in Kanada zurück: „Die beiden und Martys Frau Barbara haben sich ein super Programm für uns ausgedacht. Wir haben Vancouver gesehen, waren in den Whistler Mountains, dann in der Provinz British Columbia ganz im Nordosten. Und beide – Städte und Landschaften – waren ganz große Klasse.“ Vorher haben Iris und Volker sich natürlich schon Gedanken darüber gemacht, wie alles wird, ob es klappt oder ob es zu viele Barrieren gibt. Aber wenn man dann einfach loslegt, wird es eigentlich immer gut, finden beide.

Ein Schiff unter den Rädern

Fast jedes Jahr machen Volker und Iris eine Kreuzfahrt in ferne Länder. Denn sie haben entdeckt: Wenn sie zu zweit unterwegs sind, klappt es mit dem Schiff am besten. Mittlerweile ist alles barrierefrei. Und beim Ein- und Ausstieg helfen speziell geschulte Mitarbeiter. „Zumindest auf den AIDA-Schiffen ist das so“, sagt Volker Westermann. So ist er zusammen mit seiner Frau Iris mittlerweile Stammkunde.

Fast jeden Tag gibt es auf der Südostasien-Kreuzfahrt einen Landausflug, den Iris und Volker mit dem Taxi bestreiten: An jeder Anlegestelle machen sie sich auf die Suche nach einem möglichst sympathischen und englisch-sprechenden Taxifahrer. „Der Beste war ja Jimmi in Singapur, der hat den ganzen Tag gesungen und er hat uns diese typischen Food-Markets gezeigt, wo es die verrücktesten Sachen zu essen gab“, erinnert sich Iris. „Hühnerfüße, gegrillte Hahnenkämme und andere seltsame Dinge.“ Und Volker ergänzt: „Und nachher hat er uns zu einem Weihnachtsmarkt gefahren, wo es eine Schaumparty gab. Das war im November, aber super heiß. Ein Riesenspaß. Das Blöde war nur, die Räder von den Rollis nachher wieder sauberzukriegen.“

Hinauf zum Glück

Mit Schiff und Taxi erleben sie jeden Tag neue Abenteuer: In Penang zum Beispiel hat der Taxifahrer es sich nicht nehmen lassen, sie persönlich die Treppe zum „Tempel des höchsten Glücks“ hinaufzutragen. „Das waren gefühlte 200 Stufen – es hat ewig gedauert und muss für den Fahrer echt anstrengend gewesen sein“, erzählt Iris. „Als wir dann oben waren, sagte er irgendwann: Ich hol jetzt mal das Auto. Da kam raus, dass es hinter dem Tempel eine direkte Zufahrt gab. Aber er wollte, dass wir diesen langsamen Aufstieg miterleben wie alle anderen Gäste auch. Das war toll.“ Die nächste Reise ist schon gebucht; die geht in die Dominikanische Republik.

 

Mehr über die Reisen von Iris und Volker kannst Du hier lesen: aktion-mensch.de/begegnung/

 

Linktipps:

Begegnung in Kanada: Die Westermanns zu Besuch bei ihrem Freund Marty in Vancouver (Video)

Interview mit Iris und Volker Westermann zum Thema Reisen im Fernsehmagazin „Grenzenlos“ (Video)

Iris und Volker Westermann in der Talk-Show mit Bettina Tietjen im NDR (Video)

Tanzende Herzen. Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

Verstehen ist mehr als Hören. Margit Glasow über ihre Begegnung mit Hannah Tinten, die sich für Menschen mit Hörbehinderung einsetzt

Auf einen Abend in der Sushi-Bar. Wiebke Schönherr über ein Treffen von drei besten Freundinnen – von denen eine Rollstuhl fährt

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Inklusion

Mittendrin auf der Bühne

Im inklusiven Theaterstück „Es geht auch anders“ standen Darsteller mit und ohne Down-Syndrom in Berlin zusammen auf der Bühne, sie stellten auch Alltagserfahrungen von Menschen mit Down-Syndrom dar – ein beeindruckendes Erlebnis für Darstellerin Julia Swiderski.

Schauspiel-Ensemble auf der Studio-Bühne: „Iiih, die sind anders!“

Katja Hanke

Zehn Schauspieler und Schauspielerinnen in schwarzen T-Shirts und Hosen stehen auf der weißen Studio-Bühne. Alle tragen Masken, die ihre Gesichter verdecken. Alle sind gleich. Erst als die Masken fallen, sieht man die unterschiedlichen Personen: vier Männer und sechs Frauen, drei mit und sieben ohne Down-Syndrom, Teenager und Endfünfziger. 80 Zuschauer sind gekommen, um sie zu sehen. In der Studio-Bühne vom Heimathafen Neukölln ist jeder Platz besetzt.

