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Apps im Test (3) - Wheelmap

Ob im Alltag oder in der Freizeit, zuhause oder unterwegs, als Kommunikations- oder Bedienungshilfen – mit mobilen Anwendungen können Barrieren überwunden werden. In unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“ stellen wir jeden Monat eine App vor, die sich genau das zum Ziel setzt. Dieses Mal im Test: „Wheelmap“.

Weitere Tests unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“

Be My Eyes

SiGame

Die Testberichte in Leichter Sprache lesen

Was kann die App?

Die „Wheelmap“-App ist die mobile Anwendung der Online-Karte „Wheelmap“, in der öffentlich zugängliche Orte danach bewertet werden, wie gut sie mit dem Rollstuhl zu erreichen sind. Angemeldete Benutzer der „OpenStreetMap“ können in der „Wheelmap“ Orte eintragen und Informationen über die Rollstuhlgerechtigkeit hinzufügen. Unsere Bloggerin Isabell hat während ihres Besuchs in Berlin die App getestet.

Wheelmap“ im Alltags-Test

Rund um den Berliner Spittelmarkt suche ich gemeinsam mit einer Freundin ein stufenlos zugängliches Restaurant. Ich befrage die „Wheelmap“-App. Sie zeigt mir eine kleine Auswahl an Orten. Nur einer ist als „voll rollstuhlgerecht“ markiert, aber auch relativ weit von unserem derzeitigen Standort entfernt. Deshalb entscheiden wir uns für ein als „eingeschränkt rollstuhlgerecht“ gekennzeichnetes Bistro und sind gespannt, ob ich reinkomme. Dort angekommen, stellen wir erfreut fest, dass der Eingang stufenlos ist. Doch drinnen nach wenigen Metern die Überraschung: eine große Stufe auf dem Weg zu den Tischen. Ich will schon umkehren, als der Kellner mir mitteilt, dass wir die Tische über den Hintereingang stufenlos erreichen können. Super – unser gemeinsames Essen ist gerettet.

Auf einen Blick

Name: Wheelmap

Zielgruppe: Menschen mit Mobilitätseinschränkung

Verfügbar für: Smartphones und Tablets mit den Betriebssystemen iOS und Android

Kosten: Kostenlos

Link: www.wheelmap.org

Video-Tutorial: So funktioniert die App

Fazit unserer App-Testerin

Die „Wheelmap“ ist praktisch und einfach zu bedienen, wenn man mit digitalem Kartenmaterial gut zurechtkommt. Auch bei der Kennzeichnung „eingeschränkt rollstuhlgerecht“ lohnt sich ein Besuch, manchmal sind Orte auf den zweiten Blick doch noch stufenlos zugänglich. Allerdings sind viele Einträge noch nicht kategorisiert. Also: Je mehr Leute mitmachen, desto besser!

 

Linktipps:

Im Interview: „Wheelmap“-Initiator Raul Krauthausen stellt sein Projekt vor

Wie rollstuhlgerecht ist Bonn? Im Rahmen der Aktion #MapMyDay mit der Wheelmap-App unterwegs

Unbehindert aktiv: Wie barrierefrei sind Online-Tools für Menschen mit Behinderung?

Du möchtest dir weitere Video-Tutorials unserer Test-Reihe ansehen? Hier entlang.

Was ist Barrierefreiheit?

Du hast tolle Projektideen für mehr (digitale) Barrierefreiheit? Sieh dir unsere Fördermöglichkeiten an!

 

Redaktionelle Betreuung und Videoproduktion: Lena Hoffmann

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Wie Barrierefreiheit meine Welt erweitert

Als blinder Mensch kann man viele Dinge nicht erkennen – das muss man aber auch nicht. Ich zeige meinen Alltag als Blinder: dort, wo Erkennen ganz anders funktioniert und Sprache die Welt erweitert.

Menschen und Technik verbinden: Marcel (vorne) zeigt Romy und Charly im Aktion Mensch-Video "Die neue Nähe" die App "Be My Eyes".

Vom Blick in den Spiegel morgens bis zum Wiedersehen der Freunde am Abend – andere Menschen sehen ihre Welt in erster Linie, und damit unterscheidet sich diese von meiner. Meine Welt ist vor allem Sprache. Sprache, die mir Räume und aktuelle Gegebenheiten erschließt. Als barrierefreie Kommunikation kann die Sprache digital, in Braille oder menschlich sein. In jedem Fall ist Sprache die Brücke zur Welt und ermöglicht mir erst meine Bewegungsfreiheit.

Mit Kommunikationstechnik Barrieren überwinden

Im Alltag muss ich mich oft erinnern: Wenn mein Schlüssel zum Beispiel morgens nicht am gewohnten Platz liegt, dauert die Suche bei mir ein bisschen länger. Wenn ich deswegen meinen Bus verpasse, kann ich die Wartezeit heute produktiv nutzen, etwa um eine Besprechung vorzubereiten. Dafür brauche ich nur mein Smartphone und einen Knochenschallkopfhörer. Die Sprachausgabe liest mir die relevanten Dokumente vor, während ich dank der freien Ohren meine Umgebung nach wie vor wahrnehmen kann.  Auch Zugverspätungen und kurzfristige Gleiswechsel für Züge bekomme ich mit, seit das mobile Internet auch für mich wahrnehmbar gemacht wurde. Bevor es zum Beispiel den Verspätungsalarm der Deutschen Bahn gab, ist sowas meistens an mir vorbeigegangen. Neben einem großen Erinnerungsvermögen braucht es im blinden Alltag ein hohes Maß an strukturiertem Denken und Planungsfähigkeit. Dies alles hilft aber nicht, wenn die Welt einmal wieder größer ist als man selbst und sich das Leben spontan und wechselhaft zeigt. Genau hier ist die barrierefreie Kommunikation eine Brücke der Selbstbestimmung, es geht auch ohne fremde Hilfe für mich weiter. Ein gutes Gefühl und in der heutigen Zeit unverzichtbar.

