Aktion Mensch-Blog

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Gib dem anderen eine Chance!

Blogger: Margit Glasow, am 22.09.2014 um 08:53 Uhr

Oder: Wie inklusiv sind Menschen mit Behinderung?

Ein Teilnehmer der „Behindert und verrückt feiern Pride Parade Berlin“, an seinem Rollstuhl ein Schild mit der Aufschrift: „Bitte auffallen!!“

„Mad + Disability Pride Parade“ in Berlin: Verstecken war gestern

Foto: Sozialfotografie [►] StR / flickr.com

Wir reden alle von Inklusion – Menschen mit Behinderung, Menschen ohne Behinderung, Politiker, Pädagogen, Eltern behinderter Kinder, Integrationshelfer, Assistenten, manchmal sogar Architekten, Arbeitgeber. Die Liste ließe sich unendlich ergänzen. Wer nicht von Inklusion redet, ist nicht „up to date“. Der hat nicht begriffen, worum es geht. Dass wir doch ALLE von Anfang an alles gemeinsam tun wollen. Gleichberechtigt. Doch ich frage mich: Wenn wir alle davon reden, wenn wir es angeblich alle wollen, warum ist dann die Umsetzung so schwer? Und ich frage mich auch: Tun wir Menschen mit Behinderung selbst genug dafür, dass Inklusion gelingen kann?

Ich kann – und will – nur für mich selbst sprechen, darüber, was die Auseinandersetzung mit diesem Wort bei mir ausgelöst hat. Bei mir, die ich in einem Elternhaus aufwuchs, in dem man Behinderung gern weggedacht hätte. Die ich 12 Jahre lang Sonderschulen für Körperbehinderte besuchte. Parallelwelten. Was in mir die Erkenntnis reifen ließ, dass ich in der „normalen“ Welt nicht willkommen bin. Dass ich mich hinten anzustellen habe. Als ich im Studium erstmals von nur „nichtbehinderten“ Kommilitonen umgeben war, verstand ich die Welt nicht, wusste nicht, wie ich mich „normal“ verhalten sollte. Und ich begriff deshalb auch nicht, dass die anderen genauso unsicher waren wie ich. In jener Zeit begann ich, Kurzgeschichten zu schreiben, die ich mitunter auf einer öffentlichen Lesebühne vorstellte. Diese Kurzgeschichten waren, so muss ich heute sagen, recht düster, handelten von Frauen mit Behinderung, von ihrer Sehnsucht nach Liebe, dem Wunsch dazuzugehören. Irgendwann fragte mich ein Zuhörer aus dem Publikum: Warum schreiben Sie so? Warum ermuntern Sie andere nicht einfach mit Ihren Geschichten? Warum zeigen Sie nicht, wie ein Dazugehören gelingen kann?

Im Mauseloch des Selbstmitleides

Ich war empört über diese Kritik. Hatte er denn gar nichts verstanden von dem, was ich da schrieb? Hatte er nicht begriffen, wie einsam und verzweifelt man als Frau mit Behinderung sein konnte? Wie es schmerzte, immer auf seine Behinderung zurückgeworfen zu werden? Wie sollte ich denn da noch fröhliche, Mut machende Geschichten schreiben? Warum bemerkte denn niemand, wie ich mich fühlte als Frau, die immer alle Blicke auf sich zog? Und das nicht, weil ich so überaus schön war, sondern weil ich mit meinem watschelnden Gang und meinen kurzen Beinen einfach aus der Norm fiel. Wie sollte ich Mutmach-Geschichten schreiben, wenn ich doch selbst gar nicht wusste, wie ein wirkliches Dazugehören funktionierte?

Wie sehr ich mich selbst mit meiner Denkweise ausgrenzte, begriff ich nicht. Zu stark wirkten die Erfahrungen, die Verletzungen aus der Vergangenheit. Dieser Wunsch, dass die anderen doch sehen mögen, dass es mir nur darum ging dazuzugehören, war übergroß. Doch er wurde nicht erfüllt. Er konnte auch nicht erfüllt werden, weil die anderen gar nichts von diesem Wunsch wussten, denn ich sprach ja nicht darüber. Und weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. So saß ich im Mauseloch meines Selbstmitleides und leckte meine Wunden.

