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Schreiben, schreiben und nochmal schreiben

Das „k“ steht für Köln, die „50“ für die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl. Zusammen ergibt das Ganze „k50“. Dahinter verbirgt sich eine regionale Zeitung von Schülern für Schüler – mit einer inklusiven Redaktion.
 

Redaktionssitzung in Köln

Es ist Mittwochnachmittag in Köln-Ehrenfeld. Die Temperauren sind sommerlich. Rund 25 Grad. Viele tummeln sich draußen. Im Park, am See oder sie essen Eis in der Stadt. Nicht so die k50-Redaktion. Die engagierten Schüler sitzen zusammen bei der Redaktionssitzung (wohlgemerkt drinnen) und planen die Themen der nächsten Ausgabe. Die insgesamt 25 Schreiber sind bunt gemischt, von 14 bis 19 Jahre alt, gehen auf verschiedene Schulen, haben eine Behinderung oder nicht, sind extrem kreativ – es verbindet sie ihre Begeisterung fürs Schreiben und die Themen.

Ihr Heft erscheint viermal im Jahr, getagt wird aber einmal im Monat. Bevor die Redaktionssitzung losgeht, gibt’s eine sogenannte offene Textwerkstatt. Hier unterstützen Frank Liffers, Projektleiter der k50-Schülerredaktion, sowie ehrenamtliche Mentoren die Jugendlichen beim Texten, geben Hilfestellung oder Anregungen. Die Themen, über die geschrieben wird, suchen sich die Schüler größtenteils selbst aus. Das, was gerade spannend ist und interessiert, wird in der Runde diskutiert und festgelegt. Dadurch sind die Inhalte vielfältig und bunt. In der aktuellen Ausgabe geht’s unter anderem um die Jobperspektive Musicalstar, der Kölner Künstler Barthy B. wird interviewt und die k50-Redakteure sind im Gespräch mit einer jungen Krimi-Autorin. Die Planungen für das nächste Heft sind genauso vielversprechend: Die Redakteure Caro, Lambert und Lukas arbeiten zum Beispiel gerade an der Nachberichterstattung zum Bernd-Best-Turnier, dem größten Rollstuhlrugby-Turnier der Welt. Ende März waren die drei in Köln mit dabei. Ganz bestimmt lesenswert!

Voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen

„Die Jugendlichen können sich ausprobieren und ihre Talente entdecken“, erzählt Frank Liffers. Und daher heißt es von ihm mit einem Augenzwinkern: „Schreiben, schreiben, schreiben. Und üben, üben, üben.“ Das fällt den Jugendlichen aber sowieso leicht – schließlich schreiben sie alle gerne. Einige von ihnen möchten Journalisten werden, anderen macht das Texten einfach so Spaß. Eine gute und tolle Erfahrung ist es so oder so.

Angesprochen auf die bunt gemischte Truppe und wie die Zusammenarbeit untereinander funktioniert, sind sich alle einig: super! Das Alter, die Schulform oder die Behinderung spielen gar keine Rolle. Weder bei den Redaktionssitzungen, noch im Heft. Die Themen, die interessieren und vor allem das Schreiben darüber, sind das Spannende und auch das Verbindende. „Wir helfen uns gegenseitig. Das ist eine tolle Unterstützung und Motivation“, erzählt die 16-jährige Lena, die seit rund einem halben Jahr mit im Redaktionsteam ist.

Alter, Herkunft, Behinderung – völlig egal

Die Frage, ob und wie das Miteinander funktioniert, irritiert hier eher. Und genau so sollte es doch sein. Frank Liffers bringt es auf den Punkt: „Das ist doch das Leben“. Und k50 ist ein wirklich tolles Beispiel dafür, wie selbstverständlich Inklusion sein kann.

Die Aktion Mensch fördert „k50“ mit rund 9.000 Euro.

 

Linktipps:

Webseite "k50"

Facebookseite "k50"

Förderung der Aktion Mensch

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Freiwilliges Engagement

Einfach machen - digitale Barrieren einreißen

In Düsseldorf gibt es einen ganz besonderen Treffpunkt: das PIKSL Labor, in dem Menschen mit und ohne Behinderung mit- und voneinander lernen. Die ehrenamtlichen „Laboranten“ sind Experten in Sachen Barrierefreiheit und haben ein einfaches Ziel: Jeder soll Computer und Internet nutzen können.

Foto: PIKSL Labor

Passanten wundern sich manchmal, wenn sie an dem Ladenlokal in der Erkrather Straße vorbeikommen. Hier könnte ein stylisches Start-up residieren oder der Showroom eines Mode-Labels: weiße Wände, großflächige Bilder und flexible Möbel. Doch hier findet sich kein exklusiver Laden, sondern das genaue Gegenteil: Das PIKSL Labor ist ein Ort für alle. An den PCs, Laptops und Tablets, die auf den mobilen Tischen stehen, kann jeder erste Schritte im Internet unternehmen, sich mit Betriebssystemen vertraut machen oder den Einstieg in die digitale Fotografie wagen. Die meisten der freiwillig engagierten Mitarbeiter sind Menschen mit einer Lernbehinderung. Sie bewegen sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt und geben ihr Wissen gerne weiter. Ab 14 Uhr sind die Türen für jedermann geöffnet.

Für Seniorinnen und Senioren finden regelmäßig mehrwöchige Kurse im PIKSL Labor statt. Christoph und Elisabeth gehören mit zum Dozenten-Team, die die Teilnehmer zwei Stunden die Woche schulen. „Viele Ältere bekommen von ihren Kindern oder Enkeln einen Laptop oder ein Tablet geschenkt und wissen erst einmal nichts damit anzufangen. Wir fragen zu Beginn des Kurses, was die Teilnehmenden am meisten interessiert: Mailen, Facebook, Einkaufen im Internet“, erklärt Christoph.

Elisabeth betreut – auch ohne lesen und schreiben zu können – zusätzlich das Tablet-Café, zu dem Neulinge in Sachen tragbarer Rechner kommen, Fragen loswerden und anderen auf die Sprünge helfen können. Bei der Aktion PIKSL mobil werden ältere Menschen in Einrichtungen besucht, die es nicht selbst ins Labor schaffen würden. Gerade für sie ist es ein großer Gewinn, über Tablet mit Familie, Freuden oder Pflegedienst kommunizieren zu können.

