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„Nachhilfe im Leben des Anderen“

Blogger: Ulrich Steilen, am 05.07.2014 um 09:13 Uhr

Erstes und inklusives Kampagnen-Bootcamp in Deutschland

Die lachenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bootcamp beim Gruppenfoto Foto: CampaignBootcampDeutschland / flickr.com

Kampagnen gibt es wie Sand am Meer: Wahlkampagnen, Pressekampagnen, Kampagnen für den Umweltschutz und gegen Tierversuche und, und, und. Aber was macht eine gute Kampagne aus? Welche Verantwortung tragen Kampagnen-Macher? Und was haben Kampagnen mit Inklusion am Hut?

In Paretz bei Berlin lernten 33 junge Aktivistinnen und Aktivisten fünf Tage lang – vom 14. bis zum 19. Juni 2014 – von professionellen Kampagnen-Trainern, wie einschlägige zivilgesellschaftliche Kampagnen entwickelt und durchgeführt werden. Auswahlkriterien für die Teilnahme waren neben bereits gemachten Erfahrungen in der Kampagnenarbeit vor allem die eigene Begeisterung, etwas verändern zu wollen.
Und das wollen alle Teilnehmer. „Warum gehen wir als Gesellschaft stur ausgetretene Wege weiter, obwohl es schon längst funktionierende Alternativen auf vielen Gebieten gibt“, fragt Teilnehmerin Astrid Österreicher in ihrer Vorstellung. Astrid möchte ihren Mitmenschen vermitteln, „dass eine bessere Welt möglich ist und dass es sich auszahlt, dafür zu kämpfen“. Zu dieser engagierten Haltung passte dann auch der Name, den die Organisatoren für die einwöchige Ausbildung der zukünftigen Kampagnen-Macher gewählt hatten: „Campaign Bootcamp Deutschland“.

Als Bootcamp wird eigentlich eine Armee-Ausbildung bezeichnet, die die Teilnehmer an ihre physischen und psychischen Grenzen bringen soll. Doch hier, beim ersten Kampagnen-Bootcamp im deutschsprachigen Raum, ging es weniger um militärische Schlagkraft, als um die professionelle Ausbildung in Strategie, Medienarbeit und Online-Kommunikation. Und die wird gebraucht, wenn eine Kampagne – beispielsweise zum Thema Klimaschutz oder Menschenrechte – erfolgreich sein soll.

Für inklusives Campaigning sensibilisieren

Neben Programmpunkten wie „Online-Fundraising“, „Das 1 X 1 der Medienarbeit“ oder „Facebook, Instagram und SMS“ war Inklusion eines der Top-Themen beim Kampagnen-Bootcamp. Inklusiv setzte sich nicht nur die Teilnehmergruppe aus jungen Frauen und Männern mit unterschiedlichen Migrationsgeschichten sowie mit und ohne Behinderung zusammen. Auch inhaltlich führte für die Organisatoren kein Weg an der Inklusion vorbei: „Ziel des Bootcamps war es, den zivilgesellschaftlichen Kampagnensektor zu professionalisieren, Aktivisten in ihrem Profil und ihren Kompetenzen zu schärfen, zu vernetzen sowie für inklusives Campaigning zu sensibilisieren“, sagt Anne Isakowitsch, eine der Initiatorinnen des Campaign Bootcamps.

Und für die Teilnehmer und zukünftigen Kampagnen-Planer besteht kein Zweifel, dass dies auch gelungen ist. „Ich habe das Thema Inklusion auf dem Bootcamp als sehr präsent wahrgenommen. Inklusion war hier derart selbstverständlich, dass ich meine eigene Behinderung sehr oft einfach vergessen habe. Das habe ich bisher so noch nie erlebt“, sagt Journalismus-Studentin Cinderella Glücklich, die im Rollstuhl sitzt. Und Bootcamp-Teilnehmer Jan Korte antwortet auf die Frage, was sich ändern muss, damit Kampagnen zukünftig inklusiver werden: „Da muss sich vieles ändern. Das fängt damit an, welche Bildsprachen ich verwende. Das geht damit weiter, dass ich Videos untertitele und für Blinde durch Audiodeskription zugänglich mache. Bis hin zur Überlegung, wen ich mit meiner Kampagne erreiche. Spreche ich auch Menschen mit Behinderung an, welche sozialen Milieus, Menschen mit welchen kulturellen Eigenheiten, körperlichen Fähigkeiten und welcher sexuellen Identität. Es muss viel passieren, nicht zuletzt da wir auch einen gesellschaftlichen Auftrag haben und nicht Zustimmungsabholungsmaschinen sind, die einfach auf Klicks bei Petitionen aus sind und ihre Säckel füllen wollen.“

