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Inklusion

Begegnung ohne Barrieren

Begegnung auf Augenhöhe – das ist es, was sich viele Menschen mit Behinderung wünschen. Egal, ob es sich nun um bauliche, gesellschaftliche oder zwischenmenschliche Hindernisse handelt, es gilt weiter, Barrieren zu überwinden. Der Europäische Protesttag für Menschen mit Behinderung am 5. Mai soll dafür ein Bewusstsein schaffen. Auch im Saarland sind zahlreiche Aktionen geplant.

Vorbereitungstreffen des BSK in Saarbrücken: Hoch motiviertes Team

Infostände, ein Rollstuhlparcours, ein Bürgerforum, ein Fackellauf – das und noch mehr wird es anlässlich des Europäischen Protesttags geben. Die Landesvertretung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland (BSK) hat im Vorfeld viel zu tun. Die Aufgaben müssen verteilt, Helfer organisiert werden. Beim Vorbereitungstreffen in Saarbrücken zwei Wochen vorher gibt es noch immer Dinge, die geklärt werden müssen. Haben sich die angefragten Politiker schon zurück gemeldet? Gibt es jemanden, der das Forum moderiert? Das Team des BSK ist hoch motiviert, damit alles rechtzeitig fertig wird.

„Wir können nicht aufhören“

Aber nicht nur für die Veranstaltungen selbst legen sie sich ins Zeug. Das, was sie damit erreichen wollen, ist noch wichtiger. „Viele Menschen nehmen die Probleme von Menschen mit Behinderung gar nicht wahr“, sagt der Leiter der Kontaktstelle der BSK in Saarbrücken, Manfred Steuer: „Wir können nicht aufhören, die Belange in den Fokus zu rücken.“ Unterstützung bei seiner Arbeit erhält der Verband auch von der Aktion Mensch. Unter anderem seien Fördergelder wichtig, um zum Beispiel die Helfer für solche Protesttage wie am 5. Mai bezahlen zu können. Auch die Versorgung mit Hintergrundwissen und Informationen über bundesweite Ereignisse sei sehr hilfreich.

Provokante Fragen

In Kontakt kommen, sensibilisieren, aber auch hin und wieder provozieren, das steht beim Protesttag selbst auf dem Programm. Vor der Saarbrücker Europagalerie sind Infostände und ein Rahmenprogramm geplant. Das Motto: „Begegnung auf Augenhöhe – Leben ohne Barrieren“. Mit dem Spielmobil kann jeder ausprobieren, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen. Bei einer offenen Diskussionsrunde werden Passanten und Betroffene Fragen an Politik und Stadtverwaltung stellen können. Die Veranstalter haben auch Fragen: „Kann ein Rollstuhlfahrer alleine wohnen?“ oder „Wer darf auf Behindertenparkplätzen parken?“ Ziel ist es, zur Diskussion anzuregen und Wissenslücken zu stopfen.

Gesetze ohne Wirkung

Dass ein solcher Protesttag notwendig ist, läge nicht an einer mangelnden Lobby für Menschen mit Behinderungen, sagt Dunja Fuhrmann, die stellvertretende Leiterin der BSK-Landesvertretung Saar. „Es gibt genügend gesetzliche Regelungen, allerdings hapere es an der Umsetzung.“ Wenn es um die Umsetzung der Gesetze gehe, werde kaum kontrolliert oder bei Verstößen sanktioniert, so Fuhrmann. „Behinderte zahlen auch Steuern“, gibt die Rollstuhlfahrerin zu bedenken, „aber durch bestehende Barrieren – egal welcher Art – kommen Menschen mit Behinderung gar nicht dorthin, wo man sich begegnen könnte.“

Inklusion heißt das Zauberwort

Parallelgesellschaften auflösen – auch das ist ein Ziel der Aktionen rund um den Europäischen Protesttag. Das Augenmerk darauf legt der bundesweite Inklusionsfackellauf. Innerhalb von drei Monaten wird die Inklusionsfackel in alle Landeshauptstädte geschickt. Am 2. Mai macht sie Station in Saarbrücken. Beim Fackellauf wird Inklusion gleich praktisch umgesetzt. Die Teilnehmer geben die Fackel beim Jedermann-Lauf im Rahmen des 27. City-Laufs rund um das Saarbrücker Heizkraftwerk immer wieder weiter. Initiiert wurde der Inklusionsfackellauf vom Netzwerk Inklusion Deutschland.

Barrierefreiheit bedeutet Komfort für alle

Gerade im Saarland, wo der demografische Wandel in Zukunft eine große Herausforderung darstellen wird, profitieren auch ältere Menschen von den Veränderungen. Ein Bewusstsein dafür soll auch der 1. Rollstuhl- und Rollatortag in Saarlouis am 2. Mai schaffen. So etwas Alltägliches wie das Ein- und Aussteigen aus dem Bus könne Probleme bereiten, erklärt Uwe Wagner, der Leiter der BSK-Landesvertretung. In Saarlouis soll es unter anderem die Möglichkeit geben, das zu üben. Und man erhofft sich von der Aktion noch mehr: „Vielleicht können wir einige Busfahrer etwas mehr sensibilisieren“, sagt Wagner: „Viele verstehen nicht, warum es so wichtig ist, den Einstieg abzusenken.“

 

Dieser Blogbeitrag nimmt an unserer Blogparade zum 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, teil.

 

Linktipps:

Der Inklusionsfackellauf in Saarbrücken: Infos und Termine

Alles zum 1. Rollstuhl- und Rollatortag in Saarlouis

Mehr Infos des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter zum Protesttag am 5. Mai

Bundesweiter Aktionsfinder und alle Informationen rund um den Aktionstag am 5. Mai

Blogparade zum 5. Mai: Jetzt mitmachen und über Begegnungen schreiben!

Fotos gesucht: Stellen Sie Ihr eigenes Begegnungs-Selfie in unsere Galerie der Begegnungen!