Und noch ein weiteres Ziel verfolgt die „In der Gemeinde Leben gGmbH“, die das Projekt PIKSL Labor initiiert hat: In Kooperationsprojekten mit Hochschulen und Unternehmen sind die PIKSL-Laboranten gefragte Experten, wenn es darum geht, wie Produkte einfacher gestaltet werden können. Für die Universität Bielefeld etwa haben Christoph, Elisabeth und die anderen Laboranten den virtuellen Assistenten Billie auf Herz und Nieren geprüft. Er könnte später älteren Menschen die Bedienung von technischen Geräten erleichtern. Das Team ist an der Entwicklung eines Smartphone-basierten Navigationssystems beteiligt, das Menschen mit Lernbehinderung von Tür zu Tür geleitet. Christoph: „Derzeit testen wir das Betriebssystem Windows 10 und entwickeln eine barrierefreie Blogsoftware mit.“

Warum sie sich 15 Stunden und mehr in der Woche im PIKSL Labor engagieren? Für Elisabeth ist das ziemlich einfach: „Mir macht es Spaß, jemandem zu helfen, der alleine nicht klar kommen würde.“ Christoph, der sich auch noch im Schützenverein und an einem Runden Tisch für Inklusion engagiert, sagt es so: „Was wir machen, ist erfolgreich und das macht mich froh.“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.
 

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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Aktion Mensch-Blog

Die #Umrikschwestern

Meine geliebte kleine Schwester, diese Zeilen sind für dich. Sie sind zwar öffentlich und für alle zugänglich, aber sie sind eigentlich nur für dich bestimmt. Es ist eine Liebeserklärung.

Unzertrennliche Schwestern: Alina und Anastasia

Bibilissa Photography

Plötzlich, das war irgendwann im Januar 2007, hast du meine Liebe gewonnen, und seitdem sind wir: die unzertrennlichen #Umrikschwestern. Nein, das war nicht direkt nach deiner Geburt. Ich fand dich erstmal „ganz okay“ – du hast mich nicht gestört, aber ich habe dich nicht vermisst.

Eines Tages, als ich müde von der Arbeit auf der Couch lag und du neben mir warst, berührten sich unsere Nasen, du hast gelächelt und deine kleinen Hände zogen an meinen Haaren ... Und ja, wie soll ich sagen: Seitdem bin ich in dich vernarrt.

Du bist schön. Deine langen blonden Haare, großen blauen Augen und der Schmollmund lassen dich wie Cinderella oder Dornröschen in der Realität aussehen. So stellt man sich immer Prinzessinnen vor. Du kannst nicht normal laufen oder sprechen – du schwebst, du singst, du tanzt. Dein kleines Herz umarmt das Universum, und du lachst viel. Dein Lachen ist schön und es kann so ansteckend sein. Dein Lächeln lädt dazu ein, dem Glück eine Chance zu geben.

Du hast keine Behinderung. Für dich habe ich keine Behinderung.

Deine Klassenkameraden stellen viele Fragen:

„Kann sie sehen? Kann sie sprechen? Kann sie denken?“

Du schaust immer etwas verwirrt und verziehst deine Mundwinkel, als würdest du dich vor etwas ekeln. Du ziehst dann deine kleinen Augenbrauen zusammen und man merkt, dass du nachdenkst, nach einer adäquaten Antwort suchst und sie einfach nicht findest. Du kannst die Fragen nicht nachvollziehen. Dann rufst du mich an und erzählst es mir lachend: „Stell dir vor, sie glauben, dass du nicht DENKEN kannst! Dann habe ich dich auf YouTube gezeigt, jetzt wollen sie alle ein Autogramm von dir haben. Hast du eigentlich Autogrammkarten?!“

Nein, ich habe keine Autogrammkarten, aber reagiere auf Kinderstimmen, die „Hallo, Alinas Schwester!“ rufen.

Viele denken, du wirst von mir vieles lernen, und ich werde dir zeigen, wie man mutig, cool und stark durchs Leben geht. Vielleicht werde ich dir einiges beibringen, ja, aber von dir lerne ich gerade auch sehr viel. Man mag es nicht glauben, aber auch ich stecke oft in Situationen, in denen mir etwas unangenehm ist und ich plötzlich von den Unsicherheiten überfallen werde. Neulich zum Beispiel: Wir waren auf einer russischen Hochzeit und besonders da tanzt man sehr viel – außer man ist alt, spießig, oder eben „behindert“. In der russischen Kultur ist das Thema Behinderung längst nicht vorurteilsfrei und akzeptiert. Auf solchen Veranstaltungen fühle ich mich immer fehl am Platz. Es war gegen Mitternacht, alle tanzten, du ganz groß und wild mitten auf der Tanzfläche. Ich schaute dir zu und lächelte. Mir würde es niemals in den Sinn kommen, auf die Tanzfläche zu gehen, ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt zur lauten Musik, zwischen den Hintern bewegenden Menschen und – ja, ich mag das einfach nicht! Du kamst an meinen Tisch und sagtest sehr bestimmt: „Ich möchte, dass du mit mir tanzt.“ Ich schnappte nach Luft, kramte nach überzeugenden Argumenten, suchte nach dem Ausgangsschild, nahm einen großen Schluck Rotwein – und stand plötzlich auf der Tanzfläche. Zwischen diesen ganzen perfekten, sich schön bewegenden, mich voller Mitleid und Bewunderung zugleich anlächelnden Menschen, tanzten wir beide und vergaßen für eine kurze Zeit alles um uns herum.

Wie machst du das?! Wie schaffst du es, mit deinem Charme und deiner Willensstärke, mich – die mindestens genauso stur und stark ist wie du – alles vergessen zu lassen und dir blind zu folgen?

Als du in den letzten Tagen bei mir übernachtet hast, hast du nachts deinen kleinen Arm um mich gelegt und vor dich hin genuschelt: „Du bist die beste Schwester auf der ganzen Welt, ich möchte so werden wie du.“

Ich lag den Rest der Nacht hellwach mit einem klopfenden Herz neben dir.