Barrierefreiheit ist sehr individuell

Selbstbestimmung ist im Büro genauso wichtig. Meine Mitarbeiterinnen haben sich daran gewöhnt, dass ich mit Kopfhörern am PC arbeite, der Screenreader mir den Bildschirminhalt ausliest und ich Texte in mein Handy diktiere. Dabei bin ich eben so schnell wie die sehenden Kollegen, denn der Rechner ist mit individuell für mich angepasster Software ausgestattet. Kontakte, aktuellste Dokumentenversionen und unterschiedliche Programme sowie Textbausteine kann ich durch wenige Tastenkombinationen zusammenfügen und bearbeiten. Barrierefreiheit ist für mich sehr individuell und immer auch Selbstmanagement, das mir wirklich Spaß macht, wenn ich eine neue praktische Tastenkombination entdeckt habe.

Reden ist Gold

Barrierefreie Kommunikation ist aber nicht nur Technologie. Für uns Blinde gilt: Reden ist Gold, sonst wäre es noch schwerer, sich in der Welt zu orientieren. Technik ist wichtig, Kommunikation mit Menschen aber immer barrierefreier. Also, liebe Bahnfahrer, Passanten an Kreuzungen und Einkäufer in Supermärkten: Die meisten blinden und sehbehinderten Menschen sind sehr dankbar für eure Hilfe – eine kurze Ansprache und schon sind wir im Gespräch.

Barrierefreie Kommunikation ist der Schlüssel

Besonders gelungen ist barrierefreie Kommunikation immer dann, wenn sich Menschen und Technik verbinden. So bei der App Be my Eyes, mein universeller 24 Stunden-Alltagshelfer. Über Video-Chat leihen mir Sehende auf der ganzen Welt ihre Augen und so werden Aufschriften auf Verpackungen oder Hausnummern sichtbar.

Egal, ob mir in meinem Alltag Apps wie Fußgänger-Navigationen, Geldscheinleser, Farberkenner oder Barcode-Reader helfen, oder ob durch Brailleschrift oder erhabene Beschriftungen oder Tastpläne Gebäude, Aufzüge und ganze Fußgängerzonen zugänglich werden, ob Leitsysteme und Blindenampeln den Verkehrsraum für mich erschließen: Immer ist die barrierefreie Kommunikation der Schlüssel. Es geht um das Ermöglichen von barrierefreier Kommunikation und um Informationen, die meine Welt erweitern und mir vieles von dem möglich machen, was vor 20 Jahren noch nicht möglich war.

Dabei gibt es immer noch zahlreiche Barrieren bei Dingen, die für Sehende selbstverständlich sind: Bankautomaten, auch von Blinden finanzierte öffentlich-rechtliche Medien, unzählbare Internetseiten öffentlicher Dienstleister sowie Universitätsbibliotheken sind Beispiele. Dabei gibt es hier bereits barrierefreie Lösungen für Kommunikations- und Informationsgestaltung. Warum setzen wir diese nicht einfach um?

Barrierefreiheit auch für Kommunikation denken

Mir geht es vor allem darum, Lösungen für Kommunikationsbarrieren aufzuzeigen. Denn nur so können auch immer mehr blinde, sehbehinderte und andere Menschen mit kommunikativen Einschränkungen sprachfähig werden – man denke an die Leichte Sprache oder die Gebärdensprache. Menschen mit Behinderung sind eine sehr heterogene Gruppe mit vielen unterschiedlichen Bedürfnissen. Barrierefreiheit ist viel mehr als Rampen und Toiletten. Fangen wir doch an, Barrierefreiheit auch für Kommunikation und Information zu denken.

 

Linktipps:

Jede neue Idee kann uns näher bringen: Im Video "Die neue Nähe" wird die App „Be My Eyes“ gezeigt

Mobile Innovationen: Interview mit Matthias Lindemann zum Thema „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Neuartige Medien als Schlüssel zur Teilhabe: Neue Technik verändert den Schulalltag für Kinder mit und ohne Behinderung

Kommunikation und Teilhabe durch Technik: Der Verein Kommhelp entwickelt Hilfsmittel zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Behinderung

Technik für alle: eine Utopie? Wie eine Zukunft aussehen könnte, in der Technik von Menschen mit und ohne Sehbehinderung gleichermaßen genutzt würde

Reden ist Gold: In unserem neuen Kampagnenvideo lernen sich Charly (links) und Marcel kennen

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die füchsin

Oh man, wie ich es mag so etwas zu lesen! Das ist so schön!!! Ich hoffe es wird sich noch so eineiges Verändern und damit Türen für alle Menschen öffnen. Ich wünsche Marcel alles gute! :)


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Technische Hilfsmittel für mehr Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit hat viele Seiten, ob es eine helfende Hand ist oder eine gebaute Rampe. Aber können auch technische Hilfsmittel Barrierefreiheit fördern oder sind das eher Spielereien mit nur kleinem Effekt?

Gemeinsam Barrieren überwinden: Dennis und Julien im Aktion Mensch-Video "Die neue Nähe"

Aktion Mensch

Ich bin seit knapp elf Jahren Tetraplegiker (vom Hals abwärts gelähmt), nutze dadurch einen Elektrorollstuhl und brauche 24 Stunden am Tag jemanden an meiner Seite. Daher ist für mich jedes Stück Selbstständigkeit enorm wichtig. Doch Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit funktionieren nur, wenn Barrieren überwunden werden können.