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Eure Begegnung, eure Geschichte!

Jede Begegnung hat eine eigene Geschichte – erzählt uns von euren Erlebnissen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung! Ihr habt Visionen und Ideen, wie noch mehr Begegnungen geschaffen werden können? Auch die wollen wir wissen. Macht mit bei unserer Blogparade.

Anika und Ninia sind sich bei dem Dreh des Begegnungsfilms "Das erste Mal" der Aktion Mensch begegnet

„Ich habe jahrelang immer mit Sabrina gespielt. Schon seit dem Kindergarten. Sie war eine meiner Freundinnen. Irgendwann gingen wir auf unterschiedliche Schulen und verloren uns aus den Augen. Erst Jahre später, als ich mit meiner Mama über alte Zeiten gesprochen habe, sagte sie mir, dass Sabrina Lernschwierigkeiten hatte und auf die Förderschule gegangen ist. Ich habe meine vielleicht erste Begegnung (es war eine Freundschaft) mit einem Menschen mit Behinderung bewusst gar nicht wahrgenommen, es war einfach normal.“ (Katharina Hovestädt)

Begegnungen können bereichernd, überraschend, ärgerlich sein – aber ganz sicher sind sie immer anders. Im Rahmen des 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, werden sich bei den vielen Veranstaltungen und Aktionen in ganz Deutschland Menschen begegnen. Wir finden: ein super Anlass, um eine Blogparade zu diesem Thema zu starten und sich darüber auszutauschen.

Geschichten, Wünsche, Ängste und Ideen

Bei der Themenwahl seid ihr frei, hier sind aber ein paar Anregungen:

  • Hat euch eine persönliche Begegnung beeindruckt, geprägt oder geschockt?
  • Was müsste sich in der Gesellschaft ändern, damit Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zum Alltag gehörten?
  • Haben das Internet und soziale Netzwerke bereits zu mehr Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung beigetragen oder kann sich da etwas entwickeln?
  • Denkt ihr, dass technische Innovationen und Entwicklungen wie zum Beispiel die Lorm Hand neue Begegnungen ermöglichen?

Sei dabei!

Mitmachen kann jeder, der ein eigenes Blog hat und auf diesen Artikel verlinkt oder seinen Blog-Beitrag mit Verweis auf seinen Blog hier in den Kommentaren veröffentlicht. Die Blogparade läuft vom 22. April bis zum 17. Mai 2015.

Wir freuen uns auf eure Beiträge!

 

In unserem Blog haben wir bereits einige Begegnungs-Geschichten erzählt:

 

Burger à la Inklusion

Auf einen Abend in der Sushi-Bar

Eine ganz normale Liebesgeschichte

Freunde in der Baker Street

Nicht nur gute Co-Piloten

Mehr zum Thema Begegnung

 

 

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Anonym

Neue Begegnungen sind etwas Wunderbares: Sie können bereichernd und aufregend sein. Begegnungen zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen finden in unserer heutigen Gesellschaft viel zu selten statt. Obwohl wir ständig mit dem Begriff INKLUSION konfrontiert werden, wissen wir im Grunde genommen viel zu wenig darüber. Fast jeder hat eine grobe Vorstellung von der Definition, jedoch was steckt hinter diesem Wort? Nur die wenigsten von uns kamen jemals mit einem behinderten Menschen in Berührung. Wie auch? Die Trennung in behindert und nicht-behindert ist immer noch in unseren Köpfen verankert. Manchmal begegnen wir einem Rollstuhlfahrer auf der Straße. Aber sprechen wir ihn an? Fragen wir ihn, warum er im Rolli sitzt? Sicher nicht. Wir wissen erstens nicht, wie wir mit solchen Begegnungen umgehen sollen. Und zweitens haben wir auch Angst vor der Reaktion des Gegenübers. Ich glaube, dass es Zeit für ein Umdenken in der Gesellschaft ist: Inklusion darf nicht erst in der Politik beginnen. Sie muss ihre Wurzeln im Kleinen, im ganz Persönlichen haben: in netten, neuen Begegnungen. Um diesen Gedanken weiter zu tragen, organisiere ich einen Malwettbewerb, der unter dem Motto „Begegnung zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen“ steht. Alle Infos gibt es hier: http://florentia4kids.blogspot.de/. Als ich eine Mal-AG der Förder- und Wohnstätten Kettig besuchte, um für meinen Malwettbewerb zu werben, begegnete ich Richard und Jean. Die beiden sitzen im Rollstuhl. Sie haben wunderbare Bilder gemalt! Es war mir eine Freude, ihnen dabei zuzusehen. Sie waren ganz begeistert von meinem Projekt. In ihnen habe ich zwei tolle Jury-Mitglieder für meinen Malwettbewerb gefunden. Die Zeit mit ihnen verging wie im Flug, weil sie unglaublich witzig waren und mir gebannt lauschten, als ich ihnen von Florentia erzählte. Ich freue mich riesig auf die Zusammenarbeit mit den beiden! Wir alle warten schon gespannt auf eure Malbeiträge! Also: Geh‘ ran: Inklusion geht JEDEN an!


Inklusion

„Stoma – gehört einfach zu mir“

Es ist ein Tabu, dabei gibt es rund 160.000 Menschen mit einem Stoma in Deutschland. Damit ist die Zahl höher als die der blinden Menschen. Dennoch spielt das Thema öffentlich keine Rolle – aus Scham, aus Unsicherheit, aus Unwissenheit.

Foto-Aktion mit Stoma-Beutel: „Mut machen, Ängste nehmen und Vorurteile abbauen“

Tamara Lammers / www.stoma-na-und.de

Ein Stoma ist eine kleine Öffnung am Bauch, die mit dem Darm oder den Harnleitern verbunden ist. Sie wird von Chirurgen bewusst herbei geführt, um schwerwiegende Folgen von Erkrankungen wie Morbus Crohn, Blasen- oder Darmkrebs zu verhindern und um Leben zu retten, zum Beispiel nach einem Unfall mit Bauchverletzungen. Seit rund 60 Jahren gibt es hygienische Versorgungs-Beutel, die Betroffene am Bauch tragen. Sie fangen die Ausscheidungen aus dem Stoma auf. Im Alltag verschwindet der Beutel unter der Kleidung und wird für andere unsichtbar.

