Aktion Mensch-Blog

Barrierefreie Deutschlandpremiere

Autor: Redaktion, am 16.05.2012 um 17:46 Uhr

Auf dem Katholikentag in Mannheim: Die Aktion Mensch zeigt am Donnerstag, 17. Mai, um 18:30 Uhr im Kongresszentrum Rosengarten den Film „Deaf Jam“.

Zwei Frauen unterhalten sich in Gebärdensprache
Foto: Aktion Mensch

Der US-Dokumentarfilm handelt von zwei Frauen, die ein einzigartiges Duo bilden: Die hörende Palästinenserin Tahani und die gehörlose Israelin, Aneta. In ihren gemeinsamen Slam-Performances verbinden sie gerappte Lautsprache mit Gebärdensprache. Aneta ist eine gehörlose Pionierin in dieser Kunstform, die Kultstatus unter Jugendlichen erreichte.
Der Film ist ein Beitrag des im September anlaufenden Filmfestivals „überall dabei“ der Aktion Mensch. In 40 Städten werden sechs internationale Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt. Auf dem Katholikentag wie auch in allen künftigen Spielorten sind die Vorführungen barrierefrei: Alle Kinos sind rollstuhlgeeignet. Zudem setzt die Aktion Mensch Untertitel, Gebärdensprachdolmetscher, Audiodeskription für Menschen mit Sehbehinderung und eine Easy-Listen-Tonspur für Menschen mit Höreinschränkungen ein.
Donnerstag, 17. Mai 2012 um 18.30 im Rosengarten in Mannheim Donnerstag, 17. Mai 2012 um 18.30 im Rosengarten in Mannheim

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Es wird das größte Fest, das es in Europa jemals für blinde und sehbehinderte Menschen gab, versprechen die Veranstalter. Vom 1. bis 3. Juni findet im Berliner Tempodrom das zweite Louis-Braille-Festival der Begegnung statt. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein buntes Programm aus Kunst, Musik, Shows, Sport und Mitmachangeboten.

Zeichnung: Fröhliche blinde Menschen, die Sport, Musik und Kunst machen.
Illustration: DBSV / Klaus Müller

Highlights sind ein Comedy-Abend mit dem Kabarettisten Horst Evers am Freitag und eine Quizshow mit Moderatorin Nina Ruge am Samstag. Joana Zimmer, die derzeit mit ihren Auftritten in der TV-Tanzshow "Let's Dance" für Schlagzeilen sorgt, wird auf der Bühne stehen, außerdem Corinna May und die portugiesische Fado-Sängerin Dona Rosa. Festival-Besucherinnen und Besucher können sich am Kletterturm oder im Fahrsimulator amüsieren oder beim Malen, Modellieren, beim Schminken, Singen, Tanzen oder beim Blindenfußball-Schnuppertraining.

Das Louis-Braille-Festival findet anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) in Berlin statt. Der DBSV ist eigenen Angaben zufolge die älteste Selbsthilfe-Organisation Deutschlands.


Weitere Informationen:
Zum vollständigen Programm, Hinweisen zu Anreise und Unterkunft sowie zum Anmeldeformular für das Festival.


Und hier noch ein kleiner Vorgeschmack:
Video: Horst Evers – Elektronische Geräte
Video: Dona Rosa – Asa de Anjo

Autor: Heiko Kunert
Kategorie: Inklusion

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EM-Boykott Ukraine – ja oder nein?

Autor: Redaktion, am 15.05.2012 um 18:03 Uhr

Fussballspieler mit und ohne Behinderung in gelben Trikots
Foto: Marta Kusmierz (Polen) und Mascha Stahlberg (Ukraine)

Die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine steht im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik. Weil der inhaftierten Julia Timoschenko eine ausreichende medizinische Versorgung verweigert wird, häufen sich von Tag zu Tag die Stimmen, die einen Boykott des Gastgeberlandes Ukraine fordern. Zeit, einen Blick auf die Verhältnisse im Land zu werfen: Wer profitiert von der Europameisterschaft? Wie steht es um die Situation von Menschen mit Behinderung? Und wie zugänglich sind die Stadien? Lesen Sie den ganzen Artikel in Menschen. das magazin: Zum Team gehören alle

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"Wenn ich mich traue, kann das jeder"

Autor: Stefanie Wulff, am 15.05.2012 um 08:14 Uhr

Inklusion kann erfrischend sein. Zum Beispiel, wenn man Marianna Battaglia (31) aus Bonn trifft. Sie ist zweisprachig aufgewachsen und gibt Nachhilfeunterricht in Deutsch und Italienisch. Da sie sich selbst sprachlich nur sehr eingeschränkt äußern kann, verblüfft das zunächst einmal. Bis man ihre Unterrichtsmethoden kennenlernt ...

