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Freiwilliges Engagement

Was hab ich?

Wer den Befund seines Arztes vor lauter Fachbegriffen nicht versteht, für den gibt es kompetenten Rat. Auf der Plattform „Was hab’ ich?“ sind mehrere hundert Medizinstudierende und Ärzte aktiv, um das Mediziner-Latein in verständliche Sprache zu übersetzen – natürlich ehrenamtlich.

Foto: Amac Garbe, ein-satz-zentrale.de

Für die Übersetzung des 25. Befunds hat Katrin Schweizer einen Orden bekommen. Die Auszeichnung der frisch examinierten Medizinerin ist zwar virtuell, aber was sie dafür geleistet hat, hilft Patienten und ihren Angehörigen ganz real. Die 26-Jährige, die gerade ihr Praktisches Jahr in Hanau angetreten hat, formuliert ärztliche Befunde um und versieht sie mit Erläuterungen, damit der Patient auch ohne jedes medizinische Fachwissen versteht, was gemeint ist.

Auf Augenhöhe mit dem Arzt

Eine intelligente Online-Plattform bringt Medizin-Studierende und Patienten zusammen, ohne dass sie sich direkt begegnen würden. Dort kann jeder ärztliche Befunde digital hochladen, die er alleine nicht verstehen würde. Das „Was hab’ ich?“-Team stellt sie anonymisiert in den geschlossenen Bereich der Webseite, zu dem nur die registrierten (angehenden) Mediziner Zugang haben. Katrin Schweizer: „Ich schaue meist am Wochenende, welche Befunde noch nicht in Bearbeitung sind, lese hinein und suche mir einen aus, der mich interessiert.“ Mit einem zweiseitigen Arztbrief ist sie meist mehrere Abende beschäftigt, schlägt immer wieder in Fachbüchern nach und recherchiert online. Katrin Schweizer stellt klar: „Uns geht es nicht darum, den Arzt zu ersetzen. Wir wollen lediglich, dass sich der Patient auf Augenhöhe mit ihm unterhalten kann.“

Perfektes Training für das Arzt-Patienten-Gespräch

Die Engagierten – egal ob Studierende oder fertig ausgebildete Mediziner – arbeiten ehrenamtlich. Kleine Auszeichnungen wie die für den 25. Text sorgen auf der Plattform spielerisch für zusätzliche Motivation. So gibt es auch digitale Anstecker für die erste Übersetzung, für eine besonders lange oder auch eine, die erst spät in der Nacht fertig wurde.

Obwohl das Projekt weitgehend online-basiert ist, wird eine enge Betreuung der mehreren hundert Freiwilligen sichergestellt. Es beginnt mit einem Schulungs-Video und dem persönlichen Telefonat mit einem Mitarbeiter. Danach können an ersten leichteren Texten Erfahrungen gesammelt werden. Mindestens die ersten fünf Übersetzungen checkt ein Supervisor gegen und gibt Empfehlungen. Auch später ist ein zweiter Blick durch erfahrene Übersetzer jederzeit möglich.

Für Katrin Schweizer ist klar, dass die Arbeit für „Was hab’ ich?“ auch beruflich eine ganze Menge bringt: „Ich lerne viel über die Art und Weise, wie man mit Patienten und Angehörigen sprechen sollte. Was beispielsweise eine verkalkte Herzklappe für Folgen hat, hätte ich vorher nicht für Laien verständlich erklären können.“

Inzwischen sind Studierende an sämtlichen deutschen medizinischen Fakultäten bei „Was hab’ ich?“ aktiv. Weitere freiwillig Engagierte werden gesucht und können sich über die Homepage der Organisation melden. Im besten Fall geht es ihnen dann wie Katrin Schweizer, die ganz schnell merkte: „Mich hat es gepackt!“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

 

Linktipps:

Ärztliche Hilfe auf Rädern. Ursel Holdhoff-Krauel versorgt wohnungslose Menschen in Hamburg medizinisch.

 

Jede Menge Engagement an der Uni. Engagement-Ideen für die Studienzeit.

 

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Aktion Mensch-Blog

Behindert und erfolgreich? Kein Widerspruch!

Positiv mit einer Behinderung umgehen, sie sogar als Vorteil wahrnehmen? Klar! Johannes Mairhofer hat Menschen getroffen, für die das kein Widerspruch ist.

#keinwiderspruch – so heißt das Projekt und die Webseite von Johannes Mairhofer. Wenn ihr die Seite besucht, lernt ihr etwa 30 Menschen kennen, die keine Lust darauf haben, in die „trotz der Behinderung“-Schublade gesteckt zu werden. In persönlichen Texten erzählen sie, was ihre Behinderung für sie bedeutet.

Hier könnt ihr (gekürzte) Auszüge aus drei der Texte lesen:

Raul Krauthausen: Anders und humorvoll

Johannes Mairhofer

Auf den ersten Blick finden andere Menschen meine Erscheinung oft widersprüchlich. Vor allem bei Kindern kann man immer wieder das gleiche Phänomen mitverfolgen: Wie sie staunen und in ihren Köpfen mit offenem Mund nach der passenden Kategorie für mich suchen, wenn sie einer bärtigen männlichen Person mit einer kinderähnlichen Statur im wörtlichen Sinne auf Augenhöhe begegnen. „Du siehst ja witzig aus“, platzte neulich ein kleines Mädchen anstelle einer üblichen Begrüßung heraus, als würde sie ein besonders kreatives Faschingskostüm loben. Nach einem kurzen Moment der Sprachlosigkeit fand ich diese geradlinige und kindlich-enthusiastische Reaktion doch sehr erheiternd. Und: Ihr spontan geäußertes Urteil beschreibt mich eigentlich ganz gut: anders und dabei humorvoll. Und eben nicht „anders, aber …“.