Roboterarm = Armersatz?

Für mich ist die wichtigste Basis natürlich mein Rollstuhl, ohne den ich nichts unternehmen kann. Er ist nicht nur ein Hilfsmittel, nein, er ist mein Tor für ein soziales Leben, meine Freiheit, meine Beine – er ist ein Teil von mir. Zudem ermöglicht er mir überhaupt erst die Nutzung mancher Hilfsmittel. Beispielsweise funktioniert für mich die Bedienung eines Smartphones oder Tablets nur durch meinen Rollstuhl. So auch die Steuerung meines Roboterarms.

Durch meinen Roboterarm kann ich vieles, was ich sonst überhaupt nicht selbstständig könnte: etwas trinken, essen, etwas festhalten oder mich kratzen. Das gibt mir enorm viel Selbstständigkeit zurück! Doch er ersetzt keinesfalls eine Assistenz. Sollte ich mich mal verschlucken, kann mir der Arm nicht beim Husten helfen.

Standard-Hilfsmittel oder individuelle Lösungen?

Auf der Suche nach Hilfsmitteln lande ich zuerst oft beim Standard-Angebot. Manchmal lohnt es sich aber zu recherchieren. Bisher hatte ich zum Beispiel die in Deutschland von vielen genutzte „Standard“-Mundmaus für meinen Computer. Damit lässt sich der PC zwar sehr solide, aber stark eingeschränkt, mit nur zwei Klicks bedienen.

Im Internet habe ich dann den QuadStick gefunden, ein extra für hochgelähmte Menschen entwickelter Controller für PC und Konsolen. Er vereint PC-Maus, Spiele-Controller und einige andere Funktionen, die die PC-Bedienung deutlich erweitern und das Zocken ermöglichen. Auch das ist für mich Barrierefreiheit.

Die eingeschränkten Allzweck-Wunderwaffen: Apps

Dank Apps ist heutzutage schon vieles möglich, auch für mich. Ich kann beispielsweise bei der Arbeit ohne Begleitung den Aufzug bedienen, die Jalousien und das Licht steuern. Das Stichwort heißt hier Hausautomatisierung und ist technisch bereits standardisiert und überall einsetzbar. Viele Gebäude könnten damit ausgestattet werden, um eine selbstständige Bewegung im Haus zu ermöglichen. Insbesondere Bewegungsmelder an Türen sind kleine, aber äußerst effektive Hilfsmittel und schaffen mehr Barrierefreiheit.

Technische Entwicklungen und Apps helfen mir also, mein Leben so selbstständig wie möglich zu gestalten. Eine barrierefreie Umgebung ist allerdings die Grundvoraussetzung, um die Hilfsmittel nutzen zu können.

 

Linktipps:

Jede neue Idee kann uns näher bringen: Seht euch Dennis hier in unserem Video "Die neue Nähe" an

Technik als Motor der Inklusion? Interview mit Enno Park zum Thema „Technische Innovationen in den Lebenswissenschaften“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Neuartige Medien als Schlüssel zur Teilhabe: Neue Technik verändert den Schulalltag für Kinder mit und ohne Behinderung

Kommunikation und Teilhabe durch Technik: Der Verein Kommhelp entwickelt Hilfsmittel zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Behinderung

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Aktion Mensch

Hallo Jula. Wobei genau möchtest du gerne mitmachen? :-) Meinst du, du wärst gerne einmal Protagonist in einem unserer Filme? (dh)


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Apps im Test (2) - SiGame

Ob im Alltag oder in der Freizeit, zuhause oder unterwegs, als Kommunikations- oder Bedienungshilfen – mit mobilen Anwendungen können Barrieren überwunden werden. In unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“ stellen wir jeden Monat eine App vor, die sich genau das zum Ziel setzt. Dieses Mal im Test: „SiGame“.

Was kann die App?

In verschiedenen Lernspielen vermittelt die „SiGame“-App Kenntnisse der Deutschen und Amerikanischen Gebärdensprache sowie der International Sign Language. Cathleen hat sich das Ganze mal genauer für uns angeschaut.

SiGame“ im Alltags-Test

Schon seit Längerem habe ich mir vorgenommen, meine Gebärdensprachkenntnisse wieder etwas aufzufrischen. Als mir eine Freundin von „SiGame" erzählt, habe ich sofort Lust, die App auszuprobieren.

Ich bin gleich überrascht, wie leicht ich mir die Gebärden mithilfe der Spiele merken kann. Eine Lernkurve zeigt mir meine Erfolge. Das finde ich super und es spornt mich an, dranzubleiben. Egal, ob in der S-Bahn oder an der Kasse im Supermarkt, die App habe ich nun immer dabei. Bedienen lässt sie sich intuitiv und die Avatare, die mir die Gebärden zu den jeweiligen Wörtern zeigen, sind wirklich charmant. Da die Geschwindigkeit der animierten Figuren nicht zu schnell ist, komme ich auf jeden Fall gut mit. Nach einer Woche habe ich die Gebärden aus dem Basispaket drauf und benutze sie sogar in Gesprächen mit Freunden.

Nun wäre der richtige Zeitpunkt, eines der zusätzlichen Sprachpakete zu kaufen – wenn es denn gehen würde. Leider ist diese Funktion momentan nicht verfügbar. Außerdem stürzt die App zwischendurch immer wieder ab. Auf Anfrage finde ich heraus, dass das Entwickler-Team wohl daran arbeitet, die technischen Probleme zu beheben.