„Inklusion ist Begegnung“

Dass erfolgreiche Kampagnenarbeit und Inklusion sich hervorragend ergänzen, ist ein Ergebnis, das alle Teilnehmer für ihre zukünftigen Kampagnen-Aktivitäten mitnehmen. „Das inklusive Campaign Bootcamp Deutschland hat vorgemacht, wie es geht. Eine prägende Zeit für mich und die anderen und ein Meilenstein für einen bunteren Kampagnensektor. Dank des Bootcamps habe ich verstanden, dass Inklusion Begegnung ist, die aktiv gestaltet werden muss. Inklusion bedeutet Nachhilfe im Leben des Anderen“, resümiert Franca Fabis und trifft damit das Gefühl aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer.


Zur Info:
Das erste Kampagnen-Bootcamp Europas fand 2013 in Großbritannien statt. Das Campaign Bootcamp Deutschland wurde von der Kampagnenfabrik, einem gemeinnützigen Verein in Gründung ausgerichtet. Die Aktion Mensch ist einer von vielen NGO-Partnern, die den 33 TeilnehmerInnen ermöglicht haben, während der fünf Ausbildungstage in Paretz 25 hochkarätige Workshops barrierefrei zu absolvieren und ein gemeinsames Kampagnen-Planspiel durchzuführen.



Linktipps:
Mehr Infos zum ersten Campaign Bootcamp Deutschland
Bilder vom Campaign Bootcamp Deutschland

Ulrich Steilen

Blogger: Ulrich Steilen
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Medien

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Der Club der lustigen Mäuse

Blogger: Christian Schmitz, am 03.07.2014 um 09:10 Uhr

Als einen der ersten Antragsteller überhaupt förderte die Aktion Sorgenkind 1965 das Duisburger Jugendrotkreuz mit einem VW-Bully. Die Idee von Selbstbestimmung und aktiver Lebensgestaltung, für die das Auto stand, lebt bis heute weiter.

Schwarz-weiß-Foto von Kindern mit Behinderungen, die in einen VW-Bus einsteigen

Von der Aktion Sorgenkind geförderter VW-Bully 1965 (hier beim DRK in Saarbrücken): Ein eigenes Freizeitangebot

Duisburg 1965. Eine typische Großstadt im aufstrebenden westdeutschen Wirtschaftswunderland. Im Schatten des steigenden Wohlstandes: vor allem Kinder mit schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen. Wenn sie zu Hause leben, werden sie oft sogar vor der eigenen Nachbarschaft versteckt. Förderangebote gibt es nicht. Während des Nationalsozialismus waren Menschen mit Behinderungen systematisch umgebracht, und die wenigen bestehenden Förder- und Unterstützungsstrukturen zerschlagen worden.