Verstecken war gestern

Wie heißt es doch so schön: Hoffen und Harren hält manchen zum Narren. Irgendwann war mir jedenfalls klar, dass niemand kommen würde, um mich aus meinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Ich musste mich schon selbst auf den Weg machen. Ich musste mich verändern, begreifen, dass es in dieser „normalen“ Welt sehr viele Menschen gab, die mich willkommen hießen. Ich musste durch eine unsichtbare Tür gehen und es wagen, mich zu zeigen, auch auf die Gefahr hin, neue Verletzungen zu erfahren. Und ich spürte: Je mehr ich mich öffnete, den anderen die Chance gab, mich kennen zu lernen, zu verstehen, umso offener gingen auch sie mit mir um.

Was ich damit sagen will? Wir Menschen mit Behinderung sind oft gefangen in unserer Angst, immer wieder daran gemessen zu werden, welche Leistung wir bringen. Ob wir die Dinge kognitiv verstehen. Wie „normal“ wir sind. Aber auch wenn wir immer wieder in die Schublade geschoben werden mit dem Vermerk „behindert“, ist es umso wichtiger, dass wir uns öffnen und uns in inklusiven Strukturen selbst weiterzuentwickeln. Das heißt für mein Verständnis, dass wir aus dem Mauseloch des Selbstmitleids herauskommen und es lernen müssen, über den eigenen Tellerrand, sprich über unsere eigene Behinderung hinaus zu denken. Das übersehen wir oft. Wir Menschen mit Behinderung fordern immer wieder, dass sich die Gesellschaft ändern soll. Das ist auch eine wichtige, unumgängliche Forderung. Unter Gesellschaft verstehen wir aber oft die nichtbehinderten Menschen. Wenn wir es aber nicht schaffen, nicht wagen, uns zu dieser Gesellschaft dazu zu zählen, wird Inklusion nicht gelingen. Wir selbst müssen uns verändern. Verstecken war gestern. Ab heute ist Einmischen angesagt!


Linktipps:
Inklusion:Wer muss sich denn nun anpassen? Ein Blogbeitrag von Petra Strack über den Anteil von Menschen mit Behinderung an der Inklusion
Inkludiere dich selbst. Anastasia Umrik überlegt im Blog, dass es nicht immer an den "Nicht-Behinderten" liegt, wenn es mit der Inklusion hakt
Überall nur blaue Autos. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über Menschen, die noch nie von Inklusion gehört haben – und die Konsequenzen für die, die sich ständig damit beschäftigen

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Aktuelle Gewinnzahlen mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 21.09.2014 um 19:37 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie vom 21. September 2014 und stellt die heilpädagogische Tagesstätte der Ernst-Barlach-Schulen vor, die er in München besucht hat.

Die Stiftung Pfennigparade München macht in Sachen Inklusion bereits seit vielen Jahren Schule: Eine ihrer Tochtergesellschaften ist die Ernst-Barlach-Schulen GmbH, deren heilpädagogische Tagesstätte mit einem umfassenden und inklusiven Angebot 170 Kinder und Jugendliche mit einer frühkindlichen Hirnschädigung auf ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben vorbereitet.

Die Aktion Mensch hat die Einrichtung mit einem Kleinbus im Wert von 37.000 Euro unterstützt. Damit werden Fahrten zum Arzt, aber auch Freizeitaktivitäten organisiert.


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Berührungsängste unbegründet

Blogger: Dana Buchholz, am 20.09.2014 um 10:12 Uhr

Mein Besuch in einer Wohngruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten

Wohngruppenbewohnerin Heike in ihrem Zimmer

Bewohnerin Heike: Innerhalb der Wohngruppe duzen sich alle

Ich stehe im Flur der Wohngruppe Lerchen und bin gespannt darauf, wie die Bewohner auf meinen Besuch reagieren werden: Fühlen sie sich von mir bedrängt? Wie soll ich auf sie zugehen? Jetzt habe ich gar keine Zeit mehr, mir Gedanken zu machen. Denn da stellt sich mir schon die erste Bewohnerin vor, „Heike“, innerhalb der Wohngruppe duzen sich alle. Heike ist wie die anderen hier mittleren Alters. Sie zeigt mir sofort ihr Zimmer. Dann hebt sie ihren Stoffaffen vom Bett auf und sagt: „Den habe ich mir im Zoo gekauft.“ Eine andere Bewohnerin hat uns begleitet. Sie nimmt mich bei der Hand und führt mich schweigend zu ihrem Zimmer. Wie schnell die Bewohner mich hier aufnehmen, ist beeindruckend. Im nächsten Raum werde ich ans Bett gewinkt, ich reiche dem Mann meine Hand, dann stößt er mich weg. Im ersten Moment etwas irritierend, doch die Mitarbeiterin erklärt: „Er freut sich, Sie zu sehen – braucht dann aber wieder seine Ruhe.“ Als wir vor dem letzten Zimmer stehen, hört man laute Musik. Das ist Jan, der mir begeistert auf seinem Keyboard vorspielt.

Betreute Wohngruppen mit einer familienähnlichen Struktur

Als Schülerpraktikantin der Aktion Mensch habe ich die Diakonie Michaelshoven in Köln besucht, die mein derzeitiger Arbeitgeber mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert hat. Die Diakonie Michaelshoven unterstützt Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie leben in betreuten Wohngruppen. Diese haben eine familienähnliche Struktur: Jeder Bewohner hat sein individuell eingerichtetes Zimmer. Gegessen wird gemeinsam, das Wohnzimmer und die Küche werden geteilt. „Die Bewohner sollen sich wohlfühlen und die Wohngruppe als ihr Zuhause ansehen“, sagt Katrin, die seit dem Jahr 2000 in der Verwaltung der Einrichtung arbeitet.

Arbeit angepasst an die Fähigkeiten der Bewohner

Der Alltag in der Wohngruppe beginnt um 6:45 Uhr. Nach dem Frühstück werden die Bewohner zur Arbeit in die Werkstatt oder zur heilpädagogischen Tagesstätte gefahren. Die Arbeit ist angepasst an die Fähigkeiten der jeweiligen Bewohner. In der heilpädagogischen Tagesstätte übernehmen die Bewohner, die nicht in einer Werkstatt arbeiten können, kreative Aufgaben wie Kerzen ziehen oder Karten bedrucken. „Das ist wichtig, damit die Bewohner sich an feste Strukturen im Alltag gewöhnen“, sagt Katrin. Gegen 16 Uhr kommen die Bewohner wieder nach Hause. Dann haben sie Freizeit oder es werden die Aufgaben erledigt, die im Haushalt anfallen. Anhand eines Haushaltsplans weiß jeder, was er zu tun hat. „Wer fitter ist, macht eben mehr“, sagt die Mitarbeiterin Ursula. Dann zeigt mir eine Bewohnerin, wie man „Spazieren gehen“ ohne Worte ausdrückt. Sie ist Autistin und sprachbehindert. Deshalb nutzt sie Hilfen, um sich im Alltag auszudrücken.

Lebensfreude der Bewohner ist beeindruckend

Nach dem Besuch ziehe ich mein persönliches Fazit: Durch die Begegnung mit den Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Wohngruppe Lerchen kann ich mir gut vorstellen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Spazieren zu gehen oder einen Ausflug zu begleiten, macht mit Sicherheit Spaß. Ich hoffe, dass noch mehr junge Menschen wie ich ihre Berührungsängste auf diese Weise abbauen. Denn die Lebensfreude der Bewohner ist beeindruckend. Besonders viel konnte ich von Heikes Antwort auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht: „Was soll ich mir wünschen? Ich bin doch glücklich! Nur eine Schaukel in unserem Garten wäre noch schön!“


Linktipps:
Alle Infos über ehrenamtliches Engagement und der Engagement-O-Mat der Aktion Mensch für das passende Projekt auch in Ihrer Nähe
Ehrenamtliches Engagement bei der Diakonie Michaelshoven in Köln
Berührungsängste abbauen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Probleme im Umgang mit Menschen mit Behinderung
Wenn ich feiern gehe ... Ein Blogbeitrag von Luisa Eichler über Berührungsängste von Jugendlichen gegenüber Rollstuhlfahrern
 

Wohngruppe in der Diakonie Michaelshoven

  • Bewohner beim Tischdecken im gemeinsamen Esszimmer

    Gegessen wird gemeinsam

  • Bewohner Jan spielt auf dem Keyboard

    Bewohner Jan spielt laute Musik

  • Bewohnerin an einer Gebärdensprachtafel für Begriffe des Alltags

    „Spazieren gehen“ ohne Worte

  • Großes Schild an der Mauer der Diakonie mit der Aufschrift: "Mit Menschen Perspektiven schaffen."