So viel Liebe erträgt doch kein Mensch!

 

Linktipps:

Infos und Links rund ums Thema „Geschwisterkinder“ hat der Familienratgeber

Was haben Nichtbehinderte von der Inklusion? Anastasia Umrik erklärt im Blog, warum Inklusion für ALLE gut ist

Partnersuche inklusiv: Ein Experiment. Blogbeitrag von Anastasia Umrik über Partnersuche im Internet als Mensch mit Behinderung

Tanzende Herzen. Blogbeiträge von Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

„Anders sind sie alle“: Der Blog von Anastasia Umrik

Kommentare

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Anonym

Wunderbarer Kommentar von der wunderbaren Frau Umrik. Macht er doch deutlich, dass nicht nur Stoffe, sondern auch Worte wärmen können....


Ein verrenkter Arm hat das Zeug zum großen Glück

Rudi Cerne erzählt in einem Interview, was Glück für ihn privat und in seiner Rolle als Aktion Mensch-Botschafter bedeutet.

Rudi Cerne im Interview mit Katharina Hovestädt

Das Thema Glück spielt für die Aktion Mensch eine große Rolle. Sie macht zum Beispiel Lotterie-Gewinner glücklich und fördert außerdem bis zu 1.000 soziale Projekte im Monat. Deshalb hat die Aktion Mensch ihr neues Los „Glücks-Los“ genannt, das Motto lautet „Glück für mich. Glück für andere“. Grund genug, um den Botschafter der Aktion Mensch, Rudi Cerne, nach seiner Deutung von Glück zu fragen.

 

Rudi, in welcher Situation oder bei welchem Ereignis in deinem Leben würdest du jetzt zurückblickend sagen: Ja, da hatte ich wirklich richtig großes Glück?

Rudi Cerne: Ich hatte ganz kapitales Glück 1979, ich hatte mir damals den Arm ausgerenkt, bei einem Sturz als Eiskunstläufer nach einem dreifachen Axel. Das Gute war, dass ich die gesamte Saison ausgefallen bin, also mich vollständig auf mein Abitur konzentrieren konnte und ich hab ganz nebenbei auch noch meine Frau kennengelernt, mit der ich jetzt 27 Jahre verheiratet bin.

Gerade unter Sportlern soll es ja einige Rituale geben, um dem Glück ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Hast du da auch Glücksbringer oder ähnliches gehabt?

Es klingt ein bisschen komisch, aber ein bisschen Aberglaube ist immer irgendwie wieder vorhanden. Ich hatte Rituale im Sport. Beim Eiskunstlaufen war das also immer so - wie ich auch bei anderen Sportlern beobachtet habe - dass ich immer zuerst meinen linken Schuh zuschnüren musste und dann den rechten. Wenn ich den rechten zugeschnürt hätte und dann erst den linken, ich glaub dann hätte nichts funktioniert.

Du bist seit mehr als einem Jahr für die Aktion Mensch als Botschafter unterwegs. Du besuchst Förderprojekte und präsentierst die Gewinnzahlen im ZDF. Hat diese ehrenamtliche Arbeit für dich auch etwas mit Glück zu tun?

Ja, die Aktion Mensch hat schon durch ihre Ziele in Bezug auf Barrierefreiheit und Inklusion, aber auch in ihrer Eigenschaft als Lotterie ganz klar mit Glück zu tun. Bei der Aktion Mensch ist es immer wichtig gewesen, nicht nur selber Glück zu haben, sondern auch bei anderen für Glück zu sorgen. Also im klassischen Sinne und Neudeutsch gesagt die Win-win-Situation. Wenn man also zum Beispiel ein Los kauft, dann unterstützt man gleichzeitig bis zu 1.000 soziale Projekte im Monat, die auch anderen helfen, glücklich zu sein. Und ich finde das ist perfekt – eine tolle Sache!

 

Unterstützen Sie die Aktion Mensch mit dem Kauf eines Glücks-Loses. Mehr Infos finden Sie unter www.meinglueckslos.de

 

 

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Freiwilliges Engagement

Tierschutz statt Tatort

Wenn im Frühling der Tiernachwuchs auf die Welt kommt, haben die Helfer des Hamburger Tierschutzvereins alle Hände voll zu tun. In der Wildtieraufzucht werden verlassene und verletzte Jungtiere gepäppelt und später ausgewildert. Für die Engagierten ist es ein Traumjob, der aber nichts mit einem Streichel-Zoo zu tun hat.

Foto: Hamburger Tierschutzverein

Gerade einmal die halbe Hand füllt das Eichhörnchen-Baby aus. „Hörni“ ist erst zehn Tage alt, hat schon Fell, aber die Augen sind noch geschlossen. Die großen Pfoten greifen beherzt nach der Spritze mit der Milch, die Meral ihm anbietet. Gerade einmal 1 ml bekommt es am Anfang, dafür aber alle 1-2 Stunden. Und damit es auch mit der Verdauung klappt, massiert ihm die 33-Jährige hinterher auch noch vorsichtig das Bäuchlein.

Hochbetrieb im Frühjahr

In der Wildtieraufzucht des Hamburger Tierschutzvereins herrscht im Frühjahr Hochbetrieb. Dann bringen aufmerksame Spaziergänger kleine Spechte, die aus dem Nest gefallen sind, allein gelassene Kaninchenwelpen, junge Singvögel, Tauben, Marder, Katzen - alles bis hin zur Krabbe, die sich verlaufen hat.

Meral ist eine von mehr als 100 teils regelmäßigen, teils unregelmäßigen Helfern, die die hauptamtlichen Kräfte des Vereins unterstützen. Nicht weniger als 10.000 Tiere durchlaufen dessen Tierheim jedes Jahr. Die Haustiere werden an neue Halter vermittelt, die Wildtiere ausgewildert. In der Wildtieraufzucht füttern Engagierte vor allem am Wochenende und zu Randzeiten die Jungtiere, sorgen aber auch für Sauberkeit in Käfigen, waschen Näpfe aus oder gestalten artgerechte Gehege. Warum sich die Berufstätige in ihrer Freizeit engagiert? „Das ist ganz praktische Lebenshilfe. Die Tiere kommen oft unterkühlt und hungrig an. Wenn man sie dann versorgt und weiß, dass sie überleben werden, ist das ein tolles Gefühl“, meint Meral.