Lisa Schmidt: Glückliche Rollifahrerin

Johannes Mairhofer

Bis vor einem Jahr bin ich ausschließlich gelaufen – erst ohne, später mit Krücken. Als Kind wurde ich noch bis ins Grundschulalter bei längeren Strecken mit einem Buggy durch die Gegend geschoben. Später bin ich mit einem Tretroller durch den Supermarkt geflitzt. Heute frage ich mich: warum denn kein Rollstuhl? Eine Mutter mit einem Kind im Buggy ist nichts Ungewöhnliches, aber eine Mutter mit Kind im Rollstuhl? Und ein Teenie mit Krücken? Kann schon mal passieren, die hat sich sicher nur das Bein gebrochen. Und ein Rolli sähe ja eh „total behindert“ aus.

Diese Einstellung habe ich zum Glück geändert. Vor einem Jahr war ich in der Reha – ich wollte die Krücken loswerden! Genau genommen habe ich das auch geschafft, nur anders als ich es mir vorgestellt habe. Es ging mir darum, endlich die Hände frei zu haben, mal ‘nen Koffer oder Einkaufswagen schieben zu können. In der Reha wurde mir, wie schon so oft zuvor, ein Rollstuhl für weitere Strecken nahegelegt. Diesmal habe ich es probiert – und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

Michael Herold: Geht nicht, gibt’s nicht

Johannes Mairhofer

Der größte und auch älteste meiner Träume war, in einem Flugdrachen zu fliegen. Ich rief über Wochen bei Flugschulen und Vereinen an und schilderte meine Lage – immer mit dem Ergebnis, dass es nicht ging, weil „du schon ein paar Schritte rennen musst“. Wieder und wieder die gleiche Absage. Irgendwann dann aber: „Ja klar, das kriegen wir irgendwie hin. Hast du am Sonntag Zeit?“

An diesem Sonntag segelte ich auf 1.000 Meter Höhe in einem Flugdrachen. Ein Tandemflug, denn in Deutschland braucht man dafür einen Flugschein. Dort oben war absolute Stille, es gab keinen Lärm, keine Autos, keine Telefone – nur den Wind, der mir ins Gesicht blies. Dann ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet hatte. Der Pilot schaute zu mir und sagte: „Na los, nimm das Steuer, du fliegst jetzt mal.“ Wenige Augenblicke in meinem Leben haben mir so den Atem geraubt wie die folgenden Minuten. Ich war wieder der kleine Junge, der endlich flog, obwohl er sein Leben lang dachte, er würde das nie können.

 

Die gesammelten Texte findet ihr auf keinwiderspruch.de – zusammen mit den Porträt-Fotos, die Johannes Mairhofer gemacht hat.

Aktuell läuft ein Crowdfunding, denn aus den Porträts sollen ein gedrucktes Magazin und ein Hörbuch entstehen. Noch bis Sonntag (28. Juni 2015) könnt ihr das Projekt unterstützen: startnext.com/keinwiderspruch

 

Links:

Ihr wollt die ungekürzten Texte auf #keinwiderspruch lesen? Hier gibt's mehr von Raul Krauthausen

Hier geht's zum kompletten Text von Lisa Schmidt

Den vollständigen Text von Michael Herold findet ihr hier

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Inklusion

Sportfest inklusiv - gemeinsam Spaß am Sport

Vergangene Woche lockte das inklusive Sportfest SPINK 2.500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach Hamburg – auch Michel Arriens war im Millerntor-Stadion dabei.

Michel Arriens

„Hauptsache zusammen Spaß haben, egal ob mit oder ohne Behinderung“, antwortet Arian, als ich ihn nach seinen Zielen für heute frage. „Ganz normal eben“, fügt sein Kumpel Paul noch hinzu. Die beiden Schüler von der Erich-Kästner Schule sind zusammen mit 2.500 angemeldeten Teilnehmern und Teilnehmerinnen durch halb Hamburg gefahren, um an dem zweitägigen, inklusiven Sportfest SPINK im Millerntor-Stadion teilzunehmen.

„Heute bin ich nur ein bisschen behindert“

Bereits von weitem leitete mich eine Mischung aus Jubelgesängen und den Geräuschen ineinander fahrender Rollstühle zum Vorplatz des Millerntor-Stadions. Kaum hatte ich mir meine Laufkarte mit den Stationen um den Hals gehängt, da saß ich mit meinem Mitspieler auch schon am Tisch von „Dialog im Stillen“. Finn musste schalldichte Kopfhörer aufsetzen und anhand meiner Lippen- und Handbewegungen eine Figur aus Holzklötzen bauen. Das war gar nicht so einfach. Umso stolzer war er, als er erfuhr, dass das bisher nur zwei Teilnehmerinnen vor ihm geschafft hatten.

Beim „Dialog im Dunkeln“ fuhr ich mit blickdichter Brille und Blindenstock beinahe Mia um, die offensichtlich gerade vom Schminken kam. Während sie mir erzählte, dass sie das Down-Syndrom hat, hielt sie mir stolz ihren Schwerbehindertenausweis vor die Nase. „Heute bin ich aber nur ein bisschen behindert, ich hatte nämlich gerade eine Knie-OP“, sagte sie noch, bevor sie winkend in der vorbeilaufenden Menge verschwand.