Gleichsein – Anderssein

Die Darsteller laufen wild durcheinander. „Alle mit dunklen Haaren hier herüber“, ruft ein junger Mann vom Rand der Bühne. Sechs Personen versammeln sich um ihn. „Iiih, die sind anders“, schreien sie und zeigen mit den Fingern auf die Hellhaarigen. Dann laufen wieder alle durcheinander. „Alle unter 20 Jahren hierher“, ruft jemand. Nur vier Ältere bleiben übrig. „Iiih, die sind anders“, kreischen die Jungen. Genauso geht es mit blauen Augen, Frauen und Down-Syndrom. Einige sind immer anders. Am Ende der Szene stehen „alle in schwarzen Sachen“ zusammen, zeigen auf die Zuschauer und rufen: „Die sind anders!“

Eine, die da schreit, ist Julia Swiderski: eine zierliche Frau mit langen Haaren und einer Brille. Sie ist eine Darstellerin mit Down-Syndrom.

Zum ersten Mal auf der Bühne

Viel Text gibt es in dem Stück nicht, dafür wird viel über Bewegung und Gesten vermittelt. Interessierte hatte die Lebenshilfe Berlin anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages über einen Aufruf gesucht. Julia Swiderski hatte sich darauf gemeldet. Die 24-Jährige hat vorher noch nie auf der Bühne gestanden. In dem Stück schaut sie die meiste Zeit ernst und konzentriert. Erst als der Applaus losbricht, löst sich ihr Gesicht und ein freudiges Strahlen überzieht es. „Ich war ein bisschen aufgeregt“, sagt sie nach der Vorstellung und lächelt.

Freude und Erleichterung

In der Garderobe ist die Stimmung nach der Vorstellung ausgelassen: Die Darsteller gratulieren sich, lachen, und immer wieder fällt das Wort „toll“. Julia Swiderski ist mittendrin. „Sehr gut“ geht es ihr, sagt sie. Sie habe sich auf der Bühne wohlgefühlt. Und was mochte sie am meisten? „Die Masken“, sagt sie, schaut über den Rand ihrer Brille und zieht die Augenbrauen hoch. Und das Schreien.

Seit Oktober hat sie mit den anderen jeden Sonntag geprobt, in den letzten Wochen auch noch samstags. Es hat sich gelohnt. Alle im Raum sind glücklich. Es wird angestoßen. Für die Jüngeren gibt es Sekt ohne Alkohol. Alle prosten sich zu: Junge und Ältere, Männer und Frauen, mit und ohne Down-Syndrom. Viel Zeit bleibt nicht. Der Bruder von Julia Swiderski wartet schon. „Er fährt mich nach Hause in meine WG“, sagt sie. Und da will sie es sich nach all der Aufregung erstmal gemütlich machen.

 

Linktipps:

Theater sind wir alle. Margit Glasow über ein Theaterprojekt in Stralsund, bei dem alle willkommen sind – ob mit oder ohne Behinderung

Carmina Burana – inklusiv und open air. Ulrich Steilen über ein Tanzprojekt mit 150 Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung

„Menschen spielen Menschen“. Carmen Molitor über das Theaterstück „Unter Irren“ des integrativen Ensembles der Opernwerkstatt am Rhein

Der Reiz des Andersseins. Ulrich Steilen über die inklusive Theater-, Musik- und Tanzproduktion „Verflüchtigung“ beim Kölner Sommerblut Festival

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Inklusion

Begegnung ohne Barrieren

Begegnung auf Augenhöhe – das ist es, was sich viele Menschen mit Behinderung wünschen. Egal, ob es sich nun um bauliche, gesellschaftliche oder zwischenmenschliche Hindernisse handelt, es gilt weiter, Barrieren zu überwinden. Der Europäische Protesttag für Menschen mit Behinderung am 5. Mai soll dafür ein Bewusstsein schaffen. Auch im Saarland sind zahlreiche Aktionen geplant.