Erste engagierte Projekte brechen mit dem Tabu. So zeigten sich Stomaträger auf der Internetseite 100-tage-100-momente.de so, wie sie sonst nicht zu sehen sind. Auf den selbst erstellten Aufnahmen wird der Beutel in ganz alltäglichen Situationen plötzlich sichtbar, bei der Arbeit, beim Sport, in einem Lieblings-Outfit oder an einem Lieblingsplatz. Im Sommer 2014 zeigte die Foto-Aktion jeden Tag eine weitere Momentaufnahme und verzichtete dabei ganz bewusst auf ergänzende Kommentare oder persönliche Angaben.

Vorurteile halten sich hartnäckig

„Ich gehe selbstbewusst mit meinem Handicap um, was anderen eher schwer fällt“, sagt Nicole, „sie meiden bestimmte Situationen in der Öffentlichkeit und verzichten dann auf einen Badeurlaub, einen Kinobesuch oder auf das wöchentliche Kicken in ihrer Hobby-Mannschaft. Aus Angst, jemand könnte den Beutel sehen oder peinliche Geräusche bemerken und dann mit Ablehnung reagieren.“ Die junge Mutter ist sogar froh, dass sie jetzt ein Stoma trägt: Lange Zeit konnte sie wegen einer chronischen Darmerkrankung nicht wirklich am Leben teilnehmen, ihr Alltag war bestimmt von Bauchschmerzen und ständigem Durchfall. Erst das Stoma hat ihr neue Lebensqualität gegeben.

Trotz der hohen Lebensqualität halten sich Vorurteile über den „künstlichen Darmausgang“  hartnäckig. Und verunsichern so stark, dass im schlimmsten Fall ein Patient diese für ihn lebensrettende Operation ablehnt. Aus einer Angst vor dem Leben danach, die größtenteils unbegründet ist.

„Natürlich war die erste Zeit nicht einfach, aber der Beutel am Bauch wurde schnell zur Nebensache, und er gehört seitdem einfach zu mir“, so Christian (37). „Wir wollen gemeinsam zeigen, dass wir ein Leben führen wie jeder andere.“

Keine Panik vor dem „künstlichen Darmausgang“

„Mut machen, Ängste nehmen und Vorurteile abbauen“, so beschreiben die Initiatoren ihr Ziel. „100 Tage – 100 Momente“ war eine gemeinsame Aktion der Facebook-Gruppe „*Beuteltier* Stoma-Träger“ und der Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. Eigenen Angaben zufolge kam die Foto-Aktion ohne Budget aus, sie lebte ausschließlich von der Beteiligung der Stomaträger – ein bemerkenswertes Projekt, das mehr Öffentlichkeit verdient hätte.

Immerhin einige Fach- und Regionalzeitungen haben über die Foto-Aktion berichtet. So spricht die 67-jährige Dörte Theuerkauf in einem Artikel erfrischend offen über ihren Alltag mit einem Stoma. In der Landeszeitung für die Lüneburger Heide sagt sie, dass sie im Freundes- und Bekanntenkreis nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, dass sie Stoma-Trägerin ist. „Wobei ich es auch leicht hatte“, so Theuerkauf in der LZ. Mit Ende Fünfzig, einer festen Beziehung und dem Selbstvertrauen einer gestandenen Frau „hatte ich Umfeld und Kraft dafür“. Schwerer, glaubt sie, haben es junge Menschen. Frisch Verliebte, die dem neuen Partner erzählen müssen, dass sie einen Beutel am Bauch haben. Vor allem für sie, für die Kinder, die ein ganzes Leben mit Stoma vor sich haben, möchte Dörte Theuerkauf das Tabu brechen, Vorurteile abbauen. Und ein wenig dazu beitragen, dass niemand mehr in Panik gerät, wenn er die Worte „künstlicher Darmausgang“ hört.

 

Linktipps:

Stoma-Welt.de: Das Informationsportal für Stomaträger

Wir leben mit einem Stoma: Die Lebensgeschichten von elf Stomaträgern

Barmer-GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2013: Versorgungsanalysen Stoma und Stomahilfsmittel (S. 77–95) – aktuelle Studie zum Thema inklusive fundierter Statistiken (PDF-Dokument)

„Alle sind stolz darauf“. Blogbeitrag von Katja Hanke über Menschen mit Behinderung als Fotomodelle

Stärke braucht keine Muskeln. Blogbeitrag von Anastasia Umrik über das Fotoprojekt anderSTARK, das Frauen mit Muskelerkrankung in den Mittelpunkt stellt

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Schreiben, schreiben und nochmal schreiben

Das „k“ steht für Köln, die „50“ für die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl. Zusammen ergibt das Ganze „k50“. Dahinter verbirgt sich eine regionale Zeitung von Schülern für Schüler – mit einer inklusiven Redaktion.
 

Redaktionssitzung in Köln

Es ist Mittwochnachmittag in Köln-Ehrenfeld. Die Temperauren sind sommerlich. Rund 25 Grad. Viele tummeln sich draußen. Im Park, am See oder sie essen Eis in der Stadt. Nicht so die k50-Redaktion. Die engagierten Schüler sitzen zusammen bei der Redaktionssitzung (wohlgemerkt drinnen) und planen die Themen der nächsten Ausgabe. Die insgesamt 25 Schreiber sind bunt gemischt, von 14 bis 19 Jahre alt, gehen auf verschiedene Schulen, haben eine Behinderung oder nicht, sind extrem kreativ – es verbindet sie ihre Begeisterung fürs Schreiben und die Themen.