Marianna Battaglia
Marianna Battaglia

Mit 18 Jahren hatte Marianna Battaglia einen Kleinhirninfarkt, der ihr bis dahin so "normales Leben" auf einen Schlag beendete. Fünf Monate verbrachte sie hellwach, aber völlig unfähig, sich zu bewegen oder mit anderen zu kommunizieren. Es dauerte lange, bis man merkte, dass sie noch mit den Augen rollen und so mit der Außenwelt in Kontakt treten konnte. Marianna Battaglia hatte das Locked-in-Syndrom.

Schritt für Schritt zeigte die langjährige medizinische Behandlung Wirkung. Marianna machte ihr Abi nach und studierte in Italien Psychologie. Sie lebt nach wie vor mit starken Lähmungen, aber selbstständig mit Assistenz in einer eigenen Wohnung. Wenn man mit ihr spricht, tippt sie mit der linken Hand ihre Sätze in den Computer. Kennt man sie etwas länger, fällt es immer leichter zu verstehen, was sie sprachlich artikuliert. Aber ihre Worte sind erst einmal weit davon entfernt, Sprachschülern die korrekte Aussprache und Betonung von Vokabeln zu demonstrieren. Doch klassische Lehrbuchmethoden findet Marianna sowieso langweilig. "Sprachen lernen muss Spaß machen", findet sie.

Deutsch lernen mit den "Toten Hosen"

Mit Musik macht es besonders viel Spaß. Beim Deutschunterricht spielt sie gerne mal "Wenn Du am Boden bist" von den Toten Hosen vor. Die korrekte Aussprache des Textes hat Marianna von ihrer (deutschen) Mutter vorführen und davon ein Video drehen lassen. Das Gleiche gibt es auch für den Italienischunterricht, hier wird mit "Pensa" von Fabrizio Moro gearbeitet. "Das Lied reflektiert das Bild, das man im Allgemeinen von Italien hat: Pizza und Mafia", sagt sie augenzwinkernd. Erst lesen die Schüler den Text, dann schauen sie zusammen das Video und übersetzen den Text. Das Beste kommt zum Schluss: Schüler und Nachhilfelehrerin singen den Song gemeinsam. "Das macht besonders viel Spaß", sagt sie. "Weil ich überhaupt nicht singen kann!" Überhaupt fallen die Hemmungen, etwas falsch zu machen oder auszusprechen, bei ihr schneller als gewöhnlich. "Wenn ich mich traue, kann das jeder." Schon wieder ein Augenzwinkern. Je nachdem, wie weit fortgeschritten der jeweilige Nachhilfeschüler ist, passt Marianna ihre Lehrmethoden an und denkt sich neue Wege aus, die (Aus-)Sprachbarrieren auf beiden Seiten zu überwinden.

Wie kam sie überhaupt dazu, ausgerechnet Sprachunterricht zu geben? Zunächst einmal liebt sie Sprachen, vor allem die deutsche. "Die schönste und wärmste Sprache der Welt", nennt sie sie. Erstaunlich genug, aber das liegt wohl daran, dass es die Sprache ihrer Mutter ist, die sie schon hörte, bevor sie zur Welt kam, meint sie. Und so schmerzte es sie fast körperlich, als sie mitbekam, wie Schüler fluchten und stöhnten, als sie über ihre Bemühungen sprachen, die "kalte und komplizierte" deutsche Sprache zu lernen. Nach ihrem Masterabschluss in Psychologie hatte sie die Möglichkeit, während eines Praktikums im Bereich Entwicklungspsychologie zum ersten Mal Nachhilfe für Deutsch zu geben. Und entdeckte Freude an der und Talent für die Sache. Auch für ihre Schüler ist ihr ungewöhnlicher Unterricht ein Gewinn. Weil Schulnoten besser werden, Prüfungen leichter klappen und die Begeisterung von Marianna einfach ansteckend wirkt.

Nachhilfe als Ehrenamt

Ihr Nachhilfeunterricht kostet übrigens nichts – sie macht das ehrenamtlich. Hauptberuflich ist sie zurzeit bei einem Unternehmen tätig, das internationale Studenten und Wissenschaftler an deutsche Hochschulen vermittelt. Beim Unterrichten geht es ihr um den Spaß an der Sache und der Sprache und vor allem um den menschlichen Kontakt. "Das ist wie ein Energietank für mich", sagt sie.