Vorbereitungstreffen des BSK in Saarbrücken: Hoch motiviertes Team

Infostände, ein Rollstuhlparcours, ein Bürgerforum, ein Fackellauf – das und noch mehr wird es anlässlich des Europäischen Protesttags geben. Die Landesvertretung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland (BSK) hat im Vorfeld viel zu tun. Die Aufgaben müssen verteilt, Helfer organisiert werden. Beim Vorbereitungstreffen in Saarbrücken zwei Wochen vorher gibt es noch immer Dinge, die geklärt werden müssen. Haben sich die angefragten Politiker schon zurück gemeldet? Gibt es jemanden, der das Forum moderiert? Das Team des BSK ist hoch motiviert, damit alles rechtzeitig fertig wird.

„Wir können nicht aufhören“

Aber nicht nur für die Veranstaltungen selbst legen sie sich ins Zeug. Das, was sie damit erreichen wollen, ist noch wichtiger. „Viele Menschen nehmen die Probleme von Menschen mit Behinderung gar nicht wahr“, sagt der Leiter der Kontaktstelle der BSK in Saarbrücken, Manfred Steuer: „Wir können nicht aufhören, die Belange in den Fokus zu rücken.“ Unterstützung bei seiner Arbeit erhält der Verband auch von der Aktion Mensch. Unter anderem seien Fördergelder wichtig, um zum Beispiel die Helfer für solche Protesttage wie am 5. Mai bezahlen zu können. Auch die Versorgung mit Hintergrundwissen und Informationen über bundesweite Ereignisse sei sehr hilfreich.

Provokante Fragen

In Kontakt kommen, sensibilisieren, aber auch hin und wieder provozieren, das steht beim Protesttag selbst auf dem Programm. Vor der Saarbrücker Europagalerie sind Infostände und ein Rahmenprogramm geplant. Das Motto: „Begegnung auf Augenhöhe – Leben ohne Barrieren“. Mit dem Spielmobil kann jeder ausprobieren, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen. Bei einer offenen Diskussionsrunde werden Passanten und Betroffene Fragen an Politik und Stadtverwaltung stellen können. Die Veranstalter haben auch Fragen: „Kann ein Rollstuhlfahrer alleine wohnen?“ oder „Wer darf auf Behindertenparkplätzen parken?“ Ziel ist es, zur Diskussion anzuregen und Wissenslücken zu stopfen.

Gesetze ohne Wirkung

Dass ein solcher Protesttag notwendig ist, läge nicht an einer mangelnden Lobby für Menschen mit Behinderungen, sagt Dunja Fuhrmann, die stellvertretende Leiterin der BSK-Landesvertretung Saar. „Es gibt genügend gesetzliche Regelungen, allerdings hapere es an der Umsetzung.“ Wenn es um die Umsetzung der Gesetze gehe, werde kaum kontrolliert oder bei Verstößen sanktioniert, so Fuhrmann. „Behinderte zahlen auch Steuern“, gibt die Rollstuhlfahrerin zu bedenken, „aber durch bestehende Barrieren – egal welcher Art – kommen Menschen mit Behinderung gar nicht dorthin, wo man sich begegnen könnte.“

Inklusion heißt das Zauberwort

Parallelgesellschaften auflösen – auch das ist ein Ziel der Aktionen rund um den Europäischen Protesttag. Das Augenmerk darauf legt der bundesweite Inklusionsfackellauf. Innerhalb von drei Monaten wird die Inklusionsfackel in alle Landeshauptstädte geschickt. Am 2. Mai macht sie Station in Saarbrücken. Beim Fackellauf wird Inklusion gleich praktisch umgesetzt. Die Teilnehmer geben die Fackel beim Jedermann-Lauf im Rahmen des 27. City-Laufs rund um das Saarbrücker Heizkraftwerk immer wieder weiter. Initiiert wurde der Inklusionsfackellauf vom Netzwerk Inklusion Deutschland.

Barrierefreiheit bedeutet Komfort für alle

Gerade im Saarland, wo der demografische Wandel in Zukunft eine große Herausforderung darstellen wird, profitieren auch ältere Menschen von den Veränderungen. Ein Bewusstsein dafür soll auch der 1. Rollstuhl- und Rollatortag in Saarlouis am 2. Mai schaffen. So etwas Alltägliches wie das Ein- und Aussteigen aus dem Bus könne Probleme bereiten, erklärt Uwe Wagner, der Leiter der BSK-Landesvertretung. In Saarlouis soll es unter anderem die Möglichkeit geben, das zu üben. Und man erhofft sich von der Aktion noch mehr: „Vielleicht können wir einige Busfahrer etwas mehr sensibilisieren“, sagt Wagner: „Viele verstehen nicht, warum es so wichtig ist, den Einstieg abzusenken.“

 

Dieser Blogbeitrag nimmt an unserer Blogparade zum 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, teil.