„Es geht um persönlichen Erfolg, nicht um Sieg“

Nach einer Tanzperformance vom LUKULULE e.V. und einem Konzert von Blind & Lame unterhielt ich mich einige Zeit mit Anastasia und Kathrin vom Modelabel inkluWAS, die mit ihrem Design für Vielfalt werben. Da aber noch einige Häkchen auf meiner Laufkarte fehlten, stärkte ich mich zunächst am Getränke- und Obststand, um mit neuer Kraft bei „Need for Speed“ Rollstuhlrennen zu fahren.

In Zusammenarbeit mit den Special Olympics Deutschland wurden im Stadion auch wettbewerbsfreie Disziplinen nach dem Motto „Erfolg statt Sieg“ angeboten. Während ich meine Übungen absolvierte, wurde die Stationsbetreuung aufgefordert, mich vom Rasen zu holen und daran erinnert, dass der Zutritt zum Rasen für bereifte TeilnehmerInnen aus Schutzgründen verboten sei. Im anschließenden Gespräch mit dem Leiter des Stadions vom FC St. Pauli empfahl ich ihm für 2016, den Rasen ganz aus dem Angebot für SPINK zu streichen – zumindest unter diesen Bedingungen. Inklusion bedeutet am Rand stehen nämlich nicht.

Erste Goldmedaille

Am Ende hatte ich neben Blindenfußball, Rollstuhlparcours, Armdrücken und 12 weiteren sportlichen Stationen auch ein künstlerisches und musikalisches Rahmenprogramm aus Konzerten, Tanzeinlagen und Mode hinter mir. Unter dem Motto „Gemeinsam stark“ hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auszutesten und neue Fähigkeiten oder Vorlieben zu entdecken. Das Thema Behinderung hat an diesem Tag für niemanden so wirklich eine Rolle gespielt, „ganz normal eben“ – so, wie man es sich ja auch wünscht. Völlig erschöpft hielt ich auf dem Rückweg meine erste Goldmedaille für Sport, Spaß & Inklusion in den Händen. Mein Wunsch wäre, dass Schulen die Idee eines inklusiven Sportfests ernst nehmen und sie in ihren regulären Schulalltag einfließen lassen – denn Sport kann definitiv allen Spaß machen!

 

Linktipps:

Mehr Infos zum inklusiven Sportfest SPINK in Hamburg

Mehr zum Thema Freizeit, Sport und Inklusion bei der Aktion Mensch

Sport frei! Katja Hanke über die inklusive Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes

Spiel, Spaß, Inklusion. Eva Keller über die Arbeit des DOSB für die Inklusion in den Sportvereinen

Selbstbewusstsein durch Sport. Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport

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Freiwilliges Engagement

„Verzwickt, aber immer wunderschön!“

Ein Natur- und Begegnungs-Bauernhof in Waltrop steht Kindern und Jugendlichen die ganze Woche offen. Sie füttern Tiere, lernen Pflanzen kennen, säen, ernten, kochen, basteln und reiten. Ein Freiwilligen-Team kümmert sich darum, dass hier jeder seinen Platz findet.

Foto: Nabeba e.V.

Noch vor ein paar Jahren hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass hier, Am Rapensweg in Waltrop, ein Bauernhof-Idyll entstehen könnte, durch das kreuz und quer Kinder, Schweine, Hühner, Lämmer und Schafe laufen. Damals war das Gelände eine Brache mit ein paar heruntergekommenen Ställen für eine Handvoll vernachlässigter Pferde. Der Verein Nabeba e. V. pachtete das Gelände, Freiwillige renovierten zusammen mit Kindern und Jugendlichen das Haupthaus und die Ställe, setzten Zäune instand und schufen so einen besonderen Ort, an dem niemand ausgeschlossen ist. Heute gibt es ein Kaninchenhaus, die Lagerfeuerstelle, den Biogarten, einen Schweinestall, das Bienenhaus, Freigehege und die Forscherwerkstatt – eine wunderbare Mischung aus Bullerbü und Abenteuerspielplatz. Jeden Montag trifft sich die integrative Kindergruppe, am Freitag sind Jugendliche mit und ohne Behinderung dran, zwischendurch kommen Kitagruppen und Schulklassen oder Eltern, die ihre Kinder zum therapeutischen Reiten bringen.

Das Beste aus der Natur

Dorothee Zijp ist eine von 15 Engagierten und wohnt inzwischen sogar mit ihrem Mann, einem der Söhne und der Mutter mit Blick auf das Gelände. Die Philosophie der Vollzeit-Engagierten: „Die Natur hält alles bereit, was wir für das Projekt brauchen. Das Heilsame, das sie ausstrahlt, die Wärme der Tiere, die Gerüche – das alles wirkt auf jeden Menschen gleich. Da ist es egal, ob er in irgendeiner Weise eingeschränkt ist.“ Dorothee Zijp hält den Bauernhof zusammen und guckt bei jedem, der seine Freizeit in das Projekt einbringen will, wo er richtig platziert ist: beim Versorgen der Gänse, der Betreuung von Kindergruppen oder beim Reiten? Einige der Ehrenamtlichen haben früher selbst den integrativen Treff besucht oder ein Praktikum gemacht und sind dann ins Engagement reingewachsen.

