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Antworten auf Fragen, die keiner stellt

Blogger: Katja Hanke, am 22.08.2014 um 14:17 Uhr

Im Videoprojekt „Anderssein“ geben Menschen, die in der Gesellschaft immer noch als anders wahrgenommen werden, ganz persönliche Antworten auf Fragen, die viele im Kopf haben, sie aber nie stellen.

Szene mit Dominik Peter in einem „Anderssein“-Video

Dominik Peter im „Anderssein“-Video: „Auf Augenhöhe ist gut“

Quelle: Videoprojekt „Anderssein“

Wie kann ich Ihnen etwas mitteilen, wenn ich keine Gebärdensprache kann? Welches Verhalten Ihrer Mitmenschen nervt Sie im Umgang mit Ihrer Blindheit? Soll Ihr Gesprächspartner in die Knie gehen, um mit Ihnen auf Augenhöhe zu sprechen? Fragen wie diese haben viele Menschen im Kopf, wenn sie auf Personen mit Behinderungen treffen. Auf letztere Frage antwortet der Rollstuhlfahrer Dominik Peter: „Auf Augenhöhe ist eine gute Geschichte. Ich erlebe es leider selten, dass Leute in die Knie gehen, wenn sie mit mir reden, ich muss immer nach oben gucken.“ Seine Antwort ist ein kurzes Video von 30 Sekunden. Sechs Fragen hat er insgesamt beantwortet, jede Antwort ist ein einzelner Videoclip. Neben Dominik Peter kommen bei „Anderssein“ noch elf weitere Personen zu Wort, die die Mehrheit der Bevölkerung als anders empfindet. Sie sind kleinwüchsig, taub, blind, zwangsgestört, dick oder Analphabet.

Zuviel Unsicherheit

Die Idee zu diesem Projekt, in dem Inklusion sehr breit gefasst wird, hatte Stefanie Trzecinski, Leiterin der Bildungsagentur „KOPF, HAND + FUSS“, als sie in einem Bus in Berlin saß, in dem ein Mann mit Tourette-Syndrom mit Schimpfwörtern um sich warf. „Alle im Bus waren peinlich berührt und wussten nicht, wie sie reagieren sollten“, erinnert sie sich. „Auch ich war unsicher.“ Da fiel ihr auf, dass sie wenig weiß über Menschen, „die anders sind“. „Ich wollte ihnen gern die Fragen stellen, die ich und bestimmt auch viele andere Menschen im Kopf haben.“

Sehr persönliche Fragen

Als Ausgangspunkt für die Fragen in den Videos nahm sie gängige Vorurteile, doch auch die Befragten haben Fragen beigesteuert, die sie wichtig fanden. „Deshalb sind einige Fragen sehr persönlich“, sagt Trzecinski. Die Antworten sind 30 bis 50 Sekunden lang. Länger sollten die Filme nicht sein. „Wir möchten ja Leute ansprechen, die sich nicht tiefgehend mit dem Thema beschäftigen möchten und sie im Vorbeigehen informieren“, sagt sie. So sollen Unsicherheiten und Vorurteile abgebaut werden.

Inklusion weit gefasst

Dominik Peter ist sich sicher, dass das klappen wird. „Sogar ich habe durch das Projekt gemerkt, dass ich viel zu kurz denke, wenn es um Menschen mit Benachteiligungen und Einschränkungen geht“, sagt Peter, der Vorsitzender des Berliner Behindertenverbandes ist. „Auch Analphabeten oder Ultra-Dicke als Menschen mit Einschränkungen zu betrachten, das ist für mich ganz neu.“ Die breite Auffassung von Inklusion habe ihn besonders fasziniert, sagt er. Und der Perspektivwechsel. Eine Frage wie „Möchten Sie aktiv angesprochen werden, ob Sie Hilfe brauchen?“ habe er sich noch nie gestellt, sagt er. „Ich fand es immer selbstverständlich, dass man anderen hilft.“ Umso erstaunter war er, dass andere Menschen da unsicher sind.