 

Linktipps:

Der Inklusionsfackellauf in Saarbrücken: Infos und Termine

Alles zum 1. Rollstuhl- und Rollatortag in Saarlouis

Mehr Infos des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter zum Protesttag am 5. Mai

Bundesweiter Aktionsfinder und alle Informationen rund um den Aktionstag am 5. Mai

Blogparade zum 5. Mai: Jetzt mitmachen und über Begegnungen schreiben!

Fotos gesucht: Stellen Sie Ihr eigenes Begegnungs-Selfie in unsere Galerie der Begegnungen!

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Eure Begegnung, eure Geschichte!

Jede Begegnung hat eine eigene Geschichte – erzählt uns von euren Erlebnissen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung! Ihr habt Visionen und Ideen, wie noch mehr Begegnungen geschaffen werden können? Auch die wollen wir wissen. Macht mit bei unserer Blogparade.

Anika und Ninia sind sich bei dem Dreh des Begegnungsfilms "Das erste Mal" der Aktion Mensch begegnet

„Ich habe jahrelang immer mit Sabrina gespielt. Schon seit dem Kindergarten. Sie war eine meiner Freundinnen. Irgendwann gingen wir auf unterschiedliche Schulen und verloren uns aus den Augen. Erst Jahre später, als ich mit meiner Mama über alte Zeiten gesprochen habe, sagte sie mir, dass Sabrina Lernschwierigkeiten hatte und auf die Förderschule gegangen ist. Ich habe meine vielleicht erste Begegnung (es war eine Freundschaft) mit einem Menschen mit Behinderung bewusst gar nicht wahrgenommen, es war einfach normal.“ (Katharina Hovestädt)

Begegnungen können bereichernd, überraschend, ärgerlich sein – aber ganz sicher sind sie immer anders. Im Rahmen des 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, werden sich bei den vielen Veranstaltungen und Aktionen in ganz Deutschland Menschen begegnen. Wir finden: ein super Anlass, um eine Blogparade zu diesem Thema zu starten und sich darüber auszutauschen.

Geschichten, Wünsche, Ängste und Ideen

Bei der Themenwahl seid ihr frei, hier sind aber ein paar Anregungen:

  • Hat euch eine persönliche Begegnung beeindruckt, geprägt oder geschockt?
  • Was müsste sich in der Gesellschaft ändern, damit Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zum Alltag gehörten?
  • Haben das Internet und soziale Netzwerke bereits zu mehr Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung beigetragen oder kann sich da etwas entwickeln?
  • Denkt ihr, dass technische Innovationen und Entwicklungen wie zum Beispiel die Lorm Hand neue Begegnungen ermöglichen?

Sei dabei!

Mitmachen kann jeder, der ein eigenes Blog hat und auf diesen Artikel verlinkt oder seinen Blog-Beitrag mit Verweis auf seinen Blog hier in den Kommentaren veröffentlicht. Die Blogparade läuft vom 22. April bis zum 17. Mai 2015.

Wir freuen uns auf eure Beiträge!

 

In unserem Blog haben wir bereits einige Begegnungs-Geschichten erzählt:

 

Burger à la Inklusion

Auf einen Abend in der Sushi-Bar

Eine ganz normale Liebesgeschichte

Freunde in der Baker Street

Nicht nur gute Co-Piloten

Mehr zum Thema Begegnung

 

 

Kommentare

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Anonym

Hallo zusammen! Unter http://papamithut.de/2015/05/ein-warmer-farbton-meiner-gedanken-an-die-grundschule.html findet Ihr seit gestern meinen Blogbeitrag zu Eurer Parade. Und liebe Glucke, schön, dass du hierher gefunden hast! Beste Grüße aus Oldenburg, Nico Lindner


Inklusion

„Stoma – gehört einfach zu mir“

Es ist ein Tabu, dabei gibt es rund 160.000 Menschen mit einem Stoma in Deutschland. Damit ist die Zahl höher als die der blinden Menschen. Dennoch spielt das Thema öffentlich keine Rolle – aus Scham, aus Unsicherheit, aus Unwissenheit.

