Blog: Filmfestival

Gebärdete Gedichte in New York

Blogger: Redaktion, am 21.06.2013 um 14:55 Uhr

Poetry Slam für Gehörlose:

Der Hamburger Dawei Ni, Gewinner von „BÄÄM! Der Deaf Slam“, trat am vergangenen Freitag bei einem der bekanntesten Gehörlosen-Slams in New York City auf. Die Aktion Mensch ermöglichte dem Sieger von Deutschlands erstem Poetry Slam Wettbewerb für Hörende und Gehörlose die Reise und einen Auftritt beim „ASL Slam“ in der Comedy Bar Comedy Bar in New York City. Sprachbarrieren gab es für Dawei Ni dabei nicht: „Als Weltenbummler kann ich ohnehin verschiedene Gebärdensprachen. Doch egal in welcher Sprache – Poesie wird von allen Menschen verstanden“, sagt Dawei Ni.

Fotos vom Poetry Slam in New York.

  • Dawei Ni steht am linken Bildrand auf eine Bühne, rechts sitzt das Publikum. Er hält seine Hände nach rechts in der Luft und schaut darauf.
    Aktion Mensch / Holger Keifel

    Gebärdet in der Comedy Bar in New York: BÄÄM! Der Deaf Slam"-Gewinner Dawei Ni.

  • Dawei Ni von vorne aufgenommen. Er schaut von sich aus gesehen nach rechts auf seinen rechten erhobenen Zeigefinger.
    Aktion Mensch / Holger Keifel

    Konzentration bis in die Fingerspitze: Dawei Ni.

  • Das Publikum von schräg oben aufgenommen. Die Hände sind in der Luft, Zeichen von Applaus.
    Aktion Mensch / Holger Keifel

    Applaus nach dem Auftritt: Das Publikum in der Comedy Bar jubelt.

  • Drei Männer stehen auf der Bühne. In der Mitte steht Andreas Costreau und gebärdet.
    Aktion Mensch / Holger Keifel

    Auch auf der Bühne: Andreas Costreau (mitte) gebärdet beim "ASL Slam".

  • Dawei Ni steht mit den anderen Poeten auf der Bühne.
    Aktion Mensch / Holger Keifel

    Gebärden gemeinsam: die Slammer in der Comedy Bar.


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Barrierefrei im Kinosaal

Blogger: Redaktion, am 14.06.2013 um 13:11 Uhr

Die Video-Dokumentation des barrierefreien Filmfestivals "überall dabei".

Die Dokumentation zum Abschluss des Filmfestivals "überall dabei" zeigt noch einmal die Spielstätten, Protagonisten und Filme.


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Verbindende Dichtung

Blogger: Ulrich Steilen, am 27.04.2013 um 08:49 Uhr

"überall dabei" geht auf die Zielgerade: Das inklusive Filmfestival der Aktion Mensch gastiert nun noch bis Mitte Mai in einigen Städten. So bietet sich die Gelegenheit noch einmal bei den Vorführungen der spannenden Spielfilme und interessanten Dokumentionen dabei zu sein - wie etwa bei "Deaf Jam", den sich Blogger Ulli Steilen näher angesehen hat.

Aneta hat die Augen geschlossen und deutet mit ihrer rechten Hand auf ihr rechtes Ohr. Von vorne fotografiert.

Stille Geste: Aneta Brodski Protagonistin von "Deaf Jam".

Aktion Mensch

„Kommunikation ist der Schlüssel zur Welt“, heißt es zu Beginn des Films „Deaf Jam“. Wie kann Kommunikation, Austausch und gemeinsame Kreativität entstehen zwischen Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen? Und deren Kulturen sich oft ablehnend bis feindlich begegnen? „Mir war nicht klar, was Palästinenser über ihre Heimat denken. Es ist dasselbe Gefühl, das Israelis für das Land Israel empfinden.“ Da ist etwas, das die gehörlose Aneta Brodski, die als 7-Jährige mit ihren Eltern aus Tel Aviv nach New York kam, und die hörende Tahani Salah, deren Familie aus Palästina stammt, verbindet. Beide leben in New York, beide sind Mitte 20. Vor allem aber verbindet sie ihre Liebe zur Poesie, zum Dichten. Gemeinsam haben sie eine Performance entwickelt und treten damit vor Publikum auf: Slam Poetry und ASL. Auf der Bühne vorgetragene Gedichte, von Tahani gesprochen und von Aneta dargeboten in der amerikanischen Gebärdensprache ASL (American Sign Language). Aneta und Tahani, die beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen jungen Frauen, kreieren ihre Gedichte gemeinsam am Küchentisch und geben ihrem Publikum dann auf der Bühne den Schlüssel in die Ohren und die Augen – zur Verständigung zu ihrer Welt.

