Glück mit dem Chef

Ist das peinlich: Während ein junger Mann vor seinen Kollegen angibt und ihnen auf die Nase bindet, dass er ein Verhältnis mit der Tochter vom Chef hat, steht der genau hinter ihm. Diese Situation wünscht sich keiner, sie geht aber gut aus. Dieser Mitarbeiter hat nämlich Glück mit seinem Chef ... und mit dem Glückslos.
 

 

Die Geschichte hinter der Geschichte


Klaus Becker und der junge Schauspieler Tobias Diakow haben im Casting überzeugt und konnten sich während der Dreharbeiten zum Aktion Mensch-Spot "Eventuell" besser kennenlernen. Beide haben die Zusammenarbeit genossen. Fühlten sich aber teilweise auch an alte Zeiten erinnert.

 

Klaus Becker

Aktion Mensch: Peinlich, wenn man als Chef mitbekommt, wie die Kollegen über einen lästern. Hast Du so etwas schon einmal erlebt?

Klaus: Als Chef habe ich so etwas noch nie erlebt. Eine entfernt ähnliche Situation drehte sich mal um meine vermeintliche Schokoladensucht. Da musste ich aber selber mitlachen. Überhaupt versuche ich, heiklen Situationen mit Humor zu begegnen. Das geht nicht immer, aber öfter als man denkt.
Falls das nicht möglich sein sollte, bin ich jemand, der offene Fragen gerne sofort anspricht. Wenn es sich um mich – oder gar um meine Behinderung handeln sollte, dann nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern im Sinne eines aufklärenden Gesprächs.


Wie hast Du die Zusammenarbeit mit Tobias empfunden?


Dass plötzlich und unerwartet Tobias mit am Set stand, fand ich eher spannend als "erschreckend". Wir haben ziemlich schnell einen "Draht" zwischen uns entwickelt. Er hat auch kaum sichtbares Erstaunen gezeigt, als da ein behinderter Mensch neben ihm aufgetaucht ist. Und glaub mir: Ich kann inzwischen sehr gut Blicke deuten...
Ich fand es im Übrigen auch sehr angenehm, dass er mich nicht mit irgendwelchen Fragen genervt hat. Er war einfach ganz "normal". Auch beim Verabschieden: Shake Hands, viel Glück beim Casting, war gut, vielleicht bis bald ... das war's.


Welche Erfahrungen hast Du bisher mit Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gemacht?


Sehr vielfältige. Das kann, muss aber nicht mit meiner Behinderung zu tun haben. Und da ich immer von zweiterem ausgehe, lasse ich den Menschen am Anfang nicht viel Gelegenheit, verlegen zu sein.
Richtig spannend kann es mit Kindern werden: von direkten, offenen Fragen über selbstvergessenes Starren bis hin zu "Mamaaaaa ... was hat der Mann ....?" Direkte Fragen sind klasse. Selbstvergessen Starren kann ich auch. So lange, bis wir meist beide lächeln. Und beim Run auf die Mama muss ich mich eben mit dieser auseinandersetzen.
Bei allen Begegnungen bin ich eigentlich nicht über meine Behinderung definiert. Ich verneine sie aber auch nicht. Sie ist dann eher eines von vielen Themen, über die man sprechen kann.

 

 

Tobias Diakow

Aktion Mensch: Peinlich, wenn der Chef mitbekommt, wie man gerade über ihn lästert. Ist Dir so etwas schon einmal passiert?


Tobias: Damals in der Schule, in der achten oder neunten Klasse hatte ich eine vergleichbare Situation. Wir warteten auf die Lehrerin und ich redete lautstark über die Lehrerin. Dabei habe ich leider nicht gemerkt, dass sie schon seit einiger Zeit im Klassenzimmer stand. Sehr peinlich war das.


Wie hast Du die Zusammenarbeit mit Klaus empfunden?


Als ich Klaus das erste Mal gesehen habe war ich erstmal erleichtert. Das Casting hat sehr lange gedauert und keiner wusste bis zum Aufeinandertreffen, was los ist oder um was es überhaupt geht. Da war ich froh, dass dort ein netter Mensch auf mich zukommt und ich jetzt endlich die Szene spielen konnte. Seine Behinderung ist mir erst auf den zweiten Blick aufgefallen.
Nach der Szene und beim anschließenden Interview habe ich Klaus kennengelernt. Ich war ziemlich beeindruckt von ihm, wie er sein Leben meistert und was er für ein Selbstbewusstsein hat.


Welche Erfahrungen hast Du bisher mit Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gemacht?


Ich habe bereits einen Kurzfilm mit Menschen gedreht, die das Down-Syndrom haben (Filmtitel: 46/47). Fasziniert hat mich die Ehrlichkeit dieser Menschen. Wenn ihnen etwas nicht gefällt dann sagen sie das. Sie sind unglaublich feinfühlig und empfindsam. Von diesen Eigenschaften könnten sich manche Leute durchaus eine Scheibe abschneiden.


Abgedreht!

Ein Kamerabildschirm, auf dem eine Protagonistin aus dem Casting zu sehen ist.

Überraschungen, Erfahrungen und neue Freundschaften. Den Film rund um's Casting siehst du hier.

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