Ihr Heft erscheint viermal im Jahr, getagt wird aber einmal im Monat. Bevor die Redaktionssitzung losgeht, gibt’s eine sogenannte offene Textwerkstatt. Hier unterstützen Frank Liffers, Projektleiter der k50-Schülerredaktion, sowie ehrenamtliche Mentoren die Jugendlichen beim Texten, geben Hilfestellung oder Anregungen. Die Themen, über die geschrieben wird, suchen sich die Schüler größtenteils selbst aus. Das, was gerade spannend ist und interessiert, wird in der Runde diskutiert und festgelegt. Dadurch sind die Inhalte vielfältig und bunt. In der aktuellen Ausgabe geht’s unter anderem um die Jobperspektive Musicalstar, der Kölner Künstler Barthy B. wird interviewt und die k50-Redakteure sind im Gespräch mit einer jungen Krimi-Autorin. Die Planungen für das nächste Heft sind genauso vielversprechend: Die Redakteure Caro, Lambert und Lukas arbeiten zum Beispiel gerade an der Nachberichterstattung zum Bernd-Best-Turnier, dem größten Rollstuhlrugby-Turnier der Welt. Ende März waren die drei in Köln mit dabei. Ganz bestimmt lesenswert!

Voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen

„Die Jugendlichen können sich ausprobieren und ihre Talente entdecken“, erzählt Frank Liffers. Und daher heißt es von ihm mit einem Augenzwinkern: „Schreiben, schreiben, schreiben. Und üben, üben, üben.“ Das fällt den Jugendlichen aber sowieso leicht – schließlich schreiben sie alle gerne. Einige von ihnen möchten Journalisten werden, anderen macht das Texten einfach so Spaß. Eine gute und tolle Erfahrung ist es so oder so.

Angesprochen auf die bunt gemischte Truppe und wie die Zusammenarbeit untereinander funktioniert, sind sich alle einig: super! Das Alter, die Schulform oder die Behinderung spielen gar keine Rolle. Weder bei den Redaktionssitzungen, noch im Heft. Die Themen, die interessieren und vor allem das Schreiben darüber, sind das Spannende und auch das Verbindende. „Wir helfen uns gegenseitig. Das ist eine tolle Unterstützung und Motivation“, erzählt die 16-jährige Lena, die seit rund einem halben Jahr mit im Redaktionsteam ist.

Alter, Herkunft, Behinderung – völlig egal

Die Frage, ob und wie das Miteinander funktioniert, irritiert hier eher. Und genau so sollte es doch sein. Frank Liffers bringt es auf den Punkt: „Das ist doch das Leben“. Und k50 ist ein wirklich tolles Beispiel dafür, wie selbstverständlich Inklusion sein kann.

Die Aktion Mensch fördert „k50“ mit rund 9.000 Euro.

 

Linktipps:

Webseite "k50"

Facebookseite "k50"

Förderung der Aktion Mensch

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Freiwilliges Engagement

Einfach machen - digitale Barrieren einreißen

In Düsseldorf gibt es einen ganz besonderen Treffpunkt: das PIKSL Labor, in dem Menschen mit und ohne Behinderung mit- und voneinander lernen. Die ehrenamtlichen „Laboranten“ sind Experten in Sachen Barrierefreiheit und haben ein einfaches Ziel: Jeder soll Computer und Internet nutzen können.

Foto: PIKSL Labor

Passanten wundern sich manchmal, wenn sie an dem Ladenlokal in der Erkrather Straße vorbeikommen. Hier könnte ein stylisches Start-up residieren oder der Showroom eines Mode-Labels: weiße Wände, großflächige Bilder und flexible Möbel. Doch hier findet sich kein exklusiver Laden, sondern das genaue Gegenteil: Das PIKSL Labor ist ein Ort für alle. An den PCs, Laptops und Tablets, die auf den mobilen Tischen stehen, kann jeder erste Schritte im Internet unternehmen, sich mit Betriebssystemen vertraut machen oder den Einstieg in die digitale Fotografie wagen. Die meisten der freiwillig engagierten Mitarbeiter sind Menschen mit einer Lernbehinderung. Sie bewegen sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt und geben ihr Wissen gerne weiter. Ab 14 Uhr sind die Türen für jedermann geöffnet.

Für Seniorinnen und Senioren finden regelmäßig mehrwöchige Kurse im PIKSL Labor statt. Christoph und Elisabeth gehören mit zum Dozenten-Team, die die Teilnehmer zwei Stunden die Woche schulen. „Viele Ältere bekommen von ihren Kindern oder Enkeln einen Laptop oder ein Tablet geschenkt und wissen erst einmal nichts damit anzufangen. Wir fragen zu Beginn des Kurses, was die Teilnehmenden am meisten interessiert: Mailen, Facebook, Einkaufen im Internet“, erklärt Christoph.

Elisabeth betreut – auch ohne lesen und schreiben zu können – zusätzlich das Tablet-Café, zu dem Neulinge in Sachen tragbarer Rechner kommen, Fragen loswerden und anderen auf die Sprünge helfen können. Bei der Aktion PIKSL mobil werden ältere Menschen in Einrichtungen besucht, die es nicht selbst ins Labor schaffen würden. Gerade für sie ist es ein großer Gewinn, über Tablet mit Familie, Freuden oder Pflegedienst kommunizieren zu können.