„überall dabei“ geht in die letzte Runde

Judy Lieffs 70-minütiger Dokumentarfilm über die beiden Slam-Poetinnen läuft im Filmfestival „überall dabei“ der Aktion Mensch. „überall dabei“ geht in die letzte Runde. Seit September 2012 tourt das inklusive Filmfestival durch 40 deutsche Städte. Jetzt dürfen sich die Kinogänger in Frankfurt, Münster, Dortmund, Sindelfingen, Hamburg und Köln auf facettenreiche Dokumentar- und Spielfilme, anregende Diskussionen nach den Filmvorführungen und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm freuen. Die Vorträge, Veranstaltungen und Aktionen stehen immer in Verbindung zum Thema Inklusion und zu den Festivalfilmen. So wie bei „Deaf Jam“ und „BÄÄM – der Deaf Slam“.

Quelle der Inspiration

Aus der Dynamik des Films „Deaf Jam“ und der grenzüberschreitenden Performance der beiden Protagonistinnen Aneta und Tahani ist die Idee zu „BÄÄM – der Deaf Slam“ entstanden. „BÄÄM – der Deaf Slam“, ein Poetry-Slam in Gebärdensprache, hat in den vergangenen Monaten Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen begeistert. Der Wettbewerb ist vorbei, das große Finale fand am 13. April in Hamburg statt. Gewinner des ersten inklusiven Poetry Slams in Deutschland ist Dawei Ni.
Wer die Quelle der Inspiration, den Film Deaf Jam, auf der Leinwand sehen möchte, hat dazu noch Gelegenheit. Neben den fünf anderen Dokumentar- und Spielfilmen des Filmfestivals läuft Deaf Jam am 28. April in Frankfurt und Münster, am 30. April in Dortmund, am 3. Mai in Sindelfingen, am 5. Mai in Hamburg und am 11. Mai in Köln.

Weitere Informationen zu den Spielorten und Terminen.

Ulrich Steilen

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Spannung, Erotik, Kunst und viel Gefühl

Blogger: Ulrich Steilen, am 25.04.2013 um 09:05 Uhr

„Wir müssen nicht auf jeder Hochzeit tanzen, aber wollen auch nicht von vornherein von vielem ausgeschlossen sein.“ Diesen Satz schreibt Zuhal Soyhan in ihrem Grußwort an das Münchner Kinopublikum. Die Fernsehmoderatorin ist hier Schirmherrin des inklusiven Filmfestivals „überall dabei“, das von Donnerstag, 25. April, bis zum 5. Mai in der bayerischen Landeshauptstadt gastiert. Mit „wir“ meint Zuhal Soyhan Menschen mit Behinderung. Die heute 48-Jährige weiß wovon sie spricht. Sie hat die Glasknochenkrankheit und sitzt seit ihrer Kindheit im Rollstuhl. Im Interview spricht sie über das „Ausgeschlossen- und Dabeisein“ und macht klar, warum die Zuschauer sich alle Filme von „überall dabei“ ansehen sollten.

Ein Portraitfoto von Zuhal Soyhan.

Schirmherrin von "überall dabei" in München: Zuhal Soyhan.


In ihrem Grußwort für das Festival in München schreiben Sie: „Ein Filmfestival ganz wie es sein soll: voller Spannung, Erotik, Kunst und viel Gefühl!“ Welcher Film hat Ihnen besonders gut gefallen?
Also, mir hat tatsächlich „Rachels Weg“ besonders gut gefallen. Das Thema „Sexualität und Behinderung“ steht eben noch ganz weit hinten auf der Liste. Die Menschen wollen sich damit möglichst nicht auseinandersetzen. Der Film zeigt aber auf eine sehr gute Weise, dass Behinderte sich nicht nur wünschen, versorgt zu werden, sondern dass sie auch ureigenste Gefühle und Wünsche haben. Nämlich die nach Sexualität und Zuneigung. Und dann gibt es da eine Frau, die diese Wünsche erfüllt – Rachel. Das hat nichts Klebriges oder Anrüchiges, das geht einfach total zu Herzen.

