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Paralympics in Sotschi: Mission possible!

Blogger: Katharina Schiller, am 19.03.2014 um 19:05 Uhr

Katharina Schiller war während der Paralympischen Winterspiele in Sotschi Nachwuchs-Reporterin bei der Paralympics Zeitung. Was sie dort alles erlebt hat und wie es ihr gefallen hat, hat sie kurz vor dem Abflug nach Hause zusammengefasst.

Riesige bunte Ballons in Form von russischen Zwiebeltürmen bei der Eröffnungsfeier der Paralympics

Eröffnungsfeier der Paralympics: „Breaking the ice“

Foto: KOREA.NET / flickr.com

Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit waren die Erwartungen an die Paralympics in Sotschi im Rahmen der Paralympics Zeitung riesig. Und ich kann jetzt schon sagen: Sie wurden bei Weitem übertroffen. Vor meiner Bewerbung für das Projekt hatte ich keinen Kontakt mit Behindertensport oder wusste, wie man über Menschen mit Behinderungen schreibt. Deshalb war ich sehr gespannt darauf, wie ich die Paralympics persönlich und als Jungjournalistin erleben würde. Der Workshop mit Leidmedien.de – einer Plattform, die Journalisten Tipps für das Schreiben über Menschen mit Behinderung gibt –, hat dabei sehr geholfen.

Am besten war dann aber die tatsächliche Erfahrung vor Ort. Das fing mit der eindrucksvollen Eröffnungsfeier an, die unter dem Motto „Breaking the ice“ schön auf die kommenden Tage der Paralympics einstimmte. Das Eis war spätestens dann gebrochen, als ich sah, wie die Sportler in ihren Sitzschlitten oder ihren Monoskis über den Schnee glitten und das Beste aus sich herausholten. Sie wurden von frenetischem Zuschauerjubeln angefeuert und im Ziel so lautstark begrüßt, dass man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.

Wertvoller Austausch mit den Sportlern im Deutschen Haus

Besonders schön waren auch die Abende im Deutschen Haus der Paralympics, wo wir in gemütlicher Atmosphäre mit den Paralympioniken und ihren Familien, als auch mit Persönlichkeiten wie Gerd Schönfelder oder Alexander Spitz, plaudern konnten. Diesen Austausch habe ich als sehr wertvoll empfunden: den Sportlern so nah zu kommen und mit ihnen über ihren Sport, ihre Erfolge, aber auch über Barrieren im Alltag und in den Köpfen der Menschen zu sprechen. Ich hoffe, ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass eben diese Barrieren in den Köpfen abgebaut werden.

Wir haben erlebt, wie schön es ist, ein gemeinsames Sportfest zu feiern – ganz egal, welche Sprache man spricht oder ob man im Sitzen oder im Stehen Spaß auf der Tanzfläche hat. Dieses Gefühl wurde bei der Abschlusszeremonie noch unterstrichen, als der leuchtende Schriftzug „Impossible“ von der Decke heruntergelassen wurde. Durch einen geschickt platzierten Apostroph wurde daraus „I'm possible“. Ich hoffe, dass diese Spiele sowohl im Sport, als auch im Alltag nachhaltig dazu beitragen, dass dieses Motto bald überall gelebt wird.


Linktipps:
Mehr Infos zur Paralympics Zeitung
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion
Klischees wett kämpfen. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über das gesteigerte mediale Interesse an den Paralympics und Klischees in der Berichterstattung
Paralympische Spiele in Sotschi – Neue Resonanz, neue Gesichter, neue Perspektiven. Ein Blogbeitrag von Raul Krauthausen über das gestiegene Medieninteresse an den Paralympics und die Chance für eine neue Berichterstattung

Katharina Schiller

Blogger: Katharina Schiller
Schlagworte: Sport

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Wie ein Traum

Blogger: Katharina Schiller, am 18.03.2014 um 08:53 Uhr

Bei den Paralympischen Winterspielen in Sotschi gewann Anja Wicker Gold und Silber im Biathlon – auch für sie selber völlig überraschend. Ein Kurzinterview.