Kostenlos herunterladen

Die 72 kurzen Filme stehen auf der Webseite von „KOPF, HAND + FUSS“ und können kostenlos heruntergeladen werden. Stefanie Trzecinski hofft, dass Unternehmen sie zum Beispiel im firmeneigenen Intranet zeigen, um Mitarbeiter über neue Kollegen zu informieren, die anders sind. Auch im Kino oder als Außenwerbung kann sie sich die kurzen Filme vorstellen. Trzecinski möchte noch mehr Videos machen. Gern würde sie zum Beispiel eine Transgender-Person befragen oder jemanden mit Tourette-Syndrom. Denn, wie sie mit Letzterem umgehen soll, das weiß sie leider immer noch nicht.


Linktipps:
Mehr Infos zum Projekt „Andersein“ und alle Videos zum Herunterladen
Berührungsängste abbauen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Probleme im Umgang mit Menschen mit Behinderung
Inkludiere dich selbst. Anastasia Umrik überlegt im Blog, dass es nicht immer an den "Nicht-Behinderten" liegt, wenn es mit der Inklusion hakt
Was haben Nichtbehinderte von der Inklusion? Anastasia Umrik erklärt im Blog, warum Inklusion für ALLE gut ist

Katja Hanke

Blogger: Katja Hanke
Kategorie: Inklusion
Schlagworte: Menschen mit Behinderung

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Was mit Menschen

Blogger: Carmen Molitor, am 18.08.2014 um 11:23 Uhr

Monika Kleinefenn, Leiterin des Vorstandsreferats, berät den Vorstand, organisiert die Gremien, leistet politische Lobbyarbeit zum Glücksspielstaatsvertrag und koordiniert Projekte zum Jubiläumsjahr. „Der Job meines Lebens“, findet sie.

Monika Kleinefenn zeigt auf ein Bild der Jubiläums-Briefmarke der Aktion Mensch.

„Mich interessiert, wie die Mechanismen in der Politik funktionieren“ sagt Monika Kleinefenn. Das konnte sie als Büroleiterin mehrerer Bundestagsabgeordneter genau studieren – zuletzt bei Carl-Ludwig Thiele (FDP), der heute im Vorstand der Deutschen Bundesbank sitzt. Als sie vor elf Jahren zufällig die Stellenanzeige für den Job als Assistentin der Geschäftsführung der Aktion Mensch las, war die Mutter einer kleinen Tochter gerade von Berlin nach Bonn umgezogen. „Ich hatte lange Zeit in der Finanzpolitik gearbeitet und immer sehr viel mit Zahlen zu tun gehabt“, erzählt sie. „Ich wollte mich wieder mehr mit Menschen beschäftigten. Diesem Wunsch kam die Stelle sehr entgegen. Ich dachte: Superinteressanter Job, tolle Firma, da bewirbst du dich mal.“ Kleinefenn bekam die Stelle. Sie übernahm die Korrespondenz, schrieb Reden für den Vorstand und nutzte die gestalterischen Freiräume, die der ganz neu eingerichtete Posten ihr bot. Mit der Zeit erhielt sie strategische Aufgaben, betreute eine große Organisationsstrukturreform und übernahm im Laufe der Zeit immer mehr Führungsverantwortung. „Das ist der Job meines Lebens“, sagt sie.

Ihre To-Do-Liste ist lang: Die 44-jährige leitet das Vorstandsreferat und berät Vorstand Armin v. Buttlar bei inhaltlichen Fragestellungen. Sie plant die Unternehmensstrategie der Aktion Mensch mit, bereitet Mitgliederversammlungen und Aufsichtsratssitzungen inhaltlich vor und wenn in der Außenkommunikation mal etwas schief läuft, unterstützt sie im Krisenmanagement.