Haben Sie die anderen Filme des Festivals auch bereits gesehen? Was macht die Filmauswahl von „überall dabei“ aus?
Ja, ich habe mir alle Filme angesehen. Wenn ich schon Schirmherrin von einem Festival bin, will ich auch wissen, worum es geht. Und ich bin wirklich sehr angetan von den Filmen und den Geschichten, die sie erzählen, weil sie so authentisch die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderung wiedergeben. Letztlich geht es auch gar nicht darum, ob jemand behindert ist oder nicht, sondern die Themen sprechen einfach für sich. Abgesehen davon sind die Filme einfach hochprofessionell gemacht und haben nichts von dem Betulichen, was man sonst häufig sieht, wenn es um Behinderung geht.

Apropos Schirmherrin, wie kam es eigentlich dazu?
Michael Backmund, der das Filmfestival hier in München koordiniert, war mit mir gemeinsam auf der Journalistenschule. Wir kennen uns schon lange. Und da ich als Fernsehmoderatorin ein wenig Medienpräsenz habe und zudem eine Behinderung, hat er mich gefragt, ob ich das machen würde. Ich habe ihm sehr gerne zugesagt, weil mir das Thema Inklusion sehr am Herzen liegt. In meinem Leben musste ich immer dafür kämpfen und kämpfe immer noch dafür, dass ich all das machen kann, was ich heute mache.

Sie wurden in der Türkei geboren, haben in Deutschland studiert, sind jetzt als Frau mit Behinderung erfolgreich in ihrem Beruf als Fernsehjournalistin in Bayern. Ist Deutschland ein Inklusionsparadies?
Von dem Paradies sind wir noch ganz, ganz weit entfernt. In Sachen Barrierefreiheit hat sich zwar in den vergangenen Jahren einiges getan, Rollstuhlfahrer wie ich haben es etwas leichter als früher. Aber mir geht es auch um die Inklusion von Menschen mit anderen Behinderungen. Zum Beispiel denjenigen mit einer geistigen Behinderung oder mit einer psychischen Erkrankung. Diese werden noch viel stärker ausgegrenzt als Menschen mit Körperbehinderung. Ich habe mich irgendwann einmal gefragt, wieviele Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung ich eigentlich kenne und bin zu dem traurigen Ergebnis gekommen, dass es praktisch null sind. Diese Menschen gibt es aber und ich möchte wissen, wo sie sind!

Im Rahmenprogramm des Filmfestivals in München stellen Sie am 8. Mai Ihr neues Buch vor. Worum geht es in ihrem Buch?
Es geht um mein Leben und meinen Weg, der mich als Kind nach einem schweren Erdbeben in der Türkei nach Deutschland geführt hat. Ich hatte glücklicherweise die Kraft mich durchzukämpfen und mich nicht auf die Strukturen zu verlassen, so wie sie damals waren. Hätte ich mich auf diese Strukturen verlassen, wäre ich sicherlich keine Journalistin geworden, würde nicht in einer eigenen Wohnung leben und hätte möglicherweise jetzt auch keinen Mann. Ich möchte nicht überheblich wirken und mein Weg lässt sich nicht auf andere übertragen. Aber vielleicht kann ich mit meinem Buch andere Menschen dazu ermuntern, Dinge anzupacken und anzugehen, von denen sie träumen.

Zur Person

Zuhal Soyhan wurde 1965 in der Türkei geboren. Mit drei Jahren kam sie für eine Krankenhausbehandlung nach Deutschland und lebt seitdem in München. Dort besuchte sie die Journalistenschule und arbeitete für verschiedene Zeitungen und Fernsehsendungen vor und hinter der Kamera. Heute ist sie überwiegend für „Wir in Bayern“ und das TV-Reisemagazin „grenzenlos“ tätig.