Anja Wicker im Interview

Paralympics-Siegerin Wicker: Ein einzigartiges Gefühl

Foto: Aktion Mensch

"Das ist der Wahnsinn und eine kleine Sensation – aber völlig verdient", freute sich ein restlos begeisterter Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, nach Anja Wickers überraschendem Sieg im paralympischen Biathlon über zehn Kilometer in der sitzenden Klasse. Bei ihrer ersten Paralympics-Teilnahme gelang der 23-Jährigen gleich der erste große internationale Erfolg. Und drei Tage nach ihrem Triumph legte die Sportmanagement-Studentin noch einmal nach: Silber über 12,5 Kilometer, erneut dank einer fehlerfreien Leistung am Schießstand. Im Interview blickt Anja Wicker auf erfolgreiche Paralympische Winterspiele in Sotschi zurück:

Haben Sie schon während des Rennens gespürt, dass Sie auf Goldkurs sind?
Anja Wicker: Ich habe mich vom Start weg gut gefühlt, und man läuft ja immer wieder an der Anzeigetafel vorbei. Da habe ich schon gesehen, dass die anderen ordentlich daneben geballert haben. Ich habe mich so gefühlt, dass ich an diesem Tag keinen Fehler schießen würde. Außerdem habe ich gesehen, dass ich Vorsprung habe und es auf jeden Fall für die Medaille reichen wird. Die letzte Runde war dann nicht mehr ganz so schlimm, weil ich nicht mehr um den Platz kämpfen musste. Ich habe trotzdem versucht, alles zu geben, nicht hinzufallen und sauber ins Ziel zu kommen.

Ein rundum perfektes Paket

Wie war es für Sie, auf der Medals Plaza zu stehen?
Die Medaille kam für mich auch völlig überraschend. Ich bin ganz froh, dass ich nochmal dort stehen durfte, weil ich vom ersten Mal leider alles vergessen habe. Das ist wie ein Blackout – einfach wie ein Traum dort oben. Beim zweiten Mal habe ich dann versucht, es zu genießen und auch mal in die Menschenmenge zu schauen. Es ist einfach ein einzigartiges Gefühl dort oben.

Wie gefielen Ihnen Stimmung und Atmosphäre bei den Paralympics in Sotschi?
Mir gefiel es total gut. Wir im Behindertensport sind es ja nicht gewohnt, dass so viele Leute zuschauen, an der Strecke stehen und dass wir im Stadion unser eigenes Wort nicht mehr verstehen. Das ist schon etwas Besonderes. Wir haben versucht, jede Minute zu genießen, und das motiviert natürlich auch. Meine beiden Medaillen sind herausragend, aber das Gesamterlebnis, die Atmosphäre, die Stimmung, die Leute – das war einfach ein rundum perfektes Paket.


Linktipps:
Anja Wickers Gold-Lauf im paralympischen Biathlon über zehn Kilometer in der sitzenden Klasse (Video)
Ziel: Sotschi! – Interview mit Paralympics-Teilnehmerin Anja Wicker
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion
Alles inklusive. Ein Blogbeitrag von Jonas Wengert über die Möglichkeiten der Winterspiele von Sotschi für den Behindertensport und die Inklusion

Katharina Schiller

Blogger: Katharina Schiller
Schlagworte: Sport

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Es war gut, weil es einfach wieder Sport war

Blogger: Margit Glasow, am 17.03.2014 um 09:14 Uhr

Die Leichtathletin Jana Schmidt arbeitet hochmotiviert an ihrem Ziel, 2016 bei den Paralympics in Rio dabei zu sein. Ihre Chancen stehen gut. Doch es gab auch andere Zeiten in ihrem Leben.

Jana Schmidt

Weltmeisterin Schmidt: „Eine echte Sensation“

© Jana Schmidt

Die gebürtige Mecklenburgerin, die in Klocksin bei Waren zu Hause ist, kam erst sehr spät zum Leistungssport. Sie war zunächst nur im Breitensport aktiv, bis sie 2003 bei einem Sportunfall eine bleibende Knieverletzung erlitt. Doch letztendlich war es der Sport, der ihr über diese schwere Zeit hinweghalf, sie aus diesem Loch, in das sie sich verkrochen hatte, herausholte.

