Aktion Mensch-Blog

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Lasset die Spiele beginnen!

Blogger: Josephine Thiel, am 07.03.2014 um 15:44 Uhr

Medialounge der Aktion Mensch bei den Paralympischen Spielen in Sotschi eröffnet

Fiebrige Stimmung im Vorfeld der Paralympischen Spiele: Zur Eröffnung der Medialounge im Deutschen Haus in Sotschi versammelten sich am 6. März um 20 Uhr rund 50 Journalisten, Funktionäre und Athleten. Die Medialounge der Aktion Mensch bietet allen Journalisten die Möglichkeit, vor Ort zu recherchieren, Berichte zu verfassen und sich zwischen den vielen Wettkämpfen mit Kollegen auszutauschen. Unter die Gäste mischte sich auch UN-Sportbotschafter Willi Lemke. Erste Eindrücke von der Veranstaltung zeigt ein kurzer Film.


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Alles inklusive

Blogger: Jonas Wengert, am 07.03.2014 um 11:22 Uhr

Behindertensport präsentieren und Inklusion fördern – das wollen Aktion Mensch und Deutscher Behindertensportverband während der Paralympics

Ski-Langläufer beim Rennen

Paralympische Spiele: Kein Kontrast zur inklusiven Idee

Foto: Josi Thiel / Aktion Mensch

Paralympics und Inklusion – widerspricht sich das nicht? Inklusion meint die gleichberechtigte Teilnahme von Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Bei den Winterspielen treten jedoch Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung bei den Paralympics an, während sich Athletinnen und Athleten ohne Behinderung bei den Olympischen Spielen messen. Es finden also getrennte Sportfeste zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt.

Viele Athletinnen und Athleten mit Behinderung befürworten die bestehende Trennung und sehen darin keinen Kontrast zur inklusiven Idee. Im Gegenteil: Sie befürchten, dass bei zeitgleichen Wettbewerben die Paralympics im medialen Rummel den Kürzeren ziehen würden. Inklusion bedeutet in diesem Fall, dass beide Ereignisse die gleiche Plattform und die jeweils ihnen zustehende Aufmerksamkeit bekommen.

Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren

Die Paralympischen Spiele sind eine großartige Möglichkeit für den Behindertensport, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies sieht auch die Aktion Mensch so, die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich. Sie ist neuer Unterstützer des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und richtet beispielsweise die Medien Lounge im Deutschen Haus in Sotschi aus. Das Deutsche Haus ist während der Paralympischen Spiele das Zuhause des Deutschen Teams und ein Anlaufpunkt für Medienvertreter.

„Wir freuen uns sehr, mit der Aktion Mensch einen neuen Partner begrüßen zu können“, so DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. „So können wir mit geballten Kräften unsere Ziele angehen und die Aufmerksamkeit und Angebote für Sportler mit einer Behinderung weiter voranbringen.“ Auch Aktion Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar ist von dem neuen Weg, den seine Organisation eingeht, überzeugt: „Sport ist ein idealer Treiber für Inklusion. Die Begeisterung im und durch den Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen.“

Training von Menschen mit und ohne Behinderung auch im Breitensport etablieren

Das wachsende Interesse an paralympischem Sport soll dabei helfen, mehr Angebote für das gemeinsame Training von Menschen mit und ohne Behinderung auch im Breitensport zu etablieren. In einer aktuellen Umfrage der Aktion Mensch gaben 37 Prozent der Befragten ohne Behinderung an, in einem Sportverein gemeinsam mit Menschen mit Behinderung Sport zu treiben. Besonders in den Mannschaftssportarten ist dies beliebt: Immer mehr Menschen ohne Behinderung spielen beispielsweise Rollstuhlbasketball. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass die Bereitschaft von Menschen mit und ohne Behinderung, gemeinsam Sport zu treiben, größer ist als das derzeitige Angebot. Der Deutsche Behindertensportverband und die Aktion Mensch wollen das Angebot gemeinsam ausbauen.


Dieser Artikel ist auch in der Paralympischen Zeitung erschienen, die während der Zeit in Paralympischen Spiele einigen großen Tageszeitungen beiliegt und hier im Netz abgerufen werden kann.


