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Beraten statt bedrängen

Blogger: Carmen Molitor, am 28.07.2014 um 09:02 Uhr

Im Servicecenter der Aktion Mensch gehen 200.000 Telefonate pro Jahr ein. Stephan Weltring hat das Callcenter mit heute 28 Mitarbeitern vor 15 Jahren neu aufgebaut. Wenn es nach ihm geht, soll jeder Anrufer stets ein bisschen mehr Service bekommen, als er erwartet.

Stephan Weltring am Schreibtisch vor dem Computer

Servicecenter-Leiter Weltring: „Man sollte Ahnung haben“

Foto: Aktion Mensch

Was ein gutes Service- und Callcenter ist? Da muss Stephan Weltring nicht lange nachdenken: „Es zeichnet sich dadurch aus, dass es die Bedürfnisse des Kunden immer etwas übererfüllt“, sagt der 53-Jährige. „Man muss während des Gespräches nicht nur genau erkennen, was der Anrufer möchte, sondern ihm darüber hinaus etwas Passendes empfehlen können, das er so nicht erwartet hat. Der Kunde muss von dem Anruf bei uns einen Mehrwert haben, sich gut beraten und nicht bedrängt fühlen.“

Als sich der erfahrene Callcentermanager 1999 bei der Aktion Mensch bewarb, wirkte ein solch umfassender Servicegedanke noch wie Zukunftsmusik. „Da saßen vier Damen in einem Raum und haben die Telefonate von mehreren Millionen Lotterieteilnehmern bearbeitet“, schildert Stephan Weltring kopfschüttelnd. Der damalige Geschäftsführer Dieter Gutschick hatte zwar schon die Idee für ein professionelles Servicecenter. Was ihm fehlte, war der richtige Leiter.

„Ich hatte den Eindruck, dass ich hier viel anstoßen kann.“

Weltring war damals an einem beruflichen Wendepunkt angelangt. Der Kölner hatte bis zum ersten Staatsexamen Jura studiert, „aber das war nicht meins“. Er stieg in das Alarm- und Sicherheitstechnikunternehmen seiner Familie ein, betreute zehn Jahre lang die bundesweite Notrufzentrale. Doch manches schien ihm festgefahren, eine neue Herausforderung musste her. Dass er bei der Aktion Mensch an der richtigen Stelle war, wurde ihm klar, als Dieter Gutschick ihm während des Vorstellungsgespräches den Plan für ein Großraumbüro zeigte und ihn danach fragte, wie viele Leute er da unterbringen könne und wie viele Anrufe die schaffen würden. „Diese praktische Art fand ich sehr inspirierend“, erzählt Weltring. „Ich hatte den Eindruck, dass ich hier viel anstoßen kann.“ Er bekam den Job und baute mit drei Gruppenleitern ein Serviceteam auf.

Bis heute macht die Pflege der Daten von 4,6 Millionen regelmäßigen Lotteriespielern den Löwenanteil der Arbeit aus, die die 28 Beschäftigten in den zwei Teams des Servicecenters leisten. Bei ihnen laufen alle Adress- und Namensänderungen ein. Davon, dass die Bestandsdaten zu jedem einzelnen Los 100 % korrekt sind, hängt ab, wie schnell die monatlich rund 200.000 Gewinner über ihren Lotteriegewinn informiert werden können und ob sie die Schecks auch erreichen. „Wir benachrichtigen über Gewinne immer schriftlich, nie per Telefon“, betont Weltring. „Für Nachfragen dazu kann man sich aber natürlich telefonisch an uns wenden.“

Ein Job, der schnelle Auffassungsgabe und Diskretion erfordert

Das tun viele: Wie kann ich gewinnen, was kann ich gewinnen, wann ist das Geld auf meinem Konto? Das treibt die Anrufer um. Oder sie bestellen Lose und wollen zur Lotterie beraten werden, was angesichts der vielen verschiedenen Losarten eine ungeahnte Herausforderung darstellt: „Allein das 5 Sterne-Los können sie theoretisch in 161 Varianten spielen. Also sollte man Ahnung haben“, sagt Weltring. Seine Mitarbeiter werden intensiv geschult. Sie haben während der Telefonate Zugriff auf spezielle Datenbanken über die elektronisch erfassten Lose, die persönlichen Kundendaten und jeden einzelnen Gewinn. Ein Job, der eine schnelle Auffassungsgabe und Diskretion erfordert.
Besonders heiß läuft das Geschäft, wenn die Aktion Mensch gerade eine ihrer Marketing-Postwurfsendungen herausgeschickt hat, die mehrmals im Jahr mehrere Millionen Haushalte erreichen. Auf jeder Sendung steht oben rechts die Telefonnummer des Servicecenters. Das bleibt nicht ohne Folgen: Vor allem um Weihnachten herum gibt es reichlich Arbeit für Weltring und seinen Kollegen.