Foto-Aktion mit Stoma-Beutel: „Mut machen, Ängste nehmen und Vorurteile abbauen“

Tamara Lammers / www.stoma-na-und.de

Ein Stoma ist eine kleine Öffnung am Bauch, die mit dem Darm oder den Harnleitern verbunden ist. Sie wird von Chirurgen bewusst herbei geführt, um schwerwiegende Folgen von Erkrankungen wie Morbus Crohn, Blasen- oder Darmkrebs zu verhindern und um Leben zu retten, zum Beispiel nach einem Unfall mit Bauchverletzungen. Seit rund 60 Jahren gibt es hygienische Versorgungs-Beutel, die Betroffene am Bauch tragen. Sie fangen die Ausscheidungen aus dem Stoma auf. Im Alltag verschwindet der Beutel unter der Kleidung und wird für andere unsichtbar.

Erste engagierte Projekte brechen mit dem Tabu. So zeigten sich Stomaträger auf der Internetseite 100-tage-100-momente.de so, wie sie sonst nicht zu sehen sind. Auf den selbst erstellten Aufnahmen wird der Beutel in ganz alltäglichen Situationen plötzlich sichtbar, bei der Arbeit, beim Sport, in einem Lieblings-Outfit oder an einem Lieblingsplatz. Im Sommer 2014 zeigte die Foto-Aktion jeden Tag eine weitere Momentaufnahme und verzichtete dabei ganz bewusst auf ergänzende Kommentare oder persönliche Angaben.

Vorurteile halten sich hartnäckig

„Ich gehe selbstbewusst mit meinem Handicap um, was anderen eher schwer fällt“, sagt Nicole, „sie meiden bestimmte Situationen in der Öffentlichkeit und verzichten dann auf einen Badeurlaub, einen Kinobesuch oder auf das wöchentliche Kicken in ihrer Hobby-Mannschaft. Aus Angst, jemand könnte den Beutel sehen oder peinliche Geräusche bemerken und dann mit Ablehnung reagieren.“ Die junge Mutter ist sogar froh, dass sie jetzt ein Stoma trägt: Lange Zeit konnte sie wegen einer chronischen Darmerkrankung nicht wirklich am Leben teilnehmen, ihr Alltag war bestimmt von Bauchschmerzen und ständigem Durchfall. Erst das Stoma hat ihr neue Lebensqualität gegeben.

Trotz der hohen Lebensqualität halten sich Vorurteile über den „künstlichen Darmausgang“  hartnäckig. Und verunsichern so stark, dass im schlimmsten Fall ein Patient diese für ihn lebensrettende Operation ablehnt. Aus einer Angst vor dem Leben danach, die größtenteils unbegründet ist.

„Natürlich war die erste Zeit nicht einfach, aber der Beutel am Bauch wurde schnell zur Nebensache, und er gehört seitdem einfach zu mir“, so Christian (37). „Wir wollen gemeinsam zeigen, dass wir ein Leben führen wie jeder andere.“

Keine Panik vor dem „künstlichen Darmausgang“

„Mut machen, Ängste nehmen und Vorurteile abbauen“, so beschreiben die Initiatoren ihr Ziel. „100 Tage – 100 Momente“ war eine gemeinsame Aktion der Facebook-Gruppe „*Beuteltier* Stoma-Träger“ und der Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. Eigenen Angaben zufolge kam die Foto-Aktion ohne Budget aus, sie lebte ausschließlich von der Beteiligung der Stomaträger – ein bemerkenswertes Projekt, das mehr Öffentlichkeit verdient hätte.

Immerhin einige Fach- und Regionalzeitungen haben über die Foto-Aktion berichtet. So spricht die 67-jährige Dörte Theuerkauf in einem Artikel erfrischend offen über ihren Alltag mit einem Stoma. In der Landeszeitung für die Lüneburger Heide sagt sie, dass sie im Freundes- und Bekanntenkreis nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, dass sie Stoma-Trägerin ist. „Wobei ich es auch leicht hatte“, so Theuerkauf in der LZ. Mit Ende Fünfzig, einer festen Beziehung und dem Selbstvertrauen einer gestandenen Frau „hatte ich Umfeld und Kraft dafür“. Schwerer, glaubt sie, haben es junge Menschen. Frisch Verliebte, die dem neuen Partner erzählen müssen, dass sie einen Beutel am Bauch haben. Vor allem für sie, für die Kinder, die ein ganzes Leben mit Stoma vor sich haben, möchte Dörte Theuerkauf das Tabu brechen, Vorurteile abbauen. Und ein wenig dazu beitragen, dass niemand mehr in Panik gerät, wenn er die Worte „künstlicher Darmausgang“ hört.