Linktipps:
Gold im Visier – Interview mit Paralympics-Teilnehmerin Andrea Eskau
Ziel: Sotschi! – Interview mit Paralympics-Teilnehmerin Anja Wicker
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion
Klischees wett kämpfen. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über das gesteigerte mediale Interesse an den Paralympics und Klischees in der Berichterstattung

"Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen": Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports
 

Jonas Wengert

Blogger: Jonas Wengert
Schlagworte: Sport

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Inklusion durch Spiel und Sport

Blogger: Benny Ulmer, am 03.03.2014 um 09:08 Uhr

Am Dienstag, den 18. Februar 2014, war das Projekt „Handicap macht Schule“ zu Gast an der Goldbergschule in Sindelfingen bei Stuttgart. Mit den Sportarten Rollstuhlbasketball und Blindenfußball soll den Viertklässlern das Thema „Inklusion“ spielerisch vermittelt werden.

Werner Rieger mit Schülern beim Rollstuhlbasketball

Werner Rieger mit Schülern beim Rollstuhlbasketball: „Wow“

Pünktlich um 10 Uhr betreten die ersten Schüler der Klasse 4c die Turnhalle. Werner Rieger erwartet sie schon. Er ist im Rahmen des Projektes „Handicap macht Schule“ an diesem Morgen zu Gast an der Grund- und Werkrealschule Goldberg in Sindelfingen.

Mit der Aufklärungsarbeit zum Thema „Inklusion“ kann nicht früh genug begonnen werden, dachten sich die Verantwortlichen der „SportRegion Stuttgart“ und des „Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband“ und starteten Mitte Januar 2014 „Handicap macht Schule“. Bis Juli 2014 werden insgesamt 28 Schulen aus der Stuttgarter Region an diesem Projekt teilnehmen. Durch die Sportarten Rollstuhlbasketball und Blindenfußball wird Kindern das Thema Inklusion praktisch und spielerisch vermittelt.

Barrieren in den Köpfen der Kinder abbauen

Nach einer kurzen Begrüßung geht es auch schon los. Die Kinder dürfen sich in die mitgebrachten Sportrollstühle setzen. Mit ersten einfachen Fahrübungen werden die Berührungsängste abgebaut. Doch noch fehlt das Wichtigste, der Ball! Werner Rieger zeigt, wie der Ball vom Boden aufzuheben ist. In einer fließenden Bewegung drückt er ihn im Vorbeifahren an den hinteren Teil des drehenden Reifens und hält ihn auch schon auf Brusthöhe. Ein kollektives „Wow“ ist zu hören.

Solche einfachen Übungen seien es, die Barrieren in den Köpfen der Kinder abbauen, sagt er später. Hier erleben sie selbst, was es heißt, in so einem Stuhl zu sitzen, und er ist sich sicher, dass sie nach dieser Sportstunde Rollstuhlfahrer mit anderen Augen sehen werden. Es ist halb zwölf, die Doppelstunde „Rollstuhlbasketball“ vorbei. Und mittlerweile ist auch der zweite, an „Handicap macht Schule“ beteiligte Trainer eingetroffen: Benjamin Zoll wird den Kindern Blindenfußball zeigen. Seine Klasse, die 4a, ist auch schon da.

Hautnah die Herausforderungen spüren

Benjamin Zoll hat seine Übungen so aufgebaut, dass die Kinder allmählich mit Blindheit vertraut gemacht werden. Nach einer kurzen Aufwärmphase werden Skibrillen, deren Sichtfenster abgeklebt wurden, verteilt. Diese simulieren auf simple und wirkungsvolle Weise das Blindsein. Bevor die Kinder auf das Spielfeld geschickt werden, erklärt Benjamin Zoll noch das für den Blindenfußball feststehende Wort „Voy“, das aus dem Spanischen kommt und „Ich komme!“ bedeutet. Es dient der Orientierung auf dem Spielfeld. Erst zögerlich benutzen sie das neu gelernte Wort, doch nach den ersten Zusammenstößen hallt es immer lauter durch die Halle.

