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Apps im Test (7) - GRETA

Ob im Alltag oder in der Freizeit, zuhause oder unterwegs, als Kommunikations- oder Bedienungshilfen – mit mobilen Anwendungen können Barrieren überwunden werden. In unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“ stellen wir jeden Monat eine App vor, die sich genau das zum Ziel setzt. Dieses Mal im Test: „GRETA“.
 

Was kann die App?

Die „GRETA“-App macht die Audiodeskription von ausgewählten Filmen zugänglich. Über die App kann in jedem beliebigen Kino, aber auch zuhause beim DVD- oder Blu-ray-Schauen die Audiodeskription abgespielt werden. Bei der Audiodeskription eines Films werden in den Dialogpausen wichtige Elemente der Handlung, z.B. Orte und Figuren sowie deren Gestik und Mimik, beschrieben.

Unsere Testerin Antje war mit „GRETA“ im Kino und berichtet uns von ihrer Erfahrung.

„GRETA“ im Alltags-Test

Du gehst ins Kino? Auch wenn du gar nichts siehst? Diese Frage höre ich häufig. Ja, ich mag Kinofilme, und die „GRETA“-App ist immer dabei. Platz nehmen, Kopfhörer ins Ohr stecken und der Filmspaß beginnt.

Vor einigen Monaten hab ich mit Freunden „Die Minions“ gesehen. Dieser amüsante Film lebt von bunten Bildern und zahlreichen Momenten, in denen wenig gesprochen wird. Durch die Audiodeskription, die ich mir vorher auf mein Smartphone geladen hatte, konnte ich der Handlung jedoch gut folgen. Ich wusste immer, welche Figuren gerade im Bild sind, wie sie aussehen oder was sie machen.

„Habt ihr hier bemerkt, dass die Brillen der Minions aus Seetang sind?“, habe ich meine Freunde gefragt. „Seetang? Wie bitte? Was meinst du?“

Die Stimme in meinem Kopfhörer hatte mir dieses kleine Detail verraten. Das ist den Sehenden gar nicht aufgefallen.

Es ist häufig so, dass ich durch die Audiodeskription viel mehr Einzelheiten mitkriege und den Anderen davon erzähle. Deshalb nutzen mittlerweile sogar einige Sehende die Audiodeskription.

Auf einen Blick

Name: GRETA

Zielgruppe: Menschen mit Sehbehinderung, Blinde

Verfügbar für: Smartphones und Tablets mit den Betriebssystemen iOS und Android

Kosten: kostenlos

Link: gretaundstarks.de/greta

Video-Tutorial: So funktioniert die App

Fazit unserer App-Testerin

„GRETA“ ist eine großartige App, die Inklusion ermöglicht. Ich kann endlich wieder ins Kino gehen, ohne dass mir ständig jemand erzählen muss, was passiert. Die Kinobesucher um mich herum fühlen sich nicht mehr so gestört und ich kann dem Film ganz entspannt folgen.

 

Antje Samoray hat die App für die Aktion Mensch getestet.

 

Link-Tipps:

Lust auf einen weiteren Erfahrungsbericht? Michael hat für MENSCHEN. das magazin die „GRETA“-App getestet.

Wenn „GRETA” die Audiodeskription abspielt, zeigt „STARKS” die Untertitel an. Lena und Wille waren mit der „STARKS“-App auf der DOK Leipzig und erzählen, wie es ihnen erging.

Neue Ideen schaffen neue Nähe. Hier geht's zu unserer Kampagnenseite.

Was ist Barrierefreiheit?

Du hast tolle Projektideen für mehr (digitale) Barrierefreiheit? Sieh dir unsere Fördermöglichkeiten an!

Du möchtest dir weitere Video-Tutorials unserer Test-Reihe ansehen? Hier entlang.