Und noch ein weiteres Ziel verfolgt die „In der Gemeinde Leben gGmbH“, die das Projekt PIKSL Labor initiiert hat: In Kooperationsprojekten mit Hochschulen und Unternehmen sind die PIKSL-Laboranten gefragte Experten, wenn es darum geht, wie Produkte einfacher gestaltet werden können. Für die Universität Bielefeld etwa haben Christoph, Elisabeth und die anderen Laboranten den virtuellen Assistenten Billie auf Herz und Nieren geprüft. Er könnte später älteren Menschen die Bedienung von technischen Geräten erleichtern. Das Team ist an der Entwicklung eines Smartphone-basierten Navigationssystems beteiligt, das Menschen mit Lernbehinderung von Tür zu Tür geleitet. Christoph: „Derzeit testen wir das Betriebssystem Windows 10 und entwickeln eine barrierefreie Blogsoftware mit.“

Warum sie sich 15 Stunden und mehr in der Woche im PIKSL Labor engagieren? Für Elisabeth ist das ziemlich einfach: „Mir macht es Spaß, jemandem zu helfen, der alleine nicht klar kommen würde.“ Christoph, der sich auch noch im Schützenverein und an einem Runden Tisch für Inklusion engagiert, sagt es so: „Was wir machen, ist erfolgreich und das macht mich froh.“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.
 

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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Aktion Mensch-Blog

Die #Umrikschwestern

Meine geliebte kleine Schwester, diese Zeilen sind für dich. Sie sind zwar öffentlich und für alle zugänglich, aber sie sind eigentlich nur für dich bestimmt. Es ist eine Liebeserklärung.

Unzertrennliche Schwestern: Alina und Anastasia

Bibilissa Photography

Plötzlich, das war irgendwann im Januar 2007, hast du meine Liebe gewonnen, und seitdem sind wir: die unzertrennlichen #Umrikschwestern. Nein, das war nicht direkt nach deiner Geburt. Ich fand dich erstmal „ganz okay“ – du hast mich nicht gestört, aber ich habe dich nicht vermisst.

Eines Tages, als ich müde von der Arbeit auf der Couch lag und du neben mir warst, berührten sich unsere Nasen, du hast gelächelt und deine kleinen Hände zogen an meinen Haaren ... Und ja, wie soll ich sagen: Seitdem bin ich in dich vernarrt.

Du bist schön. Deine langen blonden Haare, großen blauen Augen und der Schmollmund lassen dich wie Cinderella oder Dornröschen in der Realität aussehen. So stellt man sich immer Prinzessinnen vor. Du kannst nicht normal laufen oder sprechen – du schwebst, du singst, du tanzt. Dein kleines Herz umarmt das Universum, und du lachst viel. Dein Lachen ist schön und es kann so ansteckend sein. Dein Lächeln lädt dazu ein, dem Glück eine Chance zu geben.

Du hast keine Behinderung. Für dich habe ich keine Behinderung.

Deine Klassenkameraden stellen viele Fragen:

„Kann sie sehen? Kann sie sprechen? Kann sie denken?“

Du schaust immer etwas verwirrt und verziehst deine Mundwinkel, als würdest du dich vor etwas ekeln. Du ziehst dann deine kleinen Augenbrauen zusammen und man merkt, dass du nachdenkst, nach einer adäquaten Antwort suchst und sie einfach nicht findest. Du kannst die Fragen nicht nachvollziehen. Dann rufst du mich an und erzählst es mir lachend: „Stell dir vor, sie glauben, dass du nicht DENKEN kannst! Dann habe ich dich auf YouTube gezeigt, jetzt wollen sie alle ein Autogramm von dir haben. Hast du eigentlich Autogrammkarten?!“

Nein, ich habe keine Autogrammkarten, aber reagiere auf Kinderstimmen, die „Hallo, Alinas Schwester!“ rufen.

Viele denken, du wirst von mir vieles lernen, und ich werde dir zeigen, wie man mutig, cool und stark durchs Leben geht. Vielleicht werde ich dir einiges beibringen, ja, aber von dir lerne ich gerade auch sehr viel. Man mag es nicht glauben, aber auch ich stecke oft in Situationen, in denen mir etwas unangenehm ist und ich plötzlich von den Unsicherheiten überfallen werde. Neulich zum Beispiel: Wir waren auf einer russischen Hochzeit und besonders da tanzt man sehr viel – außer man ist alt, spießig, oder eben „behindert“. In der russischen Kultur ist das Thema Behinderung längst nicht vorurteilsfrei und akzeptiert. Auf solchen Veranstaltungen fühle ich mich immer fehl am Platz. Es war gegen Mitternacht, alle tanzten, du ganz groß und wild mitten auf der Tanzfläche. Ich schaute dir zu und lächelte. Mir würde es niemals in den Sinn kommen, auf die Tanzfläche zu gehen, ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt zur lauten Musik, zwischen den Hintern bewegenden Menschen und – ja, ich mag das einfach nicht! Du kamst an meinen Tisch und sagtest sehr bestimmt: „Ich möchte, dass du mit mir tanzt.“ Ich schnappte nach Luft, kramte nach überzeugenden Argumenten, suchte nach dem Ausgangsschild, nahm einen großen Schluck Rotwein – und stand plötzlich auf der Tanzfläche. Zwischen diesen ganzen perfekten, sich schön bewegenden, mich voller Mitleid und Bewunderung zugleich anlächelnden Menschen, tanzten wir beide und vergaßen für eine kurze Zeit alles um uns herum.

Wie machst du das?! Wie schaffst du es, mit deinem Charme und deiner Willensstärke, mich – die mindestens genauso stur und stark ist wie du – alles vergessen zu lassen und dir blind zu folgen?

Als du in den letzten Tagen bei mir übernachtet hast, hast du nachts deinen kleinen Arm um mich gelegt und vor dich hin genuschelt: „Du bist die beste Schwester auf der ganzen Welt, ich möchte so werden wie du.“

Ich lag den Rest der Nacht hellwach mit einem klopfenden Herz neben dir.

So viel Liebe erträgt doch kein Mensch!

