"Sind irgendwelche Freaks hier?"

In der einen Ecke werden schon Riesenseifenblasen in den Himmel gehoben, in einer anderen noch schnell die Transparante fertig gemalt. Die Blaskapelle probt ein letztes Mal, während die Tanzgruppe "Danceability" schon vor dem Start die Menschen mit waghalsiger Rollstulakrobatik beeindruckt.

 

Feiernde Menschen mit und ohne Behinderung bei der Mad Pride in Köln

Ausgiebiges Feiern bei der Mad Pride.

Anna Spindelndreier / Aktion Mensch


 

Ein bisschen scheint es so, als wäre der Ebertplatz in Köln einem Kindergeburtstag zum Opfer gefallen, der irgendwie ausgeufert ist. So bunt, quietschig und ein bisschen chaotisch ist das Treiben. In Wahrheit finden hier aber gerade die letzten Vorbereitungen zur ersten Mad Pride Parade in Köln statt.

Am Pfingstmontag hatten Köln und das "Zentrum für selbstbestimmtes Leben" die Freaks, die Besonderen und die Andersartigen zusammengerufen, um ihre Vielfalt und das Leben an sich zu feiern, und gleichzeitig ihre Rechte einzufordern. Um die 100 von ihnen waren – wie auch ich – dem Ruf gefolgt und jubelten euphorisch als die Parade mit der Frage "Sind irgendwelche Freaks hier?" eröffnet wurde. Wortwörtlich mit Pauken und Trompeten zogen wir dann durch die Straßen von Köln und ernteten mit unserem Aufmarsch das  fröhliche Lächeln von jeder Menge Passanten. Damit hatte die Veranstaltung für mich ihr Ziel schon erreicht. Wir hatten Spaß und wir gaben ihn weiter.

„Guckt meinen Papa nicht so doof an!“

Besonders beeindruckt hat mich persönlich eine Gruppe dreier junger Mädels, die in der Parade vor mir liefen und auf ihren Plakaten Sätze wie „Guckt meinen Papa nicht so doof an!“ geschrieben hatten. Der Nachwuchs der Inklusion ist also gesichert. Eine andere herausragende Persönlichkeit war für mich eine Rednerin, die uns als „Cindy aus Köln“ vorgestellt wurde und die aus ihrem beinahe zum Minicaravan umgebauten Rollstuhl heraus forderte, dass wir mehr Stolz entwickeln müssten und uns nicht verbiegen lassen sollten. Nachdem die Tanzgruppe "Danceabitily" aus Wien uns schon vorher bewiesen hatte, dass ein Handicap oder gar ein Rollstuhl nicht notwendiger Weise irgendwas mit Bewegungseinschränkungen oder Tanzmüdigkeit zu tun haben muss, durften wir nun selbst ran. Mit einem bunten Musikprogramm aus Rap, Rock´n´Roll und Folk tanzten wir mit- und füreinander.

Viel Vielfalt und Lust am Leben

Die erste Mad Pride Parade in Köln hat es geschafft, die Inklusion in ihrer Gesamtheit abzubilden: Ein paar Kinderschuhe, ein bisschen Chaos und ganz viel Vielfalt und Lust am Leben. Nach dem Versprechen der Veranstalter war diese Mad Pride Parade erst „der Anfang von etwas Großem“ in Köln. Ich freue mich schon darauf, ihr beim Wachsen zuzusehen.    


Text: Tanja Kollodzieyski


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