"Lasst uns sichtbar werden"

Nach diesem Motto lebt Faraj Remmo. Er ist Dozent für Erziehungswissenschaft an der Uni Bielefeld und seit 25 Jahren querschnittsgelähmt. Nur den Kopf kann er bewegen. Seine Studenten schätzen seinen Humor. Und er schätzt das Leben.
 

Faraj Remmo im Rollstuhl vor einem Bücherregal

Dr. Faraj Remmo ist Dozent für Erziehungswissenschaft an der Uni Bielefeld.


 

Faraj Remmo im Hörsaal vor Studenten

"Es fällt auf, dass er immer lustige Sprüche macht, das ist super-angenehm. Der Tag heute war auch super. Wir bleiben auf jeden Fall dabei und freuen uns schon auf die Referate", erzählt eine Studentin nach der ersten Veranstaltung in einem ZDF-Beitrag der Sendung "Menschen – das Magazin". Um das Eis zu brechen und Unsicherheiten gar nicht erst aufkommen zu lassen, zeigt Faraj Remmo den Studenten gelegentlich einen Film über sich. Fragen zu seinem Alltag und zu seiner Person erübrigen sich danach. So kann er sich ganz seiner Leidenschaft widmen, der Pädagogik. Sein Schwerpunkt: Inklusion und Partizipation.

 


 

Faraj Remmo mit Studenten an einem Biertisch

"Er macht etwas mit den Menschen"

Für Faraj Remmo ist Vielfalt kein Defizit, sondern eine Ressource. Die Art, wie er Menschen begegnet, bringt ihm viele Sympathien. Seine Chefin, Dr. Andrea Frank, erinnert sich an ihre erste Begegnung mit dem damals neuen Dozenten: "Da hieß es: Wer kann das mal an die Flipchart schreiben? Und dann machte er so eine witzige Bemerkung, dass er das ja gerne machen könnte. Damit hat er sofort allen die Hemmungen genommen. Auch mir; ich wusste nicht: Wie spreche ich ihn an? Kann er überhaupt sprechen? Und das war in der ersten Sekunde, dass er durch die Art, wie er über sich spricht, etwas mit allen anderen macht, die im Raum sind."
Er baut Brücken und ist Vorbild. Auch für seinen Studenten Zeydin Cakmak, der sich mit einer Legasthenie an der Uni anfangs sehr unwohl fühlte: "Er hat selbst so starke Einschränkungen und hat so viel geschafft. Wenn er sagt: Hey, noch ne Schippe drauflegen, noch nen Schritt weiter, das spornt dann einfach an. Ursprünglich hatte ich mal gesagt, das Höchste der Gefühle wäre der Bachelor, und jetzt schreibe ich gerade an meiner Masterarbeit."

 

Faraj remmo mit Assistent, der ihm ein offenes Buch hinhält

Glück als bewusste Entscheidung

Das Gefühl, über sich selbst hinauszuwachsen, kennt Faraj Remmo gut. Als er sich vor 25 Jahren bei einem Sprung in zu flaches Wasser das Genick brach, gaben ihm andere Menschen mit Behinderung Mut. Sie zeigten ihm, dass das Leben weitergeht, dass man es meistern kann. "Ich habe gesagt: Ich will das auch; ich will wieder leben", sagte er sich. Dann ging es bergauf: Er holte seinen Schulabschluss nach, studierte und machte seinen Doktor. Seit neun Jahren unterrichtet Remmo nun an der Uni Bielefeld.


Faraj Remmo ist sichtbar und verfolgt sein Ziel konsequent: Mehr Inklusion und Partizipation. Er arbeitet in vielen Gremien mit und hat für sein Engagement im Beirat für Integrations- und Behindertenfragen 2014 den Integrationspreis der Stadt Bielefeld bekommen. Wer ihn als Dozent oder als Freund kennenlernt, hat danach einen anderen Blick auf Menschen mit Behinderung. Weitersagen ausdrücklich erwünscht!

Mehr Informationen findest du unter www.faraj-remmo.de.

 


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