Rund 200.000 Telefonate, 170.000 Mails und 100.000 Briefe erreichten das komplette Kundenmanagement allein im Jahr 2013. Nicht alle Kunden hat Weltrings Team aber so glücklich gemacht, wie einen Mann, der eigentlich wegen eines Kleinstgewinns angerufen hatte. „Eine Mitarbeiterin konnte ihm im Telefongespräch sagen, dass er inzwischen auch noch eine halbe Million gewonnen hatte“, erzählt Weltring und lächelt zufrieden. Ein unerwarteter Mehrwert. Ganz in seinem Sinne.


Linktipps:
Schon viel erreicht: Die Meilensteine aus 50 Jahren Aktion Mensch in unserer Chronik
Zwischen Briefkastenonkel und Kampagnenmacher. Ein Porträt von Carmen Molitor über Christian Schmitz, den früheren stellvertretenden Pressesprecher der Aktion Mensch
Glücksfee ohne Casting. Ein Porträt von Carmen Molitor über Angela Hofmeister, früher TV-Glücksfee in „Der große Preis“ und heute Hüterin des Aktion Mensch-Logos

Carmen Molitor

Blogger: Carmen Molitor
Schlagworte: 50 Jahre Aktion Mensch

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Gewinnzahlen vom 27. Juli 2014 mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 27.07.2014 um 19:38 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und stellt ein Grundschulprojekt in Neustadt vor. Grundschüler aus Neustadt gestalten mit Eltern und Lehrern ihren Schulhof mit Pflanzen, Beeten und selbst gebauten Spielgeräten aus dem Wald. Spiel und Spaß haben die Erst- bis Viertklässler auf der Trampolin-Schaukel oder dem Rutschenhügel, und beim Baumstamm-Mikado lässt sich prima das Gleichgewicht trainieren. Die Aktion Mensch unterstützt das naturbezogene Gestaltungsprojekt des Fördervereins der Heinz-Sielmann-Grundschule Neustadt mit 4.000 Euro.


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Aktiv mittendrin

Blogger: Werner Grosch, am 25.07.2014 um 08:55 Uhr

Inklusion in der Ferienfreizeit: Der Kölner Kinderkultursommer macht vor, wie das geht. Andere Veranstalter können davon lernen

Kinderkultursommer-Teilnehmer Max zeigt seine bunten Graffiti-Bilder

Max beim Kinderkultursommer: Jeder kann etwas

Fotos: Werner Grosch

Max ist schon zum vierten Mal beim Kinderkultursommer dabei. Diesmal sogar zwei Wochen lang, jeden Tag, von morgens bis nachmittags. In der ersten Woche dieser Kölner Ferienfreizeit beim Parcours, einem Bewegungsprogramm. Für ihn ist das alles andere als selbstverständlich. Max hat geistige und motorische Schwierigkeiten und kann nicht einfach drauflosrennen wie viele andere. Er ist 14 Jahre alt, und er kann auch nicht so einfach sagen, dass er hier viel Spaß hat. Aber man sieht es. Er zeigt die Graffitis, die er in der zweiten Woche gemacht hat und die jetzt in einer Ausstellung auf dem Gelände am Rhein hängen. Schade, dass es schon vorbei ist? Er nickt. Und verschwindet, um seiner Mutter nochmal die Bilder zu zeigen.

Sehr gute Rahmenbedingungen

Der Kölner Kinderkultursommer ist ein Angebot der Jugendkunstschule Köln, der Kölner Spielwerkstatt und des Theaterpädagogischen Zentrums. Seit sieben Jahren sind hier Kinder und Jugendliche mit Behinderung dabei. Anfangs nur sechs – in diesem Jahr waren es schon 22 unter insgesamt 765 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Zahl ist immer weiter gestiegen, und sie drückt eine Entwicklung aus. Eine Entwicklung hin zur Selbstverständlichkeit der Inklusion. „Der Prozess schreitet fort“, sagt Simone Kirsch, Leiterin der Jugend- und Freizeitabteilung der Lebenshilfe Köln. Hier beim Kinderkultursommer ist gut zu sehen, was das bedeutet: „Hier sind die Rahmenbedingungen inzwischen so gut, dass auch Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf dabei sein können.“ Für sie alle gibt es eine Eins-zu-Eins-Betreuung. 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe kümmern sich um sie.