 

Linktipps:

Infos und Links rund ums Thema „Geschwisterkinder“ hat der Familienratgeber

Was haben Nichtbehinderte von der Inklusion? Anastasia Umrik erklärt im Blog, warum Inklusion für ALLE gut ist

Partnersuche inklusiv: Ein Experiment. Blogbeitrag von Anastasia Umrik über Partnersuche im Internet als Mensch mit Behinderung

Tanzende Herzen. Blogbeiträge von Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

„Anders sind sie alle“: Der Blog von Anastasia Umrik

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Anonym

Wunderbarer Kommentar von der wunderbaren Frau Umrik. Macht er doch deutlich, dass nicht nur Stoffe, sondern auch Worte wärmen können....


Ein verrenkter Arm hat das Zeug zum großen Glück

Rudi Cerne erzählt in einem Interview, was Glück für ihn privat und in seiner Rolle als Aktion Mensch-Botschafter bedeutet.

Rudi Cerne im Interview mit Katharina Hovestädt

Das Thema Glück spielt für die Aktion Mensch eine große Rolle. Sie macht zum Beispiel Lotterie-Gewinner glücklich und fördert außerdem bis zu 1.000 soziale Projekte im Monat. Deshalb hat die Aktion Mensch ihr neues Los „Glücks-Los“ genannt, das Motto lautet „Glück für mich. Glück für andere“. Grund genug, um den Botschafter der Aktion Mensch, Rudi Cerne, nach seiner Deutung von Glück zu fragen.

 

Rudi, in welcher Situation oder bei welchem Ereignis in deinem Leben würdest du jetzt zurückblickend sagen: Ja, da hatte ich wirklich richtig großes Glück?

Rudi Cerne: Ich hatte ganz kapitales Glück 1979, ich hatte mir damals den Arm ausgerenkt, bei einem Sturz als Eiskunstläufer nach einem dreifachen Axel. Das Gute war, dass ich die gesamte Saison ausgefallen bin, also mich vollständig auf mein Abitur konzentrieren konnte und ich hab ganz nebenbei auch noch meine Frau kennengelernt, mit der ich jetzt 27 Jahre verheiratet bin.

Gerade unter Sportlern soll es ja einige Rituale geben, um dem Glück ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Hast du da auch Glücksbringer oder ähnliches gehabt?

Es klingt ein bisschen komisch, aber ein bisschen Aberglaube ist immer irgendwie wieder vorhanden. Ich hatte Rituale im Sport. Beim Eiskunstlaufen war das also immer so - wie ich auch bei anderen Sportlern beobachtet habe - dass ich immer zuerst meinen linken Schuh zuschnüren musste und dann den rechten. Wenn ich den rechten zugeschnürt hätte und dann erst den linken, ich glaub dann hätte nichts funktioniert.

Du bist seit mehr als einem Jahr für die Aktion Mensch als Botschafter unterwegs. Du besuchst Förderprojekte und präsentierst die Gewinnzahlen im ZDF. Hat diese ehrenamtliche Arbeit für dich auch etwas mit Glück zu tun?

Ja, die Aktion Mensch hat schon durch ihre Ziele in Bezug auf Barrierefreiheit und Inklusion, aber auch in ihrer Eigenschaft als Lotterie ganz klar mit Glück zu tun. Bei der Aktion Mensch ist es immer wichtig gewesen, nicht nur selber Glück zu haben, sondern auch bei anderen für Glück zu sorgen. Also im klassischen Sinne und Neudeutsch gesagt die Win-win-Situation. Wenn man also zum Beispiel ein Los kauft, dann unterstützt man gleichzeitig bis zu 1.000 soziale Projekte im Monat, die auch anderen helfen, glücklich zu sein. Und ich finde das ist perfekt – eine tolle Sache!

 

Unterstützen Sie die Aktion Mensch mit dem Kauf eines Glücks-Loses. Mehr Infos finden Sie unter www.meinglueckslos.de

 

 

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Freiwilliges Engagement

Tierschutz statt Tatort

Wenn im Frühling der Tiernachwuchs auf die Welt kommt, haben die Helfer des Hamburger Tierschutzvereins alle Hände voll zu tun. In der Wildtieraufzucht werden verlassene und verletzte Jungtiere gepäppelt und später ausgewildert. Für die Engagierten ist es ein Traumjob, der aber nichts mit einem Streichel-Zoo zu tun hat.

Foto: Hamburger Tierschutzverein

Gerade einmal die halbe Hand füllt das Eichhörnchen-Baby aus. „Hörni“ ist erst zehn Tage alt, hat schon Fell, aber die Augen sind noch geschlossen. Die großen Pfoten greifen beherzt nach der Spritze mit der Milch, die Meral ihm anbietet. Gerade einmal 1 ml bekommt es am Anfang, dafür aber alle 1-2 Stunden. Und damit es auch mit der Verdauung klappt, massiert ihm die 33-Jährige hinterher auch noch vorsichtig das Bäuchlein.

Hochbetrieb im Frühjahr

In der Wildtieraufzucht des Hamburger Tierschutzvereins herrscht im Frühjahr Hochbetrieb. Dann bringen aufmerksame Spaziergänger kleine Spechte, die aus dem Nest gefallen sind, allein gelassene Kaninchenwelpen, junge Singvögel, Tauben, Marder, Katzen - alles bis hin zur Krabbe, die sich verlaufen hat.

Meral ist eine von mehr als 100 teils regelmäßigen, teils unregelmäßigen Helfern, die die hauptamtlichen Kräfte des Vereins unterstützen. Nicht weniger als 10.000 Tiere durchlaufen dessen Tierheim jedes Jahr. Die Haustiere werden an neue Halter vermittelt, die Wildtiere ausgewildert. In der Wildtieraufzucht füttern Engagierte vor allem am Wochenende und zu Randzeiten die Jungtiere, sorgen aber auch für Sauberkeit in Käfigen, waschen Näpfe aus oder gestalten artgerechte Gehege. Warum sich die Berufstätige in ihrer Freizeit engagiert? „Das ist ganz praktische Lebenshilfe. Die Tiere kommen oft unterkühlt und hungrig an. Wenn man sie dann versorgt und weiß, dass sie überleben werden, ist das ein tolles Gefühl“, meint Meral.