Wer sich für Nachhilfestunden interessiert, kann Marianna Battaglia unter battagliamarianna@googlemail.com kontaktieren.

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„Dabei sein – die Vielfalt aufnehmen und genießen“

Autor: Ulrike Pfaff, am 14.05.2012 um 10:40 Uhr

Menschen mit Behinderung auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim:
Mit rund 135.000 Euro von der Aktion Mensch unterstützt, wird der bevorstehende 98. Katholikentag in Mannheim so barrierefrei wie nie zuvor. Für viele Menschen mit Behinderung verbessern sich dadurch die Teilhabemöglichkeiten oder wird eine Teilnahme an dieser Großveranstaltung überhaupt erst möglich. Auch eine 23-köpfige Besuchergruppe mit und ohne Behinderung aus Essen profitiert vom „Katholikentag barrierefrei“ – schon heute.

Plakat vom deutschen Katholikentag 2012: Titel: Den Aufbruch wagen mit einem roten Rucksack
Katholikentag, Mannheim

Justus Könemann zählt laut nach: 17 Menschen mit Behinderung und sechs freiwillige Begleiter werden sie sein, wenn sie am 98. Katholikentag teilnehmen. Schon seit Wochen freuen sie sich darauf, berichtet der Diakon vom Franz Sales Haus in Essen – allen vorhersehbaren Strapazen zum Trotz. Von Essen aus wird es mit dem Zug nach Mannheim gehen, danach mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter zum Gemeinschaftsquartier, einer weitgehend barrierefreien Schule, in der sie auf Feldbetten nächtigen werden. Eine echte Verbesserung sei das im Vergleich zu anderen Katholikentagen, sagt Justus Könemann, wo sie auch schon auf Matten schlafen mussten.
Einige der Gruppe haben bereits Erfahrungen auf vergangenen Katholikentagen sammeln können. Für andere ist es das erste Mal und bedeutet: Raus aus dem ambulant betreuten Wohnen oder dem geschützten Raum einer anderen Einrichtung des Sales-Hauses und rein in das Abenteuer einer fünftägigen Großveranstaltung – Teil werden von 60.000 zu erwartenden Besuchern insgesamt und am Ende sagen können: Hey, ich war dabei!

17 Männer und Frauen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, zum Teil im Rollstuhl, sicher durch jede Menge Menschen und Veranstaltungen zu begleiten, will gut organisiert sein. Allein eine Entscheidung aus 1.200 Einzelveranstaltungen zu treffen, bedeutet für Könemann die Qual der Wahl. Zur besseren Orientierung hat der Veranstalter mit Unterstützung der Aktion Mensch für die Besucher mit Behinderung verschiedene barrierefreie Publikationen herausgegeben. Darunter auch Programmtipps in Leichter Sprache. Die sind für die Gruppe um Könemann besonders interessant, weil sonst die Veranstaltung „ein Dschungel wäre, in dem sie sich völlig verlieren würden“.

Erfahrung aus früheren Veranstaltungen haben ihnen gezeigt: Weniger ist mehr. „Wir werden das Programm nicht randvoll packen. Wir planen so, dass jeder Tag seine Highlights hat und jeder Teilnehmer die Gelegenheit erhält, über die Kirchenmeile zu flanieren, dort die Buntheit aufzunehmen und zu genießen.“ Fest eingeplant ist der Besuch am Stand vom Bistum Essen, um dem Bischof persönlich die Hand zu schütteln. Auch ein Abstecher zum Stand der Aktion Mensch ist vorgesehen. Dort wird das Inklusions-Eis probiert und getestet, wie Vielfalt schmeckt.

Für Könemann ist der Inklusionsgedanke auf dem Katholikentag bereits aufgegangen. Akzeptiert und angenommen fühlt er sich mit seiner Gruppe insbesondere auch deshalb, weil diese Veranstaltung „eine Art Netz aufspannt, das einen auffängt, wenn die Kräfte nachlassen“. Erstmals in der Geschichte des Katholikentages wird ein Service- und Begegnungszentrum eingerichtet, in dem die Besucher auch Erholung finden. Hier kann man Kontakte knüpfen, sich Rollstühle leihen oder Rollatoren – oder sich in eigens eingerichteten Ruheräumen eine Auszeit gönnen. Von diesen Angeboten wird auch seine Gruppe profitieren, das weiß Könemann schon jetzt. „Unsere Gruppe braucht immer wieder Ruhepausen, um sich von der Fülle der Eindrücke zu erholen. Ohne diese Unterstützung wäre der Katholikentag für Teilnehmer wie uns eine komplette Überforderung.“ Eine Teilnehmerin der Gruppe zum Beispiel wird nur deshalb mitfahren, weil sie weiß, dass sie genau diese Einrichtung nutzen kann.