Die Lebenshilfe ist eine Organisation, die seit über 50 Jahren viele stationäre und ambulante Angebote für Menschen mit körperlicher, vor allem aber geistiger Behinderung bereit stellt. Jede und jeder soll so weit wie irgend möglich an der Gesellschaft teilhaben können – der Urgedanke der Inklusion. Und die ist – das spürt Simone Kirsch bei ihrer Arbeit sehr deutlich – ein langer Prozess. „Einer, der Jahre dauert“, sagt sie. Auch beim Kultursommer hat es seine Zeit gebraucht, bis aus den Kunstpädagogen und den Mitarbeitern der Lebenshilfe echte Teams wurden. Bis Unsicherheiten beseitigt und Vorbehalte abgebaut waren.

Träger halten an Konzepten fest

Andere Träger sind längst nicht so weit, berichtet Simone Kirsch. „Wir wollen vor allem in bestehende Freizeitangebote reingehen, aber die Bereitschaft, das Konzept anzupassen, ist oft noch gering.“ Deshalb seien auch einige Kooperationsversuche gescheitert. Dennoch will Simone Kirsch diesen Weg weitergehen. Denn der Versuch mit eigenen, von vorneherein inklusiv geplanten Angeboten hat sich auch als schwierig erwiesen: „Es hat bei diesen Programmen keine Anmeldungen für Kinder ohne Behinderung gegeben. Die Eltern sind einfach noch nicht so weit, ihre Kinder dort anzumelden.“

Insgesamt arbeitet die Lebenshilfe derzeit mit fünf Trägern zusammen, die in diesem Jahr acht inklusive Freizeiten organisiert haben. Hier gibt es aber oft nur zwei bis fünf Plätze für Kinder mit Behinderung. Der Kinderkultursommer, bei dem die Aktion Mensch den Fahrdienst und Fortbildungen unterstützt, ist mit seinen 22 Plätzen deshalb ein Vorreiterprojekt. Und das zeigt durchaus langsam Wirkung, sagt Simone Kirsch. „So langsam trauen sich immer mehr Träger, Kinder mit relativ geringem Unterstützungsbedarf selbst in ihre Angebote aufzunehmen.“
Der Kinderkultursommer zeigt gerade auch den Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung und ihren Eltern, dass die jeweilige Einschränkung nicht das Bild beherrschen muss. Jeder kann etwas, mancher offenbart ganz besondere Fähigkeiten. Auch das ist das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung, sagt Simone Kirsch: „Im ersten Jahr waren die Kinder mit Behinderung erst mal nur irgendwie dabei. Jetzt sind sie, so lange und so weit wie individuell möglich, aktiv mittendrin.“


Linktipps:
Inklusion von jungen Menschen: besondere Chance und besondere Herausforderung. Ein Interview im Blog von Carmen Molitor mit Friedhelm Peiffer, Leiter des Bereichs Förderpolitik der Aktion Mensch, über Inklusion von Kindern und Jugendlichen und Projektförderung für junge Menschen
Fußball mit Perspektive. Ein Blogbeitrag von Christian Schmitz über das Streetsoccer-Projekt "Hattrick" in Oberhausen für Kinder und Jugendliche
„Es gehört sich einfach, dass Inklusion normal ist!“ Ein Blogbeitrag von Werner Grosch über den Kölner Kinderkultursommer 2013, bei dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen, tanzen und malen
 
Mehr Infos zur Kinder- und Jugendhilfe der Aktion Mensch
Alle Förderprogrammen der Aktion Mensch im Überblick
 


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„Gute Chancen, Geld zu bekommen“

Blogger: Wiebke Schönherr, am 23.07.2014 um 09:07 Uhr

Ein Expertengespräch über die Fördermittelvergabe für inklusive Kunstprojekte und die Offenheit der Kunstszene für Menschen mit Behinderungen

Ein farbenfrohes abstraktes Gemälde von Bettina Arelt

Outsider Art: Gemälde von Bettina Arelt von den „Schlumper“

Bild: Bettina Arelt / Freunde der Schlumper e.V.