Seit Anfang des Jahres koordiniert Monika Kleinefenn mit einem Team auch alle Festprojekte zum 50-jährigen Bestehen der Aktion Mensch. Schon vor zwei Jahren begannen die Vorbereitungen für die Mitarbeiter. Ihr bisheriges Lieblingsprojekt: die Aktion Mensch-Sondermarke zu 60 Cent. Sie freut sich auf die weiteren Highlights, die noch auf dem Jubiläumsprogramm stehen. Höhepunkt ist die Festveranstaltung am 7. Oktober in Berlin mit geladenen Gästen, bei der Bundespräsident Joachim Gauck die Festrede halten wird. „Das wird eine bunte, lustige Veranstaltung und am Ende des Tages vielleicht auch eine tolle Party“, hofft Monika Kleinefenn. Eine „sehr, sehr schöne“ Sonderausgabe des Magazins „Menschen“ und eine Jubiläums-Sonderverlosung sind ebenfalls noch geplant. Schlusspunkt im Jubiläumsjahr wird eine große Zukunftskonferenz sein, die am 2. und 3. Dezember in Berlin aus verschiedenen Blickwinkeln den Stand der Inklusionsdebatte in Theorie und Praxis beleuchten wird. „Vielleicht wird das sogar Auftakt einer Veranstaltungsreihe, wir werden sehen“, sagt sie.

Nach dem Jubiläumsjahr ist „Begegnung“ das nächste große Thema der Aktion Mensch, lässt Kleinefenn durchblicken. „Wir wollen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen, die bestehenden Unsicherheiten des Miteinanders thematisieren und sie humorvoll und modern auflösen.“ 2015 wird also spannend.


Linktipps:
Schon viel erreicht: Die Meilensteine aus 50 Jahren Aktion Mensch in unserer Chronik
Zwischen Briefkastenonkel und Kampagnenmacher. Ein Porträt über Christian Schmitz, den früheren stellvertretenden Pressesprecher der Aktion Mensch
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Carmen Molitor

Blogger: Carmen Molitor
Schlagworte: 50 Jahre Aktion Mensch

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Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen vom 17. August

Blogger: Redaktion, am 17.08.2014 um 19:47 Uhr

Rudi Cerne präsentiert die Gewinnzahlen der Aktion Mensch-Lotterie und stellt das Bielefelder Ehrenamt-Projekt "Gemeinsam engagiert" vor. Hier setzen sich Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite ehrenamtlich ein und können so einen sichtbaren Unterschied machen. Die Aktion Mensch unterstützt das Bielefelder Projekt von den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit rund 120.000 Euro.


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Reaktionsschnell im Tor und am Telefon

Blogger: Carmen Molitor, am 16.08.2014 um 09:57 Uhr

Gleich zwei Jobs macht Mehmet Akdogan bei der Aktion Mensch: Er ist routinierter Mitarbeiter im Servicecenter und in diesem Jahr zusätzlich zuständig für die Betreuung der Gäste des internen Jubiläumsfests. Nach Feierabend hält er als Torwart den Kasten der Aktion Mensch-Freizeitkicker sauber – und schießt dabei auch mal ein Tor.

Mehmet Akdogan mit seinem Trikot auf einem Balkon

Mehmet Akdogan mit seinem Aktion Mensch-Trikot

Nur noch fünf Minuten bis Spielende und Torwart Mehmet Akdogan ist sauer: Seine Mannschaft, die Betriebssportgruppe (BSG) Aktion Mensch, liegt in einem der letzten Spiele der Saison 2013/2014 mit 0:2 zurück. Die fünf Feldspieler spielen zwar schön und dribbeln emsig über das Kleinfeld – aber sie schießen nicht aufs Tor, ärgert er sich. Dabei wären die drei Punkte aus diesem Spiel doch so wichtig für den Aufstieg der Mannschaft in die Erste Liga des Betriebssportkreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg. Mehmet Akdogan hält es nicht mehr im Tor. Er läuft in bester Manuel-Neuer-Manier zur Mittellinie und als der Ball zu ihm kommt, nimmt er ihn direkt an und versenkt ihn trocken aus 30 Metern Entfernung im gegnerischen Tor. Das bringt die Wende: Schnell fällt das 2:2 und in der letzten Minute gelingt den Aktion Mensch-Kickern sogar noch der Siegtreffer. Der Aufstieg ist perfekt.

