Blog: Inklusion

Hier bloggen Menschen mit und ohne Behinderung aus ihrer je eigenen Perspektive über persönliche Erlebnisse, aktuelle Trends und Informationen rund um das Thema Inklusion.

Sich Gehör verschaffen

Blogger: Timo Klippstein, am 01.04.2012 um 10:31 Uhr

"Miteinander Gestalten" ist ein besonders attraktives Förderangebot der Aktion Mensch, das vor allem Vereine und Initiativen mit kleinen Projekten unterstützt. Insgesamt 2.068 Projektideen gingen dafür im ersten Jahr bei der Soziallotterie und Förderorganisation ein. Einer davon stammt vom Verein "Kraft der Stille" aus Wuppertal. Die Gruppe von Menschen mit Hörbehinderung entwirft mit Hilfe der Förderung ein inklusives Theaterstück mit Tanz, Musik und Clownerie.

Theater ist Ausdruck, performativ und mimisch. Immer. Nicht immer ist aber die Stimme das Medium, um die Gefühle und Botschaften der Schauspieler zu transportieren. Noch weniger, wenn die 25 Menschen des Vereins "Kraft der Stille" proben. Denn dies geschieht leise und mit mehr Mimik und Gestik. Die Theatergruppe aus Wuppertal ist Teil eines Kulturvereins für gehörlose Menschen aus den ehemaligen GUS-Staaten. Sie kommunizieren mit Gebärdensprache, denn 15 Mitglieder haben eine Hörbehinderung.

Aktuell üben sie das Stück "Wir leben, wir lieben, wir frohlocken", das Tanz, Lieder und komische Szenen mischt. Etwa zwei Mal pro Woche treffen sie sich dazu in den Räumen des Caritasverbandes und im städtischen Altenzentrum Wuppertaler Hof. Dort proben die Darsteller russische Tänze, Tango Walzer, aber auch Gebärdenlieder wie "Pariser Tango" oder "Schöner fremder Mann". Und mit Clownerie wollen sie das Publikum zum Lachen bringen. Das Projekt ist inklusiv angelegt - bringt also Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, fördert ihren Austausch und gibt ihnen die Möglichkeit sich am kulturellen Leben zu beteiligen. "Die positiven Effekte sind, dass die Theaterarbeit gleichzeitig als Therapie auftritt", sagt Nikolai Jegorow, Gründer der Theatergruppe. "Die Teilnehmer können sich und ihre Talente bei der Arbeit realisieren sowie sich so in ihre Rollen versetzen, dass ihre Emotionen ohne Worte zum Ausdruck gebracht werden können", erläutert er. Für Menschen ohne Gehör ist dies eine wichtige Möglichkeit, um an der Gesellschaft teilzuhaben und nicht isoliert zu leben.

Ein Jahr "Miteinander Gestalten"

Daher unterstützt die Aktion Mensch das Theaterprojekt im Rahmen ihrer Förderaktion "Miteinander gestalten" mit 4000 Euro. Von dem Geld finanziert der Verein unter anderem die Regisseurin, einen Choreografen sowie Gebärdendolmetscher, Techniker und Trainer. Die Förderaktion "Miteinander Gestalten" feiert am 1. April 2012 ihren ersten Geburtstag. In diesem ersten Jahr haben Vereine und Initiativen insgesamt 2.068 Anträge für eine Förderung bei der Aktion Mensch gestellt. Davon dürfen es gerne mehr werden - die Soziallotterie freut sich auch künftig über gute Ideen und Vorhaben, die mit Hilfe einer finanziellen Förderung von bis zu 4.000 Euro pro Projekt realisiert werden können. "Miteinander Gestalten" ist ein niederschwelliges Förderangebot, das vor allem Vereine und Initiativen mit kleinen Projekten unterstützt. Aus Nordrhein-Westfalen stammen mit 337 Anträgen übrigens die bisher meisten Vorhaben. Bundesweit liegen mit 415 Anträgen geplante Projekte aus dem Tanz-, Theater- und Schauspiel-Bereich an der Spitze. Zu diesem Bereich gehört auch das Vorhaben des Vereins "Kraft der Stille".

Integration mittels Kultur

Die Theatergruppe gibt es schon länger, sie hat Erfahrung mit Produktionen für die Bühne. Seit dem Jahr 2005 hat sie vier Programme einstudiert und nimmt mit ihren Stücken regelmäßig an städtischen Veranstaltungen teil, wie etwa an Weihnachten oder Integrationstagen. Der Verein, den es seit 2008 gibt, bildet eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte. So gibt es darin Angebote, Menschen zu Behörden oder Ärzten zu begleiten. Mit der Caritas bietet der Verein einen Gebärdensprachkurs für gehörlose Menschen an und organisiert regelmäßig Ausstellungen, Konzerte, Treffs und Studienreisen. Jegorow sagt: "Der Verein wurde mit dem Gedanken gegründet, den gehörlosen Menschen zu helfen, sich in die Gesellschaft über die Kultur zu integrieren."

Aber neben dem soziokulturellen Gedanken, steht beim Theater der Spaß am Spielen im Vordergrund. Und natürlich auch, die Stücke zu gestalten. Denn die Gruppe spielt nicht nur, sondern entwirft und schneidert die Kostüme selbst. Ein komplettes Theaterstück auf die Bühne zu bringen, bedeutet viel Arbeit und fordert Darsteller und Organisatoren. Die andere Seite ist aber auch wichtig. Denn die Arbeit fördert die Teilnehmer, wie Jegorow weiß. "Wir haben bei vielen Mitgliedern der Gruppe Talente entdeckt und versuchen, ihnen zu helfen, diese zu entwickeln."

Die Erstaufführung des neuen Stücks findet am 24. November 2012 im Internationalen Begegnungszentrum des Caritasverbandes Wuppertal/ Solingen statt.


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