Vor wenigen Jahren gab es eine Studie, die besagte: Künstler in Deutschland sind arm, aber glücklich. Reich und glücklich wäre natürlich auch nicht schlecht. Aber gut, wenn das Geld mal gar nicht reicht, kann man sich um finanzielle Unterstützung für seine Ideen bewerben. Ruth Gilberger von der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und Uwe Blumenreich von der Aktion Mensch sprechen über die Fördermittelvergabe für inklusive Projekte und die angenehme Offenheit der Kunstszene.

Wiebke Schönherr: Frau Gilberger, seit April dieses Jahres sind Sie Vorständin der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Die Stiftung unterstützt Kunst -und Kulturschaffende darin, sich für eine chancengerechte Gesellschaft einzusetzen.
Zum Einstieg unseres Gesprächs eine kleine Zeitreise zurück in die 90er Jahre: Wenn damals bei einem Fördermittelgeber ein Antrag für ein Projekt auf den Schreibtisch flatterte, das sich inklusiv nannte, gab es da eher ein Schulterzucken als Reaktion oder neugieriges Interesse?

Ruth Gilberger: Zu Beginn der 90er Jahre gab es den Begriff Inklusion zumindest in der Fördermittelvergabe für künstlerische Projekte noch nicht, sondern man nannte das damals Partizipation. Es ging erst einmal darum, Menschen mit Beeinträchtigungen überhaupt an bestimmten Kontexten zu beteiligen. Ob das wichtig für einen Antrag war, kam dann auf das Feld und die Inhalte an. Beispielsweise in Museen war die inklusive Teilhabe an der Kultur damals schon hoch im Kurs. Aber in der Praxis war Inklusion noch sehr ungewöhnlich.

„Forderung nach aktiver Teilhabe für alle Menschen ist breitenwirksam geworden“

 
Wiebke Schönherr: Heute sieht es anders aus?
Ruth Gilberger: Ja. Wenn man heute im Kunst- und Kulturbereich einen Antrag auf Fördermittel stellt und dabei die Inklusion berücksichtigt, sind die Chancen gut, Geld zu bekommen. Zumindest bei den Stellen, die Wert darauf legen, und wenn die Inhalte ansonsten stimmen. Für die soziokulturellen Fonds ist das beispielsweise wichtig, auch bei der Antragstellung bei Verbänden kultureller Bildung oder bei ausgewählten Projekten der Kulturstiftung des Bundes. Bei anderen Kulturförderungen spielt das wiederum keine Rolle. Das ist Zielgruppenantragstellungslyrik! Aber dass eine Forderung nach aktiver Teilhabe für alle Menschen so breitenwirksam geworden ist, dass hier so ein politisches Interesse besteht, dass sich das durch alle Verwaltungsinstitutionen durchgesetzt hat, das ist neu.

Wiebke Schönherr: Herr Blumenreich, Sie sind bei der Aktion Mensch der Leiter der Projekt- und Inklusionsförderung. Welche Projekte im Kulturbereich unterstützt die Aktion Mensch?

Uwe Blumenreich: Wir fördern seit ca. zehn Jahren Kunst- und Kulturprojekte von frei-gemeinnützigen Organisationen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und in der Hauptsache deshalb von und mit Menschen mit Behinderung, zunehmend aber eben auch inklusiv ausgerichtete Konzepte. Gemessen an den insgesamt geförderten Projekten pro Monat und am Gesamtfördervolumen der Aktion Mensch bleibt die Förderung der Kunst und Kultur zwar ein „Randthema“. Aber in der Summe ist das immer noch ein nennenswerter siebenstelliger Betrag pro Jahr, der in die Förderung der inklusiven Kulturarbeit fließt. Gefördert wurde in den letzten Jahren beispielsweise ein integrativ geführtes Kino oder ein Tanzprojekt als Open-Air-Spektakel.

Wiebke Schönherr: Frau Gilberger, Fördermittel gibt es also diverse, aber würden Sie auch sagen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen im Kunstbetrieb angekommen sind?