„Das Spiel war schon cool, es war bisher das Highlight“, erzählt Mehmet Akdogan. Der gelernte Industriekaufmann hat 2008 als Leiharbeitnehmer im Service der Aktion Mensch begonnen und ist seit 2010 in der Abteilung Kundenmanagement und Vertriebscontrolling fest angestellt. 2012 gehörte der fußballbegeisterte gebürtige Bad Godesberger (ein Bonner Stadtteil) zu den Gründungsmitgliedern der BSG Aktion Mensch. Die kleine Gruppe von sechs Aktion Mensch-Mitarbeitern sucht in erster Linie Spaß und „ein bisschen ausgleichenden Sport“, ist dabei aber recht erfolgreich. Die Mannschaft marschierte durch zwei aufeinanderfolgende Aufstiege von der dritten bis in die erste Liga der Betriebssportteams der Region durch und nimmt heute einen der oberen Tabellenplätze ein.

Mehmet Akdogan begann mit zwölf Jahren in Bonn beim SSV Plittersdorf Fußball zu spielen. Auf dem Rasen dieses Vereins, nicht weit entfernt von der Aktion Mensch-Zentrale, kickt er heute auch mit der Betriebssportgruppe. Bei der BSG ist Akdogan nicht auf die Rolle des Torwarts festgelegt: „Der Trainer sagt, ich bin Mädchen für alles: Ich kann vorne, hinten und im Mittelfeld spielen.“ Er fing im Sturm an, aber seitdem der Torwart aufhörte, spielt Akdogan bei der BSG im Tor. Jeden Montag trifft er sich mit den Kollegen gegen 19 Uhr zum Spiel. „Wir trainieren gar nicht, wir spielen ausschließlich“, erzählt der 31-Jährige. Das Team tritt gegen andere Feierabendteams an, die etwa von der Deutschen Welle oder der Bad Godesberger Polizei kommen. „Die Aktion Mensch unterstützt uns dabei finanziell und spendiert die Trikots.“

Dass er flexibel ist, beweist Mehmet Akdogan auch bei seinem Job bei der Aktion Mensch. Normalerweise beantwortet er im Servicecenter im Erdgeschoss am Telefon, per Post oder E-Mail routiniert Fragen von Kundinnen und Kunden zur Lotterie und den Losvarianten, nimmt Adress- oder Namensänderungen oder Bankverbindungen auf. Seit einigen Monaten hat er aber noch eine zweite Aufgabe, für die er an einem Teil seiner Arbeitszeit in ein Büro im dritten Stock wechselt: Akdogan unterstützt das Teilnehmermanagement der internen Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Aktion Mensch am 7. Oktober in Berlin.

„Dazu sind die Mitarbeiter der Aktion Mensch und darüber hinaus Gäste eingeladen, die uns auf unserem Weg begleitet haben und mit uns verbunden sind“, erzählt Akdogan. Nachdem alle Einladungen verschickt sind, fungiert Akdogan im Vorbereitungsteam als Ansprechpartner für alle Fragen der Gäste. „Momentan läuft die Anmeldephase. Die Leute rufen bei mir beispielsweise an, weil sie wissen wollen, wie sie zur Halle kommen oder ob sie noch jemanden mitbringen können.“ In diesen Tagen fängt Mehmet Akdogan damit an, all jene zu kontaktieren, die sich auf die Einladung noch nicht zurückgemeldet haben. Kurz vor der Veranstaltung geht sein Job in Berlin in die heiße Phase. „Wir machen dort die letzten Checks. Ich werde am Begrüßungs-Stand sitzen und die Gäste willkommen heißen, die ich teilweise ja schon vom Telefon kenne.“

Die wichtigste Eigenschaft, die man für seine zwei Jobs haben muss? „Empathie“, antwortet der 31-jährige sofort. „Man sollte sich in die Leute und ihre Situation hineinversetzen können. Auch flexibel muss man sein und immer ziemlich schnell schalten, was Sache ist.“ Damit hat Mehmet Akdogan keine Probleme, weder als Servicemitarbeiter noch als Hobbytorwart.