 

Redaktionelle Betreuung und Videoproduktion: Lena Hoffmann

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Stimmen zum Bundesteilhabegesetz

Am 1. Dezember 2016 hat der Bundestag das lang diskutierte und umstrittene Bundesteilhabegesetz beschlossen. Darin sollen die Leistungen für Menschen mit Behinderung neu geregelt, Teilhabe und Selbstbestimmung gestärkt werden. Am 16. Dezember muss der Bundesrat dem Gesetz noch zustimmen. Wir haben Kerstin Tack und Nancy Poser um ihre Einschätzung zum neuen Gesetz gebeten.

Nancy Poser

Richterin und Mitglied im Forum behinderter Juristinnen und Juristen

Der Bundestag hat das Bundesteilhabegesetz beschlossen. Die Koalition verfällt in Eigenlob, so dass man meinen könnte, sie habe sämtliche Probleme im Leben behinderter Menschen gelöst. Dabei hat sie eigentlich nur eines getan: Sie hat einen katastrophalen Gesetzentwurf aufgrund massiver Proteste der Betroffenen in der letzten Minute zu einem mittelschlechten Entwurf aufgewertet. Statt der Schulnote 6 kann man nun mit viel gutem Willen eine 4 vergeben.

Die Regierung hat es nicht geschafft, Menschen mit Behinderung endlich zu garantieren, dass sie nicht mehr zwangsweise in ein Heim geschoben werden können. Diese Entscheidung bleibt weiterhin dem jeweiligen Sozialamtsmitarbeiter vor Ort überlassen, der wie bisher über die Zumutbarkeit entscheiden muss. Und wie bisher wird es Fälle geben, in denen die Zumutbarkeit einer Heimunterbringung gegen den Willen des Betroffenen bejaht werden wird.

Und mehr noch, erstmals wird die gesetzliche Möglichkeit eingeführt, die individuelle Lebensgestaltung behinderter Menschen einzuschränken, indem verlangt wird, dass sie auch in den Bereichen Haushaltsführung oder Kultur ihre Assistenz teilen müssen.

Ein bisschen fühle ich mich wie ein amerikanischer Ureinwohner, der sich über die bunten Glasperlen der portugiesischen Seefahrer freuen soll. Doch wir Menschen mit Behinderung lassen uns nicht für dumm verkaufen. Wir sind nicht bereit, für einige Goldhappen unsere Menschenrechte herzugeben.

Kerstin Tack

Behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

Das am 1. Dezember durch den Deutschen Bundestag verabschiedete Bundesteilhabegesetz wird die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben deutlich verbessern. Zu diesen Verbesserungen zählen insbesondere die spürbare Ausweitung der Einkommens- und Vermögensgrenzen, die Schaffung einer unabhängigen Beratung, eine bessere Zusammenarbeit der Rehabilitationsträger, die flächendeckende Einführung des Budgets für Arbeit, die Schaffung flexiblerer Übergänge zwischen den Werkstätten für behinderte Menschen und dem ersten Arbeitsmarkt, die Einführung von Mitbestimmungsrechten und die Implementierung von Frauenbeauftragten in den Werkstätten sowie verbesserte Regelungen bei den Schwerbehindertenvertretungen.

Die jetzige Zugangsregelung zur Eingliederungshilfe bleibt bis zum Jahr 2023 in Kraft und wird erst nach einer wissenschaftlichen Erprobung neu definiert. Eingliederungshilfe und Pflege werden weiterhin gleichrangig sein. Außerdem heben wir den Vermögensfreibetrag auch für Menschen, die Sozialhilfe beziehen, von derzeit 2.600 Euro auf 5.000 Euro an. Wünsche zur Wohnform und damit verbundene Assistenzleistungen werden stärker berücksichtigt. Ambulantes Wohnen hat Vorrang, wenn Betroffene dies wünschen.

Mit der Weiterentwicklung eines inklusiven Arbeitsmarktes und der Rolle der Werkstätten sowie der vollständigen Freistellung von der Einkommens- und Vermögensanrechnung werden wir uns auch in Zukunft noch ganz intensiv auseinandersetzen.“

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Aktion Mensch-Blog

Ich höre, ihr seht – das ergänzt sich doch bestens!