Ines Müller, ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiateilnehmerin, die in den 1980er Jahren zu den weltbesten Kugelstoßerinnen gehörte und heute Landestrainerin für Leichtathletik im Verband für Behinderten- und Rehabilitationssport Mecklenburg-Vorpommern ist, entdeckte 2006 Jana Schmidt und begeisterte sie erneut für den Sport. Das war schon eine Umstellung, erinnert sich Jana Schmidt. Behindertensport – das bedeutete, sich ganz offensiv mit seinem Körper auseinanderzusetzen, ihn anzunehmen, so wie er ist, sich zu zeigen. Seit dieser Zeit widmet sich die 41-Jährige trotz ihres steifen Knies intensiv der Leichtathletik. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt sie heute lachend und erzählt, wie sehr sie damals wieder eine körperliche Betätigung brauchte. „Es war gut, weil es einfach wieder Sport war.“

Entwicklung zur Top-Athletin

Die Entscheidung hat sie nie bereut. Unter den Fittichen von Ines Müller entwickelte sie sich zu einer echten Top-Athletin im Kugelstoßen, Speerwerfen und 100-Meter-Sprint. Dass die Kombination Schmidt/Müller dabei eine sehr erfolgreiche war, zeigte sich bereits bei den Paralympics 2008 in Peking, wo Jana Schmidt Fünfte im Kugelstoßen und Sechste im Speerwerfen wurde. Bei den Paralympics 2012 in London holte sie Bronze über die 100 Meter der oberschenkelamputierten und gleichgestellten Frauen.

Seit 2011 trainiert sie nun beim 1. LAV Rostock unter Lutz Kramer (Berlin). Hier bekommt sie von Seiten der Verantwortlichen des Vereins große Unterstützung, und sie findet insbesondere in der modernen Laufhalle optimale Trainingsbedingungen, die sie regelmäßig nutzt. Darüber hinaus trainiert sie weiterhin in ihrem Sportverein LAV Waren/Müritz bei ihrem Trainer Dirk Santowski, mit dem sie sich zusammen auch ehrenamtlich um den sportlichen Nachwuchs kümmert.

Die Paralympischen Spiele in Rio sind das Ziel

Eine Überraschung gelang Jana Schmidt im vergangenen Jahr im Rahmen der 6. IPC Leichtathletik Weltmeisterschaften in Lyon. Mit einer Weite von 9,15 Metern wurde sie Weltmeisterin im Kugelstoßen und schlug damit die Chinesin Yao Juan erstmals, was ihr bis dahin noch nie gelungen war. „Das war schon eine echte Sensation“, gesteht die Athletin. Zusätzlich zu Gold konnte sie eine Silbermedaille im Weitsprung – mit persönlicher Bestleistung von 3,87 Meter – sowie eine über 100-Meter-Laufstrecke mit nach Hause nehmen.

Für diesen Erfolg trainiert sie hart – jeden Tag viele Stunden. Die Mecklenburgerin, die 2011 Sportlerin des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern wurde, muss das auch tun, um fit zu bleiben. Wenn alles gut läuft, will Jana Schmidt 2016 in Rio dabei sein: „Wenn ich die nächsten drei Jahre gesundheitlich gut überstehe und die Normen für mich machbar sein werden, werden die Paralympics 2016 natürlich noch einmal das Ziel für mich sein.“ Umso erfreulicher findet sie es in diesem Zusammenhang auch, dass die Stiftung Deutsche Sporthilfe entschieden hat, dass in diesem Jahr in Sotschi die Medaillengewinner mit Behinderung erstmals in der Geschichte der Paralympics die gleichen Prämien erhalten wie ihre nichtbehinderten Kollegen. Als Ines Müller 2012 zu Thema der Gleichstellung von Sportlern mit und ohne Behinderung befragt wurde, sagte sie bereits damals: „Der Aufwand von Jana Schmidt ist vergleichbar mit dem eines nichtbehinderten Sportlers. So gut, wie der mit seinem rechten Bein arbeitet, so weit wird er die Kugel stoßen. Wenn du aber dein rechtes Bein nicht beugen kannst, dann musst du es irgendwie ausgleichen. Das kostet Kraft und Trainingsfleiß.“