In Duisburg wird in den 50er Jahren das Rote Kreuz (DRK) neu gegründet und mit ihm das JRK, das Jugendrotkreuz. Um Angebote für Kinder mit Behinderungen überhaupt entwickeln zu können, lässt die erste Leiterin des JRK- Duisburg zunächst einmal Adressen sammeln. Auch an dieser Stelle wirkt die NS-Zeit nach. Da die Register der Gesundheitsämter zur Ermordung der Menschen mit Behinderungen missbraucht worden waren, ist weder bei staatlichen Stellen noch bei freien Trägern bekannt, wo in Duisburg Kinder mit Behinderungen leben. „Im Folgenden gingen wir JRK'ler - alle selbst zwischen zwölf und 18 Jahre alt - von Haus zu Haus und sammelten Adressen, um die Eltern nachher anschreiben zu dürfen“, erinnert sich Heino Zimmermann, Urgestein des JRK-Duisburg. Daraus entstand 1958 der „Der Club der lustigen Mäuse“, ein monatlicher Treff für zunächst rund 35 bis 40 geistig, körperlich oder auch mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. Treffpunkt war in der Stadtmitte, am wohl noch heute verkehrsgünstigsten Punkt Duisburgs, am Ostausgang des Hauptbahnhofs, in den Räumen der Männerbereitschaft / Frauenbereitschaft des Roten Kreuzes. „Es wurde gebastelt, aber auch Ostern und Weihnachten gefeiert“, so Zimmermann, „oder einfach nur getanzt.“

Der Club der lustigen Mäuse stellte das JRK von Beginn an vor riesige logistische Herausforderungen. „Die Kinder wurden zum großen Teil in ihren Rollstühlen abgeholt und nachher wieder nach Hause gebracht.“ Dazu stellten Duisburger Firmen vereinzelt, aber eben unregelmäßig, Fahrzeuge zur Verfügung. „Darüber hinaus gab es nur Straßenbahn, Bus oder zu Fuß gehen“, erinnert sich Zimmermann. „Alles war sehr beschwerlich, vor allen, da es nichts behindertengerechtes gab.“

Als einem der ersten Antragsteller überhaupt förderte die Aktion Sorgenkind dem Club der lustigen Mäuse dann 1965 einen VW-Bully. „Es war ein roter-weißer Bully, auf dem in der Schrift, die ich damals aus dem Fernsehen kannte, Spende der Aktion Sorgenkind stand.“ Das JRK konnte nun geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche selbständig zu Hause abholen, zum Club bringen und wieder heimfahren. Zimmermann entwickelte schon früh auch ein Gefühl dafür, was dies für die Kinder und Jugendlichen bedeutete: „Ein eigenes Freizeitangebot, ohne Eltern und nicht zu Hause – was das für diese Kinder damals bedeutete, können wir heute kaum begreifen.“ Auch für die Eltern muss das Angebot eine „Befreiung und eine unglaubliche Hilfestellung“ gewesen sein.

Bereits zu Beginn der 60er Jahre hatten die lustigen Mäuse erste Tagesausflüge organisiert. Zum Beispiel zu einem der vielen Badesseen rund um Duisburg oder zum Flughafen im benachbarten Düsseldorf. Mit dem eigenen rot-weißen Bully wurde der Radius größer. 1965 fuhr der Mäuseclub in den Sommerferien bereits einige Tage an den Edersee. Heino Zimmermann verklärt die Probleme bei den Ausflügen des Mäuseclubs nicht: „Noch in der 70er und 80er Jahren wurden wir bei Ausflügen regelmäßig aus Essenslokalen mit dem Hinweis verwiesen, dass die gesunden Menschen in ihrer Freizeit den Anblick von Behinderten nicht mögen.“ Es habe so gut wie keine Behindertentoiletten und Rampen, dafür aber überall Treppen und Stufen gegeben.

Der Club der lustigen Mäuse wurde erst in JRK-Gruppe Henry Dunant und dann vor 22 Jahren in JRK - Gruppe „Helen Keller, Behinderte / Nichtbehinderte“ unbenannt. Geleitet wird die Gruppe noch heute von Ilse Zimmermann, Heinos Frau, die 1979 dem JRK-Duisburg beitrat. Der erste rot-weiße Bully ist längst verschrottet. Die Idee von Selbstbestimmung und aktiver Lebensgestaltung, für die er stand, aber lebt in Duisburg weiter.