Ruth Gilberger: Das kann man pauschal so nicht sagen. In einigen Bereichen haben sie schon länger Anteil, beispielsweise in der Art brut oder Outsider Kunst. Menschen mit psychischen und geistigen Beeinträchtigungen wurden schon seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als KünstlerInnen wertgeschätzt, wenn auch nur von einer kleinen Gruppe von Kunstkennern. Beim Tanz hingegen nicht und bei der Musik, soweit ich weiß, auch eher wenig. Im Theater gibt es ungefähr seit den 80er Jahren die Tradition, dass Menschen mit Beeinträchtigungen als Akteure integral beteiligt werden. Das ist also von Kunst zu Kunst ganz unterschiedlich

„Inklusion in der Kunst ist bereichernd für alle Beteiligten“

 
Wiebke Schönherr: Dabei kann der Kunstbetrieb jeden gebrauchen, der künstlerisch etwas draufhat.

Ruth Gilberger: Inklusion in der Kunst ist bereichernd für alle Beteiligten. Und Kunst ist ja in sich sehr offen. Und sie ist so individuell, da haben ganz viele unterschiedliche Menschen Platz. Man muss eigentlich nur sicherstellen, dass jeder seinen Weg gehen kann.

Wiebke Schönherr: Herr Blumenreich, wie sehen Sie das: Hat sich inklusive
Kunst in der deutschen Kulturszene etabliert?

Uwe Blumenreich: Es gibt schon viele gute Beispiele. Kunst und Kultur von Menschen mit und ohne Behinderung muss sich überhaupt nicht verstecken. Ich meine, inklusive Kunst findet in Deutschland zum Teil auf richtig hohem Niveau statt, wie beispielsweise beim Blaumeier-Atelier aus Bremen oder bei der DIN A 13 tanzcompany aus Köln. Oder nehmen Sie eine der vielen guten inklusiven Musik-Bands: zum Beispiel die Station 17 aus Hamburg. Da entstehen wirklich anspruchsvolle Dinge. Gleichwohl gilt: Inklusive Kunst ist noch immer nicht alltäglich, und wir müssen auch noch viele Barrieren abbauen, um den Zugang überhaupt erst zu ermöglichen. Erst wenn inklusives Denken und Handeln bei allen Kulturakteuren, Förderern und beim Publikum selbstverständlich geworden sind, dann hat sich inklusive Kunst etabliert.


Linktipps:
Anerkennung von Kunst von Menschen mit Behinderung wächst. Ein Interview im Blog von Werner Grosch mit Jutta Schubert vom Verein EUCREA, der Künstler mit Behinderung fördert
Kann Kunst die Gesellschaft verändern? Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über den Dokumentarfilm „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“
"Ich sehe was, was du nicht siehst". Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über eine Kölner Ausstellung von Künstlern mit und ohne Behinderung
Ein Auftrag der besonderen Art. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über die Künstler des "Atelier Goldstein"
 
Alle Infos zu den Förderprogrammen der Aktion Mensch
Sie wollen sich für eine Förderung bei uns bewerben? Von der Idee zum Projektantrag, hier wird alles Schritt für Schritt erklärt!
 

Experten im Gespräch

  • Ruth Gilberger
    Foto: Montag Stiftungen

    Ruth Gilberger

  • Uwe Blumenreich
    Foto: Aktion Mensch

    Uwe Blumenreich


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Sommer, Sonne, Inklusion

Blogger: Redaktion, am 21.07.2014 um 12:12 Uhr

Unsere Sommertour ist zu Ende! Gemeinsam mit Paralympics-Gewinnerin Andrea Rothfuss hat der Aktion Mensch-Bus Förderprojekte in ganz Deutschland besucht.

Andrea Rothfuss vor dem Tourbus mit den Terminen der Sommertour

Sommertour mit Andrea Rothfuss: Inklusion in der Praxis

Eine bunte Woche voll eindrucksvoller Erlebnisse ist am Wochenende zu Ende gegangen – die Sommertour der Aktion Mensch ist vorbei. Anlässlich unseres 50-jährigen Bestehens war der Aktion Mensch-Bus in drei Bundesländern unterwegs. Gemeinsam mit der Paralympionikin und Goldmedaillengewinnerin von Sotschi, Andrea Rothfuss, ging es zu sechs unterschiedlichen Förderprojekten, die ganz praktisch zeigen, wie Inklusion im Alltag funktionieren kann. Ob Musicalstar oder Fahrradbastler – die Woche war geprägt von vielfältigen Begegnungen.