Linktipps:
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
„Mein Weg nach Olympia“. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über Nico von Glasows Film, der Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu den Paralympics begleitet
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

Margit Glasow

Blogger: Margit Glasow
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Sport

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Gewinnzahlen vom 16. März 2014 mit Rudi Cerne

Blogger: Redaktion, am 16.03.2014 um 19:38 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und stellt das Übersetzungsbüro für Leichte Sprache in Kelkheim/Taunus vor.
Das Übersetzungsbüro der Lebenshilfe sorgt für Barrierefreiheit bei geschriebenen Texten. Das Projekt „Leichte Sprache“ unterstützt und übersetzt überall dort, wo Informationen über eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Alltag entscheidend werden. Damit solche Texte am Ende auch wirklich verstanden werden, arbeitet das Übersetzungsbüro mit Experten für Leichte Sprache zusammen: mit Menschen mit Behinderung. Die Aktion Mensch bezuschusst den Aufbau eines Übersetzungsbüros für Leichte Sprache in Kelkheim/Taunus mit 111.046 Euro.


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Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination

Blogger: Katja Hanke, am 14.03.2014 um 08:48 Uhr

Das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung ist wie das Deutsche Sportabzeichen eine Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für gute und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit. Um mehr Menschen zu ermuntern, sich zu beteiligen, sind im letzten Jahr die Kriterien verändert worden.

Junge beim Wettschwimmen

Schwimmen: Grundvoraussetzung für das Sportabzeichen

Foto: DBS

Als das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung 1952 eingeführt wurde, dachte man zuerst an Sportler und Sportlerinnen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Ein Abzeichen für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt es erst seit dem Jahr 2000. Rund 7.000 Menschen mit Behinderung haben 2012 das Sportabzeichen erhalten.

Mehr Selbstvertrauen und Inklusion

Das Sportabzeichen soll Menschen mit Behinderung Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit geben und zur gesellschaftlichen Inklusion beitragen. Aber vor allem soll es "zum regelmäßigen Bewegen und Sport treiben animieren", sagt Wolfgang Tenhagen, Bundesbeauftragter für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen beim Deutschen Behindertensportverband (DBS).
Wer sich dafür interessiert, das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung abzulegen, wendet sich am besten an den jeweiligen Landesverband des DBS. Sie wissen, welcher Verein das Sportabzeichen und eine Vorbereitung darauf anbietet. Manche Landesverbände organisieren auch selbst Sportabzeichen-Tage. Zum Beispiel veranstaltet der Landesverband Niedersachsen in diesem Jahr für Menschen mit Lernschwierigkeiten ab sechs Jahren einen "Sportivationstag". An acht Terminen in verschiedenen Städten kann dort von Mai bis September das Sportabzeichen abgelegt werden kann.

Wenn das Sportabzeichen bei regelmäßigen Trainingsstunden in einem Verein abgelegt wird, muss ein Prüfer oder eine Prüferin vor Ort sein. Sie sind es auch, die die Interessierten in eine der elf Behindertenklassen einordnen. Das tun sie mit Hilfe des Schwerbehindertenausweises, aber auch durch ein Gespräch mit der Sportlerin oder dem Sportler. Menschen mit Lernschwierigkeiten können ihren Versorgungsbescheid oder einen Bescheid der Förderschulen vorlegen.

Viele verschiedene Disziplinen

Die Grundvoraussetzung für das Deutsche Sportabzeichen ist das Schwimmen – auch für Menschen mit Behinderung. Zusätzlich müssen sich die Sportler und Sportlerinnen in vier Gruppen beweisen: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Die Gruppen beziehen sich auf die vier motorischen Grundfähigkeiten und sind Teil der veränderten Bestimmungen für das Deutsche Sportabzeichen, die seit Anfang 2014 gelten. Sie ersetzen die früheren Kategorien Laufen, Springen und Werfen. Für jede Gruppe müssen die Sportler eine Disziplin absolvieren, die sie je nach Angebot, Beeinträchtigung und Fokus des Trainings wählen können: Für "Ausdauer" könnten das zum Beispiel 800-Meter-Schwimmen, 7,5-km-Walking oder 10-km-Lauf sein, für "Kraft" unterschiedliche Disziplinen wie Kugelstoßen oder Stand-Weitsprung, für "Schnelligkeit" 100-Meter-Lauf beziehungsweise 100-Meter-Handbike für Rollstuhlfahrer oder 25-Meter-Schwimmen und für "Koordination" das Zielwerfen oder ein Rollstuhl-Parcours. Alle Gruppen müssen nicht gleichzeitig abgelegt werden, aber innerhalb eines Kalenderjahres, also vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.