    Bewohner sollen sich wohlfühlen

Dana Buchholz

Blogger: Dana Buchholz
Schlagworte: Wohnen, Projekte

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„Ich möchte einfach Christy genannt werden!“

Blogger: Ninia Binias, am 18.09.2014 um 08:55 Uhr

Little Women:LA“ ist eine US-amerikanische Serie des Senders Lifetime – die erste Staffel lief im Frühjahr diesen Jahres, eine zweite soll produziert werden. Die Serie handelt von sechs befreundeten Frauen in Los Angeles, die alle ihre eigene Geschichte, Herausforderungen und Erlebnisse haben. Und die eben alle klein sind. In den USA ist die Serie in kürzester Zeit sehr beliebt geworden.

Die sechs Hauptdarstellerinnen von "Little Women:LA"

Reality-Darstellerinnen in „Little Women:LA“: Tolle Frauen

Foto: Patrick Ecclesine / A&E Television Networks

Ich mag Reality Shows – und dann noch eine, in denen kleinwüchsige Frauen die Hauptrollen spielen?! Da muss ich natürlich mal reinschauen. Die erste Episode von „Little Women:LA“ steigt ein mit einer Diskussion über die Bezeichnung „midget“ („Zwerg“) und ob ein Job, in dem nur zählt, dass man kleinwüchsig ist, okay wäre oder nicht. In der Frauengruppe gibt's unterschiedliche Meinungen dazu – die einen sagen, man dürfe solche „Vorführung von Zwergen“ nicht unterstützen, die Nächste ist der Meinung, dass sich die Leute sowieso über sie lustig machen, egal, welchen Job sie mache – Hauptsache, sie werde dafür bezahlt. Der Hintergrund: Die Mädels treten als Künstlerinnen und Mini-Doubles berühmter Sängerinnen wie Britney Spears oder Lady Gaga auf. So verdienen sie ihr Geld. Die meisten wollen diesen Job als Sprungbrett für eine eigene Gesangs- oder Modelkarriere nutzen.

Endlich diskutieren tatsächlich mal „Betroffene“ vor der Kamera

Unabhängig davon, wie ich selbst zu Thema stehe, gefällt mir die Diskussion. Sie zeigt, dass es selbstverständlich auch unter den kleinwüchsigen Frauen unterschiedliche Meinungen zu dem Thema gibt. Und: Endlich diskutieren tatsächlich mal „Betroffene“ vor der Kamera, und es wird nicht über sie diskutiert!

Christy, eine der Darstellerinnen, regt sich sehr darüber auf, dass ihre Freundin es okay findet, als „Zwerg“ bezeichnet zu werden, und sagt dann im Einzelinterview einen wunderbaren Satz: „I prefer to be called Christy, I'm a human being.“ („Ich bevorzuge es, Christy genannt zu werden, ich bin ein Mensch.“) So wechselt die Serie immer mal wieder zwischen unterhaltsamen Inhalten hinüber zu aufklärerisch-erzieherischen – ohne dass die Zuschauerinnen und Zuschauer das registrieren.

Eine typische amerikanische Reality-Show, wie alle anderen auch

Insgesamt handelt es sich um eine typische amerikanische Reality-Show, wie alle anderen auch. Natürlich sind die Streitigkeiten absurd laut, selbstverständlich gibt es ab und an Lästereien unter den Mädels, und alle haben ein wirres Liebesleben. Aber das alles ist deshalb so gut gemacht, weil der Fokus auf die Körpergröße nur selten stattfindet – und wenn, dann ist das begründet und gehört dazu. Die Frauen sind nun einmal klein, das ist ein Teil ihres Lebens, aber nicht der einzige Teil – und genau das spiegelt die Serie.
Es gibt keine besondere Mitleidsschiene, kein Heroisieren der Darstellerinnen. Alle sind sowohl mit großen als auch mit kleinen Menschen befreundet, manche haben große Partner, manche kleine. Ich fühle mich wohl mit der Serie, lache mit den Mädels, sympathisiere mit einigen mehr, mit anderen weniger und kann mich mit vielen Problemen identifizieren.

