Liebe auf den zweiten Blick

Patricia Carl ist 1,22 Meter groß und eine echte Powerfrau. Ihr Freund Florian Innig ist mit 1,80 Meter mehr als einen halben Meter größer als sie, was den beiden kaum noch auffällt. Vor sechs Jahren sind sie sich begegnet – und wurden kurz darauf ein Paar. Damit hätte zuerst allerdings keiner von ihnen gerechnet.


 

Patrica und Flo stehen auf einer Treppe

Patricia Carl und Florian Innig   Foto: Anna Spindelndreier

"Ich fand ihn schon sympathisch. Aber ich war überhaupt nicht auf eine Beziehung eingestellt. Schon gar nicht auf eine Fernbeziehung, die wir ja dann über Jahre hatten", erzählt Patricia Carl und schmunzelt. Kennengelernt haben sich die beiden 2009, bei einem Kleinwuchsforum, bei dem sie gemeinsam eine Jugendgruppe betreut haben. Seitdem sind sie jahrelang zwischen Münster, Bremen und Berlin hin und hergependelt.
"Liebe auf den ersten Blick war es nicht unbedingt. Ich fand sie total schön und auch sympathisch, aber das ging erst einmal über den Kopf. Weil wir so viele Themen hatten. Patricia arbeitet ja im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und ich habe Politik studiert." Dass Patricia kleiner ist als andere, spielte für Florian Innig nie eine Rolle. Seine Schwester ist ebenfalls kleinwüchsig, und Florian arbeitet hauptamtlich für den Verein "Bundesverband kleinwüchsige Menschen und ihre Familien" in Bremen. Mittlerweile ist Patricia Carl ehrenamtliche Vorsitzende dieses Vereins. Aber das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun, versichern beide.

"Manche fallen viel mehr auf als ich"

Menschen, die etwas anders sind als der Durchschnitt, sollen nicht ausgegrenzt werden. Dafür setzt sich Patricia mit ihrem Bundesverband ein. Ihr selbst passiert es täglich, dass sie auf der Straße oder im Supermarkt angestarrt wird. Vor allem, wenn sie mit Florian unterwegs ist. "Je nach Tagesform ist mir das schon lästig", sagt sie. "Ich wohne in Berlin Prenzlauer Berg und finde, da gibt es sehr viele Menschen, die schon allein aufgrund ihrer Kleidung eher auffallen als ich." Manche Gespräche und Begegnungen, die sich auf der Straße ergeben, seien aber auch sehr nett, ergänzt sie. Wenn die Leute zum Beispiel sagen, dass sie es schön finden, dass wir uns gefunden haben und dass es bestimmt hier und da einige Stärke braucht, um mit so einer besonderen Situation klar zu kommen.

Positiv aufeinander zugehen

"Manchmal nutze ich meine Körpergröße auch als Türöffner", gibt Patricia gerne zu. Dann spricht sie die Leute im Supermarkt an: "Typisch. Mal wieder alles zu hoch. Könnten Sie mir gerade helfen?" Aus solchen Situationen ergeben sich manchmal die schönsten Gespräche, zum Beispiel auch über mein Ehrenamt und die Situation der Kleinwüchsigen insgesamt.
Richtig gut findet sie es, wenn Kinder sie ganz offen ausfragen. Davon gibt es in Prenzlauer Berg ziemlich viele; und für ihre Fragen nimmt sich Patricia immer Zeit. "Einmal, auf einem Straßenfest, war ich umzingelt von Kindern. Ich mag ihre Offenheit sehr. Dadurch verlieren sie natürlich auch ihre Berührungsängste." Bei älteren Leuten, die Zeit ihres Lebens keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung hatten, sieht das schon ganz anders aus. "Da spürt man die Hemmungen ganz stark."

Mehr Inklusion – weniger Barrieren

Auf die Frage, wie man denn am ehesten für mehr Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sorgen könnte, antworten beide wie aus einem Mund: Indem man die Kinder möglichst früh zusammen bringt. Wenn Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam Kindergarten und Schule besuchen, wird das Miteinander total selbstverständlich. "Davon könnten alle profitieren", sind Patricia und Florian überzeugt. Und: Es müsste mehr auf Barrierefreiheit geachtet werden. Wird das nicht getan, können Menschen mit Behinderung nicht so am Leben teilhaben wie es wünschenswert wäre.
Daran, dass sich in dieser Beziehung etwas ändert, arbeiten beide Hand in Hand. In ihrer Beziehung, finden sie, kann gerne alles so bleiben wie es ist: "Es waren bisher sechs sehr gute Jahre", schwärmt Florian. "Stimmt", sagt Patricia, "und da wir seit letztem Sommer zusammen wohnen, wird es auch langsam ein bisschen ruhiger für uns."

Patrica und Flo sitzen auf einer Treppe

Patricia und Florian: "Sechs sehr gute Jahre bisher."  Foto: Anna Spindelndreier


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