Jungtiere statt Tatort am Sonntag

Antje kam eher zufällig zu ihrem Engagement für das Tierheim. Ihr Papagei war gestorben, und sie suchte im Tierheim nach einem Nachfolger. Bei der Gelegenheit erfuhr die Tiertherapeutin von der Möglichkeit, sich zu engagieren. Nun ist sie zweimal die Woche vor Ort – oft kommt auch ihre Mutter mit – und entlastet die hauptamtlichen Mitarbeiter. „Statt Tatort am Sonntag sind wir dann bei den Jungtieren. Das macht uns mehr Spaß und ist etwas Sinnvolles.“ Sie ist seit fünf Jahren dabei und hat jede Menge gelernt: Wie halte ich eine junge Taube während der Fütterung? Wie verabreiche ich die Nahrung? Wie merke ich, dass es einem Tier nicht gut geht?

Engagierte gesucht

Die erfahrenen Ehrenamtlichen und der Ehrenamtskoordinator Sven Fraaß kümmern sich intensiv um jeden Engagierten, der neu dazu kommt. Immer wieder erlebt er, dass sich Menschen engagieren wollen, die glauben, dass sie hier vor allem Tiere streicheln würde. Dabei ist es bei Wildtieren ganz wichtig, dass gerade kein zu enger Kontakt zum Menschen entsteht. Sie sollen sich nicht an sie gewöhnen, um die spätere Auswilderung nicht zu erschweren. Wer mehr erfahren will über den Einstieg in ein Engagement, kann sich am besten per E-Mail an Sven Fraaß wenden.

Das kleine Eichhörnchen wird mit vier Wochen in eine spezielle Voliere umziehen, damit es das Klettern trainieren kann. Und mit zwei Monaten geht es zurück in die Natur. Dann werden mit Sicherheit schon die nächsten Gäste gebracht werden, die die ganze Aufmerksamkeit von Meral oder Antje brauchen.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.
 

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

 

 

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Freunde in der Baker Street

von Sascha   Stienen

Diese beiden Zahlenmenschen verbindet mehr als nur die Arbeit in der Buchhaltung: Die Freunde Ulrike Diemann und Peter Hippchen treffen sich auch im Alltag.
 

Ulrike Diemann und Peter Hippchen in ihrem Lieblingscafé

Stienen/Aktion Mensch

Im Saarbrücker Pub „Baker Street“ treffen sich an diesem Dienstag zwar nicht Sherlock Holmes und Doktor Watson auf einen Cappuccino mit Sahne, aber ein anderes bemerkenswertes Freundespaar. Auf der gemütlichen Ledercouch im „Criminal Tearoom“ lassen sich Ulrike „Uli“ Diemann (53) und Peter Hippchen (60) ihren Kaffee schmecken. Ulrike Diemann hilft ihrem Freund und Kollegen dabei, reicht ihm wie selbstverständlich das hohe Glas mit dem Milchkaffee, damit er aus einem Strohhalm trinken kann. Selbst halten könnte Peter Hippchen das Glas nicht so leicht, weil er durch seine spastische Behinderung motorisch stark beeinträchtigt ist.

Vier Augen sehen mehr als zwei

Für Ulrike Diemann sind solche kleinen Hilfestellungen völlig normal, denn die beiden kennen sich schon seit 15 Jahren. In dieser Zeit sind aus den beiden Kollegen Freunde geworden. Gemeinsam sind Ulrike Diemann aus Saarbrücken und Peter Hippchen aus Beckingen in der Buchhaltung der Miteinander leben lernen gGmbH tätig. Ob Bilanzen, Auswertungen oder Gewinn- und Verlustrechnungen: Stets unterstützen sich die beiden gegenseitig. Es herrscht das Vier-Augen-Prinzip. Und was der eine manchmal nicht sieht, darauf kommt dann der andere. Bei Zahlen steckt der Teufel manchmal im Detail, berichten beide. Und Ulrike Diemann ist froh, dass Peter Hippchen ihr den einen oder anderen Kniff beigebracht hat. So finden sie meist den Fehler, wenn mal eine Rechnung nicht stimmt.

Peter Hippchen berichtet, dass ein Sauerstoffmangel bei der Geburt die Ursache für seine körperliche Behinderung war. Er hat drei Geschwister,  mit denen er auf dem Bauernhof groß geworden ist. Schon als Junge fuhr er Traktor, berichtet er. „Mein Vater hat mich immer motiviert, alles auszuprobieren.“ So bretterte er bereits mit fünf Jahren über den Rübenacker und wurde mit dem Fahren wie selbstverständlich groß. „Mein erstes Auto war ein Opel Kadett A in den Siebzigern. Die waren noch eckig gebaut“, erzählt er. Um dann schmunzelnd zu ergänzen: „Der Kofferraum war so groß, da passten noch sechs Kästen Bier auf einmal rein.“

Hündin Cora hilft beim Anziehen

Für Peter Hippchen gilt mit seiner Behinderung das Motto: „Geht nichts, gibt’s nicht“. So lebt er ein selbstbestimmtes Leben mit seiner Frau Monika und Hündin Cora im eigenen Haus.  Peter Hippchen unterstützt auch seine Frau, die im Rollstuhl sitzt. Und Peter Hippchen weiß sich zu helfen: Hündin Cora hat er einige Tricks beigebracht, mit denen sie ihren Herrchen helfen kann, zum Beispiel beim Anziehen.

Für Ulrike Diemann ist Peter Hippchen wie ein großer Bruder: „Wenn ich Sorgen und Probleme habe, rufe ich Peter einfach an. Er hat ein offenes Ohr für mich.“ Beim Umzug ihrer Tochter Carina (25) nach München steuerte Peter Hippchen einen Umzugswagen – und das ging so souverän und mutig durch enge Straßen, dass „Uli“ über die Fahrkünste ihres Freundes nur noch staunte.