Auf einen Blick

Name: SiGame

Zielgruppe: Hörende, Gehörlose, Kinder und Erwachsene

Verfügbar für: Smartphones mit den Betriebssystemen iOS und Android

Kosten: Kostenloses Basispaket, weitere Sprachpakete kostenpflichtig hinzubuchbar

Link: www.sigame-app.com

 

Video-Tutorial: So funktioniert die App

Fazit unserer App-Testerin

SiGame“ ist ein schöner Einstieg in die Gebärdensprache. Einen Sprachkurs ersetzt die App aber nicht – den habe ich mir jetzt für den Sommer gebucht.

 

Cathleen Bär hat die App für die Aktion Mensch getestet.

 

Linktipps:

Diesen Testbericht in Leichter Sprache lesen

Was ist Barrierefreiheit?

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Apps im Test (1) – Be My Eyes

Du möchtest dir weitere Video-Tutorials unserer Test-Reihe ansehen? Hier entlang.

 

Redaktionelle Betreuung und Videoproduktion: Lena Hoffmann

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In aller Freundschaft: So war's am Filmset

Rund 5 Millionen Zuschauer sitzen wöchentlich vor dem Fernseher und schauen sich die neueste Folge der Arzt- und Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ an. In der neuesten Folge spielt unsere Bloggerin Carina Kühne eine Episoden-Hauptrolle. Bei uns erzählt sie, welche Erfahrungen sie am Set gemacht hat

Carina Kühne (rechts) mit Schauspielkollege Bernhard Bettermann: Keine Berührungsängste

SAXONIA MEDIA

Ich habe „In aller Freundschaft“ immer gerne geschaut und mir auch gewünscht, mal eine Rolle in der Serie zu spielen. Dabei dachte ich daran, dass ich vielleicht als Praktikantin oder Schwesternschülerin in der Sachsenklinik mitmachen könnte. Als ich dann tatsächlich ein Rollenangebot bekam, konnte ich es kaum glauben.

Ich bin selbstständiger als die Film-Figur

Neugierig las ich das Drehbuch durch und  freute mich darüber, dass sich Manja, eine junge Frau mit Trisomie 21, recht normal verhalten darf. Sie spricht ganz normal und ist auch recht selbständig. Sie arbeitet als Bäckerin und nicht in einer Behindertenwerkstatt. Ich sollte eine junge Frau mit Down-Syndrom spielen, die schnell reagieren muss, als ihre Mutter am Steuer während der Autofahrt einen Schlaganfall bekommt.

Natürlich spiele ich die Manja nur und habe nicht so viel mit ihr gemeinsam. Ich bin sehr viel selbständiger und würde in manchen Situationen nicht so hilflos reagieren. Trotzdem gefiel mir die Rolle der Manja sehr und ich habe sie gerne gespielt. Sie reagiert teilweise wirklich sehr souverän. Ich finde, dass Manja in der Episode sehr viel realistischer dargestellt wird als die Darsteller in den meisten Filmen, in denen es um das Down-Syndrom geht.

Natürlich würde ich mir wünschen, mal eine ganz normale Rolle in einem Film zu spielen und nicht die Behinderte.

Zusammenarbeit mit der Regisseurin

Kurz vor den offiziellen Dreharbeiten reiste ich schon nach Leipzig, um die Regisseurin Frauke Thielecke kennen zu lernen und das Drehbuch mit ihr zu besprechen. Frauke gab mir Anweisungen, wie sie es gerne umsetzen wollte, und ich sagte ihr auch, was ich im Gegensatz zur Rolle als Mensch mit Down-Syndrom nicht so mache. In einer Szene sollte ich zum Beispiel während des Sprechens laut Drehbuch Schaukelbewegungen machen, das zu ändern, war kein Problem für sie. Die Chemie zwischen uns stimmte auf Anhieb.

Am Set wurde ich voll akzeptiert

Hauptsächlich spielte ich mit Bernhard Bettermann, Anja Nejarri, Karin Giegerich und Addas Ahmad. Wir hatten uns ja gerade erst kennen gelernt, aber es gab keine Berührungsängste.

Vor jedem Dreh haben wir uns zusammengesetzt und noch einmal besprochen, wie der Ablauf sein würde. Jeder konnte Vorschläge machen, und ich fühlte mich voll akzeptiert. Es gefiel mir, dass wir so gut harmonierten. Natürlich konnte ich viel lernen von den Erfahrungen der Schauspieler und der ganzen Crew. Ich hätte große Lust, mal wieder mitzuspielen.

Der Film

Nun bin ich auch schon sehr gespannt auf den Film. Ich würde mich freuen, viele Rückmeldungen zu bekommen. Leider werden Schauspielern mit Behinderung sonst nicht viele Rollen angeboten. Meist spielen in Filmen nicht behinderte Darsteller auch diese Rollen. Leider gibt es nur sehr wenig inklusive Filme. Ich wünsche mir, dass es viel mehr solche Filme gibt, in denen Schauspieler mit und ohne Behinderung zu sehen sind, ohne dass es um eine Behinderung geht.

In den meisten Filmen werden viele Klischees bedient. Vielleicht gehört das einfach dazu.

Trotzdem hoffe ich, dass es irgendwann selbstverständlich ist, dass auch Schauspieler mit Handicap dazugehören!

 

Linktipps:

Trailer von „In aller Freundschaft – Das Leben ist ein Wagnis“ mit Carina Kühne

Be My Baby – Meine erste Filmerfahrung: Carina Kühne bei den Dreharbeiten für einen besonderen Spielfilm

Mal anders betrachtet: Der Kurzfilm 46/47 wechselt die Perspektive – „normal“ ist, wer 47 Chromosomen hat

Mittendrin auf der Bühne: Im inklusiven Theaterstück „Es geht auch anders“ spielen Darsteller mit und ohne Down-Syndrom gemeinsam

Theater sind wir alle: In einem Stralsunder Theaterprojekt sind alle willkommen

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Claudia Stückner

Ich finde Carina hat das spitze gespielt und ich würde mich freuen noch öfters solche Darsteller in Filmen und Serien zu sehen. Dadurch wird das Down Syndrom für die Zuschauern normaler und ist nicht ständig nur was, was man mit Behinderung gleichstellt. Auch eine ganz normale Rolle könnte ich mir gut vorstellen das sie das meistern würde.


