Blog: Inklusion

Hier bloggen Menschen mit und ohne Behinderung aus ihrer je eigenen Perspektive über persönliche Erlebnisse, aktuelle Trends und Informationen rund um das Thema Inklusion.

Mehr Kultur! Neue Wege zum barrierefreien Tourismus

Blogger: Ulrich Steilen, am 12.08.2012 um 10:32 Uhr

Sommerzeit gleich Reisezeit. Neue Länder, neue Städte, neue Eindrücke. Sommer? Naja, zugegebenermaßen eine arge Hängepartie in diesem Jahr. Doch egal ob Sonne oder Regen – Kultur geht eigentlich immer. Für Menschen mit Behinderung macht aber oft nicht nur das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Barrieren verhindern ihren Kulturgenuss. Einige Städte und Tourismusveranstalter haben dieses Manko erkannt und bauen Barrieren ab. Beispiele gefällig?

Guildo Horn mit Gast einer Stadtführung. Stadtführung in Leichter Sprache mit Guildo Horn. Foto: Lebenshilfe Trier

Es ist noch nicht lange her, da habe ich in diesem Blog über meine Teilnahme am "Blindwalk" in Köln berichtet. Die Stadtführung mit verbundenen Augen richtet sich zwar nicht in erster Linie an blinde Menschen, sondern an Sehende, die durch die Erfahrung von Dunkelheit im urbanen Raum lernen, ihre Sinne zu schärfen. Aber das Beispiel "Blindwalk" macht deutlich: Kulturvermittlung ohne 08/15-Muster geht auch. So wie jetzt in Trier.

Guildo macht es einfach

Für das Ungewöhnliche sorgt hier Guildo Horn, der in die Rolle des Stadtführers geschlüpft ist. Die Lebenshilfe Trier hat gemeinsam mit ehrenamtlichen Partnern einen barrierefreien Stadtführer entwickelt. Das Besondere: Die Führung durch die älteste Stadt Deutschlands erfolgt konsequent in leichter Sprache. Schlagersänger Horn, der aus Trier stammt, hat die Texte eingelesen, die die Besucher von der Porta Nigra durch die Innenstadt bis zu den Kaiserthermen begleiten. Den Stadtführer "Einfach Trier" gibt es nicht nur als Printversion, sondern auch als App für Smartphones. Auf schnell gesprochene Worte, verschachtelte Sätze oder schwer verständliche Informationen wird verzichtet. Stattdessen werden die User mit vielen Weg-beschreibenden Bildern zu den Sehenswürdigkeiten Triers geführt.

Eine Kultur mehr: Gebärdensprache

Auch Erfurt startet in Sachen Inklusion durch. Im Frühling dieses Jahres sind hier sieben gehörlose Frauen und Männer zu Stadtführern ausgebildet worden. Anlass: In der Thüringischen Landeshauptstadt finden vom 20. bis 22. September die 5. Deutschen Kulturtage der Gehörlosen statt. Die Veranstalter erwarten mehr als 3.000 Besucher aus dem In- und Ausland. Um den gehörlosen Gästen die Stadt in der Deutschen Gebärdensprache näher bringen zu können, haben die neuen Stadtführer intensiv Stadt-, Kunst- und Kirchengeschichte gepaukt. Alle sieben sind Mitglieder im Thüringer Verband der Gehörlosen und in die Vorbereitungen zu den Kulturtagen einbezogen. Motto der Veranstaltung: "Eine Kultur mehr: Gebärdensprache".

Documenta mit Per und Peggy

In Kassel setzt Per Busch den Inklusionsgedanken in besonderer Weise in die Tat um. Der 43-Jährige ist blind und bietet zusammen mit seinem Labrador Peggy auf der Kunstausstellung "dOCUMENTA (13)" in Kassel nicht nur eine Führung für blinde und sehende Menschen, sondern auch für Hunde an. Seine Documenta-Besucher führt er zum "Dog-Run" und zu anderen Orten der modernen Kunst in Kassel: "Wir stehen hier in einem kleinen Wäldchen in der Karlsaue, und überall um uns herum ist Sound. Die Audio-Installation der kanadischen Künstler heißt 'Forest. For a thousand years' und ist für mich wie ein magisches Zeitfenster in die Vergangenheit", erklärt Per Busch. "Ich kann euch nur empfehlen, die Augen zu schließen, durch den Wald zu laufen und den Geräuschen zu folgen."

Ob im Wald oder in der bebauten Stadt; die drei Beispiele aus Trier, Erfurt und Kassel zeigen: Mehr barrierefreie Kultur – geht doch!


Weitere Informationen:
Infos zum Stadtführer "Einfach Trier" in Leichter Sprache der Lebenshilfe Trier
Ausbildung zu Stadtführern in Gebärdensprache für die 5. Kulturtage der Gehörlosen in Erfurt
Mit Per Busch auf der dOCUMENTA (13) in Kassel

Ulrich Steilen

Blogger: Ulrich Steilen
Kategorie: Inklusion

Bisher keine Kommentare

Es hat bisher noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert - seien Sie der Erste!

Sie müssen sich erst einloggen, um eigene Kommentare zu schreiben.

Sie müssen sich erst einloggen, um eigene Kommentare zu schreiben.

Login
Passwort vergessen?
Neu anmelden


Für die Lotterie und das Förderantragsystem benutzen Sie bitte die separaten Logins:

Login Lotterie
Login Förderantragsystem

 

Seite weiterempfehlen