Gerade die Besonderheit, dass die Körpergröße der Hauptdarstellerin keine Besonderheit zu sein scheint, muss man hervorheben – genau das umzusetzen, scheint für deutsche Medien nämlich immer noch schwer zu sein. In „Little Women:LA“ suchen die Zuschauerinnen und Zuschauer vergeblich nach krampfhaft lustigen Alliterationen á la „Bauer sucht Frau“ und sie hören nicht die Melodie von Schneewittchen im Hintergrund. Die Protagonistinnen müssen sich nicht ständig selbst in Situationen inszenieren, in denen dann aber auch mal überdeutlich klar werden soll, wie winzig sie sind.
Stattdessen: Freundschaften, Beziehungsprobleme, Hochzeiten, Fotoshootings, Dates und alles andere, was eben in manchen Leben so stattfindet.

Oft wird nur im Nebensatz erwähnt, dass die Frauen klein sind

Genau so findet in den US-amerikanischen Medien auch die Berichterstattung über die Serie statt: Oft wird nur im Nebensatz erwähnt, dass die Frauen klein sind. In der Hauptsache geht es den Journalistinnen und Journalisten, Zuschauerinnen und Zuschauern um die Erlebnisse und Gefühle der Gruppe und die individuellen Charaktere: „The show is less about being a little person and more about being an amazing, smart woman dealing with the ups and downs of life.“ („In der Serie geht es weniger um das Kleinsein, sondern vor allem um tolle, kluge Frauen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen.“)

Noch besser wäre die Serie nur, wenn nicht alle Darstellerinnen auf der Bühne ihr Geld verdienen würden. Wenn sie zeigen könnte, dass die Frauen auch im üblichen Arbeitsmarkt eine Chance hätten. Oder eben die Probleme darstellen würde, die Menschen mit Behinderungen haben, wenn sie einen „normalen“ Job suchen.

Trotzdem: „Little Women:LA“ ist neben „My Gimpy Life“ und „Push Girls“ die beste Serie, die ich bis jetzt mit Menschen mit Behinderung in den Hauptrollen gesehen habe. Ich bin schon gespannt auf die zweite Staffel!


Linktipps:
Mehr Infos, Bilder und alle Folgen der ersten Staffel (kostenpflichtig) auf der offiziellen Homepage von Little Women:LA (englisch)
Sex and the City – jetzt auch im Rollstuhl. Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über die amerikanische Doku-Soap "Push Girls"
Filmreife Behinderung. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über die Darstellung von Behinderungen im Film
The Sessions: Optimistisch und warmherzig. Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über eine unbekannte Welt im Kino
Zwischen Wolfsmädchen und Dschungelcamp. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über moderne "Freakshows" in den Medien
Normalität in Film und Fernsehen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Menschen mit Behinderung in den Medien

Ninia Binias

Blogger: Ninia Binias
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Freizeit, Kultur

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Einmal Inklusion und zurück

Blogger: Nina Treusch, am 15.09.2014 um 08:48 Uhr

Inklusion in der Schule bedeutet Aufbruch in neue Welten – weg vom vorherrschenden Leistungsgedanken hin zur Bildung für alle. Benötigt wird dafür ein nachhaltiges, länderübergreifendes Konzept.

Eine Schultafel mit dem aufgemalten Schriftzug "Inklusion!?"

Inklusion in der Schule: Selbstverständlicher Grundsatz für alle

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Neulich habe ich mir eine Dokumentation über mögliche Wege zur inklusiven Schule angesehen. Die anschließende Diskussion darüber machte schnell deutlich, wie komplex die Thematik ist und wie viele verschiedene Facetten sie beinhaltet.

Aufbruch in neue Welten von klein auf

Inklusion ist nicht einfach nur ein guter Gedanke oder eine Projektidee. Auf die Schule bezogen bedeutet es bereits für die Jüngsten Veränderung und Aufbruch in neue Welten – weg vom vorherrschenden Leistungsgedanken hin zur Bildung für alle. Nicht nur das gemeinsame Lernen der Schüler gestaltet sich dadurch anders, auch der Berufsalltag und die Ausbildung des Lehrpersonals ändern sich maßgeblich durch den Einbezug von Schülern mit Behinderungen in die Regelschulen.
Gelegentlich hinterlässt das Streben nach inklusiver Bildung in Reihen der Lehrer leider auch einen bitteren Nachgeschmack. Das liegt nicht am fehlenden Willen, sich der Inklusion zu öffnen, sondern an der Art der Realisierung. Maßnahmen in der Umsetzung der inklusiven Bildung geschehen oft unbedacht und gehen in den meisten Fällen zu Lasten der Beteiligten.