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Barrieren überwinden: Die sprechende Speisekarte

Das Biermanski's lebt Barrierefreiheit in der Gastronomie vor. Wie? Neben der Standard-Speisekarte gibt es dort auch eine sprechende Speisekarte – und die kommt gut an. Es ist eines von vielen Förderprojekten zum Thema Barrierenabbau der Aktion Mensch, die den Alltag für Menschen mit und ohne Behinderung leichter machen.

Speisekarte lesen mit dem Anybook Reader: Größtmögliche Selbstständigkeit der Gäste

Biermanski's / Evangelische Stiftung Neuerkerode

Zu schnelle Kellner

Alle sitzen um den Restauranttisch. Der Kellner bringt die Speisekarte. Und damit hat die Gemütlichkeit ein Ende: Der Freund hat die Lesebrille vergessen, das Kind kennt erste Buchstaben, aber mit dem Lesen klappt's noch nicht und beim Schwiegervater klappt's nicht mehr. Bis sich alle im Restaurant ihre Gerichte ausgesucht haben, dauert es. Lange. Denn immer wieder heißt es: Kannst Du das nochmal vorlesen? Was steht da? Womit gab es das Schnitzel nochmal?

Zu schnell steht der Kellner schon wieder am Tisch und alle bestellen das Gewünschte. Fast alle. Man selbst nimmt das Erstbeste. Denn jetzt bestellen wir und alle haben Hunger.

Rettung naht

Doch Rettung naht für die genervten Restaurant-Besucher unter uns: die sprechende Speisekarte. Sie ist nichts anderes als ein Stift, der über die Buchstaben fährt und die Gerichte vorliest. Das ist nützlich für blinde Menschen, sinnvoll für Menschen mit einer geistigen Behinderung und zu 100 Prozent komfortabel für die gerade beschriebenen Zielgruppen.

Barrieren abbauen für mehr Selbstständigkeit

Bis jetzt haben nur sehr wenige Restaurants in Deutschland diesen Stift. Ausprobieren kann man ihn zum Beispiel im inklusiven Restaurant Biermanski's in Sickte-Neuerkerode. Um den barrierefreien Zugang weiter auszubauen, ist die Speisekarte mit Hilfe von einem Anybook Reader hörbar gemacht worden. Neue Gerichte werden einfach auf dem Stift gespeichert. Ziel des Stifts ist die größtmögliche Selbstständigkeit der Gäste. Denn nicht nur blinde Hungrige haben nun die Möglichkeit, Burger und Currywurst zu ordern. Auch Menschen mit einer geistigen Behinderung entscheiden nun in Eigenregie aus den 15 Gerichten. Für neue Ideen des Kochs ist auch Platz: Saisonale Gerichte werden einfach aufgespielt.

Die Aktion Mensch hat das Projekt mit 5.000 Euro gefördert.

 

Ein Text von Ulrike Jansen

 

Linktipps:

Wie barrierefrei ist deine Stadt? Hier kannst du sie bewerten

Jede neue Idee kann uns näher bringen: Unsere neue Kampagne zeigt, was möglich ist

Mehr Infos zum Thema Barrierefreiheit bei der Aktion Mensch

Du hast tolle Projektideen für mehr Barrierefreiheit? Sieh dir unsere neuen Fördermöglichkeiten an

Zwischen Kinotreppen und lockeren Cafés: Barrierefreiheit in Bochum

Begegnung im Dunkeln: Ein Abend in der Unsicht-Bar in Hamburg

Bremen für alle: In der Hansestadt haben Studenten eine Stadttour für alle entwickelt

Kommunikation und Teilhabe durch Technik: Hilfsmittel zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Behinderungen

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Sehen mit dem Handy

Programme für Handys können helfen,
etwas gegen Hindernisse zu machen.
Wir schreiben Berichte über die Programme.
Die Berichte heißen:
Barrieren überwinden – Apps im Test.

Sehen mit dem Handy

Im Texte erzählen wir von einem Handy-Programm.
Das Programm heißt: Be My Eyes.
Das spricht man: bi maj ajs.
Damit bekommen blinde Menschen
Hilfe von sehenden Menschen.
Wir haben das Programm getestet.
Hier kannst du den Bericht lesen.

Programme für Handys heißen: App.
Das spricht man: äp.
Apps kann man immer dabei haben.
Sie können bei Hindernissen helfen.
Zum Beispiel:

  • wenn man unterwegs ist oder zu Hause ist.
  • wenn man mit jemandem reden muss.
  • wenn man wissen muss, wie etwas geht.

Wir machen jeden Monat
einen Bericht über eine App,
die bei Hindernissen hilft.
Die Berichte heißen:
Barrieren überwinden – Apps im Test.
Dieser Bericht ist über die App: Be My Eyes.
Das spricht man: bi maj ajs.

Was kann man mit der App machen?

Mit der App können blinde Menschen
Hilfe bekommen von sehenden Menschen.

In der App können sich blinde Menschen
und sehende Menschen anmelden.
Wenn ein blinder Mensch Hilfe braucht,
kann er in der App Bescheid geben.
Ein sehender Mensch kann sagen, dass er Zeit hat.
Er kann dem blinden Menschen dann so helfen:
Der blinde Mensch filmt mit seinem Handy,
was vor ihm ist.
Der sehende Mensch kann auf seinem Handy sehen,
was der blinde Mensch filmt.
Der sehende Mensch kann sagen, was er sieht.