160 Euro wird jeder der Gruppe für den Ausflug zum Katholikentag zahlen. Darin enthalten sind die Übernachtungen mit Frühstück, das Ticket zur Veranstaltung und die Fahrten mit der Bahn. Auch das Essen ist darin schon eingerechnet – der „Katholikenteller“ für sechs Euro in einem zentral gelegenen Restaurant und das Abendessen, das sie täglich selbst in der Schule zubereiten wollen. 160 Euro – das klingt viel für jeden Einzelnen, meint Diakon Könemann. Und ist zugleich wenig, denn ohne Zuschüsse, Ermäßigungen, freien Eintritt und Unterstützung von lokalen Unterstützern wäre die ganze Reise unrealisierbar.

„Für uns ist wichtig, dass sich der Katholikentag zu einem Gruppengeschehen entwickelt, bei dem Jeder und Jede auf den anderen achtet und begreift: Ich bin ein wichtiger Teil vom Ganzen.“ Genau das ist es, was Könemann an diesen Katholikentagen so fasziniert: Nicht die Vorträge, nicht die öffentlichen Diskussionen, nicht die Veranstaltung hier oder da. Sondern die innere Reise mit seiner Gruppe, „von der man nie weiß, wohin sie führt“. Könemann erinnert sich an einen Teilnehmer vom Katholikentag in Saarbrücken, der schon lange vorher aufgehört hatte zu sprechen, aber im Lauf der Veranstaltung seine Sprache wiederfand. Mit den Worten „Ich habe eine Botschaft“ meldete er sich zurück ins Leben – und redete sich vor seiner Gruppe frei. „Sechs Jahre ist das her, aber das vergisst man nie.“

Aktion Mensch auf dem Katholikentag 2012

Besuchen Sie die Aktion Mensch auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim. Vom 17. bis 19. Mai informiert die Soziallotterie an ihrem Stand auf der Kirchenmeile (Marktplatz, G1) über ihr Engagement und bringt das Thema Inklusion auf die Veranstaltung. In einer barrierefreien Eisdiele machen wir unseren Besuchern den Teilhabegedanken schmackhaft: Das Aktion Mensch-Inklusions-Eis ist kostenlos und steht für die Vielfalt unserer Gesellschaft – probieren Sie's! Barrierefrei ist auch die Filmpräsentation von „Deaf Jam“ am 17. Mai im Rosengarten. Protagonistin der US-amerikanischen Produktion ist die gehörlose israelische Teenagerin Aneta, die in New York die Gebärdensprach-Poesie entdeckt und gemeinsam mit einer hörenden Slam-poetin aus Palästina ihr Publikum begeistert. Der Film ist mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte versehen und wird von einem Gebärdensprachdolmetscher begleitet.

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Master of Inklusion?

Autor: Eva Keller, am 12.05.2012 um 16:42 Uhr

Geredet wird viel über die Chancen und Grenzen von Inklusion. Und von Kindergärten und Schulen wird erwartet, dass sie den Worten Taten folgen lassen – also sich für Kinder mit Behinderung öffnen. Aber: Einfach mal machen, und dann "learning by doing"? Das kann man zwar versuchen. Doch diese Devise behagt nicht allen Erziehern, Lehrern und Eltern.

Ein Dozent vor Studierenden in einem Seminarraum.
Seminar an der Uni Hildesheim

Aus- und Weiterbildung in Sachen Inklusion ist zweifellos gefragt – und es scheint, als würde sich etwas tun auf diesem Markt. Ein Beispiel ist der berufsbegleitende Lehrgang "Fachkraft für Inklusion" für Erzieher, den das Kolping-Bildungswerk Köln im Herbst startet. Denn während in der Erzieher-Ausbildung der Umgang mit Kindern mit Behinderung nur gestreift wird, soll der Lehrgang die Möglichkeit geben, sich intensiv mit Theorie, eigenen Haltungen und Wahrnehmungen sowie mit Methoden aus der inklusiven Praxis zu beschäftigen.
Auch der berufsbegleitende Master "Inklusive Pädagogik und Kommunikation" der Uni Hildesheim will jene stärken, die bereits mitten im Berufsalltag stehen und inklusive Pädagogik umsetzen wollen. Lehrer und Schulleiter (die sich in der Regel im Rahmen ihres Pädagogik-Studiums nur punktuell mit Behinderung und Inklusion beschäftigt haben) erfahren hier viel Neues über Diagnostik, Selektion und Schulerfolg, über didaktische Konzepte, den Umgang mit Konflikten und wie sie ihre Schule in eine inklusive Schule verwandeln können.