Eine Motivation, regelmäßig zu trainieren

Eine andere grundlegende Neuerung: Das Sportabzeichen gibt es jetzt in Gold, Silber oder Bronze. Bisher hat man es einfach bestanden. "Die erleichterten Anforderungen auf der Bronzestufe motivieren jetzt hoffentlich auch Menschen, regelmäßig zu trainieren, die von einer Teilnahme bisher abgeschreckt waren, weil sie dachten, dass sie es eh nicht schaffen", sagt Wolfgang Tenhagen. "Und dann möchten wir natürlich diejenigen, die dieses Jahr Bronze erreicht haben, dazu anspornen, nächstes Jahr Silber zu bekommen."


Linktipps:
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen
Das Handlungsfeld "Inklusion leben: In der Freizeit" der Aktion Mensch
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
Inklusion in Reinkultur. Ein Blogbeitrag von Christian Schmitz über ein inklusives Sportprojekt in Kiel
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

Katja Hanke

Blogger: Katja Hanke
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Freizeit, Menschen mit Behinderung, Sport

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Mit rheinischer Mentalität nach oben

Blogger: Michael Wahl, am 11.03.2014 um 18:55 Uhr

Ein Interview mit Dieter Wolf, Trainer der Blindenfußballmannschaft vom PSV Köln, über Inklusion im Sport, die Entwicklung im Blindenfußball und das eine oder andere Kölsch nach gewonnenen Spielen

Vier Blindenfußballer kämpfen um den Ball

Blindenfußball-Bundesliga: Mannschaften auf hohem Niveau

Carsten Kobow, Essen / Sepp-Herberger-Stiftung

Michael Wahl: Herr Wolf, Blinde spielen Fußball. Ich will jetzt nicht die Frage stellen, die Sie immer hören – „Wie geht das?“ – sondern: Wie spielen Blinde und Sehende zusammen Fußball?

Dieter Wolf: Mit viel Kommunikation. Wir Sehenden sind visuell geprägt und spielen auch so Fußball, der Blinde oder Sehbehinderte muss sich unter seinen Augenpflastern und der Dunkelbrille aber hauptsächlich auf sein Gehör verlassen, daher sind eindeutige Kommandos wie das „Voy“ (Anm. d. Red.: Jeder gegnerische Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss „Voy“ („Ich komme“) rufen – bleibt der Ruf aus, wird dies als persönliches Foul geahndet), aber auch stetige Kommunikation auf dem Platz zwischen den sehenden Guides und dem Torwart auf der einen Seite und den Blinden auf der anderen Seite sehr wichtig. Das wird im Training auch intensiv geübt, damit insbesondere Verletzungen durch Zusammenstöße auf dem Platz eher die Seltenheit bleiben.

Inklusion wird im Verein gelebt

Der PSV Köln ist kein klassischer Blindensportverein. Viele Blindenfußballabteilungen sind bei klassischen Behindertensportvereinen angeschlossen. Wie ist das, und wie kam das beim PSV? Und wird Sport so nicht erst wirklich inklusiv durch die Begegnung in einem Verein für alle?

An den PSV Köln sind wir durch persönliche Kontakte gekommen. Es stimmt, dass viele Blindenfußballmannschaften entweder einer Einrichtung oder einem Behindertensportverein angeschlossen sind. Wir haben uns aber bewusst für den anderen Weg entschieden und sind auch sehr gut im PSV Köln aufgenommen worden, der bis dahin noch keine Behindertensportabteilung hatte.
Die Sorge, dass wir in einem doch recht großen Verein wie dem PSV Köln eher nur nebenher laufen, war völlig unbegründet. Unser Sport und damit auch die Spieler sind im Verein akzeptiert und gehören auch zum Vereinsleben. Einladungen anderer Abteilungen oder Besuche unserer Spieltage durch andere Vereinsmitglieder zeigen uns, dass Inklusion hier im Verein gelebt wird und die Jungs dazugehören. Das ist für mich als Trainer ein schönes Gefühl.