Vorankündigung aus dem Programmheft München zur Lesung mit Zuhal Soyhan

:
Zusatzveranstaltung der Münchner Volkshochschule (MVHS):
Mittwoch, 08.05.13
20:00 Uhr Ungebrochen – Mein abenteuerliches Leben mit der Glasknochenkrankheit Lesung mit Zuhal Soyhan und Christoph Süß
Als dreijährige erhält die Türkin Zuhal Soyhan die Diagnose Osteogenesis Imperfekta, die sogenannte Glasknochenkrankheit. In München wird sie im Krankenhaus behandelt und in einem Heim für Körperbehinderte jahrelang verwahrt. Sie nimmt allen Widrigkeiten und Vorurteilen zum Trotz ihr Leben selbst in die Hand und verwirklicht ihre Träume. Heute ist die starke Frau eine beliebte Fernsehjournalistin und sagt von sich: „Ich bin ein Glückspilz.“
Christoph Süß, Moderator des BR-Magazins quer, der Zuhal Soyhan aus seiner Zivildienstzeit kennt, stellt der Autorin Fragen zum Buch.
Ort: Black Box, Gasteig, Rosenheimerstr. 5. Infos und Karten unter www.mvhs.de/barrierefrei-lernen oder an der Abendkasse.

Weitere Informationen zum Filmfestival in München

Ulrich Steilen

Blogger: Ulrich Steilen
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Die Zwillingsbrüder im Interview

Blogger: Redaktion, am 18.04.2013 um 16:23 Uhr

In Mainz beim Filmfestival "überall dabei" waren die Protagonisten des Films "Zwillingsbrüder. 53 Szenen einer Kindheit" zu Gast. Das Video zeigt ein Interview mit den Brüdern Gustav und Oskar sowie Regisseur Axel Danielson im Capitol Kino. Zuschauerstimmen und Szenen aus Film und Vorführung runden den Beitrag zur Dokumentation ab.


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Unterhaltende Hände

Blogger: Timo Klippstein, am 15.04.2013 um 12:27 Uhr

"BÄÄM! Der Deaf Slam" fand mit dem bundesweiten Finale in Hamburg seinen großen Abschluss. Den inklusiven Poetry Slam gewonnen hat Dawei Ni. Im Anschluss an das Finale lud die Aktion Mensch zu einer inklusiven Party mit vibrierender, lichtunterstützter Tanzfläche, Duft-DJ und visuellen Gestaltungskünstlern ein.

Viele Menschen feiern lachend in einer Gruppe.

Großer Jubel im Festplatz Nord: Dawei Ni ist nach seinem Sieg beim Finale von "BÄÄM! Der Deaf Slam" in Hamburg.

Aktion Mensch / Arne Weychardt

BUMM, BUMM, BUMM – der Bass dröhnt, die Tanzfläche vibriert, überträgt die Schwingungen in die Beine, in den Bauch. Der Mensch als Resonanzkörper „Wir brauchen Bass“ lautet das Motto, so könnte man meinen, bei der Party nach dem Finale von BÄÄM! Der Deaf Slam im Festplatz Nord in Hamburg. Hunderte Menschen tanzen, lassen sich treiben, haben Spaß. Düfte wehen herüber. Eine Aroma-DJane verzückt die Nase, visuelle Künstler projizieren Kreise und Tropfen in rot und blau auf eine Leinwand. Im Anschluss an das Finale von BÄÄM! Der Deaf Slam hat die Aktion Mensch zur inklusiven Party eingeladen –, so dass alle Zuschauer die Feier gemeinsam erleben können.

Gebärden, Gestik, Mimik – visuelle Poesie

BÄÄM, BÄÄM, BÄÄM – so knallte am Wochenende eine poetische Salve nach der anderen heraus. Beim Finale des Deaf Slam zeigten die zwölf Teilnehmer aus den lokalen Wettbewerben was sie drauf haben: Gebärden, Gestik, Mimik – visuelle Poesie, bei der die Dichtern in den Raum greifen. Dawei Ni aus Hamburg-Horn gelingt das in fünf Minuten am besten. Er gewinnt „BÄÄM! Der Deaf Slam“, Deutschlands erstem Poetry Slam-Wettbewerb für Gehörlose und Hörende. Nun reist er zu einem Slam nach New York. Doch daran denkt er noch gar nicht. Ganz bescheiden will der 33-Jährige „nur ein bisschen mit seinen Freunden feiern und einen schönen Abend verbringen“, wie er nach dem Sieg gebärdet. Für ihn seien alle Beiträge toll gewesen, alle hätten gewonnen.