Domingos schreibt Berichte für Internet-Seiten.
Hier ist ein Bericht von ihm über die App Be My Eyes:

Probleme, wenn man blind ist

Für blinde Menschen ist manches ein Problem,
was für sehende Menschen kein Problem ist:

  • Zwei Dosen sind gleich groß.
    Man will wissen, in welcher Dose Erbsen sind
    und in welcher Dose rote Bohnen sind.
  • Man will ein Hemd mit einer Farbe anziehen,
    die zu der anderen Kleidung passt.

Ich bin blind.
Wenn kein sehender Freund da ist,
habe ich manchmal ein Problem.
Mit der App Be My Eyes bekomme ich Hilfe.

Ich bekomme Hilfe mit Be My Eyes

Vor ein paar Wochen:
Ich ziehe einen Anzug an und brauche noch ein Hemd.
Meine Hemden sind durcheinander im Schrank.
Darum weiß ich nicht, welches Hemd gebügelt ist.
Ich mache die App Be My Eyes an
und frage, ob mir jemand helfen kann.
Ein paar Minuten später
meldet sich eine nette Frau.
Die Frau sagt mir, welches Hemd gebügelt ist.
Die Frau berät mit super über Mode.
Sie sagt mir, dass das Hemd rosa ist
und nicht zu der Krawatte passt.
Ich wusste gar nicht,
dass ich ein rosa Hemd habe.

Hilfe von Menschen, die man nicht kennt

Mit der App Be My Eyes bekommt man Hilfe.
Die Hilfe ist von Menschen, die man nicht kennt.
Wichtige Infos lasse ich lieber
von Menschen vorlesen, die ich kenne.
Zum Beispiel: eine Geheimzahl für das Konto.
Ich will auch nicht mit Menschen über Liebes-Kummer reden,
wenn ich sie nicht kenne.
Aber manchmal bekommt man
besser Hilfe von Menschen, die man nicht kennt.

Das gefällt mir bei der App

Sehende Menschen können einfach
blinden Menschen helfen.
Blinde Menschen bekommen schnell Hilfe,
weil viele sehende Menschen angemeldet sind.

Andere Internet-Seiten

 

Infos über die App

Name: Be My Eyes.
Das spricht man: bi maj ajs.

Für wen ist die App?

  • für sehende Menschen,
  • für Menschen mit Sehbehinderung
  • für blinde Menschen

Für welche Handys gibt es die App?
Für iPhones und für iPads.

Was kostet die App?
Die App ist kostenlos.

Wo gibt es die App?
Auf der Internet-Seite: www.bemyeyes.org

 

Die Texte sind von Lena Hoffmann und Domingos de Oliveira

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Anne Skribbe

Gute Sache! Ich werde das einem blinden Besucher des Cafe Leichtsinn weiter empfehlen.


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Apps im Test (1) - Be My Eyes

Ob im Alltag oder in der Freizeit, zuhause oder unterwegs, als Kommunikations- oder Bedienungshilfen – mit mobilen Anwendungen können Barrieren überwunden werden. In unserer Blogreihe „Barrieren überwinden – Apps im Test“ stellen wir jeden Monat eine App vor, die sich genau das zum Ziel setzt. Dieses Mal im Test: „Be My Eyes
 

Was kann die App?

Mit der „Be My Eyes“-App können sich blinde und sehbehinderte Menschen in Alltagssituationen von Sehenden unterstützen lassen. Sehende registrieren sich als freiwillige Helfer und werden über eine Live-Videoverbindung von den blinden Nutzern kontaktiert. Blog-Autor Domingos hat die App für uns ausprobiert.

Be My Eyes“ im Alltags-Test

Dosenerbsen von roten Bohnen unterscheiden oder das passende Hemd finden – für Sehende kein Problem. Für Blinde wie mich aber ist das schwierig, besonders wenn kein sehender Freund in der Nähe ist, den ich fragen kann. Doch wozu gibt es die „Be My Eyes“-App?

Vor ein paar Wochen wollte ich mir ein Hemd zu meinem Anzug heraussuchen. Da ich meine Sachen kreuz und quer in den Schrank hänge, wusste ich nicht mehr, welches Hemd gebügelt war. Ich griff also zum Handy und wählte mich bei „Be My Eyes“ ein. Nach wenigen Minuten hatte ich eine nette Frau am anderen Ende, die sich als die geborene Modeberaterin entpuppte. Sie half mir nicht nur, das gebügelte Teil zu finden, sondern wies mich auch darauf hin, dass ich das rosa Hemd nicht zu dieser Krawatte tragen kann. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass ich ein rosa Hemd besaß.

Persönliche Dokumente wie eine PIN lasse ich mir lieber von einem vertrauten Menschen vorlesen. Auch meinen Liebeskummer würde ich nicht über „Be My Eyes“ besprechen. Aber es gibt Situationen, in denen ein Fremder vielleicht sogar besser helfen kann.

Auf einen Blick

Name: Be My Eyes

Zielgruppe: Sehende, Menschen mit Sehbehinderung, Blinde

Verfügbar für: iPhone, iPad

Kosten: Kostenlos

Link: www.bemyeyes.org

 

Video-Tutorial: So funktioniert die App

Fazit unseres App-Testers

Mir gefällt an der App besonders gut, dass sie es Sehenden sehr einfach erlaubt, blinden Menschen zu helfen. Da deutlich mehr Helfer als Hilfesuchende angemeldet sind, hatte ich nie Probleme, ein hilfreiches Auge zu finden.

