Rückblick auf "Das erste Mal"

Anna Garbe hat im vergangenen Jahr unheimlich viel Fanpost bekommen. Immer wieder wollten Besucher unserer Begegnungs-Seite den Kontakt zu ihr. Um ihr Mut zu machen oder auch um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Hier blickt Anna zurück auf das, was sich seit dem Film "Das erste Mal" in ihrem Leben verändert hat.
 

Anna Garbe im Profil in ihrer Wohnung.

Anna in ihrer Wohnung in München. Seit ihrem Auftritt im Film "Das erste Mal" wird sie oft angesprochen.


 

Seit der Film im Kino läuft, im Werbeblock vor den ganz großen Filmen, kommen noch einmal sehr viele Leute auf sie zu: "An einem Tag wurde ich drei Mal darauf angesprochen, von Leuten, die mich im Kino gesehen haben", erzählt sie nun. Und auch in ihrem beruflichen Alltag, in der Ausbildung zur Psychotherapeutin, bekommt sie viele Rückmeldungen. "Eine Patientin hat mich vor dem neuen James Bond gesehen; eine Oberärztin, die ich eigentlich kaum kenne, kam auf mich zu und die Betreuerin meiner Diplom-Arbeit." Was für ein Gefühl das für sie ist, frage ich sie. Anna stutzt kurz: "Ein gutes, ein sehr gutes sogar. Ich fand die Begegnungskampagne richtig toll."

Bloß keine Hundewelpen-Geschichten

Anna sitzt auf dem Sofa und hält eine Tasse in ihrer Hand.

Anna kann die Menschen in ihrer Umgebung nur schemenhaft sehen.

Auch Zeitschriften haben im vergangenen Jahr über Anna berichtet, die mit 29 Jahren so gut wie komplett erblindet ist. Die Begegnungen mit den Redakteuren und Fotografen fand sie durchweg positiv: "Gut, dass das nicht solche Hundewelpen-Geschichten waren. So was mag ich nämlich gar nicht." Einen der Artikel hat sie selbst verfasst: Einen Brief an die Anna, die sie selbst in fünf Jahren sein wird.

Artikel in der emotion: "Brief an die zukünftige Anna"

Artikel im Münchner Merkur: "Annas erstes Mal"

Sie war fünf Jahre alt, als die Ärzte bei ihr eine Autoimmun-Erkrankung festgestellt haben, die die Sehkraft beeinträchtigt. Vor allem in den vergangenen drei Jahren hat diese Entwicklung sich sehr beschleunigt. Nun sieht Anna nur noch schemenhafte Umrisse, und auch das nur bei gutem Licht. Die blinden Flecken in ihrem Sichtfeld werden immer größer. Und wie ist es ihr in den letzten Monaten ergangen? "Leider muss ich sagen, dass die Sehkraft sich weiter drastisch verschlechtert hat. Eine Operation Mitte des Jahres hat nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Da ist eine Membran über der Netzhaut. Nun überlegen wir, ob wir noch einen Eingriff wagen sollen." Vor allem die räumliche Orientierung hat sich weiter verschlechtert. Ein Umstand, mit dem Anna nun lernen muss, im Alltag umzugehen.

Anna und ihre Freundin Karin sitzen am Küchentisch und bereiten Obstsalat vor.

Pause von Alltag und Ausbildung: Anna trifft sich gerne mit ihrer Freundin Karin.

Hören blinde Menschen besser zu?

Alltag, das heißt im Moment vor allem: Die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin. Anna ist jetzt im zweiten Jahr, hat im Februar ihre Zwischenprüfung. Aber sie behandelt auch schon Patienten, was ihr sehr viel Freude macht. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass in diesem Beruf meine Blindheit sogar von Vorteil ist. Vielleicht öffnen sich die Leute leichter, weil sie sich nicht beobachtet fühlen. Vielleicht ist es auch so, dass sie denken: Die hat ja auch schon einiges hinter sich." Auf jeden Fall klappt es gut mit der Berufstätigkeit in München. Anderthalb Jahre stehen jetzt noch an, bis sie fertige Psychotherapeutin ist. Danach möchte sie im Team einer Klinik arbeiten oder auch in einer ambulanten Praxis.

Pläne für die Zukunft

Sollte es in ihrem Leben dann wieder ein bisschen ruhiger werden, kann sie sich vorstellen, mit ihrer Schwester zusammen ein Buch zu schreiben. Ein Roman soll es werden, eine Zukunftsvision.
An Ideen mangelt es in Annas Leben jedenfalls nicht. Und wir wünschen ihr für die Verwirklichung ihrer Träume alles erdenklich Gute!


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