Den Schülern ist anzumerken, dass es sie anstrengt. Doch gerade das dürfen sie auch spüren, sagt dazu Benjamin Zoll; in diesen Situationen erfahren sie hautnah, wie ihr Körper funktioniert und welche Herausforderungen Blindheit mit sich bringt. Werner Rieger ist zufrieden mit dem heutigen Tag: „Wir müssen gerade den Kindern die Chance geben, Menschen mit verschiedenen Behinderungsarten und anderen Fähigkeiten kennen zu lernen, damit sie lernen, mit Vielfalt umzugehen.“


Linktipps:
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
Inklusion in Reinkultur. Ein Blogbeitrag von Christian Schmitz über ein inklusives Sportprojekt in Kiel
Mit Riesenball zur Inklusion. Ein Blogbeitrag von Nico Feißt über eine neue Sportart, die auch für den inklusiven Sportunterricht geeignet wäre

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports
 

„Handicap macht Schule“

Benny Ulmer

Blogger: Benny Ulmer
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Freizeit, Sport

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Gewinnzahlen vom 2. März 2014 mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 02.03.2014 um 19:37 Uhr

Der Aktion Mensch-Botschafter Rudi Cerne besuchte den Sportkurs Emoki der Phoenix GmbH in München. Ein Kurs, bei dem Spaß und Freude an Bewegung für Kinder mit und ohne Behinderung im Vordergrund stehen.

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und stellt das inklusive Sportprojekt Emoki vor, das er in München besucht hat.

Emoki – Emotion und Movement for Kids – ist ein Projekt der Phoenix GmbH in Zusammenarbeit mit dem Sportverein DJK München-Haidhausen. Das Projekt setzt sich für Behinderten- und Inklusionssport ein.
Rudi Cerne besuchte die Gruppe Sportspiele I – Sport für alle!: Hier werden Kinder im Alter zwischen sechs und acht Jahren nach dem Motto „Emotion, Motivation und Bewegung“ gefördert. Die Kinder freuen sich auf jedes wöchentliche Treffen in der Turnhalle der Phoenix Schule. Die motorischen und körperlichen Fähigkeiten der Kinder werden spielerisch trainiert. Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt neben dem Sport ist die gesellschaftliche Integration, die die Kinder in der Gruppe kennenlernen. Um diesen Aspekt und neue einzigartige Fördermöglichkeiten im Bereich Sport, wie Segeln und Klettern, zu entwickeln und zu realisieren, unterstützte die Aktion Mensch den Sportkurs mit 250.000 Euro.


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Paralympische Spiele in Sotschi – Neue Resonanz, neue Gesichter, neue Perspektiven

Blogger: Raúl Krauthausen, am 28.02.2014 um 08:56 Uhr

Raul Krauthausen über das gestiegene Medieninteresse an den Paralympischen Spielen und warum dies eine Chance für eine neue Berichterstattung ist

Ein Kamerateam interviewt einen Sportler mit Behinderung

Berichterstattung über Sportler mit Behinderung: Einfach als Sportler darstellen

Foto: DBS

Bei gefühlten 50 Augenpaaren von Journalistinnen und Journalisten aus ganz Deutschland, die mich während meines Vortrags zu Leidmedien.de anschauten, staunte ich nicht schlecht. Das Thema Sport mit Behinderung scheint immer mehr Medienmacher zu begeistern. Sie alle kamen zum Medienworkshop des Deutschen Behindertensportverbands am 26. Februar 2014 nach München, um sich auf die Paralympischen Spiele in Sotschi vorzubereiten.

13 Interviewte gegenüber 60 Medienmachern

Vor Ort in Sotschi drückt sich das Medieninteresse in Zahlen so aus: 650 internationale Medien, 2.200 akkreditierte Medienmacher und Übertragungen in TV-Sender aus 55 Ländern. Auch ARD und ZDF zeigen jetzt mehr: Während sie früher erst am Folgetag von den Spielen berichteten – und nur ca. 4 ½ Stunden (Salt Lake City, 2002) –, werden jetzt noch am selben Tag und insgesamt bis zu 20 Stunden übertragen.

Dabei wird es vor Ort in Sotschi gar nicht so leicht werden, jedes Journalistenherz glücklich zu machen, denn auf 13 nominierte Athletinnen und Athleten kommen bereits mindestens 60 Journalistinnen und Journalisten. Vor allem Andrea Eskau dürfte schwer zu erreichen sein, denn sie startet ganze sieben Mal und hat daher nur einen freien Tag, verriet die Pressesprecherin vom DBS, Marketa Marzoli.

Zwischen Interviews und Dopingkontrollen

Die Hälfte der deutschen Mannschaft ist zum ersten Mal bei den Paralympischen Spielen dabei. Wenn die Athletinnen und Athleten auch zum ersten Mal in Russland sind, werden sie wenig Zeit haben, das Land zu entdecken. Neben Wettkampf und Interviews stehen da noch um die 600 Dopingkontrollen – übrigens auch der Begleitläufer – an. Und nach der Regel der "Whereabouts" müssen sie auch alle halbe Stunde melden, wo sie sind.

