Pressemitteilung

16.03.2002, Kunst, Kultur, Ausstellungen:

Vom Recht auf Unvollkommenheit

Eine Ausstellung der Aktion Mensch und des Deutschen Hygiene Museum Dresden


Mit mehr als 170.000 Besuchern war die im vergangenen Jahr gezeigte Sonderausstellung "Der (im-)perfekte Mensch. Vom Recht auf Unvollkommenheit" die bestbesuchte Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums seit 1990. Die überwältigende Besucher- und Medienresonanz sowie die ungebrochene Aktualität des Themas waren ausschlaggebend für die Entscheidung, die Ausstellung in der Bundeshauptstadt zu präsentieren. Vom 16. März bis 2. Juni 2002 wird sie auf 1.200 Quadratmetern im ersten Obergeschoss des Berliner Martin-Gropius-Baus gezeigt werden.

Bei der Berliner Präsentation handelt es sich nicht um eine identische Übernahme, sondern um eine inhaltliche Aktualisierung der Dresdener Ausstellung und eine gestalterische Adaption an die Situation im Martin-Gropius-Bau. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt nicht in den Bereichen Politik, Gesundheit oder Soziales, vielmehr wird die Kategorie "behindert" als integraler Bestandteil von Kultur interpretiert, als Kehrseite unserer Vorstellungen vom "Normalen" oder "Perfekten". Der historische und aktuelle Umgang mit behinderten Menschen ist Ausgangspunkt und roter Faden einer Auseinandersetzung mit dem herrschenden Begriff von "Normalität" und mit aktuellen und historischen Vorstellungen menschlicher Perfektion.

Das Thema "Behinderung" wird in sehr unterschiedlich gestalteten Abteilungen aus kulturhistorischen, sozialen und künstlerischen Blickwinkeln gezeigt. Die dramaturgisch einprägsame museale Inszenierung des Berliner Bühnenbildners und Regisseurs Fred-W. Berndt zeigt "behinderte" Menschen als selbstbewusste Akteure ihres eigenen Schicksals. Interaktive Installationen ermöglichen den Zugang zu ungewohnten Erlebniswelten, historische und aktuelle Objekte zeigen die Traditionslinien der Sicht auf Menschen mit Behinderungen. Die politische Brisanz des Ausstellungsthemas wurde nicht zuletzt an den Debatten über die Gentechnologie deutlich, die während der Laufzeit der Dresdener Ausstellung die bundesdeutsche Öffentlichkeit bewegten. Das von den Kuratorinnen postulierte "Recht auf Unvollkommenheit" fand Eingang in diese Debatten.

Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Johannes Rau, der in seiner letzten "Berliner Rede" dezidiert Position zu den aktuellen Fragen der "Biopolitik" bezogen hat. Der Bundespräsident wird die Ausstellung am 15. März 2002 im Berliner Abgeordnetenhaus eröffnen.

Die Ausstellung "Der (im-)perfekte Mensch" wird von einem anspruchsvollen Filmprogramm begleitet, das jeweils samstags ab 19 Uhr im Martin-Gropius-Bau Dokumentarfilme, Features, Klassiker des Unterhaltungsfilms und Raritäten zum Thema "Der (im-)perfekte Mensch" zeigt.

Differenzierte museumspädagogische Angebote, insbesondere für Schulklassen, wurden erarbeitet. Die Ausstellung ist barrierefrei zu besuchen und sieht spezifische Angebote für Besucher mit unterschiedlichen Behinderungen vor. Dazu gehören Audioführungen in leichter Sprache, Textführungen für gehörlose und schwerhörige Besucher, eine rollstuhlgerechte Ausstellungsarchitektur, taktile, kontrastreiche Bodenleitsysteme und Audioführungen für blinde und sehbehinderte Besucher sowie Infoterminals mit tastbaren Plänen.