Poetry aus Hessen und Australien

Doch nicht nur die Künstler feuern ihre Gedichte ab. Auch die featured poets Lars Ruppel aus Gambach in Hessen und Rob Roy aus Australien unterhalten das Publikum mit ihren Worten und ihren Händen. Der Witz und Charme springen sofort über. Liegt es am vollen Körpereinsatz, mit dem Roy sich durch die (Sprach-)Kulturen robbt, rast und den Stolz der Gehörlosenkultur betont? Oder an der witzigen Geschichte Ruppels von „Holger, der Waldfee“? Egal, beide sind verdammt gut. Das findet auch das Publikum und schüttelt die Hände in der Luft, das Zeichen für Applaus in der Gebärdensprache.
Die Zuschauer bestehen an diesem Abend aus vielen Menschen mit Hörbehinderung, aber auch Hörenden. Mehr als 350 Menschen schauen der inklusiven Veranstaltung zu, lassen sich begeistern, staunen über die Vielfalt der Ausdrücke.

Selbstbewusste Kultur

Es gibt viel zu entdecken: Wut, Trauer, Witz, Liebe, detailverliebte Beobachtungen und immer wieder – der Drang, die eigene Kultur und Sprache, die Gebärdensprache, selbstbewusst zu präsentieren. Julia erzählt persönlich von ihrer Familie, dem Tod ihrer Mutter und spricht ihren Vater direkt an, der im Publikum sitzt. „Julias Geschichte hat mich im Herzen berührt“, sagt später auch Dawei. Er lässt in seinem Auftritt aus Blitz und Donner eine Welt entstehen. Mit klaren Gebärden, akkurat und genau reist er durch die Menschheitsgeschichte aus den Augen eines Menschen mit Hörbehinderung. Während Hans von einem taubstummen Tisch gebärdet und seine Losung „Taubsein ist gold“ lautet, mündet die Aussage von Ace aus Berlin in: „Du bist anders. Aber das ist gut so. Bleib anders“.
Anders ist der Abend auch in anderer Hinsicht. Gebärdensprachdolmetscher überwinden die verschiedenen Sprachen, verbinden so Hörende und Gehörlose, Poeten und Publikum. Was besonders toll ist: Sogar das Personal an den Theken gebärdet. Das Medieninteresse an dieser beonderen, einmaligen Veranstaltung ist groß. In dieser Form hat es so etwas noch nicht in Deutschland gegeben. NDR, ZDF und BR filmen, Hamburger Zeitungen schreiben eifrig die Höhepunkte aus dem Mahlstrom der Ereignisse des Abends heraus.

Gebärdensprache als Kunstform

Auf der Bühne hat Wolf Hogekamp das Zepter, also Mikro, in der Hand. Der Berliner Poetry Slam-Pionier moderiert den Abend und mit Gebärdensprachdozent Andreas Costrau nimmt er die Wertungen der Publikumsjury auf. Sagt Hogekamp die Künstler an, malt die Künstlerin Anna Prinz den Namen in den Sand. Dazu erschallt laute Musik. Die Bässe vibrieren, der Name verwischt langsam. Eine schöne Art, die Poeten vorzustellen. Und noch eine weitere Art zu kommunizieren. Denn auch darum geht es an diesem Abend: „Worte, Sprache in einer anderen Weise zu erleben. So wie wir es noch nie erlebt haben“, erläutert Wolf Hogekamp. Der Perspektivwechsel gelingt. Die Hörende bekommen eine Übersetzung, tauchen so in die Welt der Gehörlosen ein und, so sagt Hogekamp, „wir lernen Gebärdensprache als eigene Kunstform kennen“.

BIlder vom FInale des Deaf Slams in Hamburg

  • Ein Gruppenfoto von allen Teilnehmer des Finales von BÄÄM Der Deaf Slam
    Aktion Mensch / Arne Weychardt

    Freude nach dem Auftritt: Die Teilnehmer nach der Bekanntgabe des Gewinners.

  • Dawei performt beim Finale. Sein Hände sind in der Luft.
    Aktion Mensch / Arne Weychardt

    Mit klaren Gebärden zum Sieg: Dawei Ni aus Hamburg-Horn.

  • Das Foto zeigt die Tanzfläche aus Blickrichtung des DJs vom Plattendeck aus gesehen..
    Aktion Mensch / Arne Weychardt

    Party nach dem Finale: Poeten und Zuschauer feiern.

  • Eine Gruppe von Menschen schaut lachend in die Kamera.
    Aktion Mensch / Arne Weychardt

    Die Teilnehmer feiern ausgelassen ihre Auftritte.

  • Dawei Ni tanzt.
    Aktion Mensch / Arne Weychardt

    Siegerlaune: Dawei Ni feiert seinen Sieg beim Finale von "BÄÄM! Der Deaf Slam" auf der Tanzfläche.


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