Was ist wirklich neu?

So weit, so gut. Doch reicht die Idee von "Inklusion" aus, um gleich ganze Studiengänge zu begründen? Lernen die angehenden Lehrer zum Beispiel den Umgang mit heterogenen Gruppen oder Konflikten nicht auch in herkömmlichen Pädagogik-Studiengängen? Oder haben Marketing-Experten nur ein attraktives Label über das Studienprogramm geschrieben?
Die Uni Siegen jedenfalls nimmt für sich in Anspruch, mit dem Bachelor "Pädagogik: Entwicklung und Inklusion" etwas Neuartiges anzubieten, das sich gleichermaßen von den herkömmlichen Studiengängen Pädagogik, Sonderpädagogik und Soziale Arbeit unterscheidet: "Es handelt sich um einen pädagogischen Studiengang, der dennoch auf Benachteiligungen in unserer Gesellschaft blickt", stellt Sonja Köhler, wissenschaftliche Koordinatorin des Studiengangs, klar. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes Inklusion: Benachteiligung nicht allein aufgrund von Behinderungen, sondern auch aufgrund ausländischer Herkunft oder Alter. Ein zweites Charakteristikum ist, dass Facetten von Inklusion und Exklusion aus soziologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht betrachtet werden. Und zum Studium gehört eine Praxisphase, die sich über drei von sechs Semestern zieht: Studierende erarbeiten Konzepte zur Inklusion an ihrem Einsatzort – wie Jugendhaus, Altenheim, Kindergarten, psychiatrische Klinik – und reflektieren Erfolge und Misserfolge sowie Unterschiede zwischen den Einrichtungen in regelmäßigen Treffen mit Kommilitonen und Professoren.

Den Blick öffnen

Den Blick für mehr als eine Gruppe zu öffnen: das ist wohl das verbindende Element solcher "Inklusions-Studiengänge", zu denen auch der Bachelor "Inklusive Frühpädagogik" an der Hochschule Emden/Leer sowie der Master "Soziale Inklusion: Gesundheit und Bildung" an der Evangelischen Fachhochschule Bochum zählen. Der Emdener Studiengang ist offen für Frauen und Männer, die bereits Berufserfahrung als Erzieher, Heilerziehungspfleger, Ergotherapeut oder Ähnlichem gesammelt haben und die auf die Arbeit in interdisziplinären Teams in Kitas vorbereitet werden sollen. Und auch hier geht es darum, nicht nur für die Belange von Kindern mit Behinderung zu sensibilisieren, sondern die Bedürfnisse von Kindern aus armen und/oder Migrantenfamilien wahrnehmen zu lernen. Für mehr "Interkulturelle Kompetenz" soll deshalb zusätzlich ein vierwöchiges Auslandspraktikum sorgen.
Neu ist dieser Studiengang übrigens nicht: Er startete schon 2004 mit den beschriebenen Inhalten, damals aber noch unter dem Namen "Integrative Frühpädagogik". Die Zeit war noch nicht reif für den Begriff Inklusion", sagt die Studiengangsverantwortliche Prof. Dr. Andrea Caby. Für die Zukunft hofft sie, dass der Begriff Inklusion gar nicht mehr notwendig sein wird, um einen Studiengang zu beschreiben – weil die Idee vom gemeinsamen Lernen bei gleichzeitiger Achtung der Vielfalt der Kinder dann selbstverständlich sein wird.

Weitere Kreise ziehen

Bis dahin ist es sicher gut und hilfreich, wenn der Begriff "Inklusion" im Aus- und Weiterbildungsangebot Aufmerksamkeit schafft und immer weitere Kreise zieht. Ob die einzelnen Angebote tatsächlich – dank der Aufhebung der Trennung zwischen Pädagogik und Sonderpädagogik in der Theorie und dank Praxisprojekten, die inklusiven Unterricht, Freizeitgestaltung und Gesundheitsversorgung versuchen – ausreichend für die Praxis qualifizieren, werden die Absolventen selbst am besten beurteilen können. Und an dieser Stelle dann hoffentlich von ihren Erfahrungen berichten ...


Die Aus- und Weiterbildungsangebote im Überblick:



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Autor: Eva Keller
Kategorie: Inklusion

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