Die einen sehen nichts, die anderen hören nichts, und dann arbeiten die einen für die anderen? Wie soll das denn gehen? Moderne Technologie macht’s möglich :-) Mirien ist blind und arbeitet als Schriftdolmetscherin für schwerhörige und gehörlose Kunden. Für uns bloggt sie darüber, was sie im Beruf alles erlebt.

Mirien bei der Arbeit: Schriftdolmetschen ist ein hervorragendes Hilfsmittel.

Mirien Carvalho Rodrigues

Mein Job ist gar nicht so anders als der eines Fremdsprachendolmetschers. Ich verschriftliche, was gesagt wird, und mein Kunde kann so zum Beispiel die Vorlesung im Hörsaal auf seinem Laptop oder Tablet mitlesen und bekommt alles mit. Zusätzlich achte ich auf das Sprachniveau und den Kenntnisstand meiner Kunden, erkenne, welche Zusatzinformationen sie brauchen oder wann ich Inhalte zusammenfassen sollte. Dass es zum Beispiel entscheidend ist, einen gehörlosen Menschen über Gelächter im Raum zu informieren, habe ich in einem Abendkurs erlebt. Da war der gehörlose Kunde, der einer Gruppe das Fingeralphabet näherbrachte, so sehr auf die Arbeit mit einer Teilnehmerin konzentriert, dass er das allgemeine Gelächter nicht sah und von dem nüchternen Text auf dem Bildschirm verunsichert wurde. Hörbare Zusatzinformationen wie Applaus, Ironie oder den Schulgong gilt es also zusätzlich zu übermitteln.

Von Musik bis Mikrobiologie

Die Themenvielfalt, die mir in meinem Job begegnet, ist enorm. Erfreut stelle ich fest, wie viele verschiedene Studiengänge meine Kunden wählen. Auf Musik- oder Fremdsprachunterricht bin ich immer besonders gespannt.

Da ich zumeist online zugeschaltet bin, findet der Kundenkontakt in einem Chat statt. Ich habe mir sämtliche Emoticons angeeignet, denn die spielen hier eine immens wichtige Rolle. Wenn jemand weiß, dass ich blind bin, schreibt er manchmal das Wort „smile“ aus, weil er mitgedacht hat und will, dass ich den Ton der Nachricht auf jeden Fall mitbekomme. Ich wiederum habe gelernt, knappe direkte Antworten nicht als unfreundlich zu empfinden. Für manche meiner Kunden ist deutsche Schriftsprache fast wie eine Fremdsprache, da lege ich nicht alles auf die Goldwaage.

Berührungspunkte und Parallelen

Schriftdolmetschen ist ein hervorragendes Hilfsmittel, führt aber allein noch nicht zu normalem Umgang. Immer mal wieder bekomme ich mit, dass in einer Veranstaltung ein Kursteilnehmer über meinen Kunden spricht: Was machen wir denn mit dem? Wie soll das mit dem gehen? Gehörlose Menschen erleben es also auch, dass andere über sie sprechen, als seien sie gar nicht da. Und mir hat man dieses höchst demütigende Phänomen immer mit dem fehlenden Blickkontakt erklärt.

Sicher gibt es noch mehr Berührungspunkte und Möglichkeiten, uns zu ergänzen oder für gemeinsame Ziele einzutreten.

 

Link-Tipps:

Ob neue Computertechnik oder ein künstliches Körperteil – jede neue Idee kann uns näher bringen.

Einfach für Alle - Das Angebot der Aktion Mensch für ein barrierefreies Internet.

Behinderung ausgeblendet. Mirien über Begegnungen in ihrem Job, bei denen ihre Blindheit kein Thema ist.

Barrieren in den Köpfen: Was ist beim Thema Arbeit und Behinderung möglich?

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