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Gemeinsam Lernen an der Uni

Blogger: Eva Keller, am 02.07.2014 um 08:59 Uhr

Ein Seminar an der Universität Hannover bringt Studierende und Berufstätige mit geistiger Behinderung zusammen

Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung sitzt an einem Tisch und arbeitet gemeinsam mit einem Laptop

Gruppenarbeit im Seminar: Ein großes Stück Selbstvertrauen

Foto: Sarah Springstein

Für ein paar Stunden pro Woche können Studierende der Sonderpädagogik an der Uni Hannover all die komplizierten Termini ihres Faches vergessen. Sie sollen es sogar, wenn sie das Seminar „Politik: Demokratie und Möglichkeiten zur Mitbestimmung von behinderten Menschen“ besuchen. Denn in diesem Seminar sitzen auch berufstätige Menschen mit Behinderung – und folglich lautet die oberste Regel: Für alle verständlich sprechen!

„Die Studierenden, die mehrheitlich Lehrer werden wollen, erleben in diesem Seminar als Lernende, worauf es in inklusiven Gruppen ankommt – und können später im Berufsleben auf diese Erfahrungen zurückgreifen“, sagt Dorothee Meyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik.

Zertifiziertes Selbstvertrauen

Sie leitet in diesem Sommersemester zum dritten Mal das „Gemeinsam Lernen“-Seminar, an dem 18 Studierende sowie 12 Menschen mit Behinderung teilnehmen. Diese arbeiten in Werkstätten in und um Hannover und nutzen das Seminar als Angebot zur Erwachsenenbildung. Ein Zertifikat bescheinigt ihnen am Ende, was sie im Laufe des Semesters kennen gelernt und erlernt haben: Wie es an einer Universität zugeht. Wie man in einer Gruppe spricht und arbeitet und wie man eine Gesprächsrunde moderiert. Wie man sich ein Thema für eine Gruppenarbeit ausdenkt, wichtige Inhalte aus einem Text zieht und die Projektarbeit dann vorstellt.

Was nicht im Zertifikat steht: dass die Teilnehmer mit Behinderung ein großes Stück Selbstvertrauen gewinnen, wie Dorothee Meyer immer wieder erlebt. Der junge Mann beispielsweise, der im zweiten Durchlauf des Seminars eine Rolle als Tutor übernahm. Oder die junge Frau, die sich nach langem Zögern in eine berufliche Qualifizierung traute, nachdem sie gemerkt hatte: „Ich komme gut klar in einer neuen Gruppe. Die anderen nehmen mich ernst.“

Mut haben, Fragen zu stellen

Für ein gutes Klima im Seminar tun Dorothee Meyer und die beiden studentischen Hilfskräfte einiges: Sie achten auf eine verständliche Sprache und ermutigen alle, Fragen zu stellen. Sie schieben während der 6-stündigen Sitzungen mal ein Spiel oder Biografie-Arbeit ein, um die Atmosphäre zu lockern und damit die Teilnehmer sich besser kennen lernen. Und sie haben die Seminar-Freitage um ein Kompaktseminar mit Übernachtung bereichert: „Der Aufenthalt in einem Jugendgästehaus stärkt den Zusammenhalt der Gruppe. Und man hat dort viel Zeit, den Startschuss für die Projektarbeit zu geben.“

Denn an jenem Wochenende wird intensiv gearbeitet. Im laufenden Sommersemester widmen sich die Teilnehmer unterschiedlichen Projekten: Die einen arbeiten einen Vortrag zu den Menschenrechten aus, andere übersetzen diese in Leichte Sprache und veröffentlichen sie auf einer Internet-Seite. Eine dritte Gruppe erstellt eine Präsentation zu den Unterschieden im Wahlrecht für Menschen mit und ohne Behinderung, eine weitere Gruppe hat eine Umfrage zu Jugendkriminalität geführt, und die fünfte Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Bewohnervertretung.

Seminarleiterin Dorothee Meyer und ihre Hilfskräfte beobachten den Arbeitsprozess und reflektieren zwischendurch in den Gruppen: „Wer macht engagiert mit, wen muss der Moderator noch besser einbinden, wer kann welche Aufgabe übernehmen?“
Noch eine Lektion darin also, worauf es im späteren Leben als Lehrer ankommt!