Am Montag ging es mit dem Performanceprojekt „Wie die Tiere“ in Mannheim los. Hier konnten sprach- und hörgeschädigte Kinder unter Anleitung von Profikünstlern in die Haut ihrer liebsten Tiere schlüpfen – von gackernden Hühnern bis zu wilden Stieren. Die Vorführung war nicht nur für die Kinder ein Riesenspaß, auch die Zuschauer genossen den exklusiven Voreinblick in das Stück, das eigentlich erst im Dezember Premiere feiert.

Engagement im Bereich Barrierefreiheit

Am Dienstag machte die Aktion Mensch-Sommertour Halt in Bad Saulgau in Baden-Württemberg. Die Stadt gehört zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Wer wird barrierefreie Gemeinde Baden Württembergs?“, der 2012 vom Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen ausgelobt und von der Aktion Mensch gefördert wurde. Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Michael van Beek führte die Teilnehmer und Vertreter der Stadt bei bestem Wetter zu verschiedenen Eckpunkten, die das Engagement im Bereich Barrierefreiheit deutlich machen.

Mittwoch ging es zum Inklusiven Radlabor in Stuttgart. Hier basteln 30 Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam an ihren Rädern und erarbeiten eigene Geschicklichkeits-Parcours. Andrea Rothfuss war von dem erlebnisreichen Nachmittag begeistert: „Es war toll zu sehen, wie die Kinder gemeinsam den Parcours ausprobiert haben – jeder mit jedem.“ Der Höhepunkt war das Rollstuhlfahrrad, das alle unbedingt ausprobieren wollten.

Auch der vierte Stopp der Aktion Mensch-Sommertour, das inklusive Musical „Lorenas Augen“, beeindruckte die Sportlerin: „Ich finde, dass sich viele eine Scheibe von den Kindern abschneiden können, die mit so viel Spaß die Stücke gesungen und getanzt haben. Ich war zum ersten Mal bei einer Premiere, es hat mich total mitgerissen.“ Auch die mehr als 200 Gäste der bis auf den letzten Platz belegten Schulaula in Haßfurt waren bewegt vom Engagement der Kinder und Jugendlichen und verabschiedeten die Darsteller mit Standing Ovations und tosendem Applaus.

Beindruckendes Miteinander im Team

Die letzte Station der Sommertour war am Samstag in Essen. Dort öffneten gleich zwei von der Aktion Mensch geförderte Projekte ihre Türen: Zuerst das ****Hotel Franz, ein Integrationsbetrieb, in dem mittlerweile 21 und damit sogar mehr Menschen mit Behinderung arbeiten als ursprünglich geplant. Andrea Rothfuss: „Wie selbstverständlich sie gemeinsam im Team mit den anderen Mitarbeitern ohne Behinderung agieren, ist sehr beeindruckend und vor allem: überzeugend. Da gibt es nichts Bemühtes, da ist alles selbstverständlich.“ Übrigens: Die Mitarbeiter mit Behinderung werden im Hotel Franz tariflich bezahlt und können alle vom selbstverdienten Geld leben.

Das zweite Essener Projekt war die inklusive Bahnhofsmission, in der Mitarbeiter mit und ohne Behinderung die Reisenden am Bahnhof unterstützen. Hier wurde der Aktion Mensch-Bus von allen drei Tandems empfangen. Andrea Rothfuss war auch hier beeindruckt und hat mit den Aktion Mensch-Schoko-Medaillen für viel Freude und Überraschung gesorgt. Das Fazit der Sportlerin nach einer Woche und fünf Städten: „Schade, dass die Tour schon vorbei ist. Ich hätte mir gerne noch weitere Förderprojekte der Aktion Mensch mit dem Team angesehen.“

Sechs großartige inklusive Projekte auf unserer Sommertour – aber nur einige Beispiele für die vielen gelungenen Projekte, die die Aktion Mensch Jahr für Jahr fördert. Sie haben auch eine tolle Projektidee? Dann bewerben Sie sich für eine Förderung durch die Aktion Mensch!


Linktipps:
Kriechen, flattern, Hufe scharren: Das Video zum Auftakt der Sommertour beim Performanceprojekt „Wie die Tiere“ in Mannheim
Alle Infos zu den Förderprogrammen der Aktion Mensch
Sie wollen sich für eine Förderung bei uns bewerben? Von der Idee zum Projektantrag, hier wird alles Schritt für Schritt erklärt!
 