Das war mir neu, genauso wie die einzelnen Klassifzierungssysteme, in die die Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung eingeteilt wurden. Wäre ich Wintersportler, gehörte ich nun in die Gruppe der "les autres", also solchen, die nicht richtig klassifizierbar seien (wie z. B. Menschen mit Kleinwuchs und Lähmungen). Aber manche Menschen mit Behinderung können auch gar nicht an den Paralympischen Spielen teilnehmen, wie der Sportdirektor des DBS, Frank-Thomas Hartleb, erklärte: Zum Beispiel gehörlose Menschen und solche mit einer sogenannten "geistigen Behinderung".

Vom Helden zum Sportler

Ja, sogenannt. Eigentlich nennen sie sich ja oft "Menschen mit Lernschwierigkeiten". Um Sprache ging es also in meinem Vortrag. Dass zum Beispiel Sportler mit Behinderung nicht so gerne Floskeln hören wie "Trotz körperlicher Einschränkung hat er hohe Ziele" oder "Sie kämpft nicht nur gegen ihre Gegner, sondern auch gegen ihre Behinderung". Sie selbst haben mir gesagt, dass sie einfach gerne als Sportler dargestellt werden.

Mich freute aber zu hören, dass der DBS dabei ist, neue Vorbilder zu schaffen. Durch die Förderung einer dualen Karriere wie für Andrea Eskau, damit sie Sport und Beruf miteinander vereinbaren kann. Und durch ein paralympisches Jugendlager, das Jugendliche mit und ohne Behinderung zu gemeinsamen Zuschauern der Paralympischen Spiele in Sotschi macht. Jetzt bin ich gespannt, wie während und nach den Spielen in Sotschi über Menschen mit Behinderung berichtet wird.


Linktipps:
Leidmedien.de – ein Streifzug durch die behindernde Sprache. Ein Interview im Blog von Katja Hanke mit Lilian Masuhr zur medialen Berichterstattung über Menschen mit Behinderung
„Mein Weg nach Olympia“. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über Nico von Glasows Film, der Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu den Paralympics begleitet
Klischees wett kämpfen. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über das gesteigerte mediale Interesse an den Paralympics und Klischees in der Berichterstattung

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

Raúl Krauthausen

Blogger: Raúl Krauthausen
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Medien, Sport

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Strüßjer, Zöpfe, Pfauenfedern

Blogger: Bianca Pohlmann, am 26.02.2014 um 08:49 Uhr

Alaaf! Guido Osten, Helmut Dressler und Sina Ringel feiern seit Jahren begeistert den rheinischen Karneval. In diesem Jahr bilden sie als Prinz, Bauer und Jungfrau das erste Dreigestirn des Eichhofs in Much, einer Lebensgemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung. Mit ihrer eigenen Tanzgarde treten sie jetzt zur Hoch-Session des Karnevals in vielen Sälen auf.

Das Dreigestirn Guido Osten, Helmut Dressler und Sina Ringel auf der Bühne

Auftritt des Eichhof-Dreigestirns: Mit Begeisterung gefeiert

Fotos: Eichhof

Der Kopfschmuck hat es in sich. „Pfauenfedern“, erklärt Bauer Helmut stolz. Gut ein Meter lang ist die Zier an dem großen Hut. Und bietet damit auf dem Weg vom Reisebus zum Auftritt schon mal Angriffsfläche für den Wind. „Einmal war der Hut fast weg“, sagt er. Aber von solchen Überraschungen lassen er und Prinz Guido I. sowie Jungfrau Sina sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie genießen ihre Auftritte. Das Größte sei es, in einen Saal einzuziehen und von den Menschen mit Begeisterung empfangen und gefeiert zu werden. Prinz Guido I., Bauer Helmut und Jungfrau Sina sind das erste Dreigestirn des Eichhofs in Much, einer für Menschen mit geistiger Behinderung. Und da es in der Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis in diesem Jahr keine eigenen Tollitäten gibt, haben sich die drei kurzerhand bereit erklärt, auch dort als Dreigestirn aufzutreten.

