Blog: Inklusion

Hier bloggen Menschen mit und ohne Behinderung aus ihrer je eigenen Perspektive über persönliche Erlebnisse, aktuelle Trends und Informationen rund um das Thema Inklusion.

eLearning als Chance für Menschen mit Behinderung

Blogger: Domingos de Oliveira, am 15.02.2012 um 08:18 Uhr

Lebenslanges Lernen ist angesagt, doch viele Weiterbildungsangebote sind für Menschen mit Behinderung ungeeignet.

Zwei Hände auf einer Laptop-Tastatur berlin-pics / pixelio.de

In Deutschland gibt es ein gut ausgebautes Angebot an Fernstudiengängen und Fernlehrgängen. Für blinde und sehbehinderte Menschen könnten diese Angebote sehr interessant sein, in der Regel sind sie ihnen aber nicht zugänglich. Die Mehrheit der Anbieter stellt ihr Material in gedruckter Form bereit. Großdruck oder digitale Medien sind hingegen Mangelware. Erschwerend kommt hinzu, dass jede Bildungsorganisation ihre eigene Internetplattform betreibt. Dort werden Materialien hoch- und runtergeladen, häufig gibt es auch Diskussionsforen zu den einzelnen Kursen. Diese Plattformen erfüllen oft nicht die elementarsten Voraussetzungen der Barrierefreiheit im Internet wie zum Beispiel die Tastaturbedienbarkeit. Deshalb können die Kurse auch von Menschen mit motorischen Einschränkungen nur bedingt genutzt werden.

Klassische Studiengänge oder Weiterbildungsseminare sind vor allem für schwerhörige und gehörlose Menschen ein Problem. Ihr Studienerfolg wird durch eine mangelhafte technische Ausstattung oder die fehlende Finanzierung von Gebärdendolmetschern gefährdet.

eLearning als Alternative

Unter eLearning kann jede Möglichkeit verstanden werden, Bildung auf elektronischem Wege zu vermitteln. Das beginnt bei der Vorlesung, die jeder Internetnutzer herunterladen oder im Web anschauen kann und geht bis zu vollständigen Online-Kursen, bei denen der komplette Lernstoff samt Diskussionsforen online bereit gestellt wird. Die Universität Stanford hat 2011 einen Kurs über künstliche Intelligenz im Internet abgehalten, an der 160.000 Menschen teilgenommen haben sollen. Die Veranstalter planen weitere Kurse unter dem Projektnamen Udacity.

Solche Kurse haben eine Reihe von Vorteilen für Menschen mit Behinderung:

  • Sie können zuhause bearbeitet werden, so dass die eigene Hilfstechnik bereit steht und Mobilitätsprobleme entfallen.
  • Die Basis der Kurse ist häufig Text; Multimedia wird eher ergänzend eingesetzt. Das hat vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen Vorteile.
  • Die Kurse können relativ einfach für gehörlose und schwerhörige Menschen aufbereitet werden. Untertitel oder Gebärdenvideos können ebenso hinzugefügt werden wie Texte in Leichter Sprache.
  • Zu guter Letzt können die Kursteilnehmer ihre Zeit selbst einteilen. Es spielt keine Rolle, ob man eine oder drei Stunden zur Bearbeitung der Inhalte und Aufgaben benötigt.

Ein auch für Menschen mit Behinderung spannender Trend sind die Massive Open Online Courses (MOOC). Bei diesen Kursen werden Basisinformationen zu dem Kursthema von den Lehrenden bereit gestellt. Anders als beim klassischen eLearning sollen die Teilnehmer nicht vorgegebene Aufgaben lösen, sondern sie werden angehalten, selbst Inhalte zum Thema zu erstellen. Dabei können sie selbst entscheiden, auf welcher Plattform oder in welcher Form sie die Inhalte veröffentlichen. Für Menschen mit Behinderung liegt der Vorteil darin, dass sie die für sie jeweils passende Medienform für die Inhalte aussuchen können: Blinde Menschen werden eher Texte schreiben oder Podcasts erstellen, während gehörlose Menschen vielleicht eine grafische Präsentationsform bevorzugen. Die Teilnahme an den Kursen ist in der Regel kostenlos, und die Teilnehmerzahl ist praktisch unbegrenzt. Im April 2012 startet ein deutschsprachiger Kurs zu "Trends im E-Teaching".

Der soziale Faktor

Ein wichtiger Faktor auf vielen eLearning-Plattformen ist der Austausch über den Lernstoff. Die Teilnehmer diskutieren über ihre Fragen oder einzelne Lösungsansätze. Auch dabei spielt es keine Rolle, ob der jeweilige Teilnehmer eine Behinderung hat oder nicht. Er kann sagen, dass er eine Behinderung hat, muss es aber nicht.

Barrierefreiheit

Voraussetzung für die Nutzung der Kurse durch Menschen mit Behinderung ist - wie so oft - ihre barrierefreie Aufbereitung. Dabei geht es zum einen um die Wahl der richtigen Plattform. Wie oben erwähnt basteln viele Einrichtungen ihre eigenen Learning Management Systeme. Dabei gibt es kostenlose Open-Source-Alternativen wie etwa Moodle, die als gut zugänglich gelten.