Ohne Druck, aber hoch engagiert

Debbie ist eine von ihnen und schon seit ein paar Jahren dabei. Alles begann mit einem Schulpraktikum, das der 20-Jährigen so gut gefallen hat, dass sie nun im Rahmen einer geförderten Maßnahme jeden Tag mit anpackt. Sie erzählt: „Am meisten Zeit verbringe ich mit den Pferden. Ich hole Wasser, füttere sie, striegel. Ich kümmere mich aber auch darum, dass das Schwimmbecken für die Enten sauber ist.“ Sie hat einen guten Draht zu anderen Engagierten und mag das Arbeiten in der Natur und ohne Druck. In den Pausen findet man sie meist auf dem Rücken von Bulle Berti. Wenn der sich zu einem Nickerchen niedergelassen hat, lässt sich Debbie auf dem Kraftpaket nieder und genießt die Nähe des Tieres.

Trotz des vielen Lobs von allen Seiten ist es alles andere als einfach, das Ehrenamtsprojekt über die Jahre zu bringen. Dorothee Zijp bringt die Erfahrung aus inzwischen acht Jahren Naturwerkstatt so auf den Punkt: „Geld ist nie genügend da. Oft ist es verzwickt und schwer, aber immer wunderschön!“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.



Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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Inklusion

Familienreise, inklusiv

Sommerzeit ist Reisezeit. Menschen mit und ohne Behinderung sind unterwegs und begegnen einander. Familien mit behinderten Kindern müssen vorab besondere Fragen klären: Passt der Sauerstoff-Tank ins Auto? Kann die Lieblingsmitarbeiterin des Pflegedienstes mitkommen? Mareice Kaiser nimmt uns mit auf eine Familienreise mit besonderen Herausforderungen.

Mareice Kaiser

„Behinderte Kinder sollen alles machen, was auch nicht behinderte Kinder machen!“, meinte die ehemalige Physiotherapeutin von Kaiserin 1 und stellte sie kurzerhand auf den Kopf. Meine Tochter gluckste vor Freude! Leider sind nicht alle Dinge, die alle Kinder machen, für behinderte Kinder selbstverständlich – und manche funktionieren schlicht und einfach nicht. Dabei kommt es natürlich immer ganz individuell auf das Kind, die Behinderungen und die oft damit einhergehenden Erkrankungen an.

Mit Kaiserin 1 sind viele Aktivitäten möglich – wir benötigen dafür aber zusätzliche Hilfe. Ein Spielplatzbesuch alleine mit ihr und ihrer Schwester ist zum Beispiel sinnlos bis unmöglich. Kaiserin 2 braucht ja auch noch viel Betreuung, kann noch nicht alleine rutschen oder schaukeln. Kaiserin 1 kann noch nicht lange frei sitzen und nicht gehen, daher kann sie auch nicht alleine rutschen oder schaukeln. Es muss immer eine Betreuungsperson für Kaiserin 2 dabei sein, damit auch sie schaukeln oder rutschen kann – was sie liebt. Entweder ist also der Kaiserinnen-Papa dabei, oder die Einzelfallhelferin von Kaiserin 1 oder eine Freundin.

Wir haben es gewagt

Eine weitere Herausforderung ihrer Pflege ist der Sauerstoffbedarf, den sie hat, während sie schläft. Ein kleiner Monitor, der mit einem Sensor an ihrem Fuß verbunden ist, zeigt uns an, ob sie die zusätzliche Portion Sauerstoff braucht oder nicht. Mit all diesen Herausforderungen haben wir es im vergangenen Jahr gewagt: eine Reise mit beiden Kindern. Wir haben Berlin verlassen, alles eingepackt, was wir für eine Woche brauchen. Der ganze Hausflur stand voll, das Auto bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgepackt. Wir schleppten ein halbes Krankenhaus mit: Sauerstoff-Flaschen, einen Sauerstoff-Tank, Geschwisterkinderwagen, Sondenkost, ein Absaugegerät, einen Sauerstoff-Monitor, einen Therapiestuhl (denn nur in ihm kann Kaiserin 1 stabil sitzen), eine Wippe und dann noch den üblichen Babykram wie Windeln, Wundcreme & Co.

Ziel unserer Reise war ein Treffen mit anderen Familien mit behinderten Kindern – wir waren also nicht die einzigen, die mit besonderen Herausforderungen durch Deutschland reisten. Neun Stunden Autofahrt wollten wir weder uns noch den Kindern zumuten, daher entschieden wir uns für einen Zwischenstopp in Niedersachsen bei den Großeltern der kleinen Kaiserinnen. Kaiserin 1 gluckste in den Armen ihrer Oma, Kaiserin 2 jauchzte im Bollerwagen, gezogen vom Opa. Schon allein für diese Momente hatten sich die Strapazen der Autoreise gelohnt.

Die erste Etappenstrecke mit dem Auto verlief besser als gedacht: kein Stau, viel Schlaf auf den hinteren Plätzen. Ein Halt an einer Raststätte mit riesengroßer blitzblanker behindertengerechter Toilette (große Freude bei Mutter und Kind!), ein Halt im niedersächsischen Niemandsland mit Outdoor-Wickeltisch – schon waren wir da. Nach zwei Tagen machten wir uns auf den Weg bis zum Ziel im Rhein-Main-Gebiet; für unsere Reiseplanung war uns immer wichtig, ein Krankenhaus in der Nähe zu wissen. Der gesundheitliche Zustand von Kaiserin 1 ist sehr fragil, so dass wir immer auf alles eingerichtet sein müssen.

Anderssein war hier normal

Bei dem Familientreffen angekommen entdeckten wir, dass die anderen angereisten Familien mit den gleichen Herausforderungen angereist waren. Rollstühle wurden aus Autos geladen, Spritzen für die Sondenkost lagen beim Essen auf den Tischen, die Familien verständigten sich viel in Gebärdensprache. Anderssein war hier normal. Wir fühlten uns sehr willkommen und sind bis heute dankbar für die vielen Begegnungen mit Familien, die die gleichen Themen bewegen. Ganz abgesehen von Kaiserin 1 und ihrer kleinen Schwester, denen der Kontakt zu den anderen inklusiven Familien gut tat.

