Pressemitteilung

06.09.2000, Kunst, Kultur, Ausstellungen:

Bilder, die noch fehlten - Zeitgenössische Fotografie

Eine Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums und der Aktion Mensch


Vor zwei Jahren erregte der britische Trendfotograf Nick Knight großes Aufsehen, als er eine Serie von hochartifiziellen Modefotos veröffentlichte, auf denen er behinderte Models in Szene gesetzt hatte. Was war hier geschehen? Eine kalkulierte Sensation, ein zynischer Tabubruch - oder eine längst überfällige Selbstverständlichkeit? Wie immer man diese Frage beantworten mag: Nick Knight war mit diesen Fotos die Irritation des gewohnten Blicks auf behinderte Menschen gelungen.

Die Sonderausstellung "Bilder, die noch fehlten" (Kuratoren: Klaus Honnef, Gabriele Honnef-Harling) lotet die fotografischen Möglichkeiten aus, die sich durch eine solche neue Sichtweise auf Menschen mit Behinderungen eröffnen. Die Ausstellung präsentiert ein breites Spektrum gegenwärtiger Positionen und Stile. Bewusst wurden Fotografen aus ganz entgegengesetzten Richtungen eingeladen, an dieser Gruppenausstellung teilzunehmen. Auf der einen Seite stehen Mode-, Beauty- oder Lifestyle-Fotografen, die in ihrer Profession Bilder einer künstlichen Welt des Scheins schaffen; auf der anderen finden sich Reportage-Fotografen, die sich dem Thema mit sehr unterschiedlichen Haltungen nähern sowie eine Reihe von Foto-Künstlern, die sich mit den besonderen Formen der Wahrnehmung auseinandersetzen, durch die das Sichtbare erst Gestalt gewinnt. Einige der beteiligten Fotografen sind selbst behindert und dadurch in der Lage, ihre fotografische Bildsprache aus eigener Erfahrung zu formulieren.

Bis heute ist das "kollektive Bildgedächtnis" von den Lebenswelten behinderter Menschen geprägt von hartnäckigen Klischees. Häufig sind behinderte Menschen Objekte eines Sensationsjournalismus, der sich bestenfalls mit einem gewissen "human touch" umgibt; oder die bildlichen Darstellungen von behinderten Menschen stehen im Zusammenhang mit sozialen Institutionen, sie sollen Mitleid erwecken oder dienen als Beleg für geleistetes Engagement. Eine solche eingeengte Wahrnehmung versperrt den Blick auf die Individualität des einzelnen Menschen und nimmt ihm seine Würde. Es ist das Ziel der Ausstellung, solche Wahrnehmungs-Stereotypen zu durchbrechen und behinderte Menschen in einem neuen, ungesehenen ästhetischen Kontext zu zeigen.

Auch in dieser Ausstellung kann kein objektives oder natürliches Bild von behinderten Menschen gezeichnet werden, weil es ein solches Bild auch von nicht-behinderten Menschen nicht gibt. "Natürlichkeit" ist im Medium der Fotografie immer eine Frage des subjektiven Blicks und der Inszenierung. Wie jeder Blick, ist auch der Blick des Fotografen nicht objektiv, nicht frei von Vorurteilen und Widersprüchen. Unausweichlich bewegt sich jeder Fotograf in diesem Spannungsfeld und muss sich mit seinem eigenen Standpunkt auseinandersetzen.

"Bilder, die noch fehlten" greift mit wenigen Ausnahmen nicht auf bereits vorhandenes Material zurück, sondern zeigt Fotos, die eigens für dieses Projekt erarbeitet wurden. Viele der teilnehmenden Fotografen haben sich in ihren früheren Arbeiten noch nie mit der Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Die Ausstellung möchte auf diese Weise neue, noch nicht gesehene Bilder von Behinderung und behinderten Menschen öffentlich machen. Sie möchte dazu ermutigen, behinderte Menschen anzuschauen, wahrzunehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Teilnehmende Fotografinnen und Fotografen:

Michael Bause (Bonn), Evgen Bavcar (Paris), Sibylle Bergemann (Berlin), Rasso Bruckert (Mauer), Anton Corbijn (London), Josef H. Darchinger (Bonn), Uwe Düttmann (Hamburg) und Kai Zastrow (Amsterdam), Hans Hansen (Hamburg), Gottfried Helnwein (Irland), Andreas Horlitz (München), Daniel Josefsohn (Berlin), Nick Knight (London), Herlinde Koelbl (München), Olaf Martens und Falk Schultze-Motel (Leipzig), Floris M. Neusüss (Kassel), André Rival (Berlin), Olaf Schlote (Bremen), Marily Stroux (Hamburg), Wolfgang Zurborn (Köln).


Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Christoph Wingender, Heike Kuschel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stiftung Deutsches Hygiene-Museum
Lingnerplatz 1- 01069 Dresden
Telefon: 03 51/48 46-30 4
Fax: 03 51/48 46-58 8
E-Mail: Info@dhmd.de
Web: www.dhmd.de

Bärbel Schlößin

ABC Agentur für Kommunikation
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