Linktipps:
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Beraten statt bedrängen. Ein Porträt über Stefan Weltring, dem Leiter des Aktion Mensch-Servicecenters

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„Jetzt könnte es gefährlich werden“

Blogger: Marcel Wienands, am 14.08.2014 um 18:32 Uhr

Marcel Wienands ist BVB-Fan. In diesem Jahr war er Besucher des Supercups. Bereits letztes Jahr hat der 22-Jährige genau diese Partie im Stadion erlebt – damals noch sehend. Jetzt hörte er zum ersten Mal die Blindenreportage im Stadion seiner Lieblingsmannschaft. Ein Erfahrungsbericht.

Marcel Wienands im Stadion

Marcel Wienands im Stadion

Die Vorfreude auf das hochbrisante Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund ist mir auch dieses Mal vor dem Supercup-Finale deutlich anzumerken. Seit ich denken kann, schlägt mein Herz für den BVB und für mich ist es fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden meinen Verein mehrmals pro Saison im Stadion anzufeuern. Dabei kam für mich eigentlich nie etwas anderes in Frage als Europas größte Stehplatztribüne, die Südtribüne. So auch bei meinem bislang letzten Stadionbesuch im vorherigen Jahr zu genau dem gleichen Spiel, dem Supercup-Finale der beiden Teams. Seitdem hat sich jedoch einiges geändert und ich feuere heute zum ersten Mal meine Mannschaft von speziell für Sehbehinderte eingerichteten Plätzen an. Mein Gefühl der Vorfreude mischt sich mit leichten Zweifeln, ob ich das Spiel überhaupt genießen kann, wenn ich ihm nicht wie gewohnt mit meinen eigenen Augen – und dazu noch abseits der Südtribüne – folge.

Stadion-Erinnerung

In Dortmund angekommen steigt die Spannung weiter und neben all den Dortmund-Fans fühle ich mich sehr vertraut. Besonders unmittelbar am Stadiongelände stellt die Menschenmenge jedoch ein großes Hindernis für mich dar, wobei ich mich in diesem Fall auf meine Begleitung verlassen kann. Der Block für Sehbehinderte befindet sich am Ende der Osttribüne direkt vor der Südtribüne. Das wird unmissverständlich deutlich, denn gerade am Platz angekommen, empfangen die Fans der Südtribüne die sich warmmachenden Spieler aus München mit einem lauten Pfeifkonzert. Die Stimmung und der Ablauf im Vorfeld des Spiels sind mir bekannt. Es ist schön wieder im Stadion zu sein, auch wenn es komisch ist, die Fans nicht sehen zu können. Ich stelle mir ein Bild des Stadions und der Fans so vor, wie ich es aus meinen Erinnerungen kenne. Ebenso versuche ich die vom Reporter beschriebenen Spielsituationen vor meinem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Von Vorteil ist es, dass ich die Spieler und deren Positionen gut kenne, wodurch ich in der Lage bin, das Spielgeschehen besser zu orten.

Als blinder Fußballfan seine Lieblingsmannschaft zu besuchen und dem Spiel folgen zu können, wie es für Sehende problemlos möglich ist, war bis vor einigen Jahren so nicht denkbar. Dank der Blindenkommentatoren, welche ähnlich wie im Radio mit genauen Spielbeschreibungen das Spiel für Nichtsehende über Kopfhörer greifbar machen, stellt ein Stadionbesuch für sehbehinderte Menschen heute kein Problem mehr dar. Ich persönlich finde es besser, die Kopfhörer nur einseitig zu tragen, damit ich mit dem freien Ohr die Stimmung, die von der Südtribüne ausgeht, besser genießen kann. Spannende Angriffe – häufig vom Reporter mit „Jetzt könnte es gefährlich werden“ eingeleitet – sorgen dafür, dass der Geräuschpegel so laut wird, dass ich mit der Lautstärke spielen muss, um dem Spielgeschehen weiter folgen zu können. Oft nehmen mir die anderen Fans die Antwort des Kommentars zum Spielgeschehen vorweg. Ein lautes Raunen oder sogar der Torjubel, zum Beispiel beim zweiten Tor, sind deutlich vor der entscheidenden Antwort des Kommentators wahrzunehmen.