Jungtiere statt Tatort am Sonntag

Antje kam eher zufällig zu ihrem Engagement für das Tierheim. Ihr Papagei war gestorben, und sie suchte im Tierheim nach einem Nachfolger. Bei der Gelegenheit erfuhr die Tiertherapeutin von der Möglichkeit, sich zu engagieren. Nun ist sie zweimal die Woche vor Ort – oft kommt auch ihre Mutter mit – und entlastet die hauptamtlichen Mitarbeiter. „Statt Tatort am Sonntag sind wir dann bei den Jungtieren. Das macht uns mehr Spaß und ist etwas Sinnvolles.“ Sie ist seit fünf Jahren dabei und hat jede Menge gelernt: Wie halte ich eine junge Taube während der Fütterung? Wie verabreiche ich die Nahrung? Wie merke ich, dass es einem Tier nicht gut geht?

Engagierte gesucht

Die erfahrenen Ehrenamtlichen und der Ehrenamtskoordinator Sven Fraaß kümmern sich intensiv um jeden Engagierten, der neu dazu kommt. Immer wieder erlebt er, dass sich Menschen engagieren wollen, die glauben, dass sie hier vor allem Tiere streicheln würde. Dabei ist es bei Wildtieren ganz wichtig, dass gerade kein zu enger Kontakt zum Menschen entsteht. Sie sollen sich nicht an sie gewöhnen, um die spätere Auswilderung nicht zu erschweren. Wer mehr erfahren will über den Einstieg in ein Engagement, kann sich am besten per E-Mail an Sven Fraaß wenden.

Das kleine Eichhörnchen wird mit vier Wochen in eine spezielle Voliere umziehen, damit es das Klettern trainieren kann. Und mit zwei Monaten geht es zurück in die Natur. Dann werden mit Sicherheit schon die nächsten Gäste gebracht werden, die die ganze Aufmerksamkeit von Meral oder Antje brauchen.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.
 

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

 

 

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Freunde in der Baker Street

von Sascha   Stienen

Diese beiden Zahlenmenschen verbindet mehr als nur die Arbeit in der Buchhaltung: Die Freunde Ulrike Diemann und Peter Hippchen treffen sich auch im Alltag.
 

Ulrike Diemann und Peter Hippchen in ihrem Lieblingscafé

Stienen/Aktion Mensch

Im Saarbrücker Pub „Baker Street“ treffen sich an diesem Dienstag zwar nicht Sherlock Holmes und Doktor Watson auf einen Cappuccino mit Sahne, aber ein anderes bemerkenswertes Freundespaar. Auf der gemütlichen Ledercouch im „Criminal Tearoom“ lassen sich Ulrike „Uli“ Diemann (53) und Peter Hippchen (60) ihren Kaffee schmecken. Ulrike Diemann hilft ihrem Freund und Kollegen dabei, reicht ihm wie selbstverständlich das hohe Glas mit dem Milchkaffee, damit er aus einem Strohhalm trinken kann. Selbst halten könnte Peter Hippchen das Glas nicht so leicht, weil er durch seine spastische Behinderung motorisch stark beeinträchtigt ist.

Vier Augen sehen mehr als zwei

Für Ulrike Diemann sind solche kleinen Hilfestellungen völlig normal, denn die beiden kennen sich schon seit 15 Jahren. In dieser Zeit sind aus den beiden Kollegen Freunde geworden. Gemeinsam sind Ulrike Diemann aus Saarbrücken und Peter Hippchen aus Beckingen in der Buchhaltung der Miteinander leben lernen gGmbH tätig. Ob Bilanzen, Auswertungen oder Gewinn- und Verlustrechnungen: Stets unterstützen sich die beiden gegenseitig. Es herrscht das Vier-Augen-Prinzip. Und was der eine manchmal nicht sieht, darauf kommt dann der andere. Bei Zahlen steckt der Teufel manchmal im Detail, berichten beide. Und Ulrike Diemann ist froh, dass Peter Hippchen ihr den einen oder anderen Kniff beigebracht hat. So finden sie meist den Fehler, wenn mal eine Rechnung nicht stimmt.

Peter Hippchen berichtet, dass ein Sauerstoffmangel bei der Geburt die Ursache für seine körperliche Behinderung war. Er hat drei Geschwister,  mit denen er auf dem Bauernhof groß geworden ist. Schon als Junge fuhr er Traktor, berichtet er. „Mein Vater hat mich immer motiviert, alles auszuprobieren.“ So bretterte er bereits mit fünf Jahren über den Rübenacker und wurde mit dem Fahren wie selbstverständlich groß. „Mein erstes Auto war ein Opel Kadett A in den Siebzigern. Die waren noch eckig gebaut“, erzählt er. Um dann schmunzelnd zu ergänzen: „Der Kofferraum war so groß, da passten noch sechs Kästen Bier auf einmal rein.“

Hündin Cora hilft beim Anziehen

Für Peter Hippchen gilt mit seiner Behinderung das Motto: „Geht nichts, gibt’s nicht“. So lebt er ein selbstbestimmtes Leben mit seiner Frau Monika und Hündin Cora im eigenen Haus.  Peter Hippchen unterstützt auch seine Frau, die im Rollstuhl sitzt. Und Peter Hippchen weiß sich zu helfen: Hündin Cora hat er einige Tricks beigebracht, mit denen sie ihren Herrchen helfen kann, zum Beispiel beim Anziehen.

Für Ulrike Diemann ist Peter Hippchen wie ein großer Bruder: „Wenn ich Sorgen und Probleme habe, rufe ich Peter einfach an. Er hat ein offenes Ohr für mich.“ Beim Umzug ihrer Tochter Carina (25) nach München steuerte Peter Hippchen einen Umzugswagen – und das ging so souverän und mutig durch enge Straßen, dass „Uli“ über die Fahrkünste ihres Freundes nur noch staunte.