Mal ehrlich: Wie würde es sich für Sie anfühlen, wenn Sie plötzlich ungefragt für einen unbekannten Arbeitsschwerpunkt die volle Verantwortung tragen müssten? Vermutlich würden Sie sich entweder der neuen Herausforderung verschließen oder wären damit schlichtweg überfordert.

Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen

Diese Lage wird durch die Uneinheitlichkeit der Länder in Sachen Bildung noch kräftig unterstützt – einige sind sehr aktiv in Sachen inklusiver Bildung, andere halten sich galant zurück. Inklusion fühlt sich dann für Entscheidungspersonen und Außenstehende gleichermaßen wie ein Experiment an, das schnellstmöglich umgesetzt werden soll – ohne selbst mit einbezogen zu werden.

Der Gedanke des „Einfach machen“ ist trotzdem in jedem Fall entschieden richtig. Man kann noch so viel um den heißen Brei herumreden, planen und evaluieren – was zählt, ist der nötige Schritt in der Praxis. Gleichzeitig ist es naiv zu glauben, dass große Dinge von heute auf morgen geschehen können. Inklusive Schulen befinden sich in der gleichen Situation wie ihre Schüler – beide benötigen Zeit, um sich ordentlich zu entwickeln, und können viel voneinander lernen.

Was wir auf lange Sicht hin brauchen, ist ein einheitliches, länderübergreifendes Konzept, das von Anfang bis zum Ende durchdacht ist. Bei wichtigen Regelungen sollte nicht einfach über die Köpfe des Fachpersonals und der Schüler hinweg entschieden werden. Sie wissen schließlich am besten, wie ein gutes Miteinander in der Schule gelingen kann und welche Schritte für die Umsetzung der Inklusion wichtig und vor allem realistisch sind.

Einbezug und Schulung der Beteiligten ist das A und O

Dabei ist es mehr als fair, Lehrpersonal das nötige Know-how von Anfang an bereits in der Ausbildung mitzugeben. Dies sollte nicht nur in einzelnen Bundesländern oder als Wahlmodul, sondern selbstverständlich als Grundlagenwissen theoretisch und praktisch erprobt werden. Angehende Lehrer könnten so ihr Expertenwissen an die ältere Belegschaft weitergeben.

Weiterhin ist es wichtig, dass sich alle Schulformen dem inklusiven Unterricht öffnen und beispielsweise auch höhere Schulformen wie das Gymnasium eine aktive Rolle spielen. So bleibt der gemeinsame Unterricht von Heranwachsenden mit und ohne Behinderung bald nicht mehr nur eine „gute Idee“, sondern gilt wie selbstverständlich für alle als Grundsatz.


Linktipps:
Das Handlungsfeld „In der Schule“ der Aktion Mensch
„Schule für alle gestalten“: Das Praxisheft der Aktion Mensch für Lehrerinnen und Lehrer (PDF-Dokument)
Falsche Freunde. Ein Blogbeitrag von Eva-Maria Thoms über die Ergebnisse des UNESCO-Gipfels „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“ fünf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention
"Ich bin ich". Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über vorbildliche schulische Inklusion an der privaten Mira Lobe Grundschule
Inklusion – ein Lehrstück. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen mit persönlichen Erfahrungen und Überlegungen zur schulischen Inklusion
 

Inklusion an deutschen Schulen

Nina Treusch

Blogger: Nina Treusch
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Bildung

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Aktuelle Gewinnzahlen mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 14.09.2014 um 19:42 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie vom 14. September 2014 und stellt den Integrationsbetrieb Hofgut Schloss Hamborn in Borchen vor. Das Bio-Unternehmen baut sein Serviceangebot weiter aus und schafft dabei zusätzliche Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im Kreis Paderborn. Die Aktion Mensch unterstützt den Ausbau des Integrationsbetriebes Hofgut Schloss Hamborn mit 250.000 Euro.


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