Gänsehaut-Feeling

Der Schlusspfiff – und der Sieg – wird von den Dortmund-Fans von großem Jubel begleitet, der bei mir genau wie das Lied „You'll never walk alone“ vor dem Spiel Gänsehaut auslöst. Meine Euphorie wird zwar ein wenig getrübt, dadurch dass ich die Spieler bei der Ehrenrunde nicht sehe – aber an meinem äußerst positiven Gesamteindruck ändert das nichts. Mir hat die für Blinde zugeschnittene Reportage im Stadion wirklich sehr gefallen – was natürlich auch an der atemberaubender Kulisse lag. Ein wirklich besonderes Erlebnis!


Linktipps:
Supercup: Stadionfilm und Bildergalerie
Video: Inklusives Fußballtraining
Video: Einfach ist auf´m Platz
„Das Wunder von Bern“ in Einfacher Sprache


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Fußball verbindet

Blogger: Redaktion, am 11.08.2014 um 15:21 Uhr

Nicht nur ein Highlight für Fußballfans, sondern auch der Auftakt für unsere neue Kooperation mit der Bundesliga Stiftung der Deutschen Fußball Liga (DFL): das Supercup-Finale am 13. August 2014. Gemeinsam mit dem sportlichen Partner wird die Aktion Mensch Projekte im Sportbereich und so das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung fördern.

Insgesamt wird es drei größere gemeinsame Projekte geben, das erste war das Supercup-Finale, bei dem Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München spielen. Eine Besonderheit an diesem Spieltag: Zum ersten Mal wurden die Spieler von Einlaufkindern mit und ohne Behinderung ins Stadion geführt. Zudem gab es noch einige andere Aktionen am Spieltag, unter anderem Give-Aways und ein Stand der Aktion Mensch. Und: In der Halbzeitpause wurde der kurze Film "Fußball verbindet" gezeigt. In diesem konnten die Fußballfans sehen, wie sich Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam für Sport begeistern - und Behinderung zur Nebensache wird.

Pressemitteilung zur Kooperation

Eindrücke vom Supercup-Spiel

  • Sicht aufs Spielfeld: Ein großes Banner mit dem Supercup und ein kleines Banner mit dem Motto "Gemeinsam für Inklusion", davor die Spieler beider Mannschaften

    "Gemeinsam für Inklusion": Die Spieler beider Mannschaften mit den inklusiven Einlaufkindern vor dem großen Banner.

  • Die Einlaufkinder in der Kabine vorm Spiel

    "Spaghetti!" - Die Einlaufkinder mit und ohne Behinderung freuen sich auf ihren Einsatz.

  • Spieler mit Einlaufkind
    Thilo Schmülgen

    Jetzt kann es losgehen!

  • Weiterer Spieler mit Einlaufkind
    Thilo Schmülgen

    Einlaufkinder mit und ohne Behinderung führen die Spieler auf das Feld.

  • Thilo Schmülgen

    Das Thema "Gemeinsam für Inklusion" war im Stadion während des Spiels präsent.

  • Interview-Situation im Stadion
    Thilo Schmülgen

    Stadionsprecher Norbert Dickel (re.) interviewt Dr. Fritz Pleitgen, Kuratoriumsvorsitzender der Bundesliga-Stiftung, und Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch (li.) im Stadion.

  • Zwei junge Frauen mit ihren Stadion-Tickets.
    Thilo Schmülgen

    "Geil, einfach supergeil!" Das war das Fazit von Franziska und Viktoria nach dem Spiel. Sie hatten ihre Karten bei unserem Facebook-Gewinnspiel gewonnen.


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