Ja, es ist manchmal strapaziös, mit einem mehrfach behinderten Kind unterwegs zu sein. Aber es lohnt sich auch immer. Auch – und vor allem! – fürs Kind.

 

Linktipps:

Behinderung versus Bedürfnis. Mareice Kaiser über ihre zwei Töchter mit „Special Needs“ – mit und ohne Behinderung

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind. Mareice Kaiser über „Behinderte Momente“ im Leben ihrer Tochter

Tanzende Herzen. Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

Mehr zum Thema „Urlaub und Begegnung“ beim Familienratgeber

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Freiwilliges Engagement

Freiwilligendienst – ein Jahr in Kamerun

„All inclusive“ steht eigentlich für günstigen Pauschalurlaub, für die Art von Sorglos-Ferien, bei dem nichts an Komfort fehlt. Das Programm „weltwärts alle inklusive“ ist das genaue Gegenteil. Die Engagierten, die in alle Welt ausschwärmen, setzen sich ein Jahr lang für andere ein und werden mit Erfahrungen belohnt, die man in keiner Club-Anlage machen kann.

Julia Zimmermann und ihr Buchhaltungskurs

Foto: privat

Nicht viele 27-Jährige können von sich behaupten, ein Studium durchgezogen zu haben, ein Jahr Freiwilligendienst in Afrika erlebt zu haben und gerade auf dem besten Weg zu sein, in den diplomatischen Dienst einzutreten. Julia Zimmermann schon. Während ihres Freiwilligendienstes hat sie ein Jahr in Kamerun verbracht und dort in einer großen gemeinnützigen Organisation gearbeitet. „Ziel der Arbeit war die Verbesserung der Lebensbedingungen etwa von Menschen mit HIV/AIDS, Teenager-Müttern oder Menschen, die sich mit einem Mikrokredit eine Existenz aufbauen wollen“, erzählt Zimmermann. In ihrer täglichen Arbeit hat sie vor allem Frauen dabei unterstützt, sich selbstständig zu machen, also Kurse in Buchhaltung gegeben, budgetiert und eingekauft oder Beratungsgespräche geführt. Nicht so schnell vergessen wird sie den Vortrag über Syphilis, den sie vor den Insassen eines Gefängnisses gehalten hat.

Das inklusive Freiwilligenprogramm

Das Organisatorische ihres Freiwilligenjahrs in Kamerun hat der Verein bezev übernommen. Der Name steht für „Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.“ und setzt sich für eine gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Behinderung an entwicklungspolitischen und humanitären Initiativen ein. Dessen Programm „weltwärts alle inklusive“ passte für Julia Zimmermann perfekt. Sie hat eine Sehbehinderung und besitzt eine Restsehfähigkeit von 10 Prozent. Das heißt zum Beispiel, dass wenn sie etwas liest, sie das Schriftstück sehr nah an die Augen halten muss. Seit 2013 lassen sich jedes Jahr rund 18 Freiwillige auf das Abenteuer „weltwärts alle inklusive“ ein.

Trotz der engen Begleitung hatte für Julia Zimmermann die erste Zeit etwas von dem berühmten Sprung ins kalte Wasser: „Als wir nachts am Flughafen von Douala ankamen, war alles anders und neu – die Orientierung fehlte. Doch das wurde schnell anders“, erinnert sich Zimmermann. Sie gewöhnte sich schnell an die kleinen Widrigkeiten wie Stromausfälle oder instabiles Internet – und an die manchmal anderen Gepflogenheiten.

Durchstarten nach dem Auslandsjahr

Nach dem Freiwilligenjahr stand für Julia Zimmermann fest, dass sie international arbeiten will. Im harten Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes konnte sie sich durchsetzen und ist nun Anwärterin im gehobenen Dienst. Ihr Tipp für alle, die sich für ein Freiwilligenjahr im Ausland interessieren: Vorab gut informieren, welche Entsendeorganisationen es gibt und welchen Ruf sie haben. Davon hängt entscheidend ab, wie viel man von dem Aufenthalt mitnehmen wird.

Die Bewerbungsfrist für einen Freiwilligendienst bei bezev, der ab Sommer 2016 beginnt, läuft noch bis zum 30.9.2015.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

Linktipps:

Von Buenos Aires zur Seidenstraße. Ein Blogbeitrag über den Senior Expert Service

Blind und "Bufdi"? Steffi Lisker zeigt, wie es geht.

Schule vorbei – und jetzt? EIn Blogbeiträge über Engagementmöglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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Freiwilliges Engagement

Ein Garten für alle Sinne

Ein Garten, in dem sich blinde Menschen optimal orientieren und alle möglichen Pflanzen ertasten und am Duft erkennen können – das war lange der Traum eines Bremer Gärtner-Ehepaares. Seit 25 Jahren gibt es den einzigartigen Blindengarten – aber wie lange noch?

Foto: CC BY 2.0 / Franz Friedrich / Flickr

Edith Kranz hat schon ihr ganzes Leben lang mit angepackt: In der Gärtnerei und dem Blumengeschäft ihres Mannes und bei der Verwirklichung des gemeinsamen Traums: einen Blindengarten in Bremen auf die Beine zu stellen. Mit 84 Jahren ist sie noch immer Kassenwartin des Vereins, der sich um den Erhalt der grünen Oase kümmert.