Entscheidend für die Zugänglichkeit ist - neben der Plattform selbst - die barrierefreie Aufbereitung des Lernstoffs. Viele Kurse setzen nur auf Texte und Bilder. Vor allem bei Universitätskursen oder Webinaren ist es hingegen üblich, Videos bereit zu stellen. Wichtig ist dabei, dass die Teilnehmer die Gelegenheit haben, sich die Videos nach dem Kurs noch einmal ansehen zu können. Blinde und sehbehinderte Menschen sollten sich Präsentationen herunterladen können, für gehörlose Menschen sollten Untertitel eingefügt werden.

eLearning sollte nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung klassischer Bildungsmaßnahmen verstanden werden. Menschen mit Behinderung profitieren wie alle Lernenden von den persönlichen sozialen Kontakten und dem direkten Austausch mit anderen. Auch bei klassischen Lehrveranstaltungen lässt sich Barrierefreiheit bis zu einem bestimmten Grad umsetzen.

Weiterführende Links:
Vibelle bietet Kurse für Gehörlose
Das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter hat eine Online-Akademie für Menschen mit Behinderung gestartet
Das Projekt Web ohne Barrieren bietet eine Sammlung von Anleitungen für das barrierefreie eLearning


Bisher 5 Kommentare

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Godan

25.02.12 um 13:50 Uhr

Im Internet kann man ja nicht wirklich sehen, ob einer behindert ist, oder nicht. Im Internet kann ja jeder behaupten, was er will, er braucht seinen Behindertenschein und seinen Behinderungsgrad ja nicht rechtskräftig bildlich unter seinen Beiträgen darstellen. Auf Grund dessen glaube ich den meisten, die sich hier schriftlich äußern nicht, das sie behindert sind. Den meisten Behinderten ist es auch nicht erlaubt, sich schriftlich im Internet zu äußern. Man befürchtet, das die Behinderten die Öffentlichkeit terrorisieren. Außerdem können die meisten Behinderten auch gar nicht mit dem Computer umgehen, das ist für sie zu schwierig.

Petra_Strack

24.02.12 um 23:13 Uhr

@Godan
Was sind denn bitte für Sie "echte" und was sind "unechte" Behinderte? Ich halte mich selbst für ziemlich "echt behindert", jedoch empfinde ich mich keineswegs als Randgruppe und verdiene von Jugend an mein eigenes Geld: Als Jugendliche mit den üblichen Nebenjobs und seit dem Ende meines Studiums in der freien Wirtschaft. Bin ich nun deswegen weniger "behindert"?
Und zu behaupten, man könne sein Leben nur mit Geld genießen ist genauso ignorant, wie zu behaupten, man könne sein Leben nur in einem gesunden Körper genießen. Sicher, beides ist nicht unbedingt hinderlich, aber notwendig ist keins von beiden.

@davidsettle
You are absolutely right: Self-pity never helped anyone, if you want something good to happen to you - make it happen!

Godan

20.02.12 um 19:36 Uhr

@davidsettle

Die echten Behinderten werden von der Gesellschaft ausgegrenzt, die sind eine Randgruppe. Das Leben genießen kann man, wenn man Geld hat. Echte Behinderte haben kein eigenes Geld, die bekommen allerhöchsten ein kleines Taschengeld in einer Behindertenwerkstatt. Normalerweise zieht das Taschengeld dann auch noch das Behindertenheim ein, das Taschengeld bekommen nur die, die von ihren Eltern betreut werden. Ich bin eine große Ausnahme, dass ich durch meinen langjährigen Beruf eine kleine Rente beziehe, weil ich über 20 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt habe.

davidsettle

20.02.12 um 15:23 Uhr

I think that this statement " ich bin seit meiner geburt überflüssig für die gesellschaft, ich habe für niemanden einen Nährwert"
This is absolute BULLS§%&T............... you have to find your own place in society, no one else will do it for you, you are responsible for yourself, and everyone and I mean everyone has a place in this world, no one person no matter if behindert or normal is left out, leave out the theological reasons, each person on this earth/planet have there place, it is your choice to go out and find it, if you are too lazy to do that, then that is your problem, if you want to sit in your own self-pity then that is your fault, but do not start to complain about how bad you have it because you are behindert, there are enough programs out there that help us, some good, some not so good, I have met some of the nicest people who all care about my well being since my minor setback, if a person does not want to learn a new skill, that is the persons problem, do not get me wrong, there are those that are mentally behindert that cannot grasp the idea of learning a new skill, but these people do not count, if you are mentally adequate then shame on you, get out of your hole and enjoy life, if others put you down ignore them, they are more handicapped then you. When you see yourself as a person first, then maybe you will start to feel like one, I cannot claim to be an expert on being behindert, but I will stick my head in the sand and say why me, why me, poor poor me........ Live Life, Enjoy Life..... and remember, everyday is a learning process, no matter what, we learn something new everyday.

Godan

16.02.12 um 07:26 Uhr

Ich bin seit meiner Geburt überflüssig für die Gesellschaft, ich habe für niemanden einen Nährwert, darum werde ich ständig bekämpft, man versucht mich umzubringen. Die große Liebe gibt es bei Behinderten nicht, wenn sie keinen Nutzwert haben, es müssen immer Euros aus ihrem Leben herausspringen. Einem Behinderten das Lernen aufzuzwingen, da werden sie selber merken, dass, es das nicht bringt. Der Behinderte muss das selber wollen, das mit dem Computer zu lernen, kommt darauf an, wie gut er in der Schule ist. Einem Behinderten einen Lehrstoff mit Gewalt aufzuzwingen, das ist bis jetzt immer daneben gegangen, dann macht er nur noch Blödsinn.


 

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