Aktion Mensch-Blog

Assistenz oder Betreuung?

Blogger: Anastasia Umrik, am 07.08.2012 um 08:17 Uhr

Eine Betreuerin beugt sich über eine alte Frau, die auf ihrem Bett sitzt. Altenhilfe: Hier ist Betreuung notwendig. – Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

"Wissen Sie, das ist keine typische 'Betreuung'. Sie begleitet mich lediglich und unterstützt mich bei Sachen, die ich nicht selbst kann", dabei zeige ich mit der Hand auf die junge, attraktive Frau neben mir. Meine Assistentin. "Aber nur, wenn ich es will!", füge ich fast rechtfertigend hinzu.
"Betreut wird jemand zum Beispiel, der das Geld nicht selbst verwalten kann, oder jemand, der nicht sagen kann, wann er essen möchte. Bei mir ist es anders – ich hoffe, man merkt es?!" Ich lache. Immer muss ich scherzen! Dabei finde ich es so langsam gar nicht mehr lustig.

Was ist eigentlich "Betreuung"?

Betreuung von Kindern und Jugendlichen wird notwendig, wenn deren Wohl gefährdet ist. Die Nachbarn bemerken, dass etwas "komisch" ist und rufen das Jugendamt. Nach sämtlichen Überprüfungen bekommt die Familie einen Betreuer oder eine Betreuerin gestellt, eventuell werden die Kinder und die Jugendlichen gesondert betreut. Bis zum achtzehnten Lebensjahr haben die zu Betreuenden kaum Mitspracherecht – sie haben zu tun und zu lassen, was der gesetzliche Vormund zulässt. (Vielleicht gibt es da auch Ausnahmen ... aber die Ausnahmen sind selten die Regel.)

Betreuung von alten Menschen ist unumgänglich, wenn ein Mensch ein Alter erreicht, in dem er nicht mehr weiß, wozu das Essbesteck da ist, wie man die Toilette benutzt und wer diese jungen Menschen sind, die zu Besuch kommen und immer die gleiche Frage stellen: "Na, Oma, wie geht es dir denn heute?"

Betreuung behinderter Menschen beinhaltet Assoziationen mit Rollstuhlschieben, Kopfstreicheln, für den behinderten Menschen antworten (grundsätzlich immer!) und sich um das Wohl des "Behindis" sorgen: essen, schlafen und warm anziehen. Mehr braucht das Wesen nicht.
Jedes Mal, wenn mich jemand fragt: "Wo ist Ihre Betreuerin?" oder "Kommt Ihre Betreuerin mit?", fühle ich mich machtlos. Wehrlos. Rechtlos. Schwach. Ja, behindert.

Mir gefällt der Sinn der "Betreuung" nicht immer, und schon gar nicht, wenn es mit Bevormundung gleichgesetzt wird. Was sagen Sie dazu, lieber Leser?

Müssen Sie auf die Toilette?
Wirklich nicht?
Aber Sie waren schon seit zwei Stunden nicht!
Hat Ihnen das Essen heute gut geschmeckt?
Oh, es war zu salzig?!
Dann müssen Sie jetzt aber etwas trinken!
Nein, nichts Gesüßtes, das tut Ihnen nicht gut.
Sie sitzen viel zu viel auf Ihrem Bürostuhl.
Ich finde, Sie sollten freundlicher zu Ihren Kollegen sein ... manchmal sind Sie so unausstehlich biestig und echt ein Kollegenschwein!
Denken Sie darüber nach ... aber ich weiß es sowieso besser.


Mehr zum Thema:
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Anastasia Umrik

Blogger: Anastasia Umrik
Kategorie: Inklusion

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