Linktipps:
Das Seminar „Gemeinsam Lernen“ für Studierende und Menschen mit geistiger Behinderung an der Universität Hannover
Inklusion studieren: Übersicht der Universitäten und Fachhochschulen, die Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema Inklusion anbieten
Mit den Menschen reden – nicht über sie! Ein Blogbeitrag von Eva Keller über ein Projekt, in dem Dozenten mit Behinderungen Studierenden erklären, was es heißt, mit einer Behinderung zu leben
Master of Inklusion? Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Aus- und Weiterbildungsangebote zum Thema Inklusion
Emanzipation der „Disability Studies“. Ein Blogbeitrag von Wiebke Schönherr über die erste Juniorprofessorin dieser Fachrichtung in Deutschland und den wissenschaftlichen Begriff von Behinderung

Eva Keller

Blogger: Eva Keller
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Bildung

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Gewinnzahlen vom 29. Juni 2014 mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 29.06.2014 um 19:37 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und ein inklusives WG-Projekt in Freiburg. Die 24-jährige Rollstuhlfahrerin Josefine Zaltenbach lebt gemeinsam mit zwei Mitbewohnern ohne Behinderung in einer inklusiven und barrierefreien Wohngemeinschaft im Freiburger Rieselfeld. Ihre Mitbewohner sind nicht nur Zimmergenossen und gute Freunde, sondern auch ihre Assistenten. Die Aktion Mensch fördert das inklusive WG-Projekt der Lebenshilfe Freiburg mit 10.600 Euro.


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Die Magie des Bolzplatzes

Blogger: Henrik Flor, am 28.06.2014 um 15:00 Uhr

Jenseits der Großevents von Champions League und FIFA veranstaltet der Verein KIDsmiling in sozialen Brennpunkten von Köln und Düsseldorf kostenlose Fußballtrainings. Für die fußballverrückten Kinder und Jugendlichen ist es ein Riesenspaß, bei dem Fairness und Disziplin groß geschrieben werden und neue Freundschaften entstehen.

Ein Junge in Fußballtrikot reckt seine Arme in die Höhe Foto: KIDsmiling

Vingster Berg in Köln-Ostheim, Freitag, 16 Uhr. Gut 30 Kinder und Jugendliche kommen pünktlich auf dem roten Ascheplatz zusammen: Jungs und Mädchen, von 6-18 Jahren. Sie alle haben nur eines im Sinn: Fußball. Rund 800 Kinder aus mehreren Dutzend Nationen leben in den umliegenden Hochhäusern. Die wenigsten von ihnen haben die Gelegenheit, einen Fußballverein zu besuchen. Umso wichtiger ist für sie das wöchentliche Bolzen. Es findet regelmäßig und bei jedem Wetter statt, ist komplett freiwillig und kostenlos.

Sabine Breuer ist eine von zwei Trainern, die das zweistündige Programm leiten. Die 26-jährige Honorarkraft ist seit sieben Jahren bei KIDsmiling mit dabei. Sie erklärt: „Da wir zwei Trainer sind, können wir mehrere Gruppen bilden, dann ist die Altersspanne nicht ganz so groß. Wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt – etwa mit jungen Bulgaren, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind – dann übersetzen einfach die, die schon länger da sind. Hier wird niemand ausgeschlossen.“ Jungs und Mädchen, die vorher keinen Anschluss an Gleichaltrige hatten, finden über das Training Kumpels und Freunde.

Mittlerweile trainieren jede Woche über 200 Kinder und Jugendliche an 12 verschiedenen Standorten. Die Kinder und Jugendlichen können sich auspowern und ein besseres Körpergefühl entwickeln. Wie sich schnell herausstellte, spielen hier auch die Halbstarken absolut fair und sind diszipliniert bei der Sache.
Sabine Breuer weiß, dass sie bei ihrer Arbeit einen langen Atem braucht: „Anfangs dachten die Kids, dass wir wieder eines der Projekte wären, die kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Inzwischen sind sie aber voll dabei. Wir merken das daran, dass sie immer wieder kommen und an dem fairen Umgang beim Spiel.“ Respekt verschafft sich Sabine Breuer nicht zuletzt dadurch, dass sie selbst zehn Jahre Fußball gespielt hat, davon mehrere Jahre in der Verbandsliga.