Die beiden lachen viel, auch beim Kaffee im Pub „Baker Street“. Die anderen Gäste nehmen an diesem Tag nicht viel Notiz von den beiden. Manchmal ist das jedoch anders, berichtet Ulrike Diemann. Dann starren manche Menschen schon recht aufdringlich zu ihnen rüber, zum Beispiel wenn sie ihren Freund füttert, damit sein Essen oder der Cappuccino mit Sahne nicht kalt wird.   

Ein Tänzchen im Büro

Als saarländische „Sießschniss“ freuen sich die Kollegen immer über süße Leckereien und wagen im Büro zu ihrer Lieblingsradiomusik schon mal ein Pausen-Tänzchen, bevor es wieder an die Zahlen geht. Auch im „Baker Street“ gibt es einen extrem süßen Kuchen, bevor jeder wieder seiner Wege geht. Beziehungsweise fährt: Peter Hippchen rollt mit einem Spezialliegerad durch die Fußgängerzone bis zum Bahnhof, kauft sich noch zwei frische Lieblingsbrezeln und telefoniert aus dem Zug per Handy mit seiner Frau, um anzukündigen, dass er in Kürze da sein wird. Auch das Stück vom Zielbahnhof fährt er mit dem Rad nach Hause.

 

Info: Die Aktion Mensch unterstützte die inklusive Wohngemeinschaft „Kurze Straße“ der Miteinander leben lernen gGmbH bei der Einrichtung eines Fahrstuhls.

 

Linktipps

Miteinander leben lernen Saarland

Aktion Mensch - Förderung

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Freiwilliges Engagement

Was sind 70 Jahre Altersunterschied?
 

Lauryn und Frau Schapitz treffen sich seit letztem Sommer regelmäßig. Die eine ist neun Jahre alt, die andere über 80, beide verstanden sich auf Anhieb. Die besondere Begegnung ermöglicht ein engagierter Lehrer, der das Projekt „Generationsbrücke“ an die Schule geholt hat sowie eine pensionierte Kollegin. Sie staunen immer wieder, was die Treffen mit Jung und Alt machen.
 

Foto: Generationsbrücke Deutschland

Volle Konzentration bei Lauryn. Die Viertklässlerin legt eine Hand auf ein Blatt Papier, platziert einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger von Frau Schapitz und unterstützt sie dabei, die Umrisse der Hand nachzuzeichnen. Die Seniorin beobachtet ganz genau, was Lauryn macht, lächelt zwischendurch, ist ganz bei der Sache. Nur noch ein paar zusätzliche Striche und es entsteht eine perfekte Tulpenblüte. Am Ende gibt es ein Lob von der selbstbewussten 9-Jährigen: „Gut gemacht, Frau Schapitz!“ Dass die beiden sich so nahe kommen, obwohl sie mehr als 70 Lebensjahre trennen, ist ein kleines Wunder und geht nicht ohne engagierte Brückenbauer.

So wie Holger Schmidtke. Er ist Religionslehrer an der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin und koordiniert das Projekt „Generationsbrücke“, an dem sich 100 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen, sieben Kolleginnen und vier Altenpflege-Einrichtungen beteiligen. Er war gleich von der Idee überzeugt, dass Grundschüler und Senioren gleichermaßen von der regelmäßigen Begegnung profitieren: Die Schülerinnen und Schüler erleben Herzlichkeit und lernen eine Menge über das Altern. Die Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen werden mit allen Sinnen gefordert und blühen auf. „Etwas mit anderen gemeinsam tun – das ist diakonisches Handeln par excellence!“, berichtet Holger Schmidtke. Er reiste nach Aachen, wo das Projekt entstand, und lernte das Konzept „Generationsbrücke“ genau kennen.

Lauryn ist eine von 16 Schülerinnen und Schülern, die an diesem Tag in die „Residenz Zehlendorf“ gekommen sind, einer Seniorenwohnanlage ganz in der Nähe der Schule. Was sie an der Begegnung von Jung und Alt besonders mag? „Mir macht es viel Spaß zu singen und zu basteln. Und ich finde es schön, auch mal etwas Ruhigeres zu machen.“ Ihre eigenen Großeltern wohnen teils in den USA, teils in Vietnam, im Alltag hat sie kaum Kontakt zu alten Menschen.

Das monatliche Treffen zwischen den Generationen dauert in der Regel eine Stunde und ist genau durchchoreografiert. Am Anfang singen alle gemeinsam. Die Motorik der Bewohner wird mit einfachen Spielen angesprochen. Dann wird beispielsweise etwas gebastelt, was alle fordert. Die Kinder haben einen festen Bewohner-Partner, den sie über die Zeit immer besser kennenlernen.

Holger Schmidtke bereitet die Besuche gründlich im Religionsunterricht vor. Dort wird über das Altern, Krankheit und Tod gesprochen. Das ist auch deshalb wichtig, weil einige der Bewohner während des einjährigen Durchlaufs versterben. Dies muss gut kommuniziert und aufgefangen werden. Holger Schmidtke: „Das Erstaunliche dabei ist, dass die Kinder den Bewohnern ganz unbefangen gegenüber treten. Da ist nichts komisch oder fremd.“ Genau mit dieser Haltung locken die Kinder die Bewohner aus der Reserve. „Wenn jemand mit Demenz während der Treffen voll dabei ist, sich konzentriert, dann ist das ein riesiger Fortschritt“, weiß Holger Schmidtke. Unterstützung bekommt er von Helga Albrecht-Thiele. Sie war 35 Jahre lang als Lehrerin an der Kennedy-Schule tätig und von Anfang an von der Generationsbrücke begeistert.

Am Ende der Stunde verabschiedet sich Lauryn mit den Worten „Hat Spaß gemacht!“ Und auch, wenn Frau Schapitz nicht direkt etwas erwidert, sieht man ihr ganz deutlich an, dass es ihr genauso geht.

 

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 16.000 Angeboten das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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