Redaktionelle Betreuung und Videoproduktion: Lena Hoffmann

 

Link-Tipps

 

Unser App-Test in Leichter Sprache

Was ist Barrierefreiheit?

Du hast tolle Projektideen für mehr (digitale) Barrierefreiheit? Sieh dir unsere Fördermöglichkeiten an.

Be My Eyes“: Ein Sehender erzählt von seinem ersten Mal.

Mit anderen Augen – „Be My Eyes“ im Test bei den Kollegen von MENSCHEN. das magazin

Mitja und Tomke verleihen ihre Augen. Bei JAM! erzählen die Be My Eyes-Nutzer von ihren Erfahrungen.

 

 

 

 

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Markus Schuster

Tolle Plattform! Hoffe es entwickelt sich schnell auch für Android Geräte weiter!


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Zwischen Kinotreppen und lockeren Cafés

Wenn man wie unsere Autorin Tanja im Rollstuhl unterwegs ist, ist Barrierefreiheit immer ein großes Thema. Hier berichtet sie, welche Orte sie in Bochum gerne besuchen würde, wenn sie barrierefrei wären – und wo es den besten barrierefreien Kaffee gibt.

Tanjas Lieblingscafé „Doc Beckers“: Lockerheit als beste Basis zum Wohlfühlen

Thilo Schmülgen / Aktion Mensch

Kinobesuch als Herausforderung

Meine große Leidenschaft sind Geschichten. Als Literaturwissenschaftlerin habe ich natürlich eine Art Verpflichtung, Bücher als erstes und liebstes Medium zu nennen :-) Aber nur knapp dahinter kommen dann schon Serien und Filme. Deshalb verbringe ich meine Freizeit nicht nur gerne in Bibliotheken, sondern auch in Kinos. Eigentlich ist das nur die halbe Wahrheit, denn ich würde gern noch viel mehr Zeit in Kinosälen verbringen, aber in Bochum ist das als Rollstuhlfahrerin eine Herausforderung.

In der Innenstadt von Bochum gibt es drei Kinos, zwei davon sind Programmkinos, die auch Filme abseits des „Popcornkinos“ zeigen. Tatsächlich sind von den drei Kinos aber zwei gar nicht barrierefrei, das dritte hat zumindest einen einzigen ebenerdigen Kinosaal. Ansonsten sind meine Alternativen: an den Stadtrand von Bochum fahren oder direkt in die Nebenstadt Herne.

Rollstuhlfahrer auf der Leinwand, aber keine Barrierefreiheit davor

Die nicht vorhandene Barrierefreiheit bedeutet für mich aber nicht nur längere Fahrtwege, sondern auch eine teilweise sehr eingeschränkte Programmauswahl. Ich habe schon einige Filme im Kino verpasst, weil sie eben nur in den nicht barrierefreien Kinos liefen. Ironischerweise war darunter auch  „Vielen Dank für nichts“ – ein Film über Rollstuhlfahrer. Außerdem hat die fehlende Barrierefreiheit natürlich auch Auswirkungen auf mein Sozialleben. Sich spontan anderen Freunden anzuschließen, ist sehr kompliziert, wenn man räumlich an bestimmte Kinos gebunden ist.

Lockerheit und Kaffee – mein Lieblingsort in Bochum

Zum Glück gibt es noch Cafés, die natürlich keine Alternativen zum Kino darstellen, aber sich auf ihre eigene Art gut dafür eignen, um eben Freunde zu treffen. Gerade beim Thema Kaffee bin ich aber schon fast ein bisschen schrullig und war lange Zeit große Anhängerin der grün-weißen Cafékette. Auf jeden Fall war ich wenig euphorisch, als eine Freundin von mir vor ein paar Monaten vorschlug, stattdessen in das kleine Café an der Ecke zu gehen.

„Und du?“

Ein paar Minuten später saßen wir trotzdem an einem Holztisch bei „Doc Beckers“ und gaben beim Besitzer unsere Bestellung auf. Als meine Freundin fertig war, drehte er sich ohne Zögern zu mir um und fragte: „Und du?“ Für die meisten Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit, ich werde aber in der Öffentlichkeit so selten direkt angesprochen und schon gar nicht ohne Zögern, dass es für mich immer etwas Besonderes ist. Gleichzeitig ist eine solche Lockerheit immer die beste Basis, damit ich mich irgendwo richtig wohlfühlen kann.

Noch dazu kommt, dass das „Doc Beckers“ ebenerdig ist, es ist gemütlich, ohne zu eng für den Rollstuhl zu sein und hat einen leichten 50er-Jahre-Touch, der für mich als Rockabilly-Anhängerin noch die Kirsche oben drauf ist. Mittlerweile kennt man mich dort, mein Cookie-Latte mit Strohhalm kommt meist automatisch und wenn Zeit ist, gibt es ein paar coole Sprüche dazu – ein echter Lieblingsort eben.

 

Linktipps:

Wie barrierefrei ist deine Stadt? Hier geht's zur Bewertung

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Mehr Infos zum Thema Barrierefreiheit bei der Aktion Mensch

Bremen für alle: In der Hansestadt haben Studenten eine Stadttour für alle entwickelt

Mit dem Fahrstuhl auf der Strecke geblieben: Barrierefreiheit im Berliner Nahverkehr

Barrieren des Feier-Abends: Ein unvergesslicher Abend in Hamburg

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Sam. Bin. ich

Hi Tanja, es wundert mich das du nicht überall direkt angesprochen wirst. Selbst wenn vermutlich deshalb ist, weil zu wenig über inklusion aufgeklärt wird! Finde ich dies sollte keine zuflucht für Menschen sein. Und man sollte alle Ebenbürtig behandeln! Hoffentlich wird es durch solche Einrichtungen wie Aktion Mensch in zukunft besser werden! Leider kenne ich dein Problem aus Hannover gut genug. Gott sei dank ist es bei uns was die Einrichtungen für Rollstuhlfahrer anbelangt doch vermutlich besser als in Bochum! Einen schön Tag noch, dein Sam.