Langer Atem und gute Kontakte

Dabei musste das Ehepaar eine ganze Menge Hartnäckigkeit beweisen, ehe es mit dem Bau des Gartens losgehen konnte. „Zahlreiche Zusagen für ein Grundstück, die von der kommunalen Verwaltung kamen, wurden wieder zurückgezogen. Und auch finanzielle Unterstützung gab es keine“, erinnert sich Edith Kranz. So beschlossen die Kranz‘, das Projekt ganz in Eigenregie umzusetzen. An die 800 „Bettelbriefe“, wie Edith Kranz es nennt, verschickten sie. Es dauerte dann gerade einmal drei Monate, bis Unternehmen und Privatleute sämtliche notwendigen Arbeitsleistungen, Materialien und Geldspenden zugesagt hatten. Mit dem 1.500 qm großen Grundstück im Stadtteil St. Magnus war auch der richtige Ort gefunden.

1988 konnte es dann endlich losgehen. Ein Bagger rollte an und begann mit den Erdarbeiten. Edith Kranz und ihr Mann legten die Beete an. Diese sind mit Palisaden eingegrenzt und haben eine Höhe von 80 cm. So erreicht man die Pflanzen besser zum Fühlen und Riechen. Es wurden drei rollstuhlgerechte Zugänge eingerichtet und die Wege mit unterschiedlichen Belägen versehen, die bei der Orientierung helfen. Insgesamt gibt es 16 Beete, unter anderem mit Nadelhölzern, Gräsern, Farnen, Heidegewächsen, Wildpflanzen, Kletterern und Rankern oder Duftpflanzen. Tafeln mit Braille-Schrift erklären das Grün. Bei der Konzeption stimmten sich die Initiatoren eng mit dem Bremer Blindenverein ab.

Der Garten als Treffpunkt

Ein Jahr später konnte der erste Blindengarten in Deutschland eröffnet werden, der ganz ohne öffentliche Gelder entstand, dafür aber mit jeder Menge Unterstützung von Freiwilligen, Firmen und Vereinen. Der Garten ist für jedermann offen – ob mit oder ohne Behinderung – und versteht sich als Ort der Begegnung.

Um den Erhalt des Gartens kümmert sich der eigens gegründete Blindengarten Bremen e. V. Derzeit ist es vor allem Heidi Ganser-Drejka, die sich um die Gartenpflege kümmert. Zusätzlich packt ein Landschaftsgärtnereibetrieb regelmäßig mit an. Und dann gibt es noch die Mitglieder der örtlichen CDU und SPD, die sich einmal im Jahr engagieren.

Doch die meisten, die den Verein tragen, sind inzwischen im Rentenalter. Ohne Verjüngungskur wird es den Verein nicht mehr lange geben. Damit steht auch die Existenz des Blindengartens auf dem Spiel. Für Edith Kranz ist klar: „Jetzt sind die Jüngeren dran!“ Wer sich also für die Idee des Blindengartens begeistern kann und Spaß am Gärtnern hat, möge sich beim Verein melden.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.



Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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Inklusion

Vorstellungsgespräche fürs Leben

Wow, du hast ja viele Sachen in Pink!“ – Ein Satz, mit dem man nicht unbedingt jedes Vorstellungsgespräch beginnen sollte, aber jetzt lachen wir beide. Das erste Eis ist gebrochen, und für mich ist das der beste Anfang des Einstellungsgesprächs. Aber ich suche schließlich auch keine Mitarbeiter für ein Unternehmen. Ich stelle Leute ein, um mein Leben zu führen.

Bloggerin Tanja Kollodzieyski (r.) mit Assistentin: Sympathie ist das wichtigste Maß bei der Jobvergabe

Anna Spindelndreier / Aktion Mensch

Mein Unternehmen ist mein Leben. Dieses Motto, das für die meisten anderen Menschen zwischen Inspiration und leeren Worthülsen hin und her schwingt, gilt für mich wortwörtlich und damit natürlich auch im Umkehrschluss. Mein Leben ist (m)ein Unternehmen. Aufgrund starker körperlicher Einschränkungen kann ich viele Sachen nicht selbst erledigen, deswegen brauche ich Assistenten, die mir helfen, mein Leben so uneingeschränkt wie möglich zu führen. Diese Tatsache bringt mich auch immer wieder in die ungewohnte Lage, Einstellungsgespräche zu führen.

Sympathie als Einstellungskriterium

Die größte Herausforderung dabei ist, dass ich mich dabei auf keine allgemeinen Einstellungskriterien stützen kann. Fachwissen und Erfahrungen bringen zwar auch im Assistenzbereich keine Minuspunkte, aber sie helfen eben auch nicht unbedingt weiter. Der beste Lebenslauf bedeutet nichts, wenn man nicht auf der gleichen Wellenlänge liegt. Letztendlich ist und bleibt die Sympathie gegenüber den Bewerbern das wichtigste Maß, was ich bei der Jobvergabe zur Verfügung habe.

Dieses Merkmal versuche ich auch gleich in die Ausschreibungen einfließen zu lassen, indem ich darum bitte, dass Interessenten mir einfach eine lockere Email mit Infos über sich schreiben, anstatt einer formalen Bewerbung. Diese Anforderung ist erstaunlicherweise für die Meisten gleich die erste große Hürde, die sie überwinden müssen. Den meisten Mails merkt man direkt an, wie sehr die Schreiber verunsichert waren, weil sie sich nicht auf Standardformen verlassen konnten.