Wie sehen Sie die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Blindenfußballs in Deutschland, für neue Trainer, neue Spieler – Blinde sowie Sehende? Welche Förderungen oder Kampagnen würden Sie sich wünschen?

Der Blindenfußball in Deutschland hat sich seit 2008, seitdem ich beim Blindenfußball aktiv bin, doch sehr verändert. Der Sport ist dynamischer geworden – auch dadurch bedingt, dass es mehr Mannschaften in der Liga gibt, die mittlerweile auf einem ähnlichen Niveau spielen.
Durch das Engagement vom Deutschen Behindertensportverbands (DBS) und der Sepp-Herberger-Stiftung sind die Rahmenbedingungen insbesondere in finanzieller Sicht für die Teams, die an der Liga teilnehmen, verbessert worden. Durch Städtespieltage wird der Sport auch dem breiteren Publikum bekannt, was sicherlich förderlich ist.
Was jedoch sicherlich von Verbandsseite noch verbesserungswürdig ist, ist der Austausch zwischen den Vereinstrainern, dem Bundestrainer und den Trägern der Liga. Hier würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass man sich insbesondere in Richtung Nationalmannschaft auch Spielern aus anderen Mannschaften mehr öffnet. Nur hierdurch wird für die Spieler auch der Anreiz geschaffen, sich noch zu verbessern, um auch einmal die Möglichkeit zu haben, zu einem Sichtungslehrgang eingeladen zu werden. Auch sollten die Teamtrainer enger eingebunden werden, um die Nachwuchsförderung und die Rekrutierung von neuen Spielern voranzutreiben.

Blindenfußball ist dynamischer geworden

Was macht Ihnen ganz persönlich als Trainer einer Blindenfußballmannschaft Spaß, was motiviert Sie, jedes Wochenende auf dem Platz zu stehen, und welche Ziele für die Saison 2014 haben Sie mit Ihrem Team?

Ich bin schon seit vielen Jahren im Blindensport aktiv, bin früher mit meinem Bruder Tandemrennen gefahren und dann 2008 als Trainer mehr aus der Not heraus, dass dort ein Torwart fehlte, zum Team aus Köln gestoßen. Mich fasziniert immer wieder, mit welcher Begeisterung und Motivation meine Jungs ans Werk gehen, um auch dieses Jahr wieder an der Liga teilzunehmen. Wir sind ein kleines Team, aber gerade das macht uns aus, weil der Zusammenhalt stimmt. Wir werden immer ein wenig belächelt, doch schaffen wir es jedes Jahr, uns im oberen Drittel der Tabelle festzusetzen.
Und aus der Begeisterung meiner Jungs und der fröhlichen, rheinischen Mentalität schöpfe ich meine Freude, jedes Jahr gemeinsam mit ihnen wieder neu anzusetzen, vielleicht doch noch mal Vizemeister oder Meister zu werden, auch wenn die Chancen dazu eher gering sind.

Ihre Ziele für 2014?

Für 2014 müssen wir schauen, was kommt. Das Team hat sich dieses Jahr leider schon wieder aus verschiedenen Gründen personell verändert. Wir versuchen dieses Jahr, neue Spieler zu integrieren, so dass unsere Ziele für 2014 eher bescheiden sind. Wichtig ist für mich, dass wir schöne Spiele abliefern, meine Jungs verletzungsfrei durch die Liga kommen und wir das eine oder andere Kölsch auf gewonnene Punkte in der Liga trinken können.

Danke und alles Gute für die Saison und die weitere Zukunft!


Linktipps:
Blindenfußball beim Polizei Sportverein Köln
Alle Infos zur Blindenfußball-Bundesliga
Mehr zum Thema Blindenfußball bei respect.de, der Jugend-Community der Aktion Mensch
Kickende Wölfchen. Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über Blindenfußball beim DFL Kids-Camp in Wolfsburg

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

Michael Wahl

Blogger: Michael Wahl
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Sport

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