 

Linktipps:

Stoma-Welt.de: Das Informationsportal für Stomaträger

Wir leben mit einem Stoma: Die Lebensgeschichten von elf Stomaträgern

Barmer-GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2013: Versorgungsanalysen Stoma und Stomahilfsmittel (S. 77–95) – aktuelle Studie zum Thema inklusive fundierter Statistiken (PDF-Dokument)

„Alle sind stolz darauf“. Blogbeitrag von Katja Hanke über Menschen mit Behinderung als Fotomodelle

Stärke braucht keine Muskeln. Blogbeitrag von Anastasia Umrik über das Fotoprojekt anderSTARK, das Frauen mit Muskelerkrankung in den Mittelpunkt stellt

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Schreiben, schreiben und nochmal schreiben

Das „k“ steht für Köln, die „50“ für die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl. Zusammen ergibt das Ganze „k50“. Dahinter verbirgt sich eine regionale Zeitung von Schülern für Schüler – mit einer inklusiven Redaktion.
 

Redaktionssitzung in Köln

Es ist Mittwochnachmittag in Köln-Ehrenfeld. Die Temperauren sind sommerlich. Rund 25 Grad. Viele tummeln sich draußen. Im Park, am See oder sie essen Eis in der Stadt. Nicht so die k50-Redaktion. Die engagierten Schüler sitzen zusammen bei der Redaktionssitzung (wohlgemerkt drinnen) und planen die Themen der nächsten Ausgabe. Die insgesamt 25 Schreiber sind bunt gemischt, von 14 bis 19 Jahre alt, gehen auf verschiedene Schulen, haben eine Behinderung oder nicht, sind extrem kreativ – es verbindet sie ihre Begeisterung fürs Schreiben und die Themen.

Ihr Heft erscheint viermal im Jahr, getagt wird aber einmal im Monat. Bevor die Redaktionssitzung losgeht, gibt’s eine sogenannte offene Textwerkstatt. Hier unterstützen Frank Liffers, Projektleiter der k50-Schülerredaktion, sowie ehrenamtliche Mentoren die Jugendlichen beim Texten, geben Hilfestellung oder Anregungen. Die Themen, über die geschrieben wird, suchen sich die Schüler größtenteils selbst aus. Das, was gerade spannend ist und interessiert, wird in der Runde diskutiert und festgelegt. Dadurch sind die Inhalte vielfältig und bunt. In der aktuellen Ausgabe geht’s unter anderem um die Jobperspektive Musicalstar, der Kölner Künstler Barthy B. wird interviewt und die k50-Redakteure sind im Gespräch mit einer jungen Krimi-Autorin. Die Planungen für das nächste Heft sind genauso vielversprechend: Die Redakteure Caro, Lambert und Lukas arbeiten zum Beispiel gerade an der Nachberichterstattung zum Bernd-Best-Turnier, dem größten Rollstuhlrugby-Turnier der Welt. Ende März waren die drei in Köln mit dabei. Ganz bestimmt lesenswert!

Voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen

„Die Jugendlichen können sich ausprobieren und ihre Talente entdecken“, erzählt Frank Liffers. Und daher heißt es von ihm mit einem Augenzwinkern: „Schreiben, schreiben, schreiben. Und üben, üben, üben.“ Das fällt den Jugendlichen aber sowieso leicht – schließlich schreiben sie alle gerne. Einige von ihnen möchten Journalisten werden, anderen macht das Texten einfach so Spaß. Eine gute und tolle Erfahrung ist es so oder so.

Angesprochen auf die bunt gemischte Truppe und wie die Zusammenarbeit untereinander funktioniert, sind sich alle einig: super! Das Alter, die Schulform oder die Behinderung spielen gar keine Rolle. Weder bei den Redaktionssitzungen, noch im Heft. Die Themen, die interessieren und vor allem das Schreiben darüber, sind das Spannende und auch das Verbindende. „Wir helfen uns gegenseitig. Das ist eine tolle Unterstützung und Motivation“, erzählt die 16-jährige Lena, die seit rund einem halben Jahr mit im Redaktionsteam ist.

Alter, Herkunft, Behinderung – völlig egal

Die Frage, ob und wie das Miteinander funktioniert, irritiert hier eher. Und genau so sollte es doch sein. Frank Liffers bringt es auf den Punkt: „Das ist doch das Leben“. Und k50 ist ein wirklich tolles Beispiel dafür, wie selbstverständlich Inklusion sein kann.

Die Aktion Mensch fördert „k50“ mit rund 9.000 Euro.

 

Linktipps:

Webseite "k50"

Facebookseite "k50"

Förderung der Aktion Mensch

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