Die beiden lachen viel, auch beim Kaffee im Pub „Baker Street“. Die anderen Gäste nehmen an diesem Tag nicht viel Notiz von den beiden. Manchmal ist das jedoch anders, berichtet Ulrike Diemann. Dann starren manche Menschen schon recht aufdringlich zu ihnen rüber, zum Beispiel wenn sie ihren Freund füttert, damit sein Essen oder der Cappuccino mit Sahne nicht kalt wird.   

Ein Tänzchen im Büro

Als saarländische „Sießschniss“ freuen sich die Kollegen immer über süße Leckereien und wagen im Büro zu ihrer Lieblingsradiomusik schon mal ein Pausen-Tänzchen, bevor es wieder an die Zahlen geht. Auch im „Baker Street“ gibt es einen extrem süßen Kuchen, bevor jeder wieder seiner Wege geht. Beziehungsweise fährt: Peter Hippchen rollt mit einem Spezialliegerad durch die Fußgängerzone bis zum Bahnhof, kauft sich noch zwei frische Lieblingsbrezeln und telefoniert aus dem Zug per Handy mit seiner Frau, um anzukündigen, dass er in Kürze da sein wird. Auch das Stück vom Zielbahnhof fährt er mit dem Rad nach Hause.

 

Info: Die Aktion Mensch unterstützte die inklusive Wohngemeinschaft „Kurze Straße“ der Miteinander leben lernen gGmbH bei der Einrichtung eines Fahrstuhls.

 

Linktipps

Miteinander leben lernen Saarland

Aktion Mensch - Förderung

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Freiwilliges Engagement

Was sind 70 Jahre Altersunterschied?
 

Lauryn und Frau Schapitz treffen sich seit letztem Sommer regelmäßig. Die eine ist neun Jahre alt, die andere über 80, beide verstanden sich auf Anhieb. Die besondere Begegnung ermöglicht ein engagierter Lehrer, der das Projekt „Generationsbrücke“ an die Schule geholt hat sowie eine pensionierte Kollegin. Sie staunen immer wieder, was die Treffen mit Jung und Alt machen.
 

Foto: Generationsbrücke Deutschland

Volle Konzentration bei Lauryn. Die Viertklässlerin legt eine Hand auf ein Blatt Papier, platziert einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger von Frau Schapitz und unterstützt sie dabei, die Umrisse der Hand nachzuzeichnen. Die Seniorin beobachtet ganz genau, was Lauryn macht, lächelt zwischendurch, ist ganz bei der Sache. Nur noch ein paar zusätzliche Striche und es entsteht eine perfekte Tulpenblüte. Am Ende gibt es ein Lob von der selbstbewussten 9-Jährigen: „Gut gemacht, Frau Schapitz!“ Dass die beiden sich so nahe kommen, obwohl sie mehr als 70 Lebensjahre trennen, ist ein kleines Wunder und geht nicht ohne engagierte Brückenbauer.

So wie Holger Schmidtke. Er ist Religionslehrer an der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin und koordiniert das Projekt „Generationsbrücke“, an dem sich 100 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen, sieben Kolleginnen und vier Altenpflege-Einrichtungen beteiligen. Er war gleich von der Idee überzeugt, dass Grundschüler und Senioren gleichermaßen von der regelmäßigen Begegnung profitieren: Die Schülerinnen und Schüler erleben Herzlichkeit und lernen eine Menge über das Altern. Die Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen werden mit allen Sinnen gefordert und blühen auf. „Etwas mit anderen gemeinsam tun – das ist diakonisches Handeln par excellence!“, berichtet Holger Schmidtke. Er reiste nach Aachen, wo das Projekt entstand, und lernte das Konzept „Generationsbrücke“ genau kennen.

Lauryn ist eine von 16 Schülerinnen und Schülern, die an diesem Tag in die „Residenz Zehlendorf“ gekommen sind, einer Seniorenwohnanlage ganz in der Nähe der Schule. Was sie an der Begegnung von Jung und Alt besonders mag? „Mir macht es viel Spaß zu singen und zu basteln. Und ich finde es schön, auch mal etwas Ruhigeres zu machen.“ Ihre eigenen Großeltern wohnen teils in den USA, teils in Vietnam, im Alltag hat sie kaum Kontakt zu alten Menschen.

Das monatliche Treffen zwischen den Generationen dauert in der Regel eine Stunde und ist genau durchchoreografiert. Am Anfang singen alle gemeinsam. Die Motorik der Bewohner wird mit einfachen Spielen angesprochen. Dann wird beispielsweise etwas gebastelt, was alle fordert. Die Kinder haben einen festen Bewohner-Partner, den sie über die Zeit immer besser kennenlernen.

Holger Schmidtke bereitet die Besuche gründlich im Religionsunterricht vor. Dort wird über das Altern, Krankheit und Tod gesprochen. Das ist auch deshalb wichtig, weil einige der Bewohner während des einjährigen Durchlaufs versterben. Dies muss gut kommuniziert und aufgefangen werden. Holger Schmidtke: „Das Erstaunliche dabei ist, dass die Kinder den Bewohnern ganz unbefangen gegenüber treten. Da ist nichts komisch oder fremd.“ Genau mit dieser Haltung locken die Kinder die Bewohner aus der Reserve. „Wenn jemand mit Demenz während der Treffen voll dabei ist, sich konzentriert, dann ist das ein riesiger Fortschritt“, weiß Holger Schmidtke. Unterstützung bekommt er von Helga Albrecht-Thiele. Sie war 35 Jahre lang als Lehrerin an der Kennedy-Schule tätig und von Anfang an von der Generationsbrücke begeistert.

Am Ende der Stunde verabschiedet sich Lauryn mit den Worten „Hat Spaß gemacht!“ Und auch, wenn Frau Schapitz nicht direkt etwas erwidert, sieht man ihr ganz deutlich an, dass es ihr genauso geht.

 

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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Inklusion

Deutschland auf dem Prüfstand

Zwei Tage lang stand Deutschland in Sachen Inklusion auf dem internationalen Prüfstand. Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD-Ausschuss) hat am 26. und 27. März in Genf Rückmeldung zum Umsetzungsstand der Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hierzulande gegeben. Seit dem 26. März 2009 ist das Vertragswerk der Vereinten Nationen auch in Deutschland gültiges Recht. Die Bundesregierung hatte das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen damals ratifiziert und sich damit auch zu seiner Umsetzung verpflichtet. Was ist in diesen sechs Jahren passiert? Hat das Land seine Hausaufgaben gemacht, Barrieren abgebaut und die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen verbessert?
In Genf mit dabei war Christina Marx, Leiterin der Abteilung Aufklärung bei der Aktion Mensch. Im Interview schildert sie ihre Eindrücke.
 

Delegation der BRK Allianz mit UN-Berichterstatterin Diane Kingston (vorne links, sitzend)

BRK Allianz

Vorab: Wie war die Stimmung? Kam es zum vorgesehenen "Constructive Dialogue", also zum "Staatendialog" zwischen Vertragsstaat, Zivilgesellschaft und UN-Fachausschuss?

 

Christina Marx: Die Staatenberichtsprüfung war natürlich eine ganz besondere Situation – sowohl für die Zivilgesellschaft als auch für die Bundesregierung. Das war die vergangenen zwei Tage spürbar. Hans-Günter Heiden von der BRK-Allianz, die die Interessen der Menschen mit Behinderung in Genf vertreten hat, hat es so formuliert: „Wir haben über drei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet“. Das allein zeigt, welche Bedeutung diese Überprüfung für die Zivilgesellschaft hat. Und die Bundesregierung, die vor dem UN-Ausschuss Rede und Antwort stehen musste, war mit einer über 20-köpfigen Delegation angereist, darunter die Behindertenbeauftrage Verena Bentele und die Parlamentarische Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller als Delegationsleiterin sowie Mitarbeiter zahlreicher Fachministerien. Also ein wirklich wichtiges Thema für alle Seiten.

 

Wie ist das Zeugnis für Deutschland ausgefallen?

Zusammenfassend könnte man vielleicht sagen: Es ist schon viel passiert, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Frau Lösekrug-Möller hat es in ihrem Eingangsstatement so ausgedrückt: „Wir geben uns mit dem Erreichten nicht zufrieden. Wir müssen unsere Inklusionsbemühungen fortsetzen“. Das sieht die BRK-Allianz, die hier in Genf von Dr. Sigrid Arnade von der ISL e.V. geleitet wurde, wie auch der UN-Fachausschuss naturgemäß genauso. Die internationalen Experten hatten eine Vielzahl kritischer Fragen zusammengetragen, die die Regierung nach kurzer Beratungszeit beantworten musste. Dabei waren die schulische Inklusion genauso Thema wie die Schwierigkeiten für Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. UN-Berichterstatterin Diane Kingston hinterfragte kritisch, warum weniger als einem Prozent der Werkstattmitarbeiter der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt gelingt. Auch die Frage der Verpflichtung zur Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft, Wahlrecht für Menschen unter kompletter Betreuung und Disability Mainstreaming wurden aufgebracht. Und immer wieder kam die Frage nach Daten und Studien: Wissen wir eigentlich genug über die Situation und die spezifischen Lebenslagen von Menschen mit Behinderung?

 

Die Bundesregierung hat 2011 einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet. Inhalt des Aktionsplans: Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. War der Plan ambitioniert genug?

Ein Mitglied des Ausschusses sagte fast augenzwinkernd: „Deutschland ist eine der führenden Nationen, da ist es nicht leicht, etwas zu kritisieren“, um dann gleich eine kritische Frage zum Nationalen Aktionsplan (NAP) anzuschließen. Erstaunlich offen fiel die Antwort der Bundesregierung aus: Eine Evaluation aus dem Jahr 2013 habe gezeigt, dass es an messbaren Zielen ebenso mangele wie an der Beteiligung von Menschen mit Behinderung und einem konsequenten Monitoring. Der Aktionsplan enthält rund 200 Maßnahmen, deren Fortschritt von der Zivilgesellschaft kritisch beobachtet wird. Die BRK-Allianz ist der Ansicht, dass die Bundesregierung ihre Verantwortung zur Umsetzung der UN-BRK nur halbherzig wahrnimmt und vielfach nur auf die Bundesländer verweist. Das hat sie auch in Genf nochmal sehr deutlich gemacht.

 

Was wurde bisher erreicht, um die Situation von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft zu verbessern beziehungsweise deren gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen?

Seit 2009 ist einiges in Bewegung geraten. Bund, Länder und Gemeinden befassen sich mit der Zielsetzung der UN-BRK. Alle Bundesländer mit Ausnahme von Sachsen haben Aktionspläne verabschiedet. Allerdings, so die Kritik der BRK Allianz, mangelt es derzeit noch an der qualitativen Beurteilung. Die Diskussion um Inklusion besonders im Bereich Bildung und auch in Hinblick auf Inklusion am Arbeitsmarkt hat Fahrt aufgenommen. Aber es sind vor allem viele nichtstaatliche Akteure, einschließlich der Menschen mit Behinderung, die sich für die Umsetzung der Vorgaben durch die UN-BRK einsetzen. Die BRK-Allianz, ein Netzwerk von 78 NGOs hat daran einen großen Anteil.

 

Wie geht es nach der Staatenprüfung weiter?

Zunächst einmal muss man festhalten: Die Fragen des Fachausschusses haben von einer sehr großen Sachkenntnis gezeugt. Die Experten haben sich sehr gründlich mit der Situation in Deutschland befasst. Jetzt heißt es abzuwarten, wie die Empfehlungen, die sogenannten "Concluding Oberservations" für die Bundesregierung konkret aussehen. Die 18 internationalen Experten werden diese binnen 24 Stunden nach Sitzungsende formulieren. „Konkret und sehr kompakt“, wie Berichterstatterin Diane Kingston versprach. Wie die genau aussehen, werden wir wohl in rund drei Wochen erfahren.

 

Mehr Informationen zur UN-BRK:

Aktion Mensch – UN-Behindertenrechtskonvention

Artikel "UN-Behindertenrechtskonvention" auf Familienratgeber.de

BRK-Allianz

Deutsches Institut für Menschenrechte – Staatenberichtsprüfung 2015

 

Mehr Informationen zum UN Fachausschuss und zahlreiche Dokumente zur 13. Session: http://www.ohchr.org/EN/HRBodies/CRPD/Pages/CRPDIndex.aspx

 

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Aktion Mensch-Blog

„Wir schauen dorthin, wo es noch hapert“

Schulen, Kindertagesstätten, Elterninitiativen und Freizeiteinrichtungen – im Kreis Warendorf im Münsterland tauschen sie Ideen für mehr Inklusion aus und planen gemeinsame Aktionen. Die erklärte Absicht des Netzwerks: das Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen zu intensivieren. Sylvia Klett leitet die Kontakt- und Informationsstelle des Netzwerks, das inzwischen aus 23 Institutionen besteht. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Auf dem „openTransfer CAMP Inklusion“ in Dortmund (21.03.2015) hat sie ihre Arbeit vorgestellt. Im Interview berichtet sie, wie das Inklusionsprojekt ins Rollen kam.

Start des "Netzwerks Inklusion im Kreis Warendorf" mit Sylvia Klett (r.): Best-Practice-Beispiele weitergeben

Das Netzwerk Inklusion im Kreis Warendorf besteht seit Oktober 2013. Wie haben sich die Partner zusammengefunden und was passiert im Netzwerk?

Sylvia Klett: Angefangen hat es mit der Elterninitiative „Inklusion im Kreis Warendorf“. Die Eltern haben schon vor zehn Jahren nach Alternativen gesucht, zu dem für Kinder mit Behinderung vorgezeichneten Weg auf die Förderschule. Der Kinderschutzbund Kreis Warendorf hat die Ideen dann aufgegriffen und mit seinen personellen und finanziellen Möglichkeiten in die Tat umgesetzt. Unsere Absicht war es, Menschen und Institutionen zusammenzubringen, von denen wir wussten, dass sie sich für Inklusion im Kreis Warendorf einsetzen. Wir haben Erfahrungen und Know-how gesammelt, um dann zu sehen, was wir gemeinsam machen können und wollen. Wir haben ein Leitbild für das Netzwerk entwickelt, Arbeitsgruppen gegründet und Aktionen geplant. Unser Ziel ist es dabei immer, innerhalb des Netzwerks voneinander zu lernen und Best-Practice-Beispiele weiterzugeben.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir schauen dorthin, wo es noch hapert bei der Umsetzung von Inklusion. Beispielsweise beim Übergang vom Kindergarten in die Schule. Im Kindergarten wird sehr oft eine inklusive Selbstverständlichkeit gelebt. Aber in vielen Grundschulen läuft in dieser Hinsicht fast nichts. Wir fragen, warum das so ist und wie wir das ändern können. Dann kommt es vor, dass eine Grundschule, die schon seit vielen Jahren intensive Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung hat, zu anderen Kindergärten und Grundschulen geht und ihr Konzept dort vorstellt.

Außerdem versuchen wir, eine gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Im letzten Jahr beispielsweise hat das Netzwerk seine Arbeit in der Warendorfer Fußgängerzone vorgestellt. Ein eigenes Logo haben wir ebenso entwickelt wie eine eigene Webseite.

Wie geht es weiter mit der Umsetzung von Inklusion in Warendorf?

Wir haben gemerkt, dass Eltern dem Thema Inklusion oft sehr hilflos gegenüberstehen. Deshalb werden wir einen Leitfaden zu relevanten Inklusionsfragen entwickeln, für Eltern aber auch für Fachleute (Therapeuten, Ärzte etc.). Darin soll es um Fragen gehen wie: „Nach welchen Kriterien suche ich eine Schule aus?“, „Welche Rechte habe ich?“, „Was passiert nach der Schule? Gibt es Alternativen zur Arbeit in Behindertenwerkstätten?“. Der Leitfaden soll leicht zu verstehen sein und sich an ganz praktischen und konkreten Beispielen orientieren. Außerdem wird es weiterhin regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktionen der Netzwerkpartner geben.

Wie finanziert sich Ihr Netzwerk?

Bis 2012 war meine Arbeit mehr oder weniger ehrenamtlich. Und deshalb zeitlich recht begrenzt. Dann sind wir auf die Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch im Bereich Inklusion aufmerksam geworden. Mit der Förderung, die auf drei Jahre angelegt ist (bis Oktober 2016), konnten wir meine halbe Stelle als Koordinatorin des Netzwerks einrichten. Das Netzwerk wird angenommen, aber es braucht jemanden, der das Ganze koordiniert und moderiert. Und unsere Arbeit geht eindeutig über das Ehrenamt hinaus.

 

Förderprogramm Inklusion der Aktion Mensch

Ganz klar: Inklusion braucht Engagement und viele gute Ideen. Aber Inklusion braucht auch Geld. Die Aktion Mensch unterstützt mit ihrem Förderprogramm Inklusion Projekte und Initiativen, die vor Ort unterschiedliche Akteure aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vernetzen. So wie die 23 Akteure im Kreis Warendorf. Vernetzen kann man sich natürlich nicht alleine. Mindestens zwei Partner, von denen einer außerhalb der Behindertenhilfe steht, müssen in Sachen Inklusion gemeinsam aktiv werden, wenn sie von der Aktion Mensch gefördert werden möchten. Hier bieten sich beispielsweise Partner aus Wirtschaft, Sport und Kultur zur Zusammenarbeit an. Wichtig ist vor allem, dass sie das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen – in Bildung und Arbeit, beim Wohnen, in der Freizeit und beim Thema Barrierefreiheit. Pro Projekt stehen bis zu 250.000 Euro über maximal drei Jahre zur Verfügung. Gut zu wissen: Die Aktion Mensch unterstützt bereits die Projekt-Planungsphase mit bis zu 15.000 Euro. Diese Planungsphase darf bis zu einem Jahr dauern. Und wenn aus dem Projekt dann doch nichts wird, ist das zwar sehr schade, aber kein Beinbruch, denn das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

Mit der Förderaktion „Noch viel mehr vor“ unterstützt die Aktion Mensch außerdem kleine, lokale Aktionen zur Inklusion mit bis zu 5.000 Euro. Das kann beispielsweise ein Sportfest, ein Theaterprojekt oder ein inklusiver Kochkurs sein. Die Laufzeit der Aktionen und Projekte darf dabei zwischen einem Tag und einem Jahr liegen. Eigenmittel auf Seiten der Projektausrichter sind nicht nötig. Die Antragstellung ist ganz einfach und unkompliziert.

Mehr Informationen zu den Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch, sowie zu Fördervoraussetzungen und Antragstellung finden Sie auf der Webseite der Aktion Mensch.

 

Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade #otc15 teil.

 

Linktipps:

Sie haben eine tolle Projektidee und wollen sich für eine Förderung bei uns bewerben? Von der Idee bis zum Projektantrag – hier wird alles Schritt für Schritt erklärt!

Inklusion gemeinsam weiter voran bringen. Interview von Ulrike Pfaff mit Uwe Blumenreich von der Aktion Mensch über das Förderprogramm Inklusion

Voller Einsatz – für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Blogbeitrag von Margit Glasow über einen Rostocker Verein, der sich für ein gleichberechtigtes Miteinander engagiert

Netzwerk und inklusiver Sport für Gehörlose. Das Förderprojekt „Gehörlosennetzwerk Neuss“ arbeitet für das inklusive Training von Menschen mit und ohne Hörschädigung

„Wir sind offen für alle“. Das Förderprojekt „Soziales Netzwerk für Jugend und Vereine am Auersberg“ bringt im Erzgebirge die Inklusion voran

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Gänsehautmomente gratis

Wie können wir Inklusion voran bringen? In der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit, im Internet? 140 Teilnehmer haben darüber am Samstag in Dortmund beim ersten Barcamp zum Thema Inklusion diskutiert.

Andi Weiland | openTransfer CAMP

Meine Hashtags sind #Neugier #Netzwerken #Machen – 140 Engagierte sitzen Samstagvormittag (21.03.2015) in der Technischen Universität in Dortmund. Sie wollen reden, über Inklusionsprojekte und wie sie das ganze Thema weiter voran bringen können. Nach der Vorstellungsrunde, bei der alle ihre drei Hashtags des Tages setzen, kann jeder zum 45-Minuten-Experten und Ideengeber werden, denn das spannende an einem Barcamp ist, dass die Konferenz-Teilnehmer selbst entscheiden, über welche Themenaspekte sie an dem Tag in den Vorträgen, den sogenannten Sessions, diskutieren wollen – der Tagesplan entsteht also live vor Ort in Teamarbeit.

Zuerst werden die Session-Vorschläge gesammelt, statt geplanten 20 sind es am Ende 27. In den Sessions wird dann über unterschiedliche Inklusions-Konzepte und -Ideen gesprochen. Bei Anastasia Umrik geht es zum Beispiel um ihr Projekt inkluWAS und die Frage, wie Design das Denken verändert. Domingos de Oliveira spricht über Barrierefreiheit im Internet und Stefan Zollondz und Imke Meyer stellen ein Stufen-Modell vor, mit dem Teilhabe in verschiedensten Lebensbereichen funktionieren kann. In allen Sessions wird nicht nur fleißig getwittert, es sitzen auch immer Menschen vom Organisations-Team dabei, die die einzelnen Sessions dokumentieren, damit alle Interessierten online nachlesen können, über was bei den einzelnen Vorträgen diskutiert wurde.

Die Qual der Wahl

Das Schwierigste ist, sich für die einzelnen Sessions zu entscheiden. Es laufen jeweils sechs oder sieben parallel und für viele davon, sind die angesetzten 45 Minuten zu wenig. In der Session Inklusion in der Arbeit werden beispielsweise erstmal Faktoren gesammelt, die es Menschen mit Behinderung zurzeit erschweren, auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job zu bekommen. Unter den Teilnehmern sind Menschen, die in Behindertenwerkstätten arbeiten, Unternehmer, Interessierte – da kommt viel zusammen. Die Tafel füllt sich mit Faktoren, als es dann darum gehen soll, wie die einzelnen Hürden angegangen werden könnten, sind die 45 Minuten schon rum.

Aus dem Internet in die „echte“ Welt

Aber nicht alles ist so komplex wie der Arbeitsmarkt. Die Idee von Johannes Mairhofer beispielsweise ist erstmal eher simpel. Er hat für sein Projekt #keinwiderspruch Menschen mit Behinderungen fotografiert. Die Fotografierten haben zu ihren Bildern dann Texte über sich geschrieben, in denen es darum geht, warum es kein Widerspruch ist, positiv mit einer Behinderung umzugehen, sie als Vorteil zu sehen und mit einer Behinderung erfolgreich zu sein. Fünf der Porträtierten lesen die Texte, die sie über sich geschrieben haben, dann in einer Mini-Lesung selbst vor – Gänsehautmomente gibt es gratis dazu. Zum Beispiel den, in dem das Rollifräulein, die eine Sprachbehinderung hat, ihren Text vorliest. Sie ist ziemlich nervös. Etwa 30 Teilnehmer sitzen ihr gegenüber, mitfiebernd. Die Handys liegen für 15 Minuten unberührt in der Ecke oder hängen an Steckdosen und freuen sich über Stromnachschub. Alle hören einfach zu, lassen sich nicht ablenken und freuen sich mit ihr, dass sie so mutig war, den Text zu lesen. Am meisten freut sich das Rollifräulein selbst. Später twittert sie: „ey leute, ich hab heute 1 1/2 seiten vorgelesen. wie krass das einfach ist. einfach unfassbar. für mich. #angstlisteStreichen“. Die Fotos und Texte des Projekts sollen dieses Jahr in einem Buch veröffentlicht werden.

Wiederholung, bitte

Bei der Verabschiedung am Nachmittag wünschen sich viele eine Wiederholung des Barcamps. Besonders gut angekommen ist die Mischung aus interessanten Sessions und dass sich die Teilnehmer „endlich mal“ über die Probleme bei der Umsetzung von Inklusion austauschen und voneinander lernen können. Der Twitterer @QuerDenkender fasst den Samstag so zusammen: „Das #otc15 war einfach geil.“ Er will jetzt Inklusions Dauercamper werden. Was noch getwittert wurde, ist hier zusammengefasst.

 

Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade #otc15 teil.

 

Linktipps

Die Dokumentation der einzelnen Sessions

Das Inklusionsbarometer 2014

 

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