Aktion Mensch-Blog

Studium mit Behinderung? Na klar!

Wow, bereits ein gutes halbes Jahr ist es nun her, dass ich meinen Uni-Abschluss in der Tasche habe. Und meine größte Stütze, mein Rollstuhl, hat mich immer unter meinen Pobacken begleitet. Die letzten vier Jahre haben mir gezeigt, dass Barrierefreiheit an universitären Einrichtungen noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Aber: Ich würde mich immer wieder für ein Studium entscheiden.

Studieren mit Behinderung: Begegnungen ohne Berührungsängste

Ottobock

In meiner Uni-Zeit habe ich nur selten einen anderen Studenten auf dem Campus mit sichtbarer Behinderung gesehen. Doch warum ist das Studieren mit einer körperlichen Behinderung scheinbar noch so eine Besonderheit? Ich habe viele Momente erlebt, in denen mich der Rollstuhl in meinem Studienalltag eingeschränkt hat. Zum Beispiel, wenn ich mal wieder nicht in einen Vorlesungssaal kam, so wie ich es mir vorstellte. Aber es gab auch die Momente, in denen meine Behinderung mir gar nicht bewusst war, etwa wenn ich mit meinen Kommilitonen kleine Abenteuer erlebt habe.

Barrierefreiheit in der Uni – antike Aufzüge und schwere Türen

Zu meiner Universität gibt es sehr viel zum Thema Barrierefreiheit zu sagen: Das Hauptgebäude ist mein Lieblingsgebäude. Da bin ich immer ohne Probleme und fremde Hilfe ausgekommen. Es gab Fahrstühle, behindertengerechte Toiletten und barrierefreie Hörsäle. Perfekt!

Doch wenn ich mal wieder dem heißbegehrten Prüfungsamt einen Besuch abstatten musste, war ich schon leicht genervt – und das nicht nur wegen des Papierkrams. Das Gebäude ist für Rollstuhlfahrer eine Katastrophe. Die Türen sind so schmal, dass ein breiterer Rollstuhl, wie es meiner ist, kaum in das Gebäude kommt. Genau so war es mit dem Aufzug. Es kam mir vor, als würde er aus dem letzten Jahrhundert stammen. Es war so eng, dass lediglich mein Rollstuhl und ich hineinpassten, gleichzeitig war die Tür so schwer, dass ich sie kaum öffnen konnte.

In andere Gebäude, in denen ich regelmäßig Vorlesungen hatte, kam ich ohne Hilfe gar nicht rein. Auch in die Uni-Bibliothek kam ich nicht alleine. Der Fahrstuhl dort ist in einem abgesperrten Bereich, so dass mich bei einer Fahrt mit dem Fahrstuhl immer Mitarbeiter begleiten mussten. Das ist nicht gerade ein tolles Gefühl. Ich mache gerne alles ohne Hilfe, wenn es geht. Sowas nervt!

Tolle Begegnungen an jeder Ecke

Dennoch sind mir auch viele Momente im Kopf geblieben, in denen ich positiv überrascht wurde. Mir sind zum Beispiel ganz viele Menschen ganz offen begegnet, ohne Berührungsängste. Das hat es mir einfach gemacht, Kontakte zu schließen. Meine Kommilitonen waren es auch oft, die mir dann bei Barrieren, wie schweren Türen oder einem kleinen Absatz, geholfen haben. Somit konnte ich diese Barrieren auch irgendwie akzeptieren. Besser wäre es natürlich trotzdem, wenn es sie gar nicht geben würde :-)

Lernen von den Engländern

Spannend war auch mein Auslandssemester in England. Die Uni in London war meiner Uni in Stuttgart auf jeden Fall in einigen Sachen einen Schritt voraus. Barrierefreie Wohnungen auf dem Campus, rollstuhlgerechte Vorlesungsräume und zusätzliche Betreuung von Studenten mit Behinderung, sowohl von der rechtlichen Perspektive aus als auch bei der Eingliederung von behinderten Studenten, gehörten einfach dazu.

An vielen deutschen Unis müssen sicherlich noch einige Barrieren abgebaut werden. Ich muss aber sagen, dass auch schon viele Bemühungen für ein barrierefreies Studium geschaffen wurden und auch noch im Prozess sind. Hierzu sind zum Beispiel die Behindertenbeauftragten der verschiedenen Universitäten zu nennen.

Ich würde Menschen mit Behinderung auf jeden Fall zu einem Studium ermutigen. Natürlich war ich einigen Barrieren ausgesetzt, doch ich habe sie gemeistert und habe somit auch gelernt, mich ihnen zu stellen.

 

Linktipps:

Mehr Infos zum Thema Studium und Behinderung beim Familienratgeber

„Ein Stück weit Utopie“: Inklusion an deutschen Hochschulen

Mit eLearning zu barrierefreien Unis: Interview mit Prof. Gerhard Weber über Barrierefreiheit durch neue technische Möglichkeiten an den Hochschulen

„Sie können in Ihrer Situation kein Referat halten“: Persönliche Erfahrungen mit einem Studium mit Behinderung

Promovieren mit Behinderung: Promotionsprogramm „InWi“ der Uni Bremen für Menschen mit Behinderung

Werkzeugkasten inklusive Uni: Forschungsprojekt entwickelt Ideen für ein behindertengerechtes Studium

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