Beim Probearbeiten alle Hüllen fallen lassen

Ich muss dann immer ein bisschen lächeln, wenn ich bemerke, wie schwer es für die meisten Menschen ist, fremden Leuten etwas über sich zu erzählen. Das ist auch etwas, was man relativ schnell lernt, wenn man das eigene Leben zum Unternehmen machen muss. Schon die Stellenbeschreibung besteht naturgemäß aus einer Listen an Dingen, die ich nicht tun kann, und ist damit privater als das, was die meisten Menschen ihren Freunden anvertrauen. Davon abgesehen, dass die meisten Bewerbungsgespräche in meinem Wohnzimmer stattfinden und auf diese Weise sowieso jede Menge über mich verraten wird. Wenn es zum Probearbeiten kommt, ist es für mich ohnehin an der Zeit, alle Hüllen fallen zu lassen.

Auf diese Weise wird jedes Vorstellungsgespräch für mich zu einer Präsentation meines Lebens. Das mag für viele befremdlich klingen, aber in Wahrheit bringt es immer auch eine große Chance mit sich. Wer keine Möglichkeit hat, sich zu verstecken, erinnert sich wieder leichter an den folgenden Grundsatz: Fremde Menschen sind auch nur Menschen, denen man bisher noch nicht begegnet ist.

 

 

Linktipps:

Gar nicht so einfach: Leben mit Assistenz. Anastasia Umrik über tolle und schwere Momente im Leben mit Assistenz

Leben mit persönlicher Assistenz. Petra Strack über den Unterschied zwischen Betreuung und Assistenz

Ziemlich beste Assistenten. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über den Kinofilm „Ziemlich beste Freunde“ und das Leben mit persönlicher Assistenz

Tanzende Herzen. Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

Behinderung ausgeblendet. Mirien Carvalho Rodrigues über Begegnungen in ihrem Job, bei denen ihre Blindheit kein Thema ist

Auf einen Abend in der Sushi-Bar. Blogbeitrag von Wiebke Schönherr über ein Treffen von drei besten Freundinnen – von denen eine Rollstuhl fährt

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Inklusion

Sport frei!

Das inklusive Sportabzeichen können Interessierte dieses Jahr in vier verschiedenen Städten ablegen. Die erste Station der Deutschen Sportabzeichen-Tour war am letzten Freitag in Berlin.

Teilnehmer der Sportabzeichen-Tour in Berlin: „Alle haben zusammen Spaß“

Melanie Hartmann

Es ist ein herrlicher Sommermorgen auf dem Sportplatz im Norden Berlins: Die Sonne scheint, keine Wolke am blauen Himmel. Von der Tribüne schallt Musik über den Platz auf dem Rasen, der von der 400-Meter-Laufbahn umgeben ist. Am Rand wärmen sich die Sportler und Sportlerinnen auf. Das sind an diesem Vormittag Schulklassen und Gruppen aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Sie möchten das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderung ablegen. Das ist die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit. Eine Gruppe, die sich der sportlichen Herausforderung stellt, ist die der VIA-Werkstätten: neun Männer und drei Frauen, zwischen 20 und 50 Jahre alt. Je eine Sportart aus den vier Kategorien ist zu absolvieren: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination.

Kraft zeigen

Die erste Station der Gruppe ist Weitsprung, alle machen einen Probesprung. Der erste ist Robert Heinz, er schafft auf Anhieb 1,88 Meter. „Das ist ja schon Bronze“, ruft er erfreut. Melanie Hartmann, die Fotografin in der Gruppe, sagt nach ihrem zweiten Sprung: „Ich geb auf. Erst 1,40 Meter, jetzt nur noch 1,35 Meter.“ Das findet die 20-Jährige schlecht. Auch der dritte Versuch geht nicht weiter. Ihre Enttäuschung ist groß. „Weitsprung war schon mal gut“, sagt der 27-jährige Denis Scharnowski während die Gruppe über den Rasen zum Kugelstoßen läuft. „Ich habe schon ein Abzeichen in Silber und eins in Bronze. Noch aus der Schule. Jetzt will ich eigentlich Gold.“

Hoch hinaus

Beim Kugelstoßen erklärt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des DOSB die Technik: „Weit nach oben stoßen“, sagt er und zeigt auf die Baumwipfel hinter der Sandgrube. „In die Richtung.“ Melanie Hartmann nimmt eine Kugel. „Oh, ist die schwer“, sagt sie und stößt sie weit von sich: hoch und weit. 5,50 Meter. „Juchu“, ruft sie. Bei Denis Scharnowski klappt es nicht so gut. 5,03 Meter. „Nicht mal Bronze“, sagt er und reibt sich am Arm.

Genau zielen

Als nächstes ist Schnelligkeit dran. Die Gruppe geht zum 100-Meter-Lauf. „Endlich“, freut sich Nico Riedel, ein drahtiger, junger Mann. „Ich bin ein Sprinter. Für Kugelstoßen bin ich nicht stark genug.“ Er spiele ja auch Fußball, wie die meisten in der Gruppe. Weil beim 100-Meter-Lauf aber so viele andere warten, geht die Gruppe weiter zum Zielwerfen – eine Sportart der Koordination. Auch hier werden zuerst die Regeln erklärt: Aus sieben Metern Entfernung soll man einen kleinen Ball in eine Zielscheibe auf dem Boden werfen. Wer in die Mitte trifft, bekommt sechs Punkte, im Ring daneben gibt es drei und ganz außen einen. Denis Scharnowski trifft mit dem Probewurf gleich in die Mitte. „Das war ja leicht“, ruft er und hat wieder gute Laune. Sechs Mal darf jeder werfen, fünf Würfe werden gewertet. Nico Riedel wirft den Ball gleich fünf Mal in die Mitte und bekommt die Höchstpunktzahl. Melanie Hartmann schafft 24 Punkte und ist zufrieden. „Zielwerfen war schön“, sagt sie danach. „Viel besser als Weitsprung.“ Beim Zielwerfen ist die Stimmung super, alle schaffen eine hohe Punktzahl. „Gold, Silber oder Bronze, das ist doch eigentlich egal“, sagt Melanie Hartmann. „Wichtig ist doch, dass wir alle Spaß haben und zusammen hier sind, mit den Kollegen.“