KIDsmiling geht auf eine Initiative von Sandra von Möller zurück. Sie kam mit der Leiterin des städtischen Amtes für Kinderinteressen in Köln in Kontakt, die schon länger ein Fußballprojekt realisieren wollte. Gemeinsam wurde das KIDsmiling-Fußballprojekt erarbeitet und im Mai 2007 gestartet. Die Mutter von drei Kindern ist Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens und verantwortlich für die Weiterentwicklung des Konzepts, den Aufbau neuer Standorte und die Organisation des ergänzenden Koch-Projekts. Vor allem das Fundraising bedeutet jede Menge Arbeit: Der Benefizball will organisiert werden, die Kooperation mit dem 1. FC Köln gepflegt oder ein Sponsor für das Sommerturnier gefunden werden. Wie das alles geht? „Meine Tage sind sehr eng getaktet. KIDsmiling ist mein Hobby. E-Mails beantworte ich oft erst abends, wenn die Kinder im Bett sind“, verrät sie.

Gerade hat der neueste Standort in Düsseldorf-Wersten geöffnet. Die Trainer vor Ort mussten nicht lange auf die fußballballhungrigen Jungs und Mädchen warten. Und das hat nicht nur mit dem WM-Fieber zu tun.

http://www.kidsmiling.de

Henrik Flor

Blogger: Henrik Flor
Kategorie: Freiwilliges Engagement
Schlagworte: Sport

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MENSCHEN. das magazin ganz sommerlich

Blogger: Redaktion, am 27.06.2014 um 19:07 Uhr

Jetzt neu: Die aktuelle Ausgabe von MENSCHEN. das magazin mit dem Fokusthema „Sommer“ – als Printausgabe und als Onlineangebot.

Titelbild von MENSCHEN. das magazin mit der Titelzeile "Unterwegs": Darauf abgebildet ist eine junge Frau im Rollstuhl auf einer belebten Straße

„Unterwegs“: Inklusives Reisen und barrierefreie Ausflugstipps

Foto: Aktion Mensch

Die neue Ausgabe von MENSCHEN. das magazin widmet sich ganz dem Sommergefühl – selbstverständlich von einer inklusiven Perspektive aus betrachtet. Wir stellen unter anderem die Abenteuer des Autors und Rollstuhlfahrers Andreas Pröve vor, der seit Jahrzehnten allein auf Expedition rund um den Globus geht. In weiteren Beiträgen geht es um Reiseassistenz, inklusive Jugendreisen und Ferien mit schwerbehinderten Kindern. Und für alle, die denken: „Warum in die Ferne schweifen …?“ haben wir barrierefreie Ausflugstipps und Infos zu Festivals in Deutschland zusammen gestellt.

Menschen und ihre Geschichten stehen natürlich auch in dieser sommerlichen Ausgabe im Mittelpunkt. Sie können den Tänzer B-Boy kennenlernen, der wegen einer Polio-Erkrankung im Alltag eine Gehhilfe benutzt, auf der Bühne aber mit akrobatischen Sprüngen und Bewegungen sein Publikum begeistert. Und Sänger Andreas Bourani verrät im Interview mit den Redakteuren vom Ohrenkuss, warum er sich für Inklusion einsetzt – und weshalb er nie Geburtstag feiert. Eine Reportage über die weltweit einzige Universität für Gehörlose führt uns nach Washington D.C.. Zwei deutsche Studenten, die wir dort besucht haben, schildern ihre Erfahrungen.

Unter aktion-mensch.de/magazin finden sich nicht nur viele Inhalte des Printmagazins, sondern auch viele exklusive Zusatzinformationen, Fotos und Videos sowie zahlreiche Beiträge in Leichter Sprache und als Hörversion.

MENSCHEN. das magazin ist im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel sowie in ausgewählten Zeitschriftenhandlungen erhältlich. Ein Heft kostet 4,20 Euro. Der Preis für das Jahresabonnement beträgt 14,80 Euro. Dafür erhalten Sie vier Ausgaben frei Haus.
Ab Mitte Juli ist auch eine Hörversion der aktuellen Magazin-Ausgabe auf CD erhältlich.


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