Benedikt Lika
Konzerte für alle: Roll and Walk
Herr Lika, welche Rolle spielt Musik für Sie?
Mein Vater ist Sänger und die Klassik hat mich von klein auf begleitet und begeistert. Mit sechs habe ich begonnen, Klavier zu üben, später war ich Mitglied der Augsburger Domsingknaben und Solopauker im Sinfonieorchester meines Gymnasiums. Musik ist für mich ein Brückenbauer: Ich bin kleinwüchsig und sitze im Rollstuhl, aber über die Musik habe ich mich von Anfang an in einem ganz normalen Alltag bewegt.
Wie die Fotoaufnahmen entstanden
Barrierefrei: Dieser Beitrag ist mit Untertiteln und Audiodeskription versehen, damit er auch blinden und gehörlosen Menschen zugänglich ist. Denn auch hier gilt: Inklusion - Dabei sein! Von Anfang an.
Wie meinen Sie das?
Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, dass Menschen mit und ohne Behinderung miteinander in Kontakt kommen. Wenn man gemeinsam aufwächst, ist es einfacher, den anderen anzunehmen wie er ist. Spezielle Förderschulen oder Werkstätten können zwar ein kleines Paradies sein – es gibt beispielsweise keine einzige Stufe, alles ist barrierefrei und behindertengerecht. Allerdings ist es dort nicht möglich, die Normalität kennenzulernen. Viele Menschen mit Behinderung haben Angst davor, ihr vertrautes Umfeld zu verlassen. Ich möchte ihnen Mut machen.
War das der Grund, das Konzertfestival „Roll and Walk“ zu organisieren?
Ich fand, dass es zu wenig kulturelle Veranstaltungen gibt, an denen Menschen mit Behinderung teilnehmen können. Die meisten Konzertsäle sind nicht barrierefrei. 2007 habe ich mein Dirigentendiplom erhalten und anschließend mit meinem Orchester das Festival „Roll and Walk“ gegründet. Damit wollte ich eine Konzertreihe in einem barrierefreien Saal etablieren und gleichzeitig das musikalische Leben bei uns in Augsburg bereichern. Inzwischen ist das eine sehr erfolgreiche Konzertreihe.
Sie sind aber noch einen Schritt darüber hinaus gegangen …
Nach einer Weile habe ich festgestellt, dass immer die gleichen Menschen mit Behinderung zu den Konzerten kamen. Nach einigen Nachforschungen stellte sich heraus, dass es für viele Menschen gar nicht so einfach ist, zu den Veranstaltungen zu kommen. Deshalb haben wir uns entschieden, die Musik zu ihnen zu bringen. So bieten wir Konzerte wie unsere Liederabende in Förderwerkstätten und Seniorenzentren an.
Ein weiteres Ziel ist es, Menschen mit Behinderung aktiv in Ihr Festival einzubinden. Wie sieht das aus?
Ich möchte ihnen ein Podium bieten, auf dem sie zeigen können, welche Talente sie haben: So ist die Idee zu einem Lyrikwettbewerb zum Thema Liebe, Lust und Leidenschaft entstanden. Die vier besten Dichter haben ihre Werke im Rahmen der letztjährigen Operngala vorgelesen. Und in diesem Jahr tritt auf unserem Abschlusskonzert ein Gebärdenpoet auf – passend zu unserem Thema "Lieder mit und ohne Worte".
Warum haben Sie bei der Inklusionskampagne der Aktion Mensch mitgemacht?
Sich mit einer Kampagne für Inklusion einzusetzen, gefällt mir, weil ich sicher bin, dass der Gedanke unsere Gesellschaft verändern kann. Wenn viele Menschen sich im Kleinen dafür einsetzen, wird die Idee immer größere Kreise ziehen.
Zur Person
Benedikt Lika wurde 1982 in München geboren und lebt seit vielen Jahren in Augsburg. Dort besuchte er zunächst ein Musikgymnasium und studierte anschließend Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Kunstgeschichte. Heute arbeitet Benedikt Lika als Dirigent und Konzertorganisator und schreibt an seiner Doktorarbeit. Mehr Informationen über ihn gibt es auf seiner Internetseite unter www.likaandfriends.de.