Impressionen von der Sommertour

  • Paralympionikin Andrea Rothfuss mit ihrer Gold-Medaille aus Sotschi

    Andrea Rothfuss mit ihrer Gold-Medaille aus Sotschi

  • Kinder der Performance-Gruppe "Wie die Tiere" vor dem Aktion Mensch Bus

    Tour-Auftakt in Mannheim: die Kinder der Performance-Gruppe "Wie die Tiere" vor dem Aktion Mensch-Bus

  • Lachende Kinder am Tourbus

    Unübersehbar: viel Spaß im Projekt

  • Ein Kameramann filmt die Kinder bei der Aufführung

    Im Fokus: Filmaufnahmen während der Tier-Performance

  • Teilnehmer der Ortsbegehung vor einem barrierefreien Fußgängerübergang

    Zweite Station war die barrierefreie Gemeinde Bad Saulgau: Andrea Rothfuss bei der Ortsbesichtigung

  • Die Teilnehmer des Rundgangs halten ihre Aktion Mensch-Goldmedaillen in die Höhe

    Nach dem Rundgang: Schoko-Goldmedaillen für alle ...

  • Ein Aktion Mensch-Los und Strickhandschuhe mit bunten Fingern

    ... außerdem ein Aktion Mensch-Los und original Handschuhe aus Sotschi für das Projekt

  • Andrea Rothfuss vor dem Tourbus im Gespräch mit den Projektteilnehmern

    Nächstes Ziel: das Inklusive Radlabor in Stuttgart

  • Andrea Rothfuss mit Projektleiter im dreirädrigen Rollstuhlfahrrad

    Probefahrt im Rollstuhlfahrrad

  • Andrea Rothfuss hängt einem Jungen eine Goldmedaille um den Hals

    Und schließlich: eine süße Anerkennung für die Projektteilnehmer

  • Kinder und Jugendliche singen und tanzen auf der Bühne

    Vierte Station: das inklusive Musical „Lorenas Augen“ in Haßfurt

  • Aufführung des Musicals mit vielen Kindern und Jugendlichen auf der Bühne

    Spaß auf der Bühne

  • Andrea Rothfuss bei den Jugendlichen auf der Bühne, Projektteilnehmer umarmen sich freudig

    Freude nach einer gelungenen Premiere

  • Andrea Rothfuss mit Hotel-Mitarbeitern vor dem Eingang des Hotel Franz

    Letzter Tour-Tag in Essen: Andrea Rothfuss zu Besuch beim Hotel Franz

  • Das Aktion Mensch-Team und die Hotel-Mitarbeiter in Plastikanzügen und Haarnetzen in der Hotelküche

    Führung in der Küche: Hygienevorschriften müssen eingehalten werden

  • Andrea Rothfuss gibt Autogramme

    Medaillen und ein Original-Trikot fürs Hotel-Team

  • Alle Mitarbeiter der Bahnhofsmission vor dem Aktion Mensch-Tourbus

    Letzter Projekt-Besuch der Tour: die inklusive Bahnhofsmission in Essen

  • Andrea Rothfuss lässt sich von Bahnhofsmission-Mitarbeitern den Fahrplan erklären

    Hilfe für Reisende: die Mitarbeiter der Bahnhofsmission zeigen ihre Arbeit

  • Andrea Rothfuss übergibt Medaillen und ein Trikot

    Finale in Essen: Medaillen und ein Original-Trikot von Andrea Rothfuss

  • Andrea Rothfuss vor dem Tourbus mit der Aufschrift "Mit Andrea Rothfuss auf Sommertour"

    Schön war's: unsere Sommertour mit Andrea Rothfuss


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Gewinnzahlen vom 20. Juli 2014 mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 20.07.2014 um 19:36 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und stellt die inklusive Sportstätte Haxterpark in Paderborn vor. Der Neubau eines Gasthauses an der großen Golfanlage der Sportstätte bietet 16 neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Die Mitarbeiter halten das Grün auf dem Golfplatz in Schuss, bedienen die Gäste im Restaurantbereich oder sorgen in der Verwaltung dafür, dass alles rund läuft. Die Aktion Mensch fördert die Sport- und Freizeitanlage Haxterpark mit 250.000 Euro.


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