Wunsch seit Kindertagen

Den Wunsch, einmal Prinz zu sein, hat Guido Osten (45) schon seit Kindertagen. Denn so lange ist er schon Mitglied der Ehrengarde Hürth-Efferen, sein Bruder Thomas Osten ist dort Präsident. Die Unterstützung aus der Familie war ihm also sicher. Bauer Helmut Dressler (52) arbeitet im Alltag gemeinsam mit Guido Osten in der Schreinerei des Eichhofs. „Wir machen schöne Sachen“, sagt er und zeigt stolz auf ein hölzernes Nachziehkrokodil. Seit sechs Jahren lebt er auf dem Eichhof. In seinem Zimmer sammelt Helmut Dressler seit Jahren Bücher von Prinz Eisenherz; er zeichnet und schreibt. Erste Erfahrungen mit öffentlichen Auftritten sammelte er als Musiker mit dem Eichhof-Orchester, zum Beispiel in Bonn auf dem Münsterplatz.

Sina Ringel lebt seit fünf Jahren auf dem Eichhof. Sie arbeitet im dortigen Dorfladen, sortiert die Waren in den Regalen. Vom Kölner Karneval ganz angetan, hat die 36-Jährige schon lange einen Wunsch: einmal Jungfrau zu sein. Das lange Kleid, die Perücke mit den Zöpfen, die Krone darauf – sie liebt ihr Ornat. Und obwohl sie sportlich ist, gerne schwimmt und reitet, befürchtet sie manchmal, auf der Bühne „zu steif“ zu sein. Deshalb zeichnen die Eltern in Mönchengladbach ihr alle Fernsehübertragungen vom Kölner Karneval auf. „Damit ich mir ganz genau anschauen kann, wie sich die Jungfrau bewegt“.

Die Begeisterung schwappt gleich über

Eines hat sich allerdings bei allen bisherigen Auftritten gezeigt: „Steif“ ist keiner in diesem Dreigestirn. Ihre Begeisterung schwappt beim Einzug in die Säle gleich über. Ebenso wie Bauer Helmut gefällt Prinz Guido I. vor allem das Schmeißen der „Strüßjer“, „richtig mit Schmackes“. Und das Bützen mögen sie. Und egal ob bei ihrer Proklamation im vergangenen Herbst oder bei den vielen Auftritten jetzt in der Session, die von ihren Betreuerinnen Wilfriede Tietz-Polonowski und Claudia Steimel organisiert werden, begleitet werden sie immer von ihrem Prinzenführer Philipp Heider sowie der eigenen fünfköpfigen Tanzgruppe des Eichhofs. Gemeinsam feiern sie dann „auch schon mal bis in die Nacht“, sagt Bauer Helmut.


Kleines Karnevals-Glossar:

Alaaf: Rufen die Feiernden im Kölner Raum zu Karneval. Der Ausspruch geht zurück auf einen Gruß in einer Bittschrift des Fürsten Metternich im 16. Jahrhundert „Cöllen al aff“, was so viel bedeutete wie „Köln über alles“.

Bützen: Küssen

Dreigestirn: In Köln – und eben oft auch in der Umgebung – steht kein Prinzenpaar, sondern das Dreigestirn – auch Trifolium genannt – an der Spitze des Karnevals. Es besteht aus dem edlen Prinzen, dem Bauern als Symbol der Wehrhaftigkeit und der Jungfrau, abgeleitet von der beschützenden Mutter Colonia.

Session: Anderer Begriff für die so genannte „Fünfte Jahreszeit“, die immer am 11. November beginnt und am Aschermittwoch endet.

Strüßjer: Kleine Blumensträuße, die beim Einzug in einen Festsaal, aber auch beim Karnevalszug geworfen werden.

Tollitäten: Zusammensetzung aus „toll“ und „Majestäten“, Umschreibung für die Regenten im rheinischen Karneval.


Linktipps:
Das Handlungsfeld "Inklusion leben: In der Freizeit" der Aktion Mensch
Karneval inklusiv. Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über Jecken mit Behinderung im Karneval
 

Das Dreigestirn des Eichhofs

  • Das Dreigestirn auf der Bühne

    Jungfrau Sina, Prinz Guido I. und Bauer Helmut (v.l.) auf der Bühne

  • Bauer Helmut Dressler beim Einmarsch

    Bauer Helmut Dressler beim Einmarsch

  • Jungfrau Sina Ringel und Prinz Guido Osten

    Jungfrau Sina Ringel und Prinz Guido Osten

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