 

Bei drei weiteren Tour-Stopps steht diesen Sommer das Thema Inklusion im Mittelpunkt. Bei diesen Terminen können Sportler mit und ohne Behinderungen "Hand-in-Hand" ihr Sportabzeichen ablegen.

Die weiteren inklusiven Stopps der diesjährigen Sportabzeichen-Tour:

14. Juli - Bremen

16. Juli - Kaiserslautern

24. Juli - Rosenheim

 

 

Linktipps:

Alle Infos zu den weiteren inklusiven Tour-Stopps des DOSB-Sportabzeichens in Bremen, Kaiserslautern und Rosenheim

Mehr zum Thema Freizeit, Sport und Inklusion bei der Aktion Mensch

Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Katja Hanke über das DOSB-Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung

Spiel, Spaß, Inklusion. Eva Keller über die Arbeit des DOSB für die Inklusion in den Sportvereinen

Selbstbewusstsein durch Sport. Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport

Teilhabe durch Sport. Michael Wahl im Interview mit Dr. Volker Anneken vom FIBS über Inklusion im Breitensport

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Wieder aufrecht gehen

In Wolfenbüttel engagieren sich auch Menschen mit psychischer Erkrankung. Sie helfen sich gegenseitig und noch ganz vielen anderen. Die Teilnehmer am Projekt „Mein Werk“ erfinden ihre eigenen Ehrenamtsprojekte und gehen ihren eigenen Weg in ein stabiles Leben.

Foto: Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.

Herr Gerstmann und die 14 anderen Mitglieder des Projekts haben eines gemeinsam: Sie wollten nach einem durchgetakteten Klinikaufenthalt nicht allein Zuhause sitzen und nichts tun. Sie wollten aktiv werden, etwas auf die Beine stellen, ihrem Leben eine Struktur geben. Und genau das tun sie auch. Im Rahmen des Projekts „Mein Werk“ gibt es inzwischen mehr als ein halbes Dutzend selbst initiierter Gruppen: Man singt gemeinsam, tauscht sich bei einem Kaffee aus, trainiert Hunde, macht Sport, spricht über Gesundheitsthemen, spielt, strickt, man hilft sich bei Umzügen oder beim Renovieren der Wohnung. Alles kann, nichts muss. Alle Ideen kommen von den Teilnehmern, nichts ist von oben aufgesetzt. Den Rahmen und Unterstützung, wann immer sie gebraucht wird, gibt die Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V., die das Projekt in Wolfenbüttel ins Leben gerufen hat.

Gemeinsam etwas starten

Herr Gerstmann hat vor seinem Klinikaufenthalt als IT-Kommunikationstechniker gearbeitet. Jetzt hat er eine Sportgruppe initiiert und eine Kochgruppe gegründet. Der Mittvierziger erklärt: „Wir helfen uns gegenseitig, wo wir können. Der eine kann beispielsweise mit dem Pinsel umgehen, der andere kann Teppiche verlegen.“ Er schätzt vor allem den freundschaftlichen Austausch mit den anderen Teilnehmern. Manchmal ist die gemeinsame Aktivität schlicht der Aufhänger für ein gutes Gespräch, das Mutmachen bei Durchhängern oder das Feiern von Fortschritten. Und dann sind da noch die Begegnungen mit denjenigen, die eine ganz andere Geschichte haben, aber trotzdem gerne zum Dartspielen oder Kochen dazukommen. Beim Handarbeitstreff etwa haben sich gleich mehrere ältere Damen eingeklinkt, die jeden Kniff kennen und mit denen man ganz unangestrengt plaudern kann.

Die mehrstufige Rakete

Michael Fehst von der Freiwilligenagentur sieht das Projekt nicht zuletzt als Sprungbrett: „Die Teilnehmer starten ihre eigenen Projekte, gleichzeitig vermitteln wir auch Engagements in andere Einrichtungen oder in der Nachbarschaft. Im Idealfall stehen am Ende eine neue Stabilität und ein Selbstvertrauen, sodass sich eine Ausbildung und die Rückkehr in den Beruf anschließen können.“ Die Freiwilligenagentur begleitet diesen Prozess, moderiert, wo nötig, sucht passende Engagement-Möglichkeiten und berät Einrichtungen. Michael Fehst ist Ansprechpartner und Vertrauensperson für die Teilnehmer.

Der vollständige Name des Projekts „Mein Werk“ lautet: Mein Werk – Ich bin psychisch krank und ehrenamtlich tätig“. Wenn das für den einen oder anderen ein wenig trotzig, vor allem aber stolz klingt, liegt er genau richtig. Für Herrn Gerstmann ist sein Engagement bei „Mein Werk“ seine beste Entscheidung überhaupt: „Ich gehe seitdem wieder aufrecht!“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

 

Kommentare

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Anonym

Mich erinnert, dieser Bericht auch an den Propeller in Oldenburg. http://www.zentegra